Qigong im Alter


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qigong als Anwendungsgebiet für ältere Menschen
2.1 Allgemeines zur Durchführung
2.2 Besonderheit der Atmung
2.3 Vier „I‘s“ der Geriatrie
2.3.1 Instabilität
2.3.2 Immobilität
2.3.3 Intellektueller Abbau
2.3.4 Inkontinenz
2.4 Persönliche Erfahrungen von älteren Praktizierenden

3. Qigong für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems
3.1 Hypertonie
3.2 Hypotonie
3.3 Koronare Herzerkrankungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die fortschreitende demographische Entwicklung, bei der der Anteil der älteren Bevölkerung immer weiter zunimmt, führt dazu, dass sich die medizinischen Aufgaben qualitativ und quantitativ verschieben.[1]

Für ältere Menschen ist typisch, dass sie nicht nur eine Krankheit haben, sondern unter einer Vielzahl von Erkrankungen (Multimorbidität) leiden. Dazu kommen eine überdosierte Medikation und eine psychosoziale Isolation. Dies kann akute Krankheiten verursachen.[2] Häufig im Alter vorkommende Krankheiten sind die des Bewegungsapparates. Solche Krankheiten können dazu führen, dass ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, die Mobilität sogar verlieren und sie dadurch in ihrem zu Hause gefangen werden und vereinsamen. Daneben lassen die kognitiven sowie sensorischen Leistungen nach. Zusammen mit anderen Krankheiten entsteht ein Merkmalskomplex aus Immobilität, Inkontinenz, intellektueller Abbau und Instabilität. Die vier „I‘s“ der Geriatrie verstärken sich gegenseitig und bedrohen die letzten Lebensjahre älterer Menschen.[3]

Die Frage ist nun, mit welchen therapeutischen Maßnahmen diesen Problemen begegnet werden kann? Von einer herkömmlichen kurativen und diagnosebetonten Therapie sollte Abstand genommen werden. Im Mittelpunkt der Therapie steht die Aufrechterhaltung der Funktion und nicht die Wiederherstellung und Heilung. Funktionelle Einschränkungen von älteren Menschen sind reversibel oder können zumindest kompensiert werden. Eine mögliche Lösung stellt die chinesische Heilkunst Qigong dar. Als komplementärer selbsttherapeutischer Ansatz kann Qigong Einschränkungen lindern oder gar beheben.[4]

Die vorliegende Arbeit untersucht zunächst, inwieweit Qigong eine sinnvolle Methode für das Anwendungsgebiet für ältere Menschen ist (Abschnitt 2). Danach wird Qigong auf ausgewählte Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, die für Ältere typisch sind, bezogen (Abschnitt 3). Ein Fazit (Abschnitt 4) rundet die Arbeit ab.

2. Qigong als Anwendungsgebiet für ältere Menschen

2.1 Allgemeines zur Durchführung

Der Raum, in dem Qigong ausgeübt wird[5], sollte entweder ebenerdig oder zumindest mit einem Aufzug zu erreichen sein. Im Übungsraum haben ausreichend Hocker und Stühle zu stehen. Damit können auch ältere Teilnehmer mit körperlichen Einschränkungen und die nicht in der Lage sind zu stehen, Qigong im Sitzen durchführen. Die Teilnehmerzahl der Gruppe sollte zwischen zehn und zwölf Personen liegen. Somit kann der Übungsleiter leichter die Probleme jedes Teilnehmers erkennen und darauf individuell eingehen. Der Übungsleiter hat eine einfache, klare und laute Artikulation zu finden, damit auch Teilnehmer, die eine nachlassende Hörfähigkeit haben, ihm akustisch folgen können. Er sollte sich stets vergewissern, ob er von den Teilnehmern verstanden wird.[6]

2.2 Besonderheit der Atmung

Beim Qigong ist die Natürlichkeit der Atmung wichtig. Ein ungestörtes und natürliches Atmen, das als lang, tief, gleichmäßig, fein und sanft zu beschreiben ist, hat einige Vorteile. Es gewährleistet die Erwärmung der Atemluft in der Nase, nutzt die Kapazität der Lungen aus und vergrößert die Schwingungsweite der Zwerchfellbewegungen, was eine sanfte Massage der Bauchorgane bewirkt. Tiefe Atemzüge führen im Gegensatz zu einer flachen Atmung dazu, dass die Atemluft gleichmäßiger in den Lungen verteilt wird. Dazu kommt eine bessere Ventilation der Lungenbläschen (Alveolen). Bei älteren Menschen kann „air trapping“ vorliegen, bei dem manche Lungenareale nicht mehr Atemluft austauschen können. Die Gefahr einer Lungenentzündung wird größer. Daher ist es umso bedeutender, dass ältere Menschen bei der Ausübung des Qigong auf die Natürlichkeit ihrer Atmung achten, um dem „air trapping“ vorzubeugen.[7]

2.3 Vier „I’s“ der Geriatrie

2.3.1 Instabilität

Qigong eignet sich für die Stärkung der Stabilität des Körpers und des Gleichgewichtssinns. Die langsamen Bewegungen der Übungen verbessern die Wahrnehmung der verschiedenen Körperpositionen. Bestandteil und Prinzip jeder Übung ist die Entwicklung der unteren Festigkeit: also mehr Bodenständigkeit. Die Kraft, die im unteren Körperbereich (Yin) entspringt, entfaltet sich in dem oberen Körperbereich (Yan) nach oben. Der untere Körperteil soll fest mit dem Boden verbunden sein (Erdung, Verwurzelung) und sich kraftvoll anfühlen, der obere Körperteil dagegen locker, leicht und leer. Das konsequente Üben des Stehens und Abrollens der Füße bewirkt eine Veränderung der Fußstatik. Dies führt zu einer verbesserten Abfederung, aus der eine Veränderung der Muskulatur des Bewegungs- und Halteapparates und in der Folge eine bessere Aufrichtung des Körpers resultieren kann. Zudem kann das Üben der Aufrichtung des Rumpfes und speziell der Wirbelsäule die Bewegungskoordination und Körperstatik verbessern. So können alte und in den Jahren eingefahrene und konservierte Halte- und Bewegungsmuster verändert werden.[8]

Nach der chinesischen Medizin wird die ursprüngliche Lebenskraft in der Niere gespeichert. Die Niere ist dabei eng mit bspw. den Beinen und Füßen verbunden. Ein Nachlassen der Lebenskraft führt zur Schwächung dieser Bereiche und zu Funktionseinbußen in allen anderen Bereichen. Einige Übungselemente dienen dazu, es zu verhindern und ein festes Fundament zu entwickeln. Dazu zählen u.a. die Vorstellung eines festen Stehens auf der Erde wie ein fest verwurzelter Baum sowie das Einnehmen einer Körperhaltung mit leicht gebeugten Knien, wobei die Gesäßkraft nach unten gerichtet ist. Es gilt dabei die Vorstellung zu gewichten: die nach unten gerichtete Vorstellung mit 70 Prozent und die nach oben gerichtete Vorstellung mit 30 Prozent zu üben. Zusammen mit der Wahrnehmungsschulung in Beinen und Füßen fördern die Übungen des Qigong die Stabilität älterer Menschen. Zugleich dienen die Übungen indirekt als Sturzprophylaxe.[9] Sie können die Koordinationsfähigkeit fördern, die Stützfunktion des Bewegungsapparates verbessern und somit die Sturzgefahr verringern.[10]

