Die Kulturzeitschrift Kursbuch, 1965 von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel
gegründet, gilt in der Rückschau als »Gegenuniversität«1 und »Sprachrohr der SDSTheoretiker
«.2 In der wechselvollen Geschichte des Kursbuchs, das heute von der Holtzbrinck
Verlagsgruppe (Die Zeit) herausgegeben wird, ist literatursoziologisch insbesondere die
Gründungsphase von 1965 bis 1970 beachtenswert, da Enzensberger mit dem Kursbuch ein
Medium schuf, das von der Idee bestimmt war, sich Verfügungsgewalt über eigene Medien zu
verschaffen und zugleich diesen Träger revolutionären Gedankenguts marktkonform erscheinen
zu lassen.
Obwohl das Kursbuch dem Namen nach einen Fahrplan, eine Richtung vorzugeben scheint,
ist es von Anfang an als offenes Forum konