Landnutzungswandel im Himalaya


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

30 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

Landnutzungswandel im Himalaya

1. Abstract

2. Einleitung

3. Der Himalaya - aktuelle Entwicklungsdynamiken
3.1 Bevölkerung
3.2 Landnutzung
3.3 Wälder
3.4 Infrastruktur

4. Die Kumaon und Garhwal Region - ein regionaler Überblick
4.1 Höhenstufen und Landschaftszonen
4.2 Das agro-pastorale Nutzungssystem am Beispiel der Bhotiya- Bevölkerung
4.3 Traditionelle Landnutzung

5. Landnutzung im Wandel - Ursachen, Muster und Auswirkungen
5.1 Entwicklung und Trends der Landnutzung in der Kumaon-Region
5.1.1 Fallbeispiel: Shail Gad Watershed, Balia Catchment, Bhabar Tarai Ebene
5.1.2 Folgen
5.2. Entwicklung und Trends der Landnutzung in der Garhwal-Region
5.2.1 Fallbeispiel: Pranmati-Watershed
5.2.2 Folgen

6. Lösungsstrategien für eine nachhaltige Landnutzung

7. Fazit

8. Literatur

1. Abstract

Einhergehend mit dem starken Bevölkerungswachstum des indischen Subkontinents kommt es derzeit verstärkt zu einem Wandel der Landnutzungsformen in den besiedelten Gebieten des Himalaya. Um eine Nahrungsmittelversorgung der Bergbevölkerung gewährleisten zu können, setzen die Kleinbauern verstärkt auf eine Expansion der Ackerflächen in die angrenzenden Waldgebiete, die aufgrund dessen einen großen Teil ihrer Fläche einbüßen müssen. Erosionserscheinungen und der Verlust fruchtbaren Bodens sind die Folge. Auch der Ausbau der Infrastruktur birgt ungeahnte Folgen. Die Schaffung von Marktzugängen bedingt einen Wandel von der traditionellen Subsistenzwirtschaft hin zu einer marktorientierten Produktion von sog. „cash crops“, die hohe Gewinne erzielen und so den Lebensstandart der Bevölkerung verbessern. Doch diese Monokulturen bringen Risiken mit sich, die einer nachhaltigen Entwicklung der Region entgegen wirken.

2. Einleitung

Landwirtschaftliche Nutzung und die damit einhergehende Existenzsicherung der Bevölkerung ist wohl nirgends so schwierig und gefährdet wie in den zahlreichen Hochgebirgsräumen der Erde. Naturrisiken und Naturkatastrophen wie gravitative Massenbewegungen, Starkniederschläge oder ähnliche unvorhersehbare Ereignisse die eine Ernte gefährden können, ermöglichen Landnutzung nur unter erschwerten Bedingungen. Des Weiteren bedingen die naturräumlichen Verhältnisse der einzelnen Gebirgsstufen, hervorgerufen durch individuelle klimatische Bedingungen, spezifisch abgestimmte Landnutzungssysteme um die agrarökologischen Potenziale und Limitierungen sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Auch im Himalaya, der die natürliche Nordgrenze des indischen Subkontinentes bildet, sind die Landnutzungsmuster als Ausdruck eines aktiven Anpassungsprozesses an die naturräumlichen Verhältnisse zu sehen.

Die spezifische Klima- und Vegetationsstufung in Hochgebirgen bedingt höhenangepasste Nutzungsformen, die sich im Himalaya vor allem durch agro-pastorale Mobilitäts- und Flexibilitätsmuster (Verknüpfung von Wanderfeldbau und Tierhaltung) ausdrücken und auf eine möglichst große Risikostreuung abzielen.

Durch den Wandel der sozioökonomischen Strukturen Indiens, vor allem hervorgerufen durch das starke Bevölkerungswachstum des Landes, kommt es jedoch zu einem stetig voranschreitenden Wandel der Landnutzungsformen, der sich im Himalaya besonders in einer Intensivierung der Bodenbearbeitung, einem Wandel der Anbauprodukte hin zu gewinnbringenden „cash crops“ sowie der großräumigen Entwaldung zur Erschließung neuen Ackerlandes ausdrückt. Daraus resultierende Ressourcendegradation und damit einhergehende ökologische Probleme und Umweltveränderungen wie verstärkte Bodenerosion, Verlust von Anbauflächen oder Fluten wirken sich wiederum nachteilig auf Indien und seine Bewohner aus und gefährden die Existenssicherung der Bevölkerung von neuem.

Eine integrative Perspektive, die dieses Beziehungs- und Wirkungsgefüge sowohl unter natur- als auch unter sozialwissenschaftlichem Blickwinkel untersucht, ist demnach nötig um Lösungsansätze für eine nachhaltige und ressourcenschonende Landnutzung ausarbeiten zu können.

