Maos Konzept der Revolution


Hausarbeit, 2012
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Ursprünge revolutionären Gedankenguts

III. Gründung der Kommunistischen Partei Chinas

IV. Bauern als Grundstütze der Revolution

V. Zeit der Machtergreifung

VI. Fazit

VII. Literatur

I. Einleitung

Mao Tse-Tung stellt eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts dar. Über ein halbes Jahrhundert lang bestimmte er die Geschicke Chinas mit, davon fast 30 Jahre lang als Großer Steuermann des Landes. Dabei waren seine Beiträge vielfältiger Natur. Er spielte eine zentrale Rolle bei der logistischen Organisation und Planung der 1921 gegründeten Kommunistischen Partei Chinas (KPC), beteiligte sich aber auch wortstark an ideologischen Grundsatzdiskussionen innerhalb dieser. Er agitierte für eine Politik, die das Ziel einer nationalen Einheit und Unabhängigkeit Chinas vor den Klassenkampf einer sozialen Revolution stellte und verteidigte somit revolutionstheoretisch die Einheitsfront mit dem ideologischen Gegner Kuomintang (KMT) gegen ausländische Aggressoren, allen voran Japan. Sowohl innerhalb dieser Konflikte, als auch im vorherigen und darauf folgenden innerchinesischen Kampf tat er sich als militärischer Planer und Stratege hervor. Insbesondere seine auf die chinesischen Realitäten zugeschnittene Guerillataktik war erfolgreich. Überhaupt verhalf die Einbeziehung der Landbevölkerung in strategische und revolutionstheoretische Überlegungen durch Mao der KPC zu einer Machtbasis, die letztlich mit ausschlaggebend für die Machtergreifung war.

Dabei übte Mao mit seinen Handlungen und Meinungsäußerungen zwar großen Einfluss auf das Schicksal Chinas aus, folgte dabei über die Jahre aber nicht einem einheitlichen Revolutionskonzept, sondern durchlief vielmehr selbst eine Entwicklung geprägt durch wachsende Kenntnisse kommunistischer Theorie, aber auch eine zunehmende individuelle Interpretation dieser im Kontext Chinas. So wie seine Überlegungen zur Umsetzung einer sozialen Revolution nicht durchgängig ideologisch konsistent waren, war auch die Verfolgung des Ziels eines vereinten Chinas unter kommunistischer Führung oftmals mehr geprägt von Populismus und pragmatischem Machtkalkül als leninistisch-marxistischer Revolutionstheorie.

Auch war Mao nicht alleiniger Anführer der nationalen Revolution wie später der Volksrepublik China. Bis zur Machtergreifung spielte er lange Jahre bestenfalls eine höherrangige Rolle innerhalb der KPC, welche wiederum nicht aus eigener Kraft heraus in der Lage gewesen wäre ausländische Invasoren abzuwehren und das Land unter ihrer Führung zu vereinen. Dementsprechend geprägt waren Maos Handlungen von politischem Pragmatismus. Es sei betont, dass diese Feststellung keine Wertung von Maos Wirken impliziert - die Unbeweglichkeit eines Standpunkts ist nicht per se lobenswert - sie verweist lediglich auf die Schwierigkeit seine Vorstellungen von Chinas Revolution nachzuzeichnen, um seine Rolle besser einordnen zu können. Dazu sei auch verwiesen auf die geringe Verfügbarkeit von Übersetzungen chinesischer Originalquellen, sowie die nachträgliche Bearbeitung ursprünglicher Texte zum propagandistischen Zweck ideologisch einheitlicher und gefälliger Geschichtsschreibung.

Generell war Mao Tse-Tsungs politische Entwicklung geprägt von den turbulenten Ereignissen innerhalb der chinesischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei lassen sich in der Zeit vor der Machtergreifung zwar übergeordnete Ziele erkennen, die propagierten Methoden und Wege diese zu erreichen erfahren aber mehrfache Aktualisierung. Dabei werden Maos Weltbild und seine politischen Vorstellungen im Laufe seiner Aktivitäten sowohl von bedeutenden Ereignissen, wie von Bekanntschaften beeinflusst.

Die große Zeitspanne und die praktische Natur seines Wirkens erlauben ein Nachvollziehen seiner Handlungsgründe und revolutionstheoretischen Äußerungen nur im Kontext der jeweiligen Zeit. Zur Darstellung des Konzeptes Maos einer chinesischen Revolution soll nachfolgend dessen persönliche Entwicklung chronologisch nachgezeichnet werden, sein Weg zum Aufständischen, die Leitlinien seiner Äußerungen zur Revolutionstheorie, sowie sein Beitrag im Kampf sowohl gegen innerchinesische, wie ausländische Gegner.

