Carl Peters - Ein chauvinistischer Patriot oder Vorläufer des Nationalsozialismus?


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sein Leben vor der Kolonisation

3. Erste Afrikareise
3.1. Bedingungen
3.2. Verlauf
3.3. Gründung Deutsch-Ostafrikas

4. Ende der politischen Laufbahn

5. Motivation

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Er war ein Herrenmensch durch und durch (…). Die Natur hatte ihn zum Eroberer vorausbestimmt.“[1] Doch welcher Mensch verbirgt sich wirklich hinter Carl Peters, der eine der meist diskutierten Personen der Zeit des Kolonialismus in Deutschland dar­stellte. Der Augenmerk meiner Ausführungen soll auf der Klärung und Ergründung der Motive Peters' liegen, die seine kolonialen Ambitionen begründeten. Vor allem soll geklärt werden, ob der Kult, der während des Nationalsozialismus stattfand, gerecht­fertigt war oder ob sich andere Motive dahinter verbargen. Zu diesem Zweck soll die Person Carl Peters' näher betrachtet werden. Hierzu soll vor allem seine Zeit vor der Kolonisation beleuchtet werden, da hierbei einige seiner späteren Motive begründet werden. Zudem wird auf seine erste Expedition, die Usagara-Expedition, eingegangen, da hier vor allem sein Selbstverständnis deutlich wird, was auch zu dem späteren Kult um seine Person führte. Zudem soll auch das Ende seiner politischen Laufbahn geschil­dert werden, auf dessen Basis während des Nationalsozialismus die Vorform der Dolch­stoßlegende konstruiert wurde. Abschließend wird auf seine Gründe eingegangen, die ihn dazu verleitet haben, 1884 eigenständig und eigenmächtig koloniale Erwerbungen für das Deutsche Reich durchzuführen. Auf dieser Basis soll dann letztendlich die Fra­ge beantwortet werden, ob Peters ein chauvinistischer Patriot oder doch ein ideologi­scher Vorläufer des Nationalsozialismus war.

2. Sein Leben vor der Kolonisation

Sein Leben vor der Kolonisation wies in eine vollkommen andere Richtung. Als achtes von elf Kindern des Pastors Johann Peters wurde Carl Peters am 27. September 1856 in Neuhaus an der Elbe geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und verlor im Alter von 16 Jahren bereits seinen Vater. Dieser weckte erst sein Interesse für den afrikanischen Kontinent, da der Vater selbst, die Reisen Livingstones mit großem Inter­esse verfolgte und damit seinen Sohn zu diesem Thema heranführte.[2] In der Schule er­wies Carl Peters sich als ein sehr talentierter Schüler, sodass er seine Studien mittels ei­nes Stipendiums aufnehmen konnte. Er promovierte in dem Fach Geschichte und schloss ein Jahr später 1880 das Oberlehrerexamen in Geschichte und Geographie ab.[3] Doch wie er selber sagte, schloss er all diese Examen ab, um der Mutter zu gefallen und „wartete der Dinge, die da kommen sollten.“[4] So erhielt er im Januar 1881 eine Einladung seines Onkels Karl Engels nach London, der er nachkam. Dessen Frau war früh verstorben und hinterließ ihrem Witwer ein großes Vermögen, wodurch Peters in London ein sorgenfreies Leben möglich war. Zudem wurde er in die oberen gesell­schaftlichen Kreise Englands eingeführt, denen der Onkel angehörte.[5] Diese Zeit in England sollte für seine weitere Lebensgeschichte einen enormen Einfluss haben, da er in dieser Zeit die englische Kolonialpolitik genau studierte und für das britische Empire als Vorbild Bewunderung empfand. Als 1882 der Kolonialverein in Frankfurt am Main gegründet wurde und damit zum ersten Mal koloniale Fragen in das Interesse der Öf­fentlichkeit gerieten, erkannte Peters seine Chance, dem britischen Vorbild zu folgen und Kolonialpläne für Deutschland zu entwickeln.[6] Aus diesem Grunde beendete Peters seinen zweijährigen Aufenthalt in London und kehrte zurück nach Deutschland, um dort sein Vorhaben durchzusetzen. Die Tatsache, dass der Bremer Kaufmann Adolf Lü­deritz 1883 erste Besitzungen in Südafrika erwarb, schien ihn in seinem Vorhaben zu bestätigen, dass es Zeit war, sich ein „Plätzchen an der Sonne“[7] zu verschaffen.[8]

