Visuelle Wahlkampfkommunikation

Ein Forschungsfeld der Kommunikationswissenschaft in Deutschland


Hausarbeit, 2011
15 Seiten

Leseprobe

Inhalt:

I. EINLEITUNG

II. HAUPTTEIL
2.1 Theoretische Grundlagen zur visuellen Kommunikation
2.1.1 Definition visueller Kommunikation
2.1.2 ForschungsgegenstandundErkenntnisinteresse
2.1.3 Wirkungsforschung
2.2 Visuelle Wahlkampfkommunikation
2.2.1 Politische Bilder und politische Werbung
2.2.2 Forschungsstand
2.2.3 Visuelle Wahlkampfkommunikation am Beispiel Wahlplakat
2.2.4 Analyseansätze

III. FAZIT

IV. LITERATURVERZEICHNIS

I. Einleitung

Bilder umgeben uns überall. Ihre Vielzahl macht es dabei um so schwerer die Fülle der Informationen zu filtern. Welche Bilder sind glaubwürdig? Welche Zielsetzung verfolgtjedes einzelne von ihnen? Gerade im Zeitalter der Massenmedien rezipieren wir täglich eine Bilderflut, die in uns eine Vielzahl kognitiver und emotionaler Reaktionen auslöst. Sie versucht uns bestimmte Botschaften mitzuteilen, unsere Gedanken zu lenken und/oder unsere Entscheidungen zu beeinflussen. Oftmals sind uns Ziel und eine Wirkung der visuell vermittelten Informationen nicht bewusst.

In Zeiten des Wahlkampfes ist die Zielsetzung der politischen Wahlwerbemittel eindeutig: Wählergewinnung und somit Stimmenmaximierung sowie Kampf gegen die Politikverdrossenheit. Die visuelle Wahlkampfkommunikation ist ein sehr komplexes Phänomen der Informationswahrnehmung und Verarbeitung, das seit einigen Jahren mithilfe der Kommunikationswissenschaft untersucht wird. Sie versucht durch eine Symbiose aus Politik- und Bildwissenschaft die Strukturen und Prozesse hinter der visuellen Kommunikation darzulegen und zu erklären.

Diese Arbeit befasst sich ausschließlich mit politischen Bildern im Rahmen der visuellen Wahlkampfkommunikation in Deutschland. Sie legt die Grundlagen der visuellen Kommunikation dar und zeigt den Forschungsstand der visuellen Wahlkampfkommunikation aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht auf. Auf Grundlage verschiedener wissen­schaftlicher Publikationen wird auf die Möglichkeiten der Analyse und Wirkung der komplexen Phänomene im Wahlkampf eingegangen. Als konkrete Kommunikationsform wird das Wahlplakat genauer in den Fokus gerückt.

II. Hauptteil

2.1 Theoretische Grundlagen zur visuellen Kommunikation

2.1.1 Definition visueller Kommunikation

Das Forschungsgebiet der visuellen Kommunikation erscheint auf den ersten Blick fast so unübersichtlich wie sein Forschungsgegenstand (vgl. Knieper und Müller 2001, S. 13). Nach Müller umfasst dieses Forschungsgebiet „visuelle Phänomene“, die sich in Form von Bildern materialisieren; auch bewegte Bilder und „dreidimensionale Artefakte“ werden mit einbezogen (ebd. S. 13-14). Dieses junge Forschungsfeld ist eine Teildisziplin der Kommunikationswissenschaft und befindet sich immer noch in einer dynamischen Entwicklung. Es vereint verschiedene geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche Disziplinen, z.B. die Bildwissenschaft und Politikwissenschaft. Dabei ist zu beachten, dass in den letzten Jahren die textlichen Komponenten im politischen Bereich fokussiert wurden und es eine überschaubare Anzahl an Studien im deutschsprachigen Raum im visuellen Bereich dazu gibt (vgl. Kappas und Müller, 2006, S. 15). Die visuelle Kommunikation fordert eine stärkere wissenschaftliche Beachtung und eine einheitliche neue Herangehensweise.

„Visuelle Kommunikation folgt einer eigenen, nicht-rational-argumentativen Logik. Das Prinzip dieser Logik ist die Assoziation. Assoziationen sind nicht rational erklärbar, sie beruhen auf Vorbildern, deren Bedeutungen analytisch dechiffrierbar und damit interpretierbar sind.“ (Knieper und Müller 2001, S. 22).

Deswegen sollten visuelle Aspekte nicht mit den bestehenden Methoden erforscht werden, die nur für die Analyse textlicher Kommunikation adäquat erscheinen. Marion G. Müller kommt zu dem Schluss, dass visuelle Kommunikation „eigenen, visuellen Kriterien“ folgt, „die in Zukunft beim wissenschaftlichen und journalistischen Schreiben über Bilder und visuelle Kommunikationsprodukte stärker berücksichtigt werden müssen, um die Wirkung der Bilder weder zu über- noch zu unterschätzen.“ (Knieper und Müller, 2001, S. 13).

