Die Goldhagen-Debatte - Über das Buch "Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust"


Referat (Ausarbeitung), 2001
17 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I: Aufbau des Buches
1. Ursprünge und Verbreitung des Antisemitismus
2. Antisemitismus in Deutschland vor und während des Nationalsozialismus
3. Die Täter
3.1. Die Polizeibatallione
3.2. Die Arbeitslager
3.3. Die Todesmärsche
4. Die Motivation für den Völkermord

Teil II. Goldhagens Erklärungsansatz

Fazit

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Einleitung

Das Buch „Hitlers willige Vollstrecker – Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust“ von Daniel Jonah Goldhagen hat besonders in der deutschen Öffent­lichkeit zu heftigen Debatten sowohl unter historisch interessierten Lesern als auch unter Wissenschaftlern geführt. Es wurde ihm mehrfach vorgeworfen alle Deutschen über einen Kamm zu scheren, sie als Nazis und Antisemiten zu titulie­ren und darüber hinaus unwissenschaftlich gearbeitet zu haben. Auch wenn man ihn an einigen Stellen seiner Studie aus den unterschiedlichsten Gründen kritisie­ren kann, so muss man ihm doch zu gute halten, das er es geschafft hat, dieses Thema aus den Fachkreisen herauszuholen und einer breiten Öffentlichkeit zu­gänglich zu machen, diese dafür zu interessieren.

Ich möchte im folgenden seine Arbeit vorstellen und seine Erklärungsansätze darlegen. Zudem möchte ich erklären, warum Goldhagens Buch so provokant ist und woran sich die Öffentlichkeit, bzw. viele Historiker stören. Ich möchte darle­gen, ob die Kritik an Goldhagen berechtigt ist oder nicht?

Teil I: Aufbau des Buches

Goldhagens Buch lässt sich in vier größere Abschnitte unterteilen, die ich im fol­genden vorstellen werde:

1. Ursprünge und Verbreitung des Antisemitismus

Schon gleich zu Beginn seines Buches erklärt Goldhagen, dass Antisemitismus kein „deutsches Problem“ gewesen sei. Ihm zufolge hat sich der Antisemitismus durch die Jahrhunderte über ganz Europa verbreitet. Zudem sei der Antisemitis­mus zunächst kein „rassisch“ motivierter Hass gegen Juden gewesen. Die Gründe für den Antisemitismus seien vielmehr religiöser Natur[1], obwohl beide Religionen, Judentum und Christentum, auf der gleichen Grundlage beruhten. Aber die Tatsache, das die Juden Jesus als Messias ablehnten, reichte den Christen aus, um sie als Gegner zu betrachten. Außerdem sahen die Christen in den Juden die Mörder Jesus. Diese schon zu Beginn des Christentums entstandene Abneigung gegenüber den Juden habe sich dann bis in unsere Tage halten und verfestigen können, so das der Antisemitismus in Europa auf einer uralten „Tradition“ beruhe.[2] Ausgrenzung und Verfolgung sei den Juden also nicht erst während des Nationalsozialismus wiederfahren. Trotzdem unterscheide sich der „europäische Antisemitismus“ vom „deutschen Antisemitismus“.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein unterschied sich der „deutsche Antisemitismus“ nicht von seinem „europäischen Vorbild“. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts habe sich der von je her starke Antisemitismus in Deutschland vom religiösen Antise­mitismus zum „rassischen Antisemitismus“ gewandelt.[3] Man sah in den Juden keine Religionsgemeinschaft mehr. Statt dessen ging man dazu über, die Juden als eigene „Rasse“ zu betrachten[4], die sich darüber hinaus auch noch äußerst aggres­siv gegenüber ihren „Gastgeberländern“ verhielt. Das ohnehin negative Image der Juden wurde noch schlechter. Goldhagen bezeichnet diese „deutsche Variante“ als „eliminatorischen Antisemitismus“.[5] Allerdings begründet Goldhagen diesen Wandel nicht. Dafür zeigt er Tendenzen auf, die, also schon sehr lange vor dem Nationalsozialismus, so etwas wie eine „Judenfrage“ in den Raum stellten. Es gab, nach Goldhagen, bereits Ende des 19 Jahrhunderts in Deutschland Strömun­gen, welche die „Judenfrage“ durch die Ausrottung[6] der Juden beantworten woll­ten.[7]

