Ansatzpunkte eines professionellen Zinsmanagements als Grundlage zur Reduzierung von Zinsrisiken und Zinskosten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zinsrisiken
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Zinselastizität / Zinsreagibilität
2.3 Zinsrisikoarten
2.3.2 Variables Zinsrisiko
2.3.4 Offene Positionen
2.4 Erkennen von Zinsrisiken
2.4.1 Zinsstrukturkurve
2.4.2 Quantifizierung von Zinsrisiken

3 Grundlagen eines modernen Zinsmanagement
3.1 Motive für ein modernes Zinsmanagement
3.1.1 Sicherungsgeschäfte
3.1.2 Spekulationsgeschäfte
3.1.3 Arbitragegeschäfte
3.2 Hedging Strategien

4 Zinsinstrumente für das Zinsmanagement
4.1 Derivate
4.2 Zinsderivate mit symmetrischen Risikoprofil
4.2.1 Forward Rate Agreement
4.2.2 Zinsswap
4.2.2.1 Kuponswap
4.2.2.2 EONIA-Swaps
4.3 Zinsderivate mit asymmetrischen Risikoprofil
4.3.1 Zinscaps
4.3.2 Zinsfloor
4.3.3 Swaptions

5 Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Zur Überwindung der Sintflut musste sich bereits Noah an die technischen Bauvorschriften von Gott halten und Risiken präventiv reduzieren.“[1] Selbst Noah konnte sich nicht einfach in die Arbeit stürzen ohne sich gegen eventuelle Risiken abzusichern. Auch in unserer modernen Welt die immer komplexer und schneller wird, müssen Risiken reduziert werden.

In den letzten Jahren fand eine verstärkte Öffnung der Geld und Kapitalmärkte statt. Dies war verbunden mit Chancen aber zugleich auch mit Risiken. Auch die Finanzmärkte waren diesem Vabanquespiel, das nun nicht mehr nur auf nationaler Ebene bestand, ausgesetzt. Vermehrt waren/sind die Märkte den globalen Zinsänderungen ausgesetzt, diese erhöhte Volatilität brachte ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko mit sich. Auch die Finanzkrise wirkte sich auf die Volatilität der Zinsmärkte aus. Im europäischen Raum senkte die EZB den Leitzins seit Januar 2008 von 4 % auf bis heute 1,00%. Dies entspricht einem Rückgang von 75% und stellt somit ein erhebliches Wagnis dar.

Seit den siebziger Jahren haben sich Zinsderivate nach deren Einführung als unverzichtbare Instrumente im Risikomanagement entwickelt. Zinsderivate stellen besonders im Bereich Kreditfinanzierung ein wichtiges Instrument zur Steuerung der Zinsausgaben dar. Aber auch Privatpersonen können sich mittlerweile über solche Finanzinstrumente gegen Zinsschwankungen absichern.[2] Gerade für die Planungssicherheit ist es wichtig Zinszahlung mittel- bis langfristig festzuschreiben. Ebenso ist es möglich Risiken losgelöst vom Grundgeschäft zu betrachten, und bieten somit zusätzliche Chancen am Kapitalmarkt. Auf diese Möglichkeiten wird im Verlauf der Seminararbeit eingegangen.

Zinsderivate spielen also weltweit eine substanzielle Rolle und haben sich in den vergangenen Jahren bewährt.

Die Seminararbeit soll einen grundsätzlichen Überblick über die verschiedenen Motive, Einsatzmöglichkeiten und Instrumente des Zinsmanagements geben. Die Arbeit beginnt demnach mit der Definition von Zinsrisiken und die Möglichkeiten der Zinsstrukturkurve als Entscheidungshilfe. Im weiteren Verlauf widmet sich diese Arbeit den verschiedenen Strategien des Zinsmanagements und deren Instrumente um Zinsrisiken und Zinskosten zu reduzieren. Zielsetzung dieser Arbeit ist es den Leser über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten zu informieren, den Abschluss bilden Ausblick und Schlussbetrachtung.

2 Zinsrisiken

2.1 Begriffsbestimmung

Für den Begriff Zinsrisiko[3], kommt in der Literatur der Begriff Zinsänderungsrisiko[4] als Synonym vor. Das Zinsänderungsrisiko beschreibt die Gefahr, dass unerwartete Änderungen der Zinssätze einen negativen Einfluss auf das Ergebnis und die Bilanz ausüben, gleichzeitig aber in gleichem Maße die Chance von Veränderungen der Zinssätze zu profitieren.[5] Es beschreibt also das Risiko, dass bei steigenden Zinsen der Wert einer Investition sinkt und bei fallenden Zinsen steigt.[6]. Das Zinsänderungsrisiko gehört zum Marktrisiko.

Das Risiko einer durch Marktzinsänderung induzierten Verringerung der Zinsmarge tritt insbesondere bei fristeninkongruenter (Fristentransformation) Refinanzierung und Festzinsvereinbarungen auf. Aber auch bei variabel verzinsten und fristenkongruenter Refinanzierung kann ein Zinsänderungsrisiko auftreten.[7]

Auf die unterschiedlichen Risiken wird im nächsten Kapitel eingegangen.

2.2 Zinselastizität / Zinsreagibilität

Die Zinselastizität beschreibt die Veränderung einer variablen Aktiv- oder Passivposition in Prozent, bei einer einprozentigen Veränderung des Marktzinsniveaus.[8] Zinselastizitäten liegen zwischen null und eins. Bei Festzinsgeschäften beträgt die Zinsanpassungselastizität stets null, bei variablen liegt sie zwischen null und eins.[9] In der Theorie gibt es neben der Zinselastizität, ebenfalls den Begriff der Zinsreagibilität.[10] Im weiteren Verlauf der Arbeit werden diese Begriffe als Synonym benutzt.

Die Abbildung auf der nächsten Seite zeigt die Berechnung der Elastizität.

Elastizität= Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Elastizität[11]

2.3 Zinsrisikoarten

2.3.1 Festzinsrisiko

Im Festzinsrisiko besteht die Gefahr einer sinkenden Zinsspanne, deren Grund unterschiedliche Zinsanpassungselastizitäten sein können. Ursache dafür sind das vorhanden sein von offenen Festzinspositionen in der Bilanz. Diese Positionen ergeben sich durch ein nicht Fristenkongruente Refinanzierung einzelner Bilanzposten. Exemplarisch für eine solche inkongruente Bilanzstruktur sind dass Laufzeiten der aktivischen nicht mit denen der passivischen Festzinsposition übereinstimmen oder sich Festzinspositionen und variable Zinssätze gegenüberstehen. Bei steigendem Zinsniveau ist es z.B. Banken nicht möglich diese Zinssätze im Kreditgeschäft direkt weiter zu geben, wobei die Refinanzierung sich verteuert. Analog zu betrachten ist die Auswirkung eines fallenden Zinsniveaus. Den geringeren Erträgen stehen weiterhin gleich bleibende Finanzierungskosten gegenüber.[12] Bei Unternehmen besteht das Festzinsrisiko oft darin, dass ein noch nicht abgezahlter Kredit zu neuen Konditionen verlängert werden muss, und dies zu erhöhten Kosten führen kann. Ein anderer Fall liegt darin, dass bei einem längerfristigen Kredit ein Unternehmen nicht von Zinssenkungen profitieren kann.

2.3.2 Variables Zinsrisiko

Im Gegensatz zum Festzinsrisiko resultiert das variable Zinsrisiko aus einem dem variablen Geschäft zurechenbaren Unterschied der Zinsanpassungselastizitäten. Hierbei kann die Bruttozinsspanne aufgrund von unterschiedlicher Zinsreagibilität der Aktiv- und Passivseite negativ beeinflusst werden. Denn Aktiv- und Passivseite können sich hinsichtlich der Dauer und der Anpassung an neue Marktgegebenheiten (Zinsänderung) unterscheiden.[13] Es ergibt sich also ein negatives Zinsergebnis wenn der Aktivzins schneller fällt als der Passivzins bzw. der Passivzins schneller steigt als der Aktivzins.[14]

Ein triviales Beispiel für das variable Zinsrisiko ist die Aufnahme eines variabel verzinsten Darlehens. Bei steigendem Zinsniveau erhöhen sich die Kreditkosten.[15]

Als Referenzzinssatz für die variable Verzinsung dient z.B. der EURIBOR. Hieran erfolgt eine regelmäßige Anpassung der variablen Zinssätze. Die Laufzeit kann eine Woche oder 1 – 12 Monate betragen.[16] Bei Unternehmen führen diese Anpassungen der Zinssätze dazu, dass keine geeignete Kalkulationsgrundlage entsteht. Investitionen können durch die eventuell stark ansteigenden Kapitalkosten unrentabel werden und zu einer geringeren Finanzierungskraft des Unternehmens führen.[17]

2.3.3 Abschreibungsrisiko

Dies ist eine Sonderform der Zinsänderungsrisiken. Es tritt auf wenn bei steigendem Zinsniveau gehaltene Wertpapiere des Handelsbestand an Wert verlieren und es zu einem Abschreibungsbedarf kommt.[18]

2.3.4 Offene Positionen

Einem Zinsänderungsrisiko unterliegen zumeist nur offene Positionen einer Bilanz. Solch offene Positionen sind risikotragende Aktiv- oder Passivpositionen die keine Gegenposition hinsichtlich Volumen oder Fristigkeit besitzen, welche das Zinsänderungsrisiko kompensieren könnte. Wenn eine variabel verzinste Aktivposition in gleichem Umfang und Fristigkeit variabel refinanziert wurde, gleicht sich eine Marktzinsänderung aus.

Das Zinsänderungsrisiko bei offenen Positionen lässt sich durch Finanzinstrumente absichern.[19] Auf diese Instrumente wird im späteren Verlauf der Seminararbeit eingegangen.

2.4 Erkennen von Zinsrisiken

Die beschriebenen Zinsrisiken entspringen der Tatsache dass sich das Zinsniveau ändert, und es somit zu Verlusten kommen kann. Ein modernes Zinsmanagement ist also immer bestrebt sich eine möglichst genaue Meinung über die zukünftige Zinsentwicklung zu machen. Hierbei eignet sich vor allem die Zinsstrukturkurve als geeignetes Instrument. Auf diese wird im Folgenden Eingegangen.

2.4.1 Zinsstrukturkurve

Die Zinsstrukturkurve stellt die jeweils aktuellen Zinssätze von kurz-, mittel- und langfristigen Anlagen in grafischer Form dar. Üblicherweise wird als Referenzanlage eine Anleihe eines staatlichen Emittenten gewählt, deren Laufzeiten von einem bis zu zehn Jahren reichen.[20]

Die folgende Grafik zeigt die unterschiedlichen Verlaufsformen der Zinsstrukturkurve. Jeder Punkt auf den Kurven der Grafik gibt einen bestimmten Zinssatz mit der dazugehörigen Laufzeit an. Für den Verlauf der Zinsstrukturkurve gibt es unterschiedliche Faktoren die diesen beeinflussen. Diese sind vorwiegend eine Veränderung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds oder die Erwartungen der einzelnen Marktteilnehmer. Unterschieden wird zwischen einer flachen, normalen und Inversen Zinsstrukturkurve.[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:Verlaufsformen der Zinsstrukturkurve[22]

Die normale Zinsstrukturkurve: Hier liegen die langfristigen Renditen über denen von kurzfristigen. Für eine Anleihe hat dies z.B. die Folge, das mit Annäherung zum Ablaufdatum der Kurs sich dem Tilgungsbetrag zustrebt.

Die flache Zinsstrukturkurve: Hier sind die Renditen in allen Restlaufzeiten nahezu identisch.