3.1. Erste Afrikareise - Bedingungen

Im März 1884 war er schließlich Mitbegründer seiner eigenen 'Gesellschaft für deut­sche Kolonisation', die sich durch den Verkauf von Anteilscheinen eine finanzielle Grundlage schuf, um dann im November 1884 die erste Expedition nach Afrika durch­zuführen.[9] Doch schon bei der Planung dieser Expedition ergaben sich vielerlei Proble­matiken. Zunächst hatte die Gesellschaft beabsichtigt, im südlichen Angola einen Stütz­punkt zu gründen, um von dort aus in das innere Gebiet Afrikas vorzudringen. Jedoch gab das Auswärtige Amt zu bedenken, dass es sich um französische Besitzungen hande­le und es deshalb keinerlei Schutz für die Reisenden bieten könne. Die Investoren hin­gegen billigten den Plan, sodass die eigentliche Reise nach Ostafrika über Sansibar ge­heim verlaufen musste, um die Investoren nicht zu verlieren.[10] Parallel dazu wurden San­sibar und das ostafrikanische Festland auch für die Regierung des Deutschen Reiches interessant. Da Bismarck zwar auf die Wahrung des europäischen Gleichgewichts be­dacht war, aber dennoch wirtschaftliche Interessen verfolgte, beauftragte er den erfah­renen Afrikareisenden Gerhard Rohlfs, einen Handelsvertrag mit dem Sultan von Sansi­bar auszuhandeln.[11] Zudem befanden sich bei der Ankunft Peters auf Sansibar eine Ex­pedition des belgischen Königs Leopold II., die den Auftrag hatte, von der Insel aus das Kerngebiet Ostafrikas mit einem „Netz an Stationen“[12] zu versehen, um es so unter bel­gischen Einfluss zu bringen.[13] Diese Expedition wartete jedoch darauf, dass sich die Lage im Festland beruhigen würde, da eine Hungersnot das Land überzog und zudem Massaikrieger Raubzüge im Land unternahmen. Ein weiteres Problem stellte die enor­me Beobachtung seitens der Briten in Sansibar dar, da diese einen Anspruch auf das ostafrikanische Festland erhoben, es ihnen jedoch offiziell nicht gehörte.[14] Dies führte schließlich dazu, dass die deutsche Regierung von Peters Unternehmen Notiz nahm und ihm daraufhin zu verstehen gab, dass sie keinerlei Interesse an seinem Vorhaben zeige und ihm daher auch weder Unterstützung noch Schutz gewähren würde. Somit lag das Vorgehen der Expeditionsgruppe in der alleinigen Verantwortung Carl Peters'. Doch Pe­ters zeigte sich von all diesen Hindernissen unbeeindruckt und beantwortete das Schrei­ben des Reichskanzlers mit den Worten: „wenn er mir einmal wieder etwas abschlagen wolle, so möge er gefälligst warten, bis ich um etwas gebeten habe.“[15]