„Die Transformation der Kulturlandschaft markiert die Schnittstelle zwischen natur- und sozialwissenschaftlichen Betrachtungs- und Herangehensweisen. Aufgrund der Diversität des Landschaftswandels sind generell regionale Fallstudien erforderlich, die das Ausmaß und die Richtung rezenter Landschaftsveränderungen in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung dokumentieren “ (Nüsser in: Meusburger u. Schwan 2003:333).

Mit Bezug auf dieses Zitat soll in dieser Ausarbeitung ein Überblick über den Wandel der Landnutzung anhand der Wirkungszusammenhänge zwischen naturräumlicher Ausstattung, Nutzungssystemen und Landschaftsveränderungen durch Fallbeispiele im Kumaon- und Garhwal-Himalaya verdeutlichet werden.

Ein einleitendes Kapitel wird vorab auf aktuelle Entwicklungsdynamiken im gesamten Himalaya-Gebirgsraum, hinsichtlich Bevölkerung, Landnutzung, Waldbestand sowie Infrastruktur eingehen.

Im Hauptteil (Kapital 3-5) wird diese Thematik dann anhand der Fallbeispiele ausführlich untersucht. Kapitel 3 wird dabei zunächst einen groben regionalen Überblick über das gesamte Untersuchungsgebiet geben, mit besonderem Fokus auf den ökologischen Höhenstufen und den sich daraus ergebenden aktuellen Landnutzungsformen, sowie einen Einblick in das agro-pastorale Nutzungssystem der Bergbevölkerung. In Kapitel 4 werden dann die einzelnen Untersuchungseinheiten des Kumaon- und Garhwal-Himalaya noch einmal gesondert betrachtet. Hier sollen Ursachen, Muster und Auswirkungen des Landnutzungswandels anhand von regionalen Fallbeispielen detailliert beleuchtet werden.

Lösungsansätze für eine nachhaltige und ressourcenschonende Landnutzung in Kapitel 5 runden die Ergebnisse schließlich ab und sollen einen Anstoß zur weiteren Vertiefung der Thematik bieten.

3. Der Himalaya - aktuelle Entwicklungsdynamiken

Der knapp 33.000 km² umfassende Himalaya grenzt an insgesamt 8 Länder. Neben Afghanistan, Pakistan und Indien verfügen auch China, Nepal, Bangladesch und Myanmar über Staatsgebiet in einem der höchsten Erdräume der Erde.

Für Indien stellt er die natürliche Nordgrenze dar, mit Höhen bis über 5000 m.

Seine dreigeteilte Topographie ist v.a. für die ansässigen Bergvölker von Bedeutung, da diese ihre Nutzungssysteme zur Nahrungsmittelproduktion entsprechend der klimatischen Bedingungen der einzelnen Höhenstufen anpassen müssen (näher in Kapitel 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gebirgsregionen des Himalaya (Zurick et. al 2005: 70)

Wie der Abbildung zu entnehmen schließt sich an die Zone der Bergausläufer und TaraiEbenen mit Höhen bis ca. 1000 m der sog. „Vordere Himalaya“, der mit Höhen bis ca. 5000 m die höchsten Bevölkerungsdichten des gesamten Himalaya-Raumes aufweist. Anschließend erhebt sich die Himalaya-Hauptkette mit dem tibetischen Himalaya der Höhen über 5000 m aufweist.

3.1 Bevölkerung

Ein Faktor der mit Sicherheit entscheidend zum Landnutzungswandel im Himalaya beiträgt ist der Anstieg der Bevölkerung. Einhergehend mit dem Bevölkerungszuwachs das ganz Indien erfährt, verzeichnet auch das Himalaya-Gebiet vereinzelt Zuwachsraten von über 4 %/J.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bevölkerungsdynamik 1891-1991 (Zurick et. al 2005: 54)

Waren die Jahre 1891-1951 noch von relativ geringem Wachstum geprägt, mit nur vereinzelten Bezirken hauptsächlich im Nordwesten die einen hohen Zuwachs erfuhren, änderte sich diese Entwicklung von den 60er Jahren bis in die 90er Jahre schlagartig. Vor allem die Zonen der Bergausläufer und Ebenen sind hier hervorzuheben, wobei diese Entwicklung überwiegend auf starke Migrationsbewegungen zurückzuführen ist (vgl. Zurick et. al 2005:54).

Einhergehend mit einer erneuten Abwanderung der Bevölkerung im Nordwesten und wenigen Ausnahmen mit stabiler Bevölkerungsdynamik, weisen allerdings auch die restlichen Bezirke Zuwachsraten von 0,5 bis 4 %/J auf.

Bedingt durch diese Entwicklung stieg auch die Bevölkerungsdichte im Himalaya, was den Druck auf Kulturland, Wälder und Wasserressourcen stark erhöht hat. Diese Dynamik fand ihren Höhepunkt in den 60er Jahren und hat dazu geführt, dass v.a die höheren Bereiche stärker besiedelt wurden, sodass sich dort aufgrund der terrassierten und auch stärker genutzten Hänge höhere Erosionspotenziale ergeben und somit Degradationserscheinungen beeinflussen.