Die inverse Zinsstrukturkurve: Die Renditen von Anlagen mit langer Restlaufzeit liegen unter denen von Anlagen mit kürzerer Restlaufzeit. Im Gegensatz zur normalen Zinsstrukturkurve, muss droht bei einer Anlage je näher sie dem Ablaufdatum kommt, ein Kursverfall.

Um das ganze zu verdeutlichen ein Beispiel:

Bei den momentan niedrigen Zinsniveau[23] und der Annahme einer flachen Zinsstrukturkurve wird sich ein Unternehmer bei einer Finanzierung eher für einen langfristiges Darlehen mit festen Zinsen entscheiden. Denn er geht davon aus, dass das Zinsniveau in der Zukunft eher ansteigen wird. Dies muss aber nicht zwingend der Fall sein. Denn die Gefahr der Zinsstrukturkurve liegt darin, dass Wendungen der Kurven nicht genau vorher gesagt werden können. Der Übergang von einer Hochzinsphase in eine Niedrigzinsphase oder umgekehrt.

Verschiedene Verläufe (normal, flach, invers) deuten auf unterschiedliche Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich der Zinssätze hin.[24] Solche Erwartungen spielen eine große Rolle bei Finanzierungsentscheidungen von Unternehmen. Eine Quantifizierung von Zinsrisiken setzt voraus, dass Unternehmen genaue Kenntnisse über die Höhe und die Volatilität der Zinssätze für verschiedene Laufzeiten, und ebenso der zukünftigen Erwartung über Volatilität und Laufzeiten besitzen. Denn nur dadurch lassen sich geeignete Maßnahmen ergreifen.[25]

[...]


[1] Erben, Roland / Romeike, Frank (2006), S.7 f.

[2] Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Januar 2003, Die Bedeutung von Zinsderivaten, S. 31.

[3] Vgl. z.B. Bessler (1989), S. 2f; Stocker (1997), S. 45; Wiedemann (1998), S. 7.

[4] Vgl. z.B. Bangert (1987) S.1; Büschgen (1988), S.15; Hanker (1998), S. 25.

[5] Vgl. Breit, C.: Finanzierung der Unternehmung: Zinsmanagement, (1998), S. 4.

[6] Vgl. Scott, D. L. (2000), Wall Street Wörterbuch, S. 279.

[7] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), S. 3593.

[8] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), S. 3593.

[9] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 759.

[10] Vgl. Bessler, W. (1989), S. 153.

[11] Büschgen, H.E. (1998), S. 759

[12] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 1024.

[13] Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 1024.

[14] Vgl. Scheffler, J. (1994) S. 13 f.

[15] Vgl. http://www.interhyp.de/flex-darlehen.html.

[16] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), S.987.

[17] Vgl. Demuth (1988), S. 120.

[18] Vgl. Schierenbeck (1988), S.46.

[19] Vgl. Eilenberger, Lexikon der Finanzinnovationen (2009), S.300.

[20] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), S. 3597.

[21] Vgl. Hanker (1998), S. 26.

[22] Hanker (1998), S. 26.

[23] Vgl. Europäische Zentralbank, EZB Zinssätze: Mindestbietungssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 1,0% gültig seit dem 13.05.2009; in: http://www.bundesbank.de/ezb/ezb.php ; (17.05.2009)

[24] Vgl. Schäfer, H. (2005), S.182 ff.

[25] Vgl. Arnoldi 1993, S.27.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ansatzpunkte eines professionellen Zinsmanagements als Grundlage zur Reduzierung von Zinsrisiken und Zinskosten
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V192870
ISBN (eBook)
9783656186847
ISBN (Buch)
9783656187677
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansatzpunkte, zinsmanagements, grundlage, reduzierung, zinsrisiken, zinskosten
Arbeit zitieren
Dipl. Kfm. (FH) Tim Garsztka (Autor:in), 2009, Ansatzpunkte eines professionellen Zinsmanagements als Grundlage zur Reduzierung von Zinsrisiken und Zinskosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192870

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