Die Behandlung der Schweinegrippe sei "intellektuelles, strategisches (....) Chaos, wie es wohl in den letzten Jahrzehnten im deutschen Gesundheitssystem kein Vergleichbares gegeben hat. Das größte Manko bei der ganzen Geschichte, um die Schweinegrippe, war die Kommunikation. Das war ein absolutes Desaster." Mit diesen Worten beschreibt Gerd Antes, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Leiter des Deutschen Cochrane-Zentrums, die unzulängliche Kommunikation der Ärzte, Experten und Gesundheitsinstitute zum Thema Schweinegrippe, die von widersprüchen, teils spekulativen Aussagen dieser, der Fehlinterpretationen von Tatsachen und einer subjektiven Berichterstattung der Medien geprägt ist. Diese lückenhafte Kommunikation ist größtenteils im fehlenden Fachwissen und Datenmaterial der noch wenig erforschten Schweinegrippe begründet. Da dies viele Menschen irritiert und verunsichert, steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung einer Impfung gegen die Schweinegrippe skeptisch gegenüber. Dieser Kommentar verdeutlicht also, wie wenig Fakten und Zahlen über die Zusammenhänge und Hintergründe der Schweinegrippe existieren beziehungsweise bekannt sind.
Deshalb wird die vorliegende Arbeit die Rolle der Pharmaunternehmen bezüglich der Schweinegrippe und die Sichtweise von Gesundheitsinstituten und der Bevölkerung zur Schweinegrippe erläutern und analysieren. Dabei soll die Frage untersucht werden, ob Pharmaunternehmen die oben beschriebene Wissenslücke und Verunsicherung der Menschen ausgenutzt haben, um das Bild von der Schweinegrippe in der Öffentlichkeit gezielt zu beeinflussen.
Dazu werden im ersten Teil der Arbeit die theoretischen Grundlagen zur Schweinegrippe erläutert, insbesondere die Definition, Merkmale und aktuelle Zahlen zur Schweinegrippe. Der zweite Teil stellt die Bedeutung der Pharmaunternehmen im Verlauf der Schweinegrippe unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften dar. Anschließend wird die Bedeutsamkeit der wichtigsten Gesundheitsinstitute und Behörden im Kontext der Schweinegrippe erklärt. Im letzten Teil der Arbeit werden vier ausgewählte, repräsentative Meinungsumfragen untersucht und ausgewertet, um die Sichtweise der deutschen Bevölkerung zur Schweinegrippe und Schweinegrippeimpfung darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Definition Grippe
2.2 Virustypen
2.3 Namensgebung und –bedeutung der Neuen Grippe
2.4 Abgrenzung der Schweinegrippe zur saisonalen Grippe
2.5 Chronologie der Schweinegrippe 2009
2.6 Aktuelle Zahlen zum Erkrankungsstand, Letalität und Altersverteilung
2.7 Definition Pandemie, Epidemie, Endemie, Seuche
2.8 WHO Pandemiephasen
2.9 Historischer Hintergrund zu bisherigen Grippepandemien im 20. Jahrhundert
2.10 Pandemieplan
3 Rolle der Pharmaunternehmen
3.1 Geschichte des Pharmaunternehmens
3.2 Gesellschaftliche Bedeutung eines Pharmaunternehmens
3.3 Ziele der Pharmaunternehmen
3.4 Gesetzliche Grundlagen
3.5 Die forschende pharmazeutische Industrie
3.6 Markt in der Bundesrepublik Deutschland
3.7 Marktteilnehmer im Pharmamarkt
3.8 Pharmamarketing
3.9 Stellungnahme der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zur Schutzimpfung gegen die neue Influenza A (H1N1)
4 Politik und Medien
4.1 Gesetzliche Grundlagen und Rahmenbedingungen
4.2 World Health Organisation
4.3 Robert-Koch-Institut (RKI)
4.4 Paul Ehrlich Institut
4.5 Friedrich-Löffler Institut (FLI)
4.6 Gesundheitsämter
4.7 Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
4.8 Kommunikation und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit
5 Sichtweise der Bevölkerung zur Schweinegrippe
5.1 Erhebungsmethoden
5.2 Analyse und Auswertung von Meinungsumfragen zur Schweinegrippe
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Projektarbeit untersucht die Rolle der Pharmaunternehmen im Kontext der Schweinegrippe (H1N1) 2009 und analysiert dabei, wie Gesundheitsinstitute sowie die deutsche Bevölkerung die Situation wahrgenommen haben. Ziel ist es zu klären, ob Wissenslücken und Verunsicherungen von Pharmaunternehmen ausgenutzt wurden, um das öffentliche Bild der Pandemie gezielt zu beeinflussen.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen zur Schweinegrippe
- Rolle und wirtschaftliche Ziele der Pharmaunternehmen
- Gesetzliche Rahmenbedingungen im deutschen Pharmamarkt
- Kommunikationsstrategien von Behörden und Instituten
- Analyse der Impfbereitschaft in der deutschen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichte des Pharmaunternehmens
Das Wort Pharmazie stammt von dem griechischen Wort pharmakon ab und heißt übersetzt Heilmittel und Heilkraut.14 Der Ursprung der Arzneimittel reicht bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte mit ein. „Arzneimittel sind rückdatierbar bis auf 2100 v. Chr., und alle großen Kulturen trugen zur Weiterentwicklung der Medizin und Heillehre bei.“ 15
Die größten Meilensteine waren im 13. Jahrhundert als Friedrich II., römisch-deutscher Kaiser (1194 - 1250), das Gesundheitssystem in Deutschland reformierte. Der Arztberuf und der Beruf des Apothekers wurden getrennt. Nun war für die Zubereitung des Arzneimittels nur noch der Apotheker zuständig, der Arzt verordnete die Medikamente und verkaufte sie.
