Regenwälder als Wohn- und Wirtschaftsraum


Hausarbeit, 2011
14 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Hinführung zur Ausgansfrage und Ausblick über die Themengebiete

2. Die tropischen Regenwälder Südamerikas als Wohn- und Wirtschaftsraum
2.1 Wirtschaftliche Nutzung tropischer Regenwälder in Südamerika
2.1.1 Holz als Wirtschaftsgut
2.1.2 Bodenschätze
2.2 Agrarnutzung
2.2.1 Wanderfeldbau
2.2.2 Plantagenwirtschaft
2.3 Die Tropen Südamerikas als Wohnraum
2.3.1 Das Siedlungsprojekt Rondina

3. Abschließende Gedanken

4. Literatur- und Quellenangaben
4.1 Monographien und gedruckte Artikel
4.2 Internetquellen

1. Hinführung zur Fragestellung und Ausblick über die Themengebiete

Der tropische Regenwald als Thema für eine wissenschaftliche Arbeit hätte vor einigen Jahrzehnten sicherlich noch wenig Aufmerksamkeit generiert. Doch seit zwei Jahrzehnten spielen Weltkonferenzen zu Themengebieten wie „Umweltzerstörung“,

„Menschenrechtssituationen“, „Bedrohungen der Lebensverhältnisse“ eine entscheidende Rolle in der internationalen Politik.1 Erst die Veränderungen in der Welt schaffen Aufmerksamkeit für eine wichtige Erkenntnis. Wir als Deutsche leben nicht in einer abgeschotteten Wohlstandsgesellschaft, sondern sind Teil einer globalen Welt und tragen Verantwortung als hochentwickeltes Industrieland an einer tragfähigen Klima- und Menschenrechtspolitik in besonderem Maße global mitzuwirken.

Der Lebensraum der Menschen ist begrenzt, doch seitdem vor 100 Jahren die Menschheit dazu übergegangen ist fossile Brennstoffe und Treibhausgase in gewaltigen Mengen zu verbrauchen stellen sich Fragen, die vor wenigen Jahrzehnten noch unbekannt waren.2 1997 wurde daher das Kyoto-Protokoll verabschiedet mit dem Ziel die weltweiten Treibhausgase zu verringern und den Lebensraum der Menschen zu schützen.3 Ein Lebensraum, der auch langläufig als „grüne Lunge der Welt“ bezeichnet wird ist der tropische Regenwald. Schon alleine aufgrund dieser Tatsache sollte man sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Die Entwicklung dieser tausende von Kilometern von uns entfernten Weltregion hat einen so existenziellen Einfluss auf das Leben in unserer Region, dass eine Vernachlässigung sogar strafbar wäre. Unter dem Gesichtspunkt des Wirtschaftsraumes soll analysiert werden, inwieweit Bodenschätze oder Holzwirtschaft sich auf diese Region auswirken und was an wirtschaftlicher Arbeit dort für die einheimische Bevölkerung überhaupt möglich ist. Dies ist sogleich der Übergang zur zweiten Teilfrage, denn der tropische Regenwald ist nicht nur eine Wirtschaftsregion, sondern auch ein Lebensraum für Millionen von Menschen. Unter besonderem Verweis auf ein Siedlungsprojekt und die Lebenswirklichkeit der Ureinwohner soll ein Einblick in jenen fernen Teil der Welt gewonnen werden, der in Wahrheit gar nicht so weit und abgelegen von uns entfernt ist.

2. Die tropischen Regenwälder Südamerikas als Wohn- und Wirtschaftsraum

2.1 Wirtschaftliche Nutzung tropischer Regenwälder in Südamerika

Die wirtschaftliche Nutzung tropischer Regenwälder steht seit jeher im Vordergrund der dortigen Bevölkerung. Erst mit der Ankunft europäischer Einwanderer sowie dem in den folgenden Jahrhunderten sprunghaften Anstieg der Weltbevölkerung hat die Menschheit einen deutlichen und nachhaltigen Einfluss auf diese Weltregion hinterlassen.4 Die indianische Urbevölkerung verursachte keine bedeutenden Veränderungen auf dieses Ökosystem, sodass man von einer wirtschaftlichen Nutzung der südamerikanischen Regenwälder erst ab der Neuzeit sprechen kann. Während die ersten europäischen Entdecker des 16. Jahrhunderts noch die ersten Entdecker die Vorzüge dieses Ökosystems priesen, sodass man zu der ussage „the early explorers praised the healthy climate and marveled at the luxuriant vegetation“5 kommen konnte, führten die Europäer den Privatbesitz und die Plantagenwirtschaft ein, vornehmlich um durch den Export Geld zu verdienen, aber auch um mit modernen Anbaumethoden der sprunghaften Bevölkerungsexplosion habhaft zu werden. Dies zu wissen ist die notwendige Basis für die kommenden Jahrhunderte, denn das von den Europäern eingeführte Wirtschaftssystem und die Methoden der Gewinnung von Wirtschaftsgütern waren für das dort befindliche Ökosystem nicht ausgelegt. Weder die Forst- noch die Landwirtschaft wurde an die tropischen Verhältnisse angepasst. Es wurden einfach die Methoden des west- und südeuropäischen Ökosystems auf dieses fremde System übertragen. Anhand von den Wirtschaftsgütern „Holz“ und „Bodenschätze“ soll nun näher auf jene Methoden und Auswirkungen eingegangen werden um Anhand von zwei Beispielen die Veränderungen dieses Ökosystems zu betrachten.

2.1.1 Holz als Wirtschaftsgut

Der Handel mit Tropenholz gilt in der Wahrnehmung vieler Menschen nach wie vor als Hauptgrund der Zerstörung des Regenwaldes. Der Handel mit Tropenholz betrifft allerdings nur ca. 20% des Holzeinschlags, während der Anteil des Einschlags zur Energiegewinnung bei ca. 80% liegt.6 Die wirtschaftliche Nutzung des Naturguts „Holz“ in den Tropen dient somit hauptsächlich der Energiegewinnung für die dortige Bevölkerung. Als wichtige Energiequelle steht Holz in auf den ersten Blick in unbegrenzter Vielzahl zur Verfügung. Eine Nutzung alternativer Energiequellen wie Solar- oder Windkraft hätte daher das Potenzial den Regenwald mehr zu schützen, als eine Dämonisierung des Tropenholzhandels. Ebenfalls anzumerken ist noch, dass ein beträchtlicher Teil des Wirtschaftsguts Holz gar nicht effektiv genutzt wird. Um günstig neuen Siedlungsraum oder Ackerfläche zu schaffen wird mithilfe der Brandrodung gezielt neuer Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum geschaffen. Diese nichtnachhaltige Nutzung für den einzigartigen Lebensraum „tropischer Regenwald“ birgt eine weitere Gefahr, sodass dieser Lebensraum weiter Schaden nehmen wird oder für die künftigen Generationen sogar ganz verschwindet.

Holz als Wirtschaftsgut darf insgesamt aber nicht für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich gemacht werden. Es bedarf einer genaueren Untersuchung, welche die Holzwirtschaft zunächst in zwei Kategorien spaltet. Nachhaltige und nicht-nachhaltige Forstwirtschaft wären diese Kategorien. Um das Problem der Definierbarkeit dieser Begriffe zuvorzukommen, wird in der aktuellen Wirtschaftssprache von „legaler und illegaler Holzwirtschaft“ gesprochen.7 Die Problematik in der Bekämpfung illegaler Holzwirtschaft wird deutlich, wenn man sich die örtlichen Lebensbedingungen anschaut. Der Handel mit Tropenholz kann in einer verarmten Region Südamerikas oder Afrikas vielen Menschen eine wirtschaftliche Existenz ermöglichen und muss auch dieser Perspektive gesehen werden. Bevor dies kritisiert werden darf, ist darauf zu verweisen, dass die Industrienationen den Markt für diesen Holzhandel erst ermöglichen, indem sie eine gewaltige Nachfrage nach edlen Hölzern wie Mahagoni haben. Im eigenen Interesse müssten aber die dortigen Fortwirtschaftsmethoden eine langfristige Wertschöpfung als Ziel haben, was aber nicht möglich wird durch eine nicht-nachhaltige Fortwirtschaft. Als Maßnahme zur nachhaltigen Fortwirtschaft hat die Europäische Union den Aktionsplan FLEGT8 verabschiedet, indem sie sich zur legalen und nachhaltigen Tropenholzwirtschaft bekennt.9 Die Begrenzung solcher Maßnahmen wird aber sichtbar, wenn man sich vor Augen führt, dass die EU nur 10% des weltweiten Tropenholzes importiert, während alleine Japan als Einzelstaat das dreifache Satz Volumen importierte.10 Es besteht daher das Risiko, dass die bisherigen illegalen Hölzer einfach in Drittstaaten importiert werden und der Erfolg des EU-Aktionsplanes im Sande zerläuft.

Ein Bericht aus dem Jahre 2006 der ITTO, der Vereinigung Tropenholz exportierender und importierender Staaten, kam zu dem Ergebnis, dass von jährlich zwölf Millionen Hektar gerodetem Regenwald lediglich 75.000 Hektar nachhaltig bewirtschaftet werden - im Jahre 1988.11 Während Trinidad und Tobago damals sich schon der nachhaltigen Forstwirtschaft verschrieben haben, gab es in Afrika gar keine Entwicklung hin zu einer Abkehr des Raubbaus an der Natur. Im Jahr 2006 gab es was nachhaltige Forstwirtschaft angeht immerhin kleinere Fortschritte, sodass heute rund 40% der Anbaufläche unter dem Stichwort „nachhaltig“ geführt werden kann - auch wenn der Spielraum was den Begriff angeht von Land zu Land verschieden ist.12 Wie man sieht können Aktionspläne die Natur bewahren helfen, doch auf dem noch langen Weg hin zu einer Einsicht der Bedeutung von Waldschutzmaßnahmen wird wohl noch viel Zeit vergehen.

2.1.2 Bodenschätze

Die Funde von großen Erzvorkommen haben eine neues wirtschaftliches Standbein geschaffen, bergen aber auch das Risiko von Umweltzerstörung und Landraub seitens staatlicher oder privater Investoren.

[...]


1 Müller, Klaus: Globalisierung, Frankfurt 2002, S. 7

2 Oberthür, Sebastian: Das Kyoto-Protokoll. Internationale Klimapolitik für das 21. Jahrhundert, Opladen 2000, S. 21

3 Ebd. S. 43

4 Meggers, Betty: Amazonia. Man and Culture in a Counterfeit Paradies, Washington 1998, S. 150

5 Ebd. S. 151

6 Schweizer Holzhandelszentrale (Hrsg.): TROPENHOLZNUTZUNG UND TROPENWALDZERSTÖRUNG FAKTEN ZU EINER KONTROVERSE http://www.holzhandelszentrale.ch/pdf/tropenholznutzung.pdf, Seite 3

7 Dieter, Matthias; Küpker, Markus: Die Tropenholzeinfuhr der Bundesrepublik Deutschland 1960-2005 - insgesamt und aus geschätzten illegalen Holzeinschlägen, Hamburg 2006, S. 5

8 Forest Law Enforcement, Governance and Trade

9 Europäische Kommision (Hrsg.): Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags und des illegalen Holzhandels in den Entwicklungsländern, http://europa.eu/legislation_summaries/development/sectoral_development _policies/r12528_de.htm, Zugriff am 03.11.2011

10 Schweizer Holzhandelszentrale (Hrsg.): TROPENHOLZNUTZUNG UND TROPENWALDZERSTÖRUNG

FAKTEN ZU EINER KONTROVERSE http://www.holzhandelszentrale.ch/pdf/tropenholznutzung.pdf, Seite 4

11 Offenberger, Monika: Tropen-Studie. Am eigenen Anspruch, gescheitert; http://www.sueddeutsche.de/ wissen/tropen-studie-am-eigenen-anspruch-gescheitert-1.913578, Zugriff am 03.11.2011

12 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Regenwälder als Wohn- und Wirtschaftsraum
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V192964
ISBN (eBook)
9783656181392
ISBN (Buch)
9783656182382
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tropen Regenwald Lebensraum Wirtschaftsraum Umwelt
Arbeit zitieren
Max Ebersberger (Autor), 2011, Regenwälder als Wohn- und Wirtschaftsraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192964

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