Folgt man dieser Argumentation, wäre der Holocaust nur die logische Konse­quenz einer Entwicklung gewesen, die in Deutschland schon sehr früh begonnen hat. Man könnte also sagen, der Antisemitismus sei, auch in seiner Radikalität, in Deutsch­land so weit verbreitet gewesen, das es unnormal gewesen wäre, kein Antisemit zu sein und es, um es überspitzt auszudrücken, überhaupt keine Alternative zum Holocaust gegeben hätte.

2. Antisemitismus in Deutschland vor und während des Nationalsozialismus

Im zweiten Teil seines Buches beschreibt Goldhagen die Situation der Juden vor und während des Nationalsozialismus in Deutschland.

Zu Zeiten des Kaiserreiches und der Weimarer Republik existierte der „eliminato­rische Antisemitismus“ bereits in der deutschen Gesellschaft. Allerdings sei es nie, so Goldhagen, zu Ausschreitungen und Pogromen gegenüber dem jüdischen Teil der Bevölkerung gekommen. Dafür ausschlaggebend sei aber die staatliche Ordnung gewesen, nicht aber ein weniger stark ausgeprägter Antisemitismus. Das die deutschen Juden bis 1933 also weitestgehend unbehelligt in Deutschland leben konnten, sei alleine dem Staat zu verdanken gewesen, welcher Ausschreitungen gegenüber einem bestimmten Bevölkerungsteil nicht geduldet hätte[8]. Zumindest die physische Unversehrtheit konnte der Staat den Juden garantieren, so Goldha­gen. Beschimpfungen und andere Formen der Diskriminierung hätte aber auch der Staat nicht verhindern können.

Im Nationalsozialismus habe die Situation aber ganz anders ausgesehen. Schon kurz nach der Machtübernahme durch Hitler kam es zu ersten offiziellen, vom Staat geförderten Aktionen gegen die jüdische Bevölkerung. Goldhagen erwähnt hier den Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933.[9]

Noch im selben Jahr wurden verschiedene Gesetze erlassen, welche die Juden diskriminierten. Goldhagen bezieht sich hier auf das „Gesetz zur Wiederherstel­lung des Berufsbeamtentums“[10] und die Nürnberger Gesetze[11]. Diese, von der überwiegenden Mehrheit der deutschen Gesellschaft begrüßten Gesetze, schlossen die Juden schon sehr früh aus dem öffentlichen Leben aus und reglementierten auch weitestgehend das Privatleben der in Deutschland lebenden Juden. Aber bei der durch Gesetze geregelten Diskriminierung sei es nicht geblieben und sehr schnell kam auch die physische Gewalt hinzu.[12] Einen ersten Höhepunkt, so Gold­hagen, stelle hier die „Reichskristallnacht“ dar.[13] Und gerade die Reaktionen der Bevölkerung auf dieses Ereignis mache deutlich, wie tief der eliminatorische Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft verankert gewesen sei.

3. Die Täter

Im dritten und wichtigsten Teil seines Buches geht Goldhagen auf diejenigen ein, ohne die der Holocaust nicht möglich gewesen wäre, nämlich die Männer und Frauen, die bereitwillig bei der „Endlösung“ mitgearbeitet haben. Dies tut er ex­emplarisch an drei „Mordinstitutionen“: den Polizeibatallionen, den Arbeitslagern und den Todesmärschen. Er versucht jeweils die Täter und deren Umfeld, vor allem aber auch ihre Taten, zu beschreiben und die Beweggründe der Täter für ihr handeln darzulegen.