3.2. Erste Afrikareise – Verlauf

So setzte die Gruppe um Carl Peters am 10. November 1884 von Sansibar aus zum Festland über, wo es bereits neun Tage später zum Abschluss des ersten Kontrakts kam.[16] Peters verfasste alle seine 'Schutzverträge' eigenhändig. Sie waren auf Deutsch abge­fasst und zur Unterzeichnung des Vertrags genügte ein Kreuz des jeweiligen Vertrags­partners.[17] Inhaltlich betrachtet, gewährten sie der indigenen Bevölkerung des jeweili­gen Gebiets den Schutz durch das Deutsche Reich, wenn sie bereit waren, ihre Ho­heitsrechte an die Gesellschaft abzutreten. Diese Verträge gingen die einheimischen Machtinhaber bereitwillig ein, da sie sich nach einem dauerhaften Schutz vor arabi­schen Karawanenführer und Sklavenhändler sehnten.[18] Dafür waren sie auch be­reit, den deutschen Kaiser anzuerkennen, da sie davon ausgingen, dass diese Tatsache keinerlei Konsequenzen und wenn nur positive Aspekte für sie bringen würde. Auf die­sem Wege gelang es Peters, bis ins Landesinnere vorzudringen und dabei ein Gebiet von 140.000 km² zu erwerben.[19] Er führte die Verhandlungen mit den dortigen Machtin­habern stets persönlich und er verstand es dabei, sein Auftreten zu inszenieren. Meist verliefen die Abhandlungen zudem unter Alkoholeinfluss.[20] Bereits am 19. De­zember 1884 gelang es Peters und seinem Freund und Begleiter Karl Jühlke nach San­sibar zurückzukehren. Zwei weitere seiner Begleiter, Joachim Graf von Pfeil und Au­gust Otto, blieben in Ostafrika, um dort zugleich mit dem Bau eines Stützpunktes der Gesellschaft zu beginnen.[21] Peters kehrte auf dem schnellsten Weg nach Deutschland zurück, um dort die Sicherung seiner Erwerbungen zu erwirken. Doch Bismarck stand Peters neuen Errungenschaften sehr kritisch und ablehnend gegenüber: „Der Erwerb von Land ist in Ostafrika sehr leicht. Für ein paar Flinten besorgt man sich ein Papier mit einigen Negerkreuzen.“[22]

3.3. Erste Afrikareise – Gründung Deutsch-Ostafrikas

Doch bereits am 27. Februar 1885 erhielt die 'Gesellschaft für deutsche Kolonisation' den kaiserlichen Schutzbrief für die Gebiete, womit sie offiziell zum deutschen Protek­torat wurden.[23] Im Schutzbrief übertrug die deutsche Regierung die völlige Verantwor­tung und damit alle Rechte an die Gesellschaft, womit sich die Regierung aus allen ko­lonialen Angelegenheiten heraushalten wollte. Damit war die Gesellschaft befugt, sich auch zukünftig 'herrenloses Land' anzueignen und die dortigen Ressourcen zu gewin­nen.[24] Doch was bewegte Bismarck zum Umdenken und damit die erste deutsche Kolo­nie zu gründen? Zum einen muss Peters Ersuchen des kaiserlichen Schutzes vor dem Hintergrund der Kongo-Konferenz gesehen werden, die vom November 1884 bis Fe­bruar 1885 andauerte. Sie wurde auf Bitten Bismarcks in Berlin einberufen, um das ko­loniale Vorgehen der europäischen Mächte in Afrika zu koordinieren.[25] Die Konferenz machte Bismarck zudem deutlich, wie wichtig der Besitz von Kolonien für das interna­tionale Ansehen geworden ist. Zum anderen versuchte Peters die deutsche Regierung unter Druck zu setzen, indem er gleichzeitig Verhandlungen zu dem belgischen König unterhielt, der Interesse an seinen Erwerbungen zeigte.[26] Aus diesen Gründen stellte Bismarck einen Tag nach dem Ende der Kongo-Konferenz den Schutzbrief für Peters aus, um sich die Gebiete für das Deutsche Reich zu sichern. Am 02.04.1885 wurde schließlich die zu Anfang gegründete 'Gesellschaft für deutsche Kolonisation' in die 'Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft' (DOAG) umfirmiert. Im Zeitraum von 1884 bis 1886 organisierte sie insgesamt 17 Expeditionen nach Ostafrika.[27] Das Ziel dieser Ge­sellschaft war es, die deutsch-nationalen Interessen einer Zivilisierung durchzusetzen, Siedlungen und die Bewirtschaftung der Ackerflächen auszubauen und eine Infrastruk­tur zu entwickeln. Diese Faktoren sollten damit den Handel und das Gewerbe fördern.[28] Damit beabsichtigte Peters seine Interessen und die Bismarcks in Einklang zu bringen. Doch er fuhr mit der Eroberung von neuen Gebieten fort und nährte sich damit zuneh­mend dem Einflussgebiet Großbritanniens. Da Bismarck aber die gute Beziehung zu England sehr wichtig war, schloss er am 01.11.1886 eine Übereinkunft bezüglich des Grenzverlaufes zwischen den beiden Einflussgebieten und schränkte damit gleichzeitig Peters Handlungsgewalt ein,[29] welche dann schließlich 1888 im sogenannten 'Ara­ber-Aufstand' vollends zerbrach.[30]

[...]


[1] Vgl. Wichterich, Reinhard: Dr. Carl Peters. Der Weg eine Patrioten, Berlin 1934, S. 11.

[2] Vgl. Wichterich, Dr. Peters, S. 12.

[3] Vgl. Gründer, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 2004, S. 85.

[4] Wichterich, Dr. Peters, S. 21.

[5] Vgl. Gründer, Geschichte, S. 85.

[6] Vgl. Westphal, Wilfried: Geschichte der deutschen Kolonien, Bindlach 1991, S. 62.

[7] Peters, Carl: Gesammelte Schriften. Band 1, München 1943, S. 63.

[8] Vgl. Westphal, Geschichte, S. 62.

[9] Vgl. Peters, Gesammelte Schriften, S. 64.

[10] Vgl. Westphal, Geschichte, S. 66.

[11] Vgl. Richter, Klaus: Deutsches Kolonialrecht in Ostafrika 1885-1891, Frankfurt am Main 2001, S. 20-21.

[12] Wichterich, Dr. Peters, S. 54.

[13] Vgl. A.a.o.

[14] Vgl. Ebd., S. 57.

[15] Peters, Gesammelte Schriften, S.67.

[16] Vgl. Ebd., S. 64-65.

[17] Vgl. Richter, Kolonialrecht, S. 24.

[18] Vgl. Wichterich, Dr. Peters, S. 65.

[19] Vgl. Richter, Kolonialrecht, S. 24.

[20] Vgl. Wichterich, Dr. Peters, S. 67.

[21] Vgl. Westphal, Geschichte, S.79.

[22] Ebd., S. 80.

[23] Vgl. Richter, Kolonialrecht, S. 31.

[24] Vgl. Speitkamp, Winfried: Deutsche Kolonialgeschichte, Stuttgart 2005, S. 32.

[25] Vgl. Klein-Arendt, Reinhard: Ein Land wird gewaltsam in Besitz genommen. Die Kolonie Deutsch-Ostafrika, in: Becker, Felicitas/Beez, Jigal (Hrsg.): Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika 1905-1907, Berlin 2005, S. 29-30.

[26] Vgl. Peters, Gesammelte Schriften, S.68.

[27] Vgl. Speitkamp, Kolonialgeschichte, S. 33.

[28] Vgl. Richter, Kolonialrecht, S. 30.

[29] Vgl. Ebd., S. 32-33.

[30] Vgl. Ebd., S. 97-98.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Carl Peters - Ein chauvinistischer Patriot oder Vorläufer des Nationalsozialismus?
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,6
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V192565
ISBN (eBook)
9783656175438
ISBN (Buch)
9783656176077
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonialherrschaft, Deutsch-Ostafrika, Carl Peters, Askari-Aufstand
Arbeit zitieren
Anita Moor (Autor), 2011, Carl Peters - Ein chauvinistischer Patriot oder Vorläufer des Nationalsozialismus? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192565

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