Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel"


Hausarbeit, 2001
27 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt:

0 Einleitung

1 Märchen
1.1 Verschiedene Versuche den Begriff „Märchen“ zu definieren
1.2 Die Entstehung von Märchen
1.3 Das Leben und Schaffen der Brüder Grimm kurz gefasst
1.4 Eigenschaften eines Märchens

2 Symbole
2.1 Was ist ein Symbol?
2.2 Wandlung von Symbolen im Laufe der Zeit

3 Das Märchen „Hänsel und Gretel“
3.1 Inhalt
3.2 Vorkommende Symbole
3.2.1 Das Symbol „Stiefmutter“
3.2.2 Das Symbol „Wald“
3.2.3 Die Symbole „Katze“ und „Taube“
3.2.4 Das Symbol „Lebkuchenhaus“
3.2.5 Das Symbol „Hexe“
3.2.6 Das Symbol „Feuer“
3.2.7 Die Symbole „Perlen“ und „Edelsteine“
3.2.8 Die Symbole „Weg“, „Wasser“ und „Ente“
3.2.9 Die Farbe „Weiß“ als Symbol
3.3 Die Entwicklung der Hauptfiguren

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Die Symbolik im Märchen“. Es soll dabei untersucht werden, ob hinter einfachen Volkserzählungen komplexe Zusammenhänge stehen. Hierfür wurde das Volksmärchen „Hänsel und Gretel“ ausgewählt. Einerseits wegen seines bekanntheitsgrades andererseits, weil in dieser Erzählung eine Vielzahl an Symbolen auftritt, die auch in anderen Märchen häufig zu finden sind.

Im Folgenden soll nun versucht werden den Begriff „Märchen“ genauer zu definieren. Danach wird die Entstehung der Volksmärchen genauer betrachtet. Das Leben der Märchensammler Wilhelm und Jakob Grimm wird anschließend dargestellt. Schließlich werden die Eigenschaften von Märchen aufgeführt.

Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit Symbolen. Es wird gezeigt, dass Symbole veränderbar sind. Als Hauptteil wird dann der erste und zweite Teil zusammengeführt indem die im Märchen auftretenden Symbole und deren Bedeutung erläutert werden. Zusätzlich wird die Entwicklung der beiden Hauptfiguren der Geschichte aufgezeigt.

1 Märchen

1.1 Verschiedene Versuche den Begriff „Märchen“ zu definieren

„Die Wächter rückten ihm mit Lupen und Sonden und hundert Fragen zu Leibe, bis aus dem harmlosen, lieben Ding ein Problem wurde. Weshalb Hexen? Dahinter steckt etwas. Weshalb Tiere, die sprechen, weshalb die Wünsche nach Gold, weshalb Blutstropfen und Stich in die Finger? Warum Lösungen aller Bedrängnisse: Wunschträume, wie? Das Märchen, von lauter Brillen umstellt,

sah ein, dass es das dunkelste und hintergründigste Ding auf Erden sei...“

Otto Flake

„Es war einmal...“ Ja, was war denn einmal und vor allem wann war „es“? Märchen sind uns allen schon seit frühster Kindheit bekannt und wohl „die einzigste Literaturgattung, die sich über alle sozialen Grenzen und Altersgruppen hinweg gesetzt hat. Noch heute werden Märchen gehört, gelesen, geliebt und auch noch weitergegeben.“[1] Ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland aufgetreten ist. Vor allem in Frankreich sind Märchen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Rotkäppchen“ und „Dornröschen“ ebenso bekannt. Aber wie definiert man den Begriff Märchen? Zuerst einmal muss man unterscheiden, ob man von Volksmärchen oder von Kunstmärchen spricht. Der Unterschied ist von großer Bedeutung. Volksmärchen sind seit Jahrhunderten mündlich weitergegebene Geschichten, die einen einfachen Aufbau haben. Wie das Bertelsmann Universal Lexikon schreibt, sind Märchen „kurze Prosaerzählungen, die von phantastischen Zuständen und Vorgängen berichten.“[2] Tiere und Pflanzen können sprechen, Menschen können in diese verzaubert werden. Es existiert ein starker und klarer Gegensatz zwischen gut und böse, fleißig und faul, schlau und dumm. Volksmärchen haben eine immer wieder gleich oder ähnlich auftretende Symbolik, wie zum Beispiel die Stiefmutter oder die Zahl drei (drei Söhne, drei Wünsche, drei Aufgaben). Ebenso das Ende, der Sieg des Guten über das Böse, ist ein typisches Merkmal der Volksmärchen. Kunstmärchen sind von dem jeweiligen Verfasser geprägt und nicht über Jahrhunderte weitergegeben worden. Die bedeutendsten Verfasser sind W. Hauff, E.T.A. Hoffmann, E. Mörike und L. Tieck.

Was nun genau ein Märchen ist, kann nicht einfach gesagt werden. Eine Märchendefinition aus den Jahr 1909 lautet „Märchen: die Schranken der Wirklichkeit nicht beachtende, auf kindlicher Weltbetrachtung beruhende phantastische Erzählung, ist entweder ein von Mund zu Mund und von Volk zu Volk wanderndes, gelegentlich an alte Mythen anknüpfendes Erzeugnis der Volkspoesie (Volksmärchen) oder Dichtung eines einzelnen (Kunstmärchen).“

An dieser Stelle muss man sich aber die Frage stellen, ob Märchen wirklich nur für Kinder erzählt wurden, wie die Definition vermuten lässt. Die moderne Wissenschaft sieht Märchen viel mehr als Lebenshilfe für Erwachsene, wie schon der Buchtitel von Marzella Schäfer „Märchen lösen Lebenskrisen“ zeigt. Die deutsche Märchenerzählerin Vilma Mönckeberg meint ebenso „Es ist ein Irrtum zu glauben, in der ganzen Welt seien die Märchen für Kinder.“[3]

Sehr bestimmt äußert sich Kurt Ranke über Märchen, indem er sagt, dass Märchen „eine von den Bedingungen der Wirklichkeitswelt in ihren Kategorien Zeit, Raum und Kausalität unabhängige Erzählung wunderbaren Inhalts“, ist, „die keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat.“[4]

Einen weiteren Versuch das Märchen in eine Kategorie einzuordnen macht der amerikanische Professor Stith Thompson. Für ihn ist ein Märchen „eine Geschichte von einiger Länge, die eine Folge von Motiven und Episoden umfasst. Es spielt in einer unwirklichen Welt ohne bestimmte Orte oder Charaktere und ist erfüllt vom Wunderbaren. In dem Nie– und Nirgendsland töten Helden ihre Feinde, erben Königreiche und heiraten Prinzessinnen.“[5]

Im Gegensatz zu Stith Thompson versucht Will-Erich Peukert nicht, das Märchen an bestimmten Einzelheiten fest zu machen. Seiner Meinung nach versteht man unter einem Märchen „eine Erzählung, die in der zauberischen Welt stattfindet... in ihr werden Wunder verrichtet, in denen der Mensch sich verwandeln kann.“[6]

Mit dieser Verallgemeinerung werden zwar nicht alle Märchen über einen Kamm geschoren, aber sie lässt eine sehr weite und ungenaue Vorstellung über Märchen zurück.

An diesen Beispielen kann man erkennen, dass es nicht leicht ist eine exakte Definition für Märchen zu finden. Wie Otto Flake ja schon geschrieben hat, handelt es sich um „das dunkelste und hintergründigste Ding auf Erden.“[7]

1.2 Die Entstehung von Märchen

Lange Zeit bevor man an die Brüder Grimm dachte, stand das Erzählen von Geschichten in Gasthäusern an der Tagesordnung. Aber auch die Frauen in den Spinnstuben unterhielten sich an langen Winterabenden mit „romantischen Abenteuergeschichten“[8], während sie ihrer Arbeit nachgingen. Deshalb ist es vielleicht kein Zufall, dass in vielen Märchen Spinnerinnen erscheinen. Am bekanntesten ist wohl die arme Müllerstochter, die eine Kammer voll Stroh zu Gold spinnen muss, was ihr nur durch die Hilfe von „Rumpelstilzchen“ gelingt.

Das Leben im Mittelalter, die Zeit in der viele Märchen ihren Ursprung hatten, war keineswegs einfach. Die Geschichten sind ein Abbild der damaligen Zustände. Kinder wurden, wie Hänsel und Gretel, oft sich selbst überlassen, Frauen mit ungewöhnlichen Eigenschaften galten als Hexen und landeten oftmals auf dem Scheiterhaufen. So ist die Grausamkeit der Grimm`schen Märchen nur eine Darstellung von vergangenen Gegebenheiten, denn die Märchen waren zur Zeit ihrer Entstehung als „derbe Unterhaltung für das niedere Volk“[9] gedacht.

1.3 Das Leben und Schaffen der Brüder Grimm kurz gefasst

Der Amtmann Philipp Wilhelm Grimm und seine Frau Dorothea hatten neun Kinder von denen drei in jungen Jahren starben. Es überlebten Jacob, Wilhelm, Carl, Ferdinand, Ludwig-Emil und Charlotte. Doch als die weltweit bekannten „Gebrüder Grimm“ bezeichnet man nur die beiden ältesten, welche 1785 und 1786 in Hanau geboren wurden. In ihrem Geburtsort findet man heute ein Bronzedenkmal von Jacob und Wilhelm Grimm, welches den Beginn der 600 km langen Deutschen Märchenstraße markiert.

1791 zog die Familie nach Steinau, wo sie bis zum frühen Tod des Vaters fünf glückliche Jahre verlebte. Daraufhin musste die Mutter mit ihren Kindern das Haus verlassen. Nur aufgrund finanzieller Unterstützung einer Tante wurde es den beiden ältesten Brüdern ermöglicht, ein vornehmes Lyzeum in Kassel zu besuchen. Dort verbrachten sie Jahre ernsthaften Lernens und schlossen die Schule erfolgreich und vorzeitig ab. Die Anstrengungen gingen an Wilhelm aber nicht spurlos vorüber, er erkrankte an Lungenschwäche, ein Leiden, das ab diesem Zeitpunkt sein weiteres Leben beeinflusste.

1802 begannen die Geschwister in Marburg mit dem Jurastudium. In dieser Zeit machten sie eine entscheidende Erfahrung. Der Rechtsprofessor Friedrich Karl von Savigry war von ihrem Wissensdurst tief beeindruckt und öffnete ihnen seine Privatbibliothek. Jacob entdeckte ein großes Interesse an Heldensagen und Epen. So wurde die Begeisterung für die Erforschung und Dokumentation von literarischen Stücken geweckt.

Ihr großes gemeinschaftliches Werk „Kinder und Hausmärchen“ begann beiläufig. Die Brüder begannen für den Dichter Clemens Brentano Märchen zu sammeln, da dieser eine Zusammenfassung Deutscher Volksliteratur veröffentlichen wollte. Nach einigen Jahren waren Wilhelm und Jacob im Besitz von 49 verschiedenen Märchen. Eine große Anzahl stammte von Gewährsleuten in und um Kassel und einige waren alten Büchern entnommen. Da Brentano aber nicht mit seiner geplanten Arbeit begann, fingen die beiden Brüder an ihr Arbeitsfeld zu vergrößern um später selbst die Märchen zu veröffentlichen.

Diese Aufgabe lenkte sie von ihren traurigen Lebensumständen ab. 1808 war die Mutter verstorben und Jacob hatte die Aufgabe für seine fünf Geschwister zu sorgen. Wilhelm war ihm dabei keine große Hilfe, da er zu diesem Zeitpunkt sehr unter seiner Krankheit litt.

Vier Jahre später, 1812, konnte der erste Märchenband veröffentlicht werden. Die Sammlung erschien bis 1854 in immer neuen Auflagen; doch fast alle Geschichten hatten die beiden Brüder vor ihrem 30. Lebensjahr zusammengetragen. Viele Besucher kamen in ihr Haus um ihnen Geschichten zu erzählen. Besonders über die Besuche von Dorothea Viehmann freuten sich die Brüder sehr. Als Gastwirtstochter hatte sie von klein auf den Geschichten der Durchreisenden von und nach Frankfurt, die bei ihnen eingekehrt waren, gelauscht. Dorothea verdankten sie z.B. „Aschenputtel“.

Die Brüder erwähnten nie, wem sie welche Geschichten zu verdanken hatten. Erst durch exaktes Studium ihrer Randnotizen in den Handexemplaren kam eine ihrer wichtigsten Erzählerinnen zutage: Marie Hassenpflug. Die heute bekanntesten Märchen scheinen auf diese Frau zurückzugehen, wie z.B. „Schneewittchen“, „Rotkäppchen“ und „Dornröschen“.

Wie sie zu ihrem Wissen kam, versucht ein Verwandter zu erklären: „Wie die Grimms wuchs auch sie in Hanau auf, das damals stark französisch geprägt war. Sie hatte Kindermädchen, die ihr französische Geschichten erzählten. Mag sein, dass die Grimms zunächst dachten, Maries Märchen stammen allesamt aus Hessen. Doch heute wissen wir, dass die berühmtesten davon aus Frankreich kamen“.[10]

[...]


[1] F. Hetmann, Traumgesicht und Zauberspur, S. 8

[2] Bertelsmann Universal Lexikon, Bd.11, S. 230

[3] F. Hetmann, Traumgesicht und Zauberspur, S. 14

[4] ebd. S.13

[5] ebd. S. 12

[6] ebd. S. 12

[7] ebd. S. 11

[8] National Geogrphic, 12/1999, S. 171, Sp. A

[9] National Geogrphic, 12/1999, S. 171, Sp. B

[10] National Geogrphic, 12/1999, S. 171, Sp. A

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel"
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Grundschulpädagogik)
Veranstaltung
Literaturwerkstatt
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
27
Katalognummer
V19284
ISBN (eBook)
9783638234429
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Symbolik, Märchen, Beispiel, Hänsel, Gretel, Literaturwerkstatt
Arbeit zitieren
Astrid Bieling (Autor), 2001, Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19284

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