2.3.2 Immobilität

Ältere Menschen leiden aus verschiedenen Gründen unter Immobilität, die mit dem älter werden immer weiter zunimmt. Zu den Ursachen gehören u.a. Übergewicht und chronische Schmerzen im Bewegungsapparat. Lediglich die zum An- und Auskleiden, Essen, Waschen, Hausarbeiten etc. benötigten Bewegungsabläufe werden noch ausgeführt. Die allgemeine Leistungsminderung älterer Menschen kann auf das Fehlen adäquater Belastungsanreize zurückgeführt werden. Zwar treten im natürlichen Alterungsprozess bspw. Muskelatrophie und eine geringere Beweglichkeit auf, die unvermeidbar sind. Der Prozess lässt sich jedoch durch sportliche Betätigung erheblich verlangsamen. Aber Ältere ziehen die Bequemlichkeit und die körperliche Inaktivität vor. Sie betrachten es als Entspannung und Erholung.[11] Ihre innere Haltung, die sie nach außen kommunizieren, sagt einen körperlichen Verschleiß und Verbrauch aus.[12]

Übungen des Qigong tragen dazu bei, die Beweglichkeit zu verbessern, die Ausdauer zu steigern, die Körperwahrnehmung zu schulen und Koordination und Kraft besonders in den unteren Extremitäten zu entfalten und zu stärken.[13] Qigong fügt sich daneben in das multimodale Konzept der Schmerztherapie ein. Die Übungen können Bestandteil nichtinvasiver und nichtmedikamentöser Schmerztherapie sein.[14] Außerdem regt regelmäßiges Qigong das Wachstum von Knochenzellen an. Dies wiederum bewirkt eine Verbesserung der Knochenstabilität und -flexibilität in den trainierten Bereichen. Qigong eignet sich demnach zur Osteoporoseprophylaxe.[15]

2.3.3 Intellektueller Abbau

Vergesslichkeit und Konzentrationsmängel nehmen mit dem Alter zu. Geistige Fitness und geistige Leistungsfähigkeit sind aber nicht vom Alter abhängig, sondern vom geistigen Training. Aus der hirnphysiologischen Forschung ist bekannt, dass zwischen Körper, Geist und Seele eine Wechselwirkung besteht. So fördert körperliche Aktivität die geistigen Fähigkeiten. Hirntraining aktiviert und vitalisiert umgekehrt den Körper. Qigong-Übungen sprechen neben der körperlichen auch die geistige Ebene an. Sie erhöhen die allgemeine Lernfähigkeit und entsprechen einem ganzheitlichen Gedächtnistraining. Dabei werden Kreativität, Fantasie, assoziatives Denken, Merkfähigkeit, Konzentration, Wahrnehmung und Entspannung angesprochen.[16]

Qigong beinhaltet aktive Übungen unter der kontrollierenden, steuernden und leitenden Funktion des Geistes. Bei den Übungen des Qigong verkörpert der Körper die Basis, der Geist gilt als Anführer. Unter dem Begriff Geist werden alle geistigen Aktivitäten zusammengefasst. Er versteht sich als konstellierende Kraft. Der Geist leitet die Übungen in verschiedene Ebenen an: als betrachtende Aufmerksamkeit, als Vorstellungskraft, als Gedanken oder als Bewusstsein.[17]

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt 2003 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[2] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[3] Vgl. Basler et al. 1999 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[4] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[5] Einen vertieften Einblick in Qigong-Übungen für ältere Menschen gibt Blum (2006, S. 241ff).

[6] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 322f.

[7] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 1994; Zumfelde-Hüneburg/Hüneburg 1996; Zumfelde-Hüneburg 2007.

[8] Vgl. Plötz 2006, S. 179; Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 318; dazu auch Düwal 2006, S. 263.

[9] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 318f.

[10] Vgl. Plötz 2006, S. 178.

[11] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 319.

[12] Vgl. Plötz 2006, S. 178.

[13] Vgl. Plötz 2006, S. 178ff; Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 319f.

[14] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2004 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 320; auch in Plötz 2006, S. 179.

[15] Vgl. Plötz 2006, S. 179f.

[16] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 320f.

[17] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 321.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Qigong im Alter
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Veranstaltung
Gesundheits-Qigong
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V192876
ISBN (eBook)
9783656188193
ISBN (Buch)
9783656188384
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ältere, Senioren, Qigong, Qi-Gong, ältere Menschen
Arbeit zitieren
B.Sc. Christian Kunow (Autor), 2012, Qigong im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192876

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