3.1. Die Polizeibatallione

Die erste Institution, deren Täter Goldhagen beschreibt, sind die Polizeibatallione. Er tut dies sehr ausführlich am Beispiel des Polizeibatallions 101. Dieses sei in Polen an zahlreichen Massenerschießungen von Juden beteiligt gewesen, bzw. hat diese alleine durchgeführt.[14] Goldhagen richtet seinen Blick auf das Handeln der Täter und ihre Motivation. Dabei stellt er fest, das die Angehörigen der Polizei­batallione ausnahmslos freiwillig an den Erschießungen teilgenommen haben.[15] Es habe nämlich einen Befehl Himmlers gegeben, der es jedem Angehörigen der Polizeibatallione ermöglichte, sich von diesen Erschießungen freistellen zu lassen. Und auch die Kommandeure vor Ort waren so „menschlich“, niemanden dazu zu zwingen. Denn sowohl Himmler als auch die Kommandeure seien um das Wohl ihrer Männer besorgt gewesen. Es hätten aber nur sehr wenige von dieser Mög­lichkeit gebrauch gemacht[16]. Und diejenigen, die sich freistellen ließen, so Goldhagen, taten dies nicht aus der Überzeugung, das die Ermordung von Juden moralisch nicht vertretbar sei. Das Motiv für die Freistellung sei immer nur per­sönlicher Ekel vor dieser Arbeit gewesen, da es schmutzige Arbeit war, bei der man sich durchaus auch mit dem Blut der Opfer besudeln konnte.[17] Mitleid gegenüber den Opfern sei niemals der Grund gewesen, weswegen ein Polizist sich hätte freistellen lassen. Die Ermordung der Juden sei also auch in den Augen de­rer, die sich freistellen ließen, durchaus gerechtfertigt gewesen. Als weiteres Ar­gument für diese These führt Goldhagen die Erschießungen von Polen an. Diese, so Goldhagen, habe die Polizisten seelisch stark mitgenommen.[18] Und niemand habe mit Spaß Polen erschossen, wie sie es, laut Goldhagen, bei den Juden taten. Über das Mitgefühl der Täter für ihre Opfer habe also nur die Tatsache entschie­den, ob jemand Jude war oder nicht.

[...]


[1] Goldhagen, Daniel Jonah: Hitlers willige Vollstrecker – Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996. S. 48. (im folgenden zitiert als „Goldhagen“)

[2] Es sei unmöglich gewesen Christ zu sein, ohne antisemitische Überzeugungen zu Pflegen. Vgl. Goldhagen, S. 62f.

[3] Antisemitismus sei von je her Anpassungs- und Modernisierungsfähig gewesen und habe sein religiöses Gewand im 19. Jahrhundert abgelegt. Goldhagen, S. 63.

[4] Goldhagen, S. 77.

[5] Goldhagen, S. 69, 71ff 107ff.

[6] Goldhagen, S. 96.

[7] Goldhagen, S 94 – 97.

[8] Goldhagen, S. 98f.

[9] Goldhagen, S. 118.

[10] Goldhagen, S.119.

[11] Goldhagen, S. 126f.

[12] Goldhagen, S. 118 – 120.

[13] Goldhagen, S. 129 – 135.

[14] Goldhagen, S. 277f. Hier findet sich eine Aufstellung der größeren Mordeinsätze des Polizeibatallions 101.

[15] Goldhagen, S. 255f, 263f, 298 – 302.

[16] Goldhagen, S. 265.

[17] Goldhagen, S. 38, 261.

[18] Goldhagen, S. 286f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Goldhagen-Debatte - Über das Buch "Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Theorie und Didaktik der Geschichte
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V19274
ISBN (eBook)
9783638234368
ISBN (Buch)
9783638939683
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde nich benotet, da ich nur einen TN benötigte. Der Dozent war aber mehr als zufrieden.
Schlagworte
Goldhagen-Debatte, Buch, Hitlers, Vollstrecker, Ganz, Deutsche, Holocaust, Einführung, Theorie, Didaktik, Geschichte
Arbeit zitieren
Michael Rolka (Autor), 2001, Die Goldhagen-Debatte - Über das Buch "Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19274

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