Die visuelle Kommunikationsforschung hat aber auch Einfluss auf die Bildwissenschaft, indem sie „den Blick für die Produktions- und Rezeptionsfelder schärft sowie Methoden bereithält um diese Kontext und Umbilder zu erschließen.“ (Müller 2003, S. 261). Die verschiedenen Forschungsansätze und wissenschaftlichen Zugänge aus anderen Studien­fächern (wie z.B. Bildhermeneutik oder psychologische Ansätze) stellt Marion G. Müller in Ihrem Lehrbuch „Grundlagen der visuellen Kommunikation“ vor (vgl. Müller 2003). Hier weist sie erneut auf den Umstand hin, dass es sich bei der visuellen Kommunikations­forschung immer noch um ein Randthema handelt: „Visuelle Kommunikationsforschung und die intensive Beschäftigung mit dem Bild, seinen Funktionen, Bedeutungen und Wirkungen ist - mit Ausnahme der Kunstgeschichte - bis dato eher ein Thema am Rand als im Zentrum derDisziplinen.“ (Müller2003, S. 121).

2.1.2 Forschungsgegenstand und Erkenntnisinteresse

In der Wissenschaft ist der Bildbegriffje nach Disziplin unterschiedlich definiert und kontro­verse Debatten bis heute gegeben. Dennoch sind sich die Forscher einig, dass Bilder sich er­heblich schneller aufnehmen lassen als Texte, zudem werden sie oft für glaubwürdiger gehal­ten und spielen im alltäglichen Leben als „Fenster zur Welt“ eine große Rolle. Täglich wirken eine Vielzahl unterschiedlichster Bilder auf uns ein und ihre Bedeutung in der multimedialen und vernetzten Welt scheint stets zuzunehmen. Der schwer erfassbare polysemische Charakter von Bildern erfordert eine eigene Analyse- und Interpretationsmethode, die sich von Textana­lyse und Textinterpretation unterscheidet (vgl. Müller 2003, S. 10). In „Kommunikation visu­ell“ (Knieper und Müller, 2001) untersucht Müller in Kapitel I das Potential der Bildwissen­schaft in methodischer, theoretischer und forschungsstrategischer Absicht. Sie unterscheidet zwischen materiellen Bildern/Abbildern und immateriellen Bildern/Denkbildern. Nach ihr be­schäftigt sich die visuelle Kommunikationsforschung mit den konkreten materiellen Abbil­dern und klammert die rein immaterielle Bilder - „Denkbilder“ - in diesem Bereich aus (vgl. Müller 2003, S. 20).

Ziel des jungen Forschungsgebietes der visuellen Kommunikationsforschung ist nach Müller die „Prozesse visueller Wahrnehmung und visueller Kommunikation transparent [werden zu lassen]“ und der Versuch „sie zu erklären“ (Müller 2003, S. 13). Müller unterteilt die diversen Fragestellungen und Methodenansätze in drei unterschiedliche Ebenen visueller Kommunikationsforschung: Produktionsanalyse - Produktanalyse - Wirkungsanalse (vgl. Müller 2003, S. 15). Die Produktionsanalyse untersucht die Motivation hinter dem Bild, die „Entstehungsbedingungen und die Produktionsstrukturen visueller Kommunikation“ (ebd.). Die Produktanalyse befasst sich mit der Materialität und dem Motiv des Bildes und sucht nach „bildimmanenten Bedeutungen“ (ebd., S. 16). Die Wirkungsanalyse untersucht die Wirkungen und Rezeption von Bildern. Sie fragt nach den Adressaten und Rezipienten visueller Kommunikation (vgl. ebd., S. 17).

2.1.3 Wirkungsforschung

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge zwischen Bildern, kognitiven Abläufen innerhalb der Rezipienten und des noch jungen Forschungsgebietes ist eine Frage nach der Wirkung vi­sueller Kommunikation schwierig. Im Fokus standen eher kurzzeitige Wirkungen im direkten Zusammenhang mit Wahlen Auch in der Wirkungsforschung konzentrierte man sich bisher eher auf die textanalytische Auswertung des Kommunikationsmaterials (standardisierte In­haltsanalyse der Sozialwissenschaften). Es entstanden einige herausragende Forschungsarbei­ten im Rahmen der wirkungsorientierten Kommunikationswissenschaft.

Die Wirkung visuell vermittelter Informationen ist dagegen noch kaum erforscht (vgl. Knieper/Müller 2001). Auch die Mainzer Politik- und Sozialwissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha ist der Meinung, dass visuell vermittelte Informationen eher als Texte dazu geeignet seien, um beim Rezipienten Emotionen zu erzeugen und dass beispielsweise Fotos leichtere und intensivere emotionale Wirkungen auslösen (vgl. Koch und Holtz-Bacha 2008, S. 105). Seit ein paar Jahren gibt es im Bereich der wirkungsorientierten Kommunikations­wissenschaft einige wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit diesem komplexen Thema befas­sen (vgl. Müller 2003, S. 89). Dennoch steckt dieses junge Forschungsfeld noch in den Kin­derschuhen, denn es mangelt an empirisch nachweisbaren Studien, die die visuellen Aspekte betrachten.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Visuelle Wahlkampfkommunikation
Untertitel
Ein Forschungsfeld der Kommunikationswissenschaft in Deutschland
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V192557
ISBN (eBook)
9783656178187
ISBN (Buch)
9783656177586
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Visuelle Kommunikation, politische Kommunikation, Bildwissenschaft
Arbeit zitieren
Christin Richter (Autor), 2011, Visuelle Wahlkampfkommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192557

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