Tschechoslowakischer Weg zur Entstalinisierung


Seminararbeit, 2010
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tschechoslowakische Weg zur Entstalinisierung – Gründe für 2-3 die lange Existenz des Stalinismus in der Tschechoslowakei und die starke Unterordnung dieser gegenüber der UdSSR

3. Was waren die Schwierigkeiten der Entstalinisierung?

4. Probleme des Dualismus. Der Dualismus der kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei

5. Das tschechische - slowakische Verhältnis als Auslöser des Prager Frühlings?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Einleitung.

Der Prager Frühling ist einer der wohl bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des Ostblocks. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschierten Truppen der Warschauer Pakt-Staaten - der UdSSR, Polens, der DDR, Ungarns und Bulgariens - in die CSSR ein. Sie beendeten damit gewaltsam die Reformbewegung des tschechoslowakischen KP-Chefs Alexander Dubcek, der sich für einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ eingesetzt hatte. Man kann den Prager Frühling nicht verstehen, ohne sich mit dem schleichenden Auflösungsprozess des sowjetischen Sozialismus zu beschäftigen. Mit diesem Prozess werde ich mich in meiner Hausarbeit beschäftigen.

Seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die späten 60er Jahre prägten und beeinflussten machtpolitisch motivierte Konflikte zwischen dem importierten Stalinismus und der eigener politisch – gesellschaftlicher Tradition des Landes die politische Entwicklung der Tschechoslowakei. Diese Perioden des Friedens sowie des stalinistischen Terrors bestimmten gleichermaßen das Verhältnis zwischen den Kommunisten und der tschechoslowakischen Bevölkerung. Unter genauer Betrachtung der mir vorliegenden Aufsätze des amerikanischen Historikers Gordon Howard Skilling werde ich in der folgenden Arbeit genauer auf das politische Verhältnis jener Parteien eingehen. Wie ist das Verhältnis der Tschechoslowakei und der UdSSR in der Vor – und Nachkriegsperiode? Handelt es sich bei diesem Verhältnis um ein gemeinsames ‚friedlichen Leuchten’ oder ein ‚kriegerischen Lodern’? Wieso hat sich der Stalinismus in der Tschechoslowakei so lange gehalten? Was waren die Schwierigkeiten der Entstalinisierung? Diese Fragen werde ich in dem ersten Teil meiner Hausarbeit klären. In dem zweiten Teil meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Dualismus der kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei beschäftigen. Wo sind seine Wurzel, welche Rolle spielte der Dualismus bei der Entstalinisierung? War womöglich das tschechisch-slowakische Verhältnis einer der Auslöser des Prager Frühlings? Nachfolgend werde ich meine Hausarbeit mit einem resümierenden Fazit abschließen.

Tschechoslowakischer Weg zur Entstalinisierung – Gründe für die lange Existenz des Stalinismus in der Tschechoslowakei und die starke Unterordnung dieser gegenüber der UdSSR.

Die Gründe für die lange Existenz des Stalinismus in der Tschechoslowakei, sowie ihre starke Unterordnung gegenüber der UdSSR sind vielfältig und haben zum Teil einen langen, historischen Hintergrund. Zunächst ist zu sagen, dass die Wurzeln des tschechischen Kommunismus (obwohl nicht des slowakischen Zweigs) viel tiefer als diejenigen seiner Nachbarn waren.[1] Angefangen bei einer stark sozialdemokratischen Bewegung in Böhmen vor 1914, und sich selbst in der Wahlkraft des tschechischen Kommunismus zwischen den Weltkriegen ausdrückend.[2] In der Tat war zu diesen Zeiten der tschechische Kommunismus im Stande, sich mit starken Strömen der öffentlichen Meinung identifizieren zu können und beschaffte sich somit ihre Unterstützung.[3] Die Sowjetunion wurde als eine freundliche, slawische Kraft bezeichnet und der Kommunismus selbst als eine progressive, soziale Kraft angesehen und ermöglichte somit eine Politik der Kollaboration mit der UdSSR als ein zuverlässiger Verbündeter gegen die „deutsche Bedrohung“.[4] Zudem war der tschechoslowakische Nationalismus milder und weniger fanatisch als der polnische oder ungarische, da er mit der historischen Feindschaft zu Russland seiner Nachbarn nicht verbunden gewesen war.[5] Russland wurde bereits im 18. Jahrhundert als der „große Bruder im Osten“ bezeichnet. Und auch gab es; wie im Fall von Polen, keine negative sowjetische Erfahrung in der Tschechoslowakei, im Gegenteil. Der historische Feind war nicht Russland, sondern Deutschland allein gewesen, was die tschechoslowakische Zuwendung zu sowjetischer Seite erklärt. Allerdings muss man an dieser Stelle betonen, dass diese Verbindung mit der Sowjetunion im großen Maße eine Sache vom nationalen Interesse und nicht bloß eine Frage von kommunistischer - ideologischer Zuneigung war.[6] Nach 1945 galt die UdSSR als der große Befreier. Die sowjetischen Truppen, die z.B. in Polen stationiert wurden, um als eine tägliche Gedächtnishilfe der Auslandsüberlegenheit zu dienen und somit einen brennenden nationalen Hass erzeugen konnten, wurden in der Tschechoslowakei nicht stationiert.[7] Durch ein relativ hohen Lebensstandard, sowie ein gut erhaltenes ökonomisches System, war es den Kommunisten mit einer breiten Öffentlichen Einigkeit möglich, das kommunistische Muster in der Wirtschaft und Gesellschaft ohne äußere Zwänge, wie im Fall von Polen oder Ungarn, umzusetzen.[8] Die noch vorhandenen nationalen Traditionen wurden durch die Stalinisation „überschwemmt“. Letztendlich ermöglichten diese Faktoren der Tschechoslowakei einen leichteren Übergang zum Stalinismus, als anderswohin. Die Tschechoslowakei blieb in allen Perioden, ohne Ausnahmen, ein loyaler und ergebener Anhänger der KPSU.

[...]


[1] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.85.

[2] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.85.

[3] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.85.

[4] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.85-86.

[5] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.86.

[6] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.86.

[7] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.86.

[8] Stalin over Prague, in: Communism National and International, Toronto 1964, S.86-87.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Tschechoslowakischer Weg zur Entstalinisierung
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V193045
ISBN (eBook)
9783656180418
ISBN (Buch)
9783656180975
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tschechoslowakischer, entstalinisierung
Arbeit zitieren
Klaudia Buczek (Autor), 2010, Tschechoslowakischer Weg zur Entstalinisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193045

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