II. Ursprünge revolutionären Gedankenguts

Mao Tse-Tung wurde 1893 geboren als Sohn eines wirtschaftlich erfolgreichen Bauern, der es im Vergleich zur durchschnittlichen Landbevölkerung zu bescheidenem Wohlstand brachte. Vom achten bis zum dreizehnten Lebensjahr besuchte er eine Grundschule und lernte nach den klassischen Prinzipien konfuzianischer Ausbildung. Dabei wird ihm eine prägende Vorliebe für Volksliteratur zugeschrieben:

Zweifellos haben ihn diese Romane stark beeinflusst, vor allem die historische Erzählung von den drei Königreichen und Wasserscheide mit ihren Schilderungen heldenhafter Rebellen, die gegen eine korrupte Hofhaltung und Bürokratie revoltieren. [...] Auch der Roman Wasserscheide, welcher die große klassische Erzählung eines Bauernaufstandes ist, urteilt nicht kritisch über das imperialistische System selbst, sondern ausschliesslich [sic] über dessen Mißbrauch [sic]: die heldenhaften Rebellen wollen in einer Zeit der Unruhen, da der Herrscher seine ihm zugedachte Rolle nicht ausfüllt, den wahren konfuzianischen Weg verteidigen.[1]

Die Unterbrechung der Schulausbildung 1906 geschah auf Betreiben des Vaters, der den Sohn im eigenen Betrieb eingesetzt sehen wollte. Dieser setzte später seine Schullaufbahn fort, unterbrach sie 1911 erneut um sich der Revolutionsarmee von Hunan anzuschließen und mit dieser die Qing-Dynastie und damit das Kaisertum in China zu beenden und schloss sie dann schließlich 1918 ab. In der Folge nahm er eine Stelle als Bibliotheksassistent an der Universitätsbibliothek in Peking an. Dort war seine Teilnahme am universitären Leben beschränkt durch seinen Status als Bibliothekar statt als regulärer Student. Konfuzianische Prinzipien von Rang und Kaste begründeten eine Diskriminierung, die erschwerten Zugang zu Veranstaltungen und Lehrpersonal umfasste.[2] Solche Beschränkungen seiner Handlungsfreiheit stellten für Mao einen frühen Nährboden für revolutionäres Gedankengut dar und resultierten - in einer Zeit heftiger sozialer Umbrüche, die auch tief verankerte Traditionen in Frage gestellt sah - in der Annäherung an anarchistische Ideen.[3] Diese generelle Ablehnung bestehender Strukturen spiegelt Maos bereits vorhandene Politisierung, aber auch das Fehlen einer konstruktiven Ideologie.

Im Zuge der Russischen Oktoberrevolution 1917 erfuhr der Marxismus zunehmendes Interesse in China und wurde theoretisch diskutiert in den Jahren 1918/19. Mao fand sich wieder in einem Umfeld, welches letztlich seine Hinwendung zum Marxismus einleiten sollte. Der direkte Kontakt mit Li Ta-chao und Ch’en Tu-hsiu, den späteren Hauptbegründern der KPC, die zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht die neue Ideologie voll angenommen hatten, transformierte Mao zwar nicht umgehend zum überzeugten Marxisten, legte jedoch die Grundlage für die folgende Ausformung seines politischen Weltbildes. Dabei spielte es für ihn eine gewichtige Rolle, dass insbesondere Li Ta-chao die nationale Einheit und Unabhängigkeit Chinas als vorrangiges Ziel gegenwärtiger politischer Bemühungen ansah. Im Rahmen des von Li gegründeten Marxistischen Studienkreises zeigte auch Mao eine Tendenz zu einer nationalistischen Lesart der Theorien von Marx und deren Interpretation und Ausformung durch Lenin.[4]

Im Verlauf des Jahres 1919 beteiligte Mao sich aktiv an Studentenprotesten beziehungsweise Unruhen gerichtet gegen die demütige Haltung gegenüber dem Invasoren Japan und innerpolitischer Kollaboration mit diesem. Das Übergreifen der Proteste auf breitere Teile der urbanen Bevölkerung wie Kaufleute und Arbeiter verarbeitete Mao in einem Aufsatz mit dem Titel Die große Union der Volksmassen. Es ist fraglich, inwieweit er hier seinen späteren Konzepten einer Volksdiktatur vorgriff. Jedenfalls kommt in dem Artikel ein Respekt für das chinesische Volk und dessen revolutionäre Kraft zum Ausdruck, die Schram als Bindeglied zwischen Maos nationalistischen Tendenzen und dessen Hinwendung zu einer marxistischen Weltsicht interpretiert.[5] Zu diesem Zeitpunkt war Mao ideologisch primär der nationalen Einheit und Unabhängigkeit Chinas verpflichtet - die Erkenntnis, dass dieser Kampf gesellschaftliche Klassen übergreifend stattfinden könnte, ebnete seinen Weg zum Marxismus. Nach weiterer dialektischer Auseinandersetzung mit der Theorie, begann Mao 1920 sein Wirken mehr gemäß marxistischer Revolutionstheorie zu gestalten, was sich beispielsweise in der Organisation von Gewerkschaften manifestierte.[6]

[...]


[1] Schram: Mao Tse-Tung, S.13.

[2] Vgl. Snow: Red Star over China, S.148f.

[3] Vgl. Schram: Mao Tse-Tung, S.41-42.

[4] Vgl. Schram: Mao Tse-Tung, S.43.

[5] Vgl. ebd., S.47.

[6] Vgl. Snow: Red Star over China, S.153.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Maos Konzept der Revolution
Hochschule
Universität zu Köln  (Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen)
Veranstaltung
Demokratieverständnis in China
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V192773
ISBN (eBook)
9783656179597
ISBN (Buch)
9783656179771
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mao Zedong, Mao Tse-Tung, Revolutionskonzept, Maoismus, KPC, Kommunismus, China, Chinesische Revolution, Marxismus, Leninismus
Arbeit zitieren
Peter Grabowitz (Autor), 2012, Maos Konzept der Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192773

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