Quelleninterpretation eines Wahlplakates der NSDAP


Hausarbeit, 2012
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Plakats
2.1. Die Karikatur
2.2. Daten und Einzelheiten zur Versammlung

3. Interpretation des Plakats
3.1. Die Überschrift
3.2. Die Karikatur
3.3. Daten und Einzelheiten zur Versammlung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Propaganda und Werbung sind mächtige Werkzeuge. Sie erreichen Menschen, beeinflussen ihre Entscheidungen und können im politischen Wahlkampf den Ausschlag zwischen Sieg und Niederlage geben. Die erste Partei, die das Potenzial einer flächendeckenden Propagandamaschinerie entdeckte, war die NSDAP. Hitlers Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei verstand es, durch aggressives, allgegenwärtiges Konfrontieren mit Parteiprogramm, den selbst ernannten Feindbildern, der Führerfigur Hitler und dessen Begabung, die Massen zu bewegen, einen rasanten Aufstieg von einer unbedeutenden Splitterpartei des rechten Spektrums zur Volkspartei zu vollziehen. In der vorliegenden Arbeit möchte ich deshalb ein Plakat mit einem Aufruf zu einer öffentlichen Parteiversammlung in Überlingen vom 8. August 1931 analysieren und interpretieren. Ich werde hierbei versuchen, die verschiedenen Text- und Bildelemente so zu betrachten, wie sie zu damaliger Zeit gewirkt haben müssen. Im Gegensatz dazu lasse ich die nachfolgende Schreckensherrschaft im Dritten Reich weitestgehend außer Acht, um die Perspektive aus dem Jahr 1931 zu behalten und nicht durch, für uns aus heutiger Sicht feststehende, nachfolgende Ereignisse zu trüben.

2. Analyse des Plakats

Zunächst lässt sich das Plakat in zwei Teile unterscheiden: Die Karikatur, welche die obere Hälfte einnimmt und für die Interpretation aufgrund ihrer Symbolik von größerer Bedeutung ist, sowie die Daten und den Aufruf, welche sich in der unteren Plakathälfte befinden.

2.1. Die Karikatur

Das gesamte Plakat wird von dem Schriftzug "Tod der Lüge" dominiert, welches in großer, roter Schrift am oberen Plakatrand steht. Hierbei sind die Begriffe "Tod" und "Lüge" jeweils etwas größer als das Wort "der". Unter der Überschrift befindet sich die eigentliche Karikatur. Zu sehen ist ein ausgestreckter, kräftiger Arm, der eine Schlange, die ihn offenbar versucht anzugreifen, von sich weghält. Er trägt ein rot - weißes Hemd, auf dem in schwarz das Hakenkreuzsymbol, im Jahre 1931 bereits als Zeichen der NSDAP etabliert, abgebildet ist. Der Arm drückt die Schlange sichtbar kräftig, er scheint der Stärkere zu sein. Auf dem Leib des Tieres, das sich um den Arm schlängelt, stehen die Worte "Marxismus" und "Hochfinanz" und heben sich in roter, bzw. weißer Schrift ab.

2.2. Daten und Einzelheiten zur Versammlung

Die untere Plakathälfte erklärt dem Bürger, dass die zu bewerbende Veranstaltung als "Öffentliche Veranstaltung" zu verstehen ist. Diese Überschrift nimmt den oberen Teil der unteren Plakathälfte ein, darunter sind die Daten der Parteiveranstaltung aufgeführt, deren genaue Position für eine spätere Deutung jedoch nicht relevant ist. Sie soll am Samstag, den 8. August 1931 in Überlingen[1] im Raabensaal stattfinden. Der Sprecher ist laut Plakat der Landesabgeordnete Roth, ein Landwirth aus Lindelsheim. Sein Thema laute "Das schaffende Volk im Endkampf mit dem Grosskapitalismus". Überdies sei ein Unkostenbeitrag vom 20 Pfennig zu entrichten, Kriegsverletzte und Erwerbslose bekämen einen Rabatt von 50%. Das Plakat wirbt, wenig überraschend, für die NSDAP, wobei darunter auch der Begriff "Hitler-Bewegung" genannt wird. Herausgeber ist laut Fußnote der Streiter - Verlag von Fritz Tittmann aus Treuenbrietzen[2].

3. Interpretation des Plakats

Da das Plakat rein optisch bereits in zwei klare Hälften unterteilt ist, bietet sich auch bei der Interpretation der einzelnen Elemente eine von dieser Tatsache bestimmte Struktur an.

3.1. Die Überschrift

Die bereits durch Schriftgröße und -farbe auffallende Überschrift der Plakats macht dem Leser gleich zu Beginn etwas klar: Es geht gegen etwas. Der Begriff "Tod der Lüge" zeigt alleine durch seine martialische Ausdrucksweise und seinen Parolencharakter den für den Wahlkampf der NSDAP typischen rhetorischen Stil auf, der mit seiner Einfachheit und Emotionalität einen unglaublichen Erfolg bei den Massen erzielte[3]. Eine Antwort auf die Frage, welche Lüge besiegt werden soll, ist hier noch nicht möglich, wird allerdings im Laufe der Analyse der weiteren Elemente geklärt.