Abbildung 3: Bevölkerungsdichte 1961-2001 (Zurick et. al 2005: 53)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Landnutzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Landnutzung (Zurick et. al 2005: 71)

Wie die Abbildung zeigt sind die Landnutzungssysteme über den gesamten Himalaya verteilt sehr komplex und differenziert. Im Rahmen dieser Ausarbeitung macht dies eine exemplarische Darstellung einzelner Regionen unumgänglich und wird später in Kapitel 4 gegeben.

Hervorzuheben sei hier nur, dass die Nutzungssysteme der Bergbevölkerung durch die Topographie, den verfügbaren Boden sowie durch das Klima der einzelnen Höhenstufen limitiert werden und somit Anpassungsstrategien erfordern um eine ausreichende Nahrungsversorgung gewährleisten zu können. In diesem Zusammenhang und v.a. in Bezug auf das beschriebene Bevölkerungswachstum kommt es so zu einer verstärkten Ausweitung der Kulturfläche in die angrenzenden Wälder sowie zu einer Ausdehnung der Weideflächen auf Kosten nutzbaren Ackerlandes, da einhergehend mit dem Bevölkerungswachstum auch die Vierherden in ihrer Größe zunehmen. Diese nehmen eine wichtige Rolle im agro-pastoralen Nutzungssystem der Bergvölker ein und verstärken somit letztlich noch einmal den Prozess des Landnutzungswandels (s. Fallbeispiele).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bevölkerung und Ackerland (Quelle: Zurick et. al 2005: 74)

Da Kulturflächen im Himalaya nur begrenzt zur Verfügung stehen, steigt einhergehend mit dem Bevölkerungswachstum der Druck auf die bestehenden Ackerflächen, da durch jede einzelne nun eine größere Anzahl an Menschen versorgt werden muss. Dieser Anstieg ist v.a im Jahr 1980 deutlich zu sehen. In Bezug auf die Folgen dieser Entwicklung kann so einerseits und je nach Möglichkeiten der Bauern die Produktivität der Farmen erhöht werden, es kann aber auch dazu führen, dass durch Übernutzung ein Kollaps der lokalen Ökosysteme hervorgerufen wird, der so zu erhöhter Armut der von den Feldern abhängigen Bevölkerung führt (vgl. Zurick et. al 2005:74).

3.3 Waldbestand

Der Waldbestand im Himalaya weist derzeit sehr unterschiedliche Stadien auf. Im indischen Himalaya, der in dieser Ausarbeitung Betrachtung finden soll, sind knapp 52 % der Fläche von Wald bedeckt. Dieser findet sich hauptsächlich im Bundesstaat Arunachal Pradesh, mit einer Dichte von mehr als 90 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Waldbedeckung im Himalaya (Quelle: verändert nach Zurick et. al 2005: 79)

Ein Waldflächenverlust lässt sich v.a. in den Jahren 1890-1950 für die Garhwal- und Kumaon-Region feststellen. Dort kam es in diesem Zeitraum zu Verlusten von knapp 2 %/J.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Veränderung der Waldbedeckung 1890-1990 (Quelle: verändert nach Zurick et. al 2005: 82)

Von 1960 bis 1990 hat sich dieser Verlust allerdings über knapp ein Drittel des gesamten Himalayas ausgeweitet. Ein kein regionaler Trend lässt sich jedoch nicht erkennen. Wie Abbildung 7 zu entnehmen, gab es auch Gebiete mit einem Zuwachs an Waldfläche, sodass für genauere Untersuchungen lokale Betrachtungsweisen notwendig sind um letztlich gefährdete Gebiete ausgrenzen und Schutzmaßnahmen einleiten zu können.

3.4 Infrastruktur

Der Ausbau des Straßennetzes ist ein weiterer wichtiger Faktor, der zu einem Landnutzungswandel im Himalaya beiträgt. Wie die Fallbeispiele noch genauer zeigen werden, kommt es so zur Schaffung von Marktzugängen, die für die Kleinbauern einen Wechsel von der traditionellen Subsistenzwirtschaft hin zur einer marktorientierten Produktion ermöglichen. So können höhere Gewinne erzielt und der Lebensstandart erhöht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Ausbau des Straßennetzes 1965-1990 (Quelle: Zurick et. al 2005: 61)

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Landnutzungswandel im Himalaya
Hochschule
Universität zu Köln  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Physiche Geographie Indiens
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
30
Katalognummer
V192717
ISBN (eBook)
9783656177098
ISBN (Buch)
9783656177463
Dateigröße
1383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Himalaya, Landnutzung, Indien
Arbeit zitieren
Jenny Filon (Autor), 2009, Landnutzungswandel im Himalaya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192717

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Landnutzungswandel im Himalaya



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden