Koch/Oesterreicher haben mit ihrem Mündlichkeit/Schriftlichkeits-Modell erstmals darauf hingewiesen, dass bei der Untersuchung von Sprache nicht nur ihr medialer Faktor, also die Unterscheidung in mündlich und schriftlich tradierte Äußerungen, sondern auch ihre Konzeption mit einbezogen werden muss und somit die Annahme widerlegt, dass es sich beim geschriebenen um einen elaborierten und ex negativo beim gesprochenen um einen weniger elaborierten Text handeln muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Nähe/Distanz-Modell von Koch/Oesterreicher
1.1 Ergänzungen und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Mündlichkeit/Schriftlichkeits-Modell von Koch und Oesterreicher auseinander, insbesondere vor dem Hintergrund moderner digitaler Kommunikationsformen und deren Einordnung in das bestehende theoretische Kontinuum.
- Analyse der Dichotomie von Medialität und Konzeption
- Kritische Würdigung der Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien
- Herausforderungen durch digitale Medien wie E-Mail und Chat
- Diskussion der Konzepte von Inszenierung und Aufführung bei Jost
- Erweiterungsvorschläge für das Modell durch Christa Dürscheid
Auszug aus dem Buch
Das Nähe/Distanz-Modell von Koch/Oesterreicher – Ergänzungen und Kritik
Koch/Oesterreicher haben mit ihrem Mündlichkeit/Schriftlichkeits-Modell erstmals darauf hingewiesen, dass bei der Untersuchung von Sprache nicht nur ihr medialer Faktor, also die Unterscheidung in mündlich und schriftlich tradierte Äußerungen, sondern auch ihre Konzeption mit einbezogen werden muss und somit die Annahme widerlegt, dass es sich beim geschriebenen um einen elaborierten und ex negativo beim gesprochenen um einen weniger elaborierten Text handeln muss. Die Medialität ist dichotomisch angelegt, d.h. eine Äußerung liegt entweder in medial schriftlicher oder in medial mündlicher Form vor; die Konzeption kann jedoch innerhalb eines Kontinuums mit den Eckpunkten „konzeptionell schriftlich“ und „konzeptionell mündlich“ variieren.
Dem Eckpunkt „konzeptionell mündlich“ ordnen sie den Begriff „Nähe“ und mit ihm die Kommunikationsbedingungen raumzeitliche Nähe, Vertrautheit, Privatheit, Emotionalität, Situations- und Handlungseinbindung, kommunikative Kooperation, Dialog, Spontaneität, freie Themenentwicklung zu und im Gegensatz dazu dem Eckpunkt „konzeptionell schriftlich“ den Begriff „Distanz“ und die entsprechenden Kommunikationsbedingungen raumzeitliche Distanz, Fremdheit, Öffentlichkeit, keine Emotionalität, keine Situations- und Handlungseinbindung, keine kommunikative Kooperation, Monolog, keine Spontaneität, Themenfixierung. Zudem ordnen sie den beiden Polen verschiedene Versprachlichungsstrategien zu; dem Mündlichkeitspol jeweils die geringere und dem Schriftlichkeitspol die größere: Informationsdichte, Kompaktheit, Integration, Komplexität, Elaboriertheit und Planung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Nähe/Distanz-Modell von Koch/Oesterreicher: Einführung in die grundlegende Theorie des Sprache-Kontinuums und dessen Unterteilung in mediale und konzeptionelle Dimensionen.
1.1 Ergänzungen und Kritik: Detaillierte Auseinandersetzung mit den Problemen des Modells bei der Einordnung digitaler Medien und Vorschläge zur theoretischen Erweiterung.
Schlüsselwörter
Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Koch/Oesterreicher, Nähe-Distanz-Modell, Medialität, Konzeption, digitale Kommunikation, Versprachlichungsstrategien, Kommunikation, Sprachwissenschaft, Dürscheid, Sprachgeschichte, Inszenierung, Aufführung, Sprachmodell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das sprachwissenschaftliche Modell von Koch und Oesterreicher, das Sprache in ein Kontinuum zwischen Nähe und Distanz einordnet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterscheidung zwischen Medialität und Konzeption sowie die Kritik an der Anwendbarkeit des Modells auf moderne, elektronische Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Schwachstellen des Modells von Koch/Oesterreicher aufzuzeigen, besonders im Hinblick auf digitale Kommunikationsformen, und ergänzende Perspektiven aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturkritische Analyse, die theoretische Ansätze von Koch/Oesterreicher mit weiterführender Forschung, etwa von Christa Dürscheid und J. Jost, vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Dichotomie der Medialität, diskutiert die Problematik digitaler Formate wie E-Mails oder Chats und hinterfragt die Gleichwertigkeit von Versprachlichungsstrategien und Kommunikationsbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Konzeption, Medialität und digitale Kommunikation beschreiben.
Warum ist die E-Mail-Kommunikation ein Problem für das Modell?
Nach Koch/Oesterreicher ist die E-Mail medial schriftlich, aber konzeptionell mündlich, was eine einfache Kategorisierung erschwert, da das Medium selbst zur Verstehensleistung beitragen muss.
Welchen Vorschlag macht Christa Dürscheid zur Erweiterung?
Dürscheid schlägt vor, den medialen Bereich des Modells um die Aspekte „digital übermittelt“ bzw. „nicht digital übermittelt“ zu ergänzen.
Was bedeutet „mündliche Inszenierung“ in der E-Mail?
Es bezieht sich darauf, dass ein schriftlich fixierter Text durch Elemente wie Emoticons oder Majuskeln („lach“) bewusst als mündlich kommunizierte Handlung inszeniert wird.
- Arbeit zitieren
- Jule Ebbing (Autor:in), 2009, Das Nähe/Distanz-Modell von Koch/Oesterreicher , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192909