3.2. Die Karikatur

Die Karikatur als solche ist ein Zerrbild. Sie stellt, in diesem Falle politische, Sachverhalte überspitzt und durch Symbole dar[4]. Insofern ist eine Karikatur auch immer interpretierbar. Das vorliegende Plakat ist hierbei keine Ausnahme und arbeitet mit verschiedenen Bildern und grafischen Mitteln, um seine Botschaft zu überbringen.

Was bei der Analyse nicht vergessen werden darf, ist das Publikum, an das sich die Karikatur richtet. In diesem Fall ist dies das deutsche Volk, welches die NSDAP mit ihrer Werbung erreichen möchte, genauer die Menschen im Umrkeis von Überlingen, da es sich um einen lokalen Versammlungsaufruf handelt. Dementsprechend wird auch karikiert: Von der großen gemischten Masse kann man nicht die gleiche politische Vorbildung erwarten wie von einem Politikkurs an der Universität. Dies wiederum führt dazu, dass eine gewisse Komplexität nicht überschritten werden darf, um die Massentauglichkeit nicht zu gefährden. Diese Verachtung der Masse war einer der elementaren Aspekte der NS-Rhetorik[5].

Die zwei auf der Grafik zu erkennenden Gegenspieler sind der Arm und die Schlange. Der Arm ist eindeutig die NSDAP oder der Nationalsozialist, erkennbar an dem roten Hemd mit schwarzem Hakenkreuz auf weißem Grund. Die Bedeutung dieser drei Farben, die auch in der Parteifahne vorkamen, beschrieb Hitler wie folgt:

"Als nationale Sozialisten sehen wir in unserer Flagge unser Programm. Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird."[6]

Dieses Zitat bildet, obwohl es unabhängig vom Plakat geäußert wurde, eine sehr gute Grundlage zur Interpretation der Karikatur. Die subjektive Darstellung aus dem Lager der NSDAP lässt den Arm als Symbol für die Partei und deren Programm mit Kraft und Entschlossenheit (muskulös und fest zupackend) den Feind anpacken - die Schlange. Nun ist die Schlange in beinahe jeder Kultur Symbol für viele Eigenschaften, sowohl negativ als auch positiv. In dem Kontext des Plakates ist jedoch nur eine Deutung logisch: Die der Hinterlistigkeit, der Lüge (hier findet sich ein Bezug zu der Überschrift) und der Scheinheiligkeit. Da aber bei der Karikatur eine politische Instrumentalisierung des Symbols stattfindet, soll das Tier für den "Feind" stehen. Hier kommen die beiden auf den Leib geschriebenen Begriffe ins Spiel: der "Marxismus" und die "Hochfinanz". Der Marxismus ist als sozialdemokratisches/kommunistisches Gedankengut und damit als der Todfeind der NS- Bewegung auf politischer Ebene zu identifizieren. Die "Hochfinanz" stellt das Judentum und den von der NSDAP immer wieder angeprangerten angeblichen Versuch der Juden, die Weltherrschaft durch eine globale Verschwörung und Infiltrierung sämtlicher Vereinigungen an sich zu reißen[7], dar. In der Rhetorik der Partei nahmen diese beiden Feindbilder sowie die eigene Überlegenheit unter der Flagge des "Ariers" die drei Hauptpunkte ein, Marxismus und Judentum wurden sogar oft als ein und dasselbe bezeichnet, nämlich als die "bolschewistische Kampftruppe des internationalen Finanzjudentums".[8] Mit diesem Wissen erschließt sich auch, weshalb die Schlange als Symbol für die Karikatur gewählt wurde: Dem politischen und rassischen Gegnern wird Scheinheiligkeit und Hinterhältigkeit vorgeworfen, mit der man eine Verschwörung zur Übernahme der Weltherrschaft plant. "Marxismus und Börse" würden die

[...]


[1] Überlingen liegt am Bodensee, nördlich von Konstanz.

[2] Treuenbrietzen liegt im Südwesten von Brandenburg.

[3] Tjiok, Clifford: Die rhetorische Gestaltung der Wahlkampf- und Zielgruppenwerbung der NSDAP unter Berücksichtigung der NS - Linken. Universität Tübingen 1997. S. 71 ff.

[4] http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/ Quellen/Quellenarten/ Karikatur/Begriff/begriff.html

[5] http://bazonline.ch/kultur/diverses/RhetorikSerie-6-Die-Rhetorik-des-Boesen/story/14482339

[6] Bauer, Kurt: Nationalsozialismus: Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall. Wien 2008. S. 120.

[7] Meyer zu Uptrup, Wolfram : Kampf gegen die "jüdische Weltverschwörung": Propaganda und Antisemitismus der Nationalsozialisten 1919-1945. Berlin 2003.

[8] Ebd. 109 ff.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation eines Wahlplakates der NSDAP
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V192735
ISBN (eBook)
9783656176985
ISBN (Buch)
9783656177746
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quelleninterpretation, wahlplakates, nsdap
Arbeit zitieren
John Drewes (Autor), 2012, Quelleninterpretation eines Wahlplakates der NSDAP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192735

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