Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem Tod des Major von Crampas aus Theodor Fontanes Roman Effi Briest. Sie geht der Frage nach, ob Geert von Innstetten bei seiner Duellforderung aus persönlichen Motiven aus Pflichtgefühl gegenüber der Gesellschaft handelt. Um diese Frage zu beantworten, soll in den ersten beiden Punkten auf den Ehrbegriff im Preußen des 19. Jahrhunderts und auf die Welt des Militärs zu dieser Zeit eingegangen werden. Darauf folgend werde ich mich mit Effis sozialem Umfeld und einigen wichtigen Persönlichkeiten befassen, die sowohl für die Beziehung zwischen Effi und Geert, sowie wie für den Ehebruch und das Duell unabdingbar sind. Weitere Gegenstände der Untersuchung sind der Ehebruch und das Duell an sich, welche das zentrale Thema des Romans darstellen. Den Abschluss bildet ein die Analyse abrundendes Ergebnis.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Ehrbegriff im Preußen des 19. Jahrhunderts
2 Das Militär zu dieser Zeit
3 Effis soziales Umfeld und dessen Einflüsse
3.1 Baron Geert von Innstetten
3.2 Major von Crampas
3.3 Effis Eltern
4 Der Ehebruch und das Duell
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" mit dem Ziel zu klären, ob die Duellforderung von Geert von Innstetten auf persönlichen Motiven basiert oder aus einem durch gesellschaftliche Konventionen auferlegten Pflichtgefühl resultiert.
- Der Ehrbegriff im Preußen des 19. Jahrhunderts
- Der militärische Ehrenkodex und das soziale Umfeld
- Die Charakterisierung der Haupt- und Nebenfiguren
- Die Analyse von Ehebruch und Duell als gesellschaftliche Zwänge
Auszug aus dem Buch
1 Der Ehrbegriff im Preußen des 19. Jahrhunderts
„›Ein weites Feld‹, pflegt Vater Briest zu sagen, wenn er einer klaren Stellungnahme ausweichen, ein unangenehmes Thema ruhen lassen will.“ ›Ein weites Feld‹ ist auch der Begriff der Ehre. Zunächst soll beleuchtet werden, wie der Ehrbegriff im 19. Jahrhundert definiert wurde.
Bis 1851 fand man im preußischen Strafgesetzbuch den Paragraphen 689 des 20. Titels, Teil II ALR, der die Geltungsgrundlage der Duellstrafen auf Personen des Adels- und Offizierstandes festsetzte. Wenn sich also Nichtadlige und Nichtoffiziere zum Duell herausforderten oder sich gegenseitig mit Waffen angriffen, fiel dies nicht unter die Strafbestimmungen des Duells, sondern sollte „als ein Versuch zum Morde angesehen und bestraft werden“. Der Gesetzgeber gestand damit den Duellen der Adligen und Offiziere eine Sonderstellung zu und ließ die Bürger, Bauern und Unterschichten erkennen, dass sie auf dieses Privileg kein Anrecht hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Ehrbegriff im Preußen des 19. Jahrhunderts: Das Kapitel erläutert die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Ehrenbegriffs im 19. Jahrhundert, insbesondere die Privilegierung von Adel und Offizieren.
2 Das Militär zu dieser Zeit: Es wird die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft sowie die Rolle des militärischen Ehrenkodex und des Duells als Instrument zur sozialen Distinktion beleuchtet.
3 Effis soziales Umfeld und dessen Einflüsse: Dieses Kapitel analysiert die prägenden Nebenfiguren wie Geert von Innstetten, Major von Crampas und Effis Eltern, die als Repräsentanten der starren Gesellschaftsordnung fungieren.
3.1 Baron Geert von Innstetten: Die Analyse konzentriert sich auf die Karriere, den Charakter und die gesellschaftliche Funktion Innstettens als Inbegriff preußischer Konventionen.
3.2 Major von Crampas: Es wird die zwiespältige Rolle des Majors als Verführer und dessen Einfluss auf die Handlung des Romans untersucht.
3.3 Effis Eltern: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle der Eltern und deren maßgebliche Mitverantwortung für die gesellschaftliche Isolation der Tochter durch ein starres Ehrverständnis.
4 Der Ehebruch und das Duell: Hier steht die Eskalation der Handlung im Fokus, in der Innstetten trotz fehlender Rachegefühle gesellschaftlich zum Duell gezwungen wird.
5 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Roman als eine fundamentale Kritik an gesellschaftlichen Normen und veräußerlichter Ehre.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, Ehrbegriff, Preußen, Duell, Ehrenkodex, Militär, gesellschaftliche Konventionen, Ehebruch, Geert von Innstetten, Major von Crampas, Moral, Pflichtgefühl, Adel, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen der preußischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert anhand von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" und untersucht, warum der Protagonist Innstetten trotz mangelnder persönlicher Rachegelüste ein Duell austrägt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen das zeitgenössische Verständnis von Ehre, die Rolle des Militärs als gesellschaftliche Kraft sowie die Unausweichlichkeit gesellschaftlicher Konventionen gegenüber dem Einzelnen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen persönlichen Gefühlen und gesellschaftlichem Zwang zu untersuchen, um zu belegen, dass Innstettens Entscheidung für das Duell primär durch den Druck der Standesnormen motiviert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung von Primärliteratur sowie einschlägiger Sekundärliteratur zur historischen und sozialen Einordnung des Ehrbegriffs basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontexts (Ehrebegriff und Militär), die Charakterisierung der relevanten Figuren und die Analyse der Eskalation durch den Ehebruch und das letztliche Duell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Preußen, Ehrenkodex, gesellschaftliche Konventionen, Pflichtgefühl und die spezifische Deutung des Romans als Kritik an starren Verhältnissen geprägt.
Warum spielt die Rolle der Eltern für Effis Schicksal eine besondere Rolle?
Die Eltern, insbesondere die Mutter, werden als Akteure dargestellt, die den gesellschaftlichen Status über das Wohl der Tochter stellen, was Effi letztlich isoliert und ihre Handlungsspielräume stark einschränkt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Major von Crampas?
Crampas wird nicht nur als Gegenspieler Innstettens, sondern als Verführer analysiert, dessen Handeln planmäßig abläuft und der als Kontrastfigur das starre System Innstettens sowie die Verletzlichkeit Effis verdeutlicht.
Welche Rolle spielt die Zeitspanne von sechs Jahren zwischen Affäre und Duell?
Die lange Zeitspanne dient der Verdeutlichung der Zwangslage: Selbst wenn ein Duell fachlich oder moralisch nicht mehr "notwendig" erscheint, erzwingt die gesellschaftliche Logik die Tat, um den Schein der Ehre zu wahren.
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- Nina Lutz (Autor:in), 2012, Theodor Fontane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192674