Bauern gegen Söldner - Die Schlacht von Visby 1361

Eine mittelalterliche Schlacht aus archäologischer Sicht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

16 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der historische Hintergrund
2.1 König Waldemar Atterdag, Schweden und Handelsinteressen
2 .2 Das historische Ereignis

3. Die Archäologie vor den Toren Visbys
3 .1 Die Ausgrabungstechnik
3.2 Die Funde

4. Das, was übrig blieb
4 .1 Die Skelette
4.2 So schützten sich die Kämpfer
4.3 Die Rüstungen von Visby

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Schlachten des Mittelalters üben eine besonders große Faszination auf uns moderne Menschen aus. Dies wird immer dann besonders deutlich, wenn Filme zum Thema große Erfolge feiern. Oder dann, wenn ein altes Schlachtfeld entdeckt wird. Die mittelalterliche Kriegführung steht gerade durch ihre Andersartigkeit und Brutalität oft im Mittelpunkt sowohl des Forschungs- als auch des Öffentlichkeitsinteresses. Wenn dann auch noch Zeitkapseln entdeckt werden, in denen Zeugnisse dieser Vergangenheit zu finden sind, kann aus einem Fund schnell eine Sensation werden. So wie es in der Nähe der auf Gotland gelegenen Stadt Visby geschah.

Die Schlacht von Visby im Jahr 1361 zwischen der Armee des dänische Königs Waldemar Atterdag und gotländischen Bauern war zwar ein Ereignis mit nicht übermäßig großer historischer Bedeutung, ist aber aus archäologischer Sicht eine Sensation. Anders als bei anderen gefundenen Massengräbern in der Nähe von ehemaligen Schlachtfeldern des Mittelalters wurden bei Visby neben den zahlreichen Skeletten auch Rüstungen gefunden. Dies ist insoweit bedeutend, als dass im Regelfall die Gefallenen komplett geplündert wurden. Was war also an der Schlacht von Visby so bedeutend im Gegensatz zu vergleichbaren Ereignissen des Mittelalters?

Die schriftlichen Quellen alleine geben darüber keine Auskunft. Daher sind die Ausgrabungen in der Nähe von Visby von Bedeutung. Was fanden die Forscher bei der Öffnung der Gräber? Wie bewältigten sie die große Zahl an Funden? Und welche Schlüsse zogen sie daraus? Darüber hinaus werde ich mich auch der Frage annähern, ob die Archäologie in diesem Fall einen sinnvollen Beitrag zu der Geschichtsforschung leisten konnte.

Die Literaturauswahl zu den archäologischen Funden in Visby ist sehr begrenzt. Zur Beantwortung der eingangs gestellten Fragen werde ich die Schlacht von Visby zunächst in den historischen Kontext einordnen. Dies ist unabdingbar, um die Gründe für den dänischen Angriff auf Gotland sowie die Auswirkungen zu verstehen. Auch wird so deutlicher, wer genau in die Schlacht zog und aus welcher Motivation heraus.. Danach werde ich näher auf die Ausgrabungstechnik und die Funde eingehen. Auch die Befunde aus den untersuchten Skeletten sollen näher beleuchtet werden. Abschließend sollte es dann möglich sein, die eingangs gestellten Fragen zu beantworten.

2. Der historische Hintergrund

''Anno Domini MCCCLXI Feria III Post Jacobi Ante Portas Wisby in Manibus Danorum Ceciderunt Gutenses Hic Sepulti. Orate Pro Eis.''[1]

Diese Worte befinden sich an dem Gedenkkreuz, das heute auf dem ehemaligen Schlachtfeld steht. Der Inschrift nach fielen an diesem Ort, also vor den Toren der Stadt Visby, am 27. Juli 1361 die Gotländer in die Hände der Dänen.

