Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Die Symbolik im Märchen“. Es soll dabei
untersucht werden, ob hinter einfachen Volkserzählungen komplexe Zusammenhänge stehen.
Hierfür wurde das Volksmärchen „Hänsel und Gretel“ ausgewählt. Einerseits wegen seines
bekanntheitsgrades andererseits, weil in dieser Erzählung eine Vielzahl an Symbolen auftritt,
die auch in anderen Märchen häufig zu finden sind.
Im Folgenden soll nun versucht werden den Begriff „Märchen“ genauer zu definieren.
Danach wird die Entstehung der Volksmärchen genauer betrachtet. Das Leben der
Märchensammler Wilhelm und Jakob Grimm wird anschließend dargestellt. Schließlich
werden die Eigenschaften von Märchen aufgeführt.
Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit Symbolen. Es wird gezeigt, dass Symbole
veränderbar sind. Als Hauptteil wird dann der erste und zweite Teil zusammengeführt indem
die im Märchen auftretenden Symbole und deren Bedeutung erläutert werden. Zusätzlich wird
die Entwicklung der beiden Hauptfiguren der Geschichte aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Märchen
1.1 Verschiedene Versuche den Begriff „Märchen“ zu definieren
1.2 Die Entstehung von Märchen
1.3 Das Leben und Schaffen der Brüder Grimm kurz gefasst
1.4 Eigenschaften eines Märchens
2 Symbole
2.1 Was ist ein Symbol?
2.2 Wandlung von Symbolen im Laufe der Zeit
3 Das Märchen „Hänsel und Gretel“
3.1 Inhalt
3.2 Vorkommende Symbole
3.2.1 Das Symbol „Stiefmutter“
3.2.2 Das Symbol „Wald“
3.2.3 Die Symbole „Katze“ und „Taube“
3.2.4 Das Symbol „Lebkuchenhaus“
3.2.5 Das Symbol „Hexe“
3.2.6 Das Symbol „Feuer“
3.2.7 Die Symbole „Perlen“ und „Edelsteine“
3.2.8 Die Symbole „Weg“, „Wasser“ und „Ente“
3.2.9 Die Farbe „Weiß“ als Symbol
3.3 Die Entwicklung der Hauptfiguren
4 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die tiefenpsychologische Symbolik im Volksmärchen „Hänsel und Gretel“, um aufzuzeigen, wie hinter einfachen Erzählstrukturen komplexe Entwicklungsprozesse von Kindern verborgen liegen. Das zentrale Ziel ist es, die Symbolik als Spiegel der kindlichen Loslösung vom Elternhaus und der Identitätsfindung zu analysieren.
- Definition und Wesensmerkmale des Märchens
- Allgemeine Theorie der Symbolik und deren Wandel
- Detaillierte Analyse der Symbole in „Hänsel und Gretel“ (Stiefmutter, Wald, Lebkuchenhaus, Hexe etc.)
- Die psychologische Entwicklung der Hauptfiguren im Märchenverlauf
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Das Symbol „Stiefmutter“
Im Märchen dominieren Stiefmütter als negative Figuren. Da ihnen aber eine Mutterrolle zugeschrieben wird, erwartet man eigentlich eine Person, die alle mütterlichen Eigenschaften in solch großem Maß besitzt, dass diese sogar für nicht leibliche Kinder ausreichen. Doch das ist ganz und gar nicht der Fall. Die Stiefmutter ist in allen Märchen die übel wollende Kraft und geht oft nahtlos in die Gestalt der Hexe über. Der Inbegriff alles Bösen wird mit der Figur der Stiefmutter verdeutlicht. Sie wird als eine negative Frauengestalt dargestellt, die egoistisch und kinderhassend ist und selbst nicht vor Mord zurückschreckt. Diese Mutterfigur ist fast immer der Gegenspieler der Märchenhelden und -heldinnen.
Die Stiefmutter hat im Märchen eine Schlüsselrolle. Die Kinder assoziieren mit ihr eine Mutter, die schlecht und böse ist. Da die Geschwister Hänsel und Gretel aber noch sehr klein sind, können sie sich selbst nicht eingestehen, dass eine Mutter auch negative Aspekte besitzen kann. In ihren Augen verwandelt sich so die Mutter in eine Stiefmutter, denn eine richtige Mutter käme niemals auf den Gedanken, ihre Kinder aussetzen zu wollen, und sei die Not noch so groß. Dies sieht man deutlich an der Wortwahl im Märchen. Erst handelt es sich nur um die Frau des armen Holzackers von der berichtet wird. Als man von ihrem grausamen Plan erfährt, den sie im Schilde führt, und kurz darauf mitgeteilt bekommt, dass es sich um eine Stiefmutter handelt, kann man dies scheinbar als Erklärung für ihre negativen Gedanken annehmen. Der Begriff „Stiefmutter“ reicht allein schon aus grausame Dinge anzunehmen, ohne viel darüber nachzudenken.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Vorstellung des Themas „Symbolik im Märchen“ am Beispiel „Hänsel und Gretel“ sowie Zielsetzung der Untersuchung.
1 Märchen: Erörterung der Definitionsproblematik, der Entstehung von Märchen und des Lebensweges der Brüder Grimm.
2 Symbole: Theoretische Abhandlung darüber, was Symbole sind und wie sie sich im gesellschaftlichen Wandel verändern können.
3 Das Märchen „Hänsel und Gretel“: Inhaltsangabe und tiefgehende Analyse der relevanten Symbole sowie der figureninternen Entwicklung.
4 Schluss: Fazit zur Bedeutung der Symbolik für die kindliche Entwicklung und die Wichtigkeit des Märchenerzählens.
Schlüsselwörter
Märchen, Symbolik, Hänsel und Gretel, Gebrüder Grimm, Stiefmutter, Hexe, Kindheitsentwicklung, Psychoanalyse, Lebkuchenhaus, Wald, Identitätsfindung, Volksmärchen, Loslösung, Symbole, Märchenforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die symbolische Bedeutung von Motiven im Märchen „Hänsel und Gretel“ und untersucht, welche psychologischen Prozesse bei Kindern durch diese Erzählung angesprochen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Märchen-Definition, der Funktion von Symbolen und der spezifischen Interpretation der Rollen und Symbole in „Hänsel und Gretel“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Märchen komplexe, kindliche Urängste wie die Trennung von der Mutter thematisieren und bei der psychologischen Reifung unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen und tiefenpsychologischen Ansatz, um Symbole in ihren Kontexten und in ihrer psychologischen Bedeutung für den Reifungsprozess zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Theorie zu Märchen und Symbolen sowie eine detaillierte Analyse der Einzelmotive (Wald, Hexe, Lebkuchenhaus etc.) in „Hänsel und Gretel“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Symbolik, Identitätsfindung, psychologische Entwicklung, Märchenanalyse und Archetypen charakterisiert.
Warum wird die Stiefmutter im Märchen psychologisch als notwendig erachtet?
Die Stiefmutter dient als Projektionsfläche für negative Gefühle, damit das Kind die „gute“ Mutter in seiner Erinnerung bewahren und sich gleichzeitig vom Elternhaus lösen kann.
Wie verändert sich Gretel im Verlauf der Geschichte?
Gretel entwickelt sich vom passiven, weinenden Mädchen zu einer aktiven, entscheidungsfähigen Person, die durch ihren „bösen“ Akt der Hexenverbrennung ihre eigene Autonomie erlangt.
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- Astrid Bieling (Author), 2001, Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19284