Justus Liebig (1803 - 1873) legte ein neues Ausbildungskonzept vor, so dass Deutschland über eine Vielzahl sehr guter Chemiker verfügte. Durch den Fortschritt in der Chemie und Physik konnte mit der Forschung der Wirkung von Arzneimitteln begonnen werden. „Die Möglichkeit, Arzneimittel synthetisch und in großen Mengen herzustellen, führt im 19. Jahrhundert zur Entstehung der pharmazeutischen Industrie.“16
Durch die Sozialgesetzgebung von Otto von Bismarck im Jahr 1883 stieg die medizinische Versorgung an, da nun die Menschen versichert waren und Ärzte sowie Apotheken aufsuchen konnten. Apothekerlaboratorien entwickelten sich zu Großbetrieben in kürzester Zeit. Es mussten mehr Mengen produziert werden und somit kam es zu der Trennung von Apotheke und pharmazeutischer Fabrik.
Das Pharmaunternehmen ist somit eine junge Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung, Forschung, Herstellung sowie mit der Wirkung und Abgabe der Arzneimittel beschäftigt. Ein sehr wichtig gewordener Teil ist auch die Vermarktung der hergestellten Arzneimittel durch die Pharmaunternehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das "kommunikative Desaster" im Umgang mit der Schweinegrippe und leitet die Forschungsfrage nach der Rolle der Pharmaunternehmen bei der Beeinflussung des öffentlichen Bildes her.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert medizinische Definitionen, die Chronologie der Ereignisse im Jahr 2009 und grenzt verschiedene Krankheitsbegriffe wie Pandemie und Epidemie voneinander ab.
3 Rolle der Pharmaunternehmen: Hier werden die historische Entwicklung, die wirtschaftlichen Ziele, gesetzliche Rahmenbedingungen sowie der Entwicklungsprozess und das Marketing von Impfstoffen detailliert beleuchtet.
4 Politik und Medien: Dieser Abschnitt analysiert die Aufgaben und das Verhalten staatlicher Behörden (RKI, PEI, BfR, Gesundheitsämter) sowie die Rolle der Medien bei der Informationsvermittlung zur Schweinegrippe.
5 Sichtweise der Bevölkerung zur Schweinegrippe: Das Kapitel widmet sich der Analyse von Meinungsumfragen, um die Impfbereitschaft und die Gründe für die Impfmüdigkeit innerhalb der Bevölkerung darzustellen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Pharmaindustrie kaum Spielraum für Manipulationen hatte, sondern die unklare Kommunikation der Experten das Hauptproblem darstellte.
Schlüsselwörter
Schweinegrippe, H1N1, Pandemie, Pharmaunternehmen, Impfbereitschaft, Arzneimittelgesetz, Robert-Koch-Institut, WHO, Gesundheitsökonomie, Kommunikation, Impfstoffe, Bevölkerungsmeinung, Arzneimittelwerbung, Risikobewertung, Infektionsschutzgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Pharmaunternehmen während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 sowie die Kommunikation staatlicher Stellen und die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die pharmazeutische Produktentwicklung, die gesetzlichen Grundlagen des Pharmamarktes, das Verhalten von Behörden wie dem RKI und die Analyse der Impfskepsis in der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Projektarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, ob Pharmaunternehmen die bestehende Verunsicherung der Menschen gezielt ausgenutzt haben, um die öffentliche Meinung zur Schweinegrippe zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Sekundärforschung durch die Auswertung vorhandener Fachliteratur, Online-Publikationen, amtlicher Daten sowie Meinungsumfragen zur Impfbereitschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Grippe, die ökonomische und strategische Rolle der Pharmaindustrie, das Handeln von Politik und Medien sowie die Sichtweise der Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation am besten?
Die zentralen Begriffe sind Schweinegrippe (H1N1), Pandemie, Pharmaunternehmen, Impfbereitschaft und Gesundheitskommunikation.
Inwiefern hat das "kommunikative Desaster" die Impfbereitschaft beeinflusst?
Die widersprüchlichen Aussagen von Experten und Medien führten zu großer Verunsicherung, was laut Arbeit der Hauptgrund für die Impfmüdigkeit der Bevölkerung war.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Pharmaunternehmen?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Pharmaunternehmen strengen gesetzlichen Auflagen unterlagen und Lobbyismus in diesem Fall eher unwahrscheinlich war, da das Zeitfenster für solche Strukturen zu kurz war.
- Quote paper
- Istwan Grunack (Author), 2010, Die Schweinegrippe aus Sicht verschiedener Interessengruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192468