Das auf der Insel Gotland gelegene Visby war zu dieser Zeit eine bedeutende Handelsstadt. Durch seine weitreichenden Handelsrouten war diese Stadt im Ostseeraum neben Lübeck führend in den Bereichen Kultur und Wirtschaft. Politisch spielten aber weder die Stadt Visby noch die Insel Gotland eine entscheidende Rolle.[2] Vielmehr ist zu vermuten, dass sich die Kaufleute zugunsten ihrer Handelsinteressen aus politischen Konflikten heraus hielten. Die Insel gehörte offiziell zu Schweden, war aber in der Praxis halb- unabhängig.[3] Allerdings gab es immer wieder Konflikte zwischen der Stadt und den ebenfalls wohlhabenden gotländischen Bauern. Es gab sogar einen bewaffneten Konflikt, der allerdings vom schwedischen König rasch beendet wurde.[4]

Dennoch zeigt dieser auch mit Waffen ausgetragene Streit deutlich, dass unsere moderne Vorstellung von nur durch souveräne Staaten geführten Kriegen auf das 14. Jahrhundert nicht zutrifft.[5] Dies ist insofern von Bedeutung, als dass so der entschiedene Widerstand der gotländischen Bauern plausibel erscheint. Sie mussten jederzeit in der Lage sein, ihre Interessen notfalls mit Gewalt zu wahren. Auch gegenüber einem König.

Auch das Kriegswesen befand sich während des 14. Jahrhunderts im Wandel. Nicht mehr reine Ritterheere bestritten die Kämpfe, sondern mehr und mehr Heere aus Infanterie, die sowohl Nah- wie auch Fernkämpfer beinhalteten.[6] So sollte es auch in Visby geschehen.

2.1 König Waldemar Atterdag, Schweden und Wirtschaftsinteressen

Waldemar Atterdag war der König von Dänemark. Ihm war es gelungen, die Dänen zu einen und befand sich nun mit Schweden im Konflikt um die Provinz ,,Scania''. Da der schwedische König passiv blieb, konnte Waldemar ,,Scania'' ohne große Probleme einnehmen.[7] Wohl ermutigt durch diesen schnellen Erfolg, richtete der dänische König seine Aufmerksamkeit auf Gotland und Visby. Wahrscheinlich erhoffte er sich durch die Eroberung eine Trumpfkarte in Verhandlungen mit der Hanse um Handelsrechte.[8] Deutsche Kaufleute übten in Visby seit der Gründung der ,,Theutonici Gotlandiam Frequentes''[9] einen großen Einfluss aus. Der große Reichtum und die damit verbundene Aussicht auf reichhaltige Tributzahlungen stellten mit Sicherheit eine nicht zu unterschätzende, zusätzliche Motivation dar.[10]

Dies erscheint umso wahrscheinlicher, wenn man die hohen Kosten für einen Krieg bedenkt.[11] Seine Kassen dürften alleine durch das Anheuern der Söldner stark belastet gewesen sein, ganz zu schweigen von den Kosten für den weiteren Kriegsverlauf im Konflikt um ,,Scania“.

[...]


[1] Thordeman, Bengt, PH.D: Armour from the Battle of Wisby. cf. S. 1.

[2] Ebd. Vgl. S. 6.

[3] Ebd. Vgl. S. 8.

[4] Ebd. Vgl. S. 13.

[5] Medieval Warfare. A History. Vgl. S. 1.

[6] Schmidtchen, Volker: Kriegswesen im späten Mittelalter. Vgl. SS. 221-224.

[7] Thordeman, Bengt, PH.D: Armour from the Battle of Wisby. Vgl. S. 14.

[8] Ebd. Vgl. S. 15.

[9],,Die Gesellschaft der Gotländischen Reisenden'', Ebd. Vgl. SS. 10-12.

[10] Ebd. Vgl. S. 15.

[11] Medieval Warfare. A History. Vgl. SS. 6/7.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Bauern gegen Söldner - Die Schlacht von Visby 1361
Untertitel
Eine mittelalterliche Schlacht aus archäologischer Sicht
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Veranstaltung
Archäologie im Grenzbereich
Note
1.7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V192850
ISBN (eBook)
9783656180753
ISBN (Buch)
9783656181118
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archäologie, Geschichte, 1361, Gotland, Dänemark, Schweden, Söldner, Bauern, Krieg im Mittelalter, Krieg, Feldschlacht, Schlachten Mittelalter, Mittelalter, Visby, Wisby
Arbeit zitieren
B.A. Daniel Ossenkop (Autor), 2010, Bauern gegen Söldner - Die Schlacht von Visby 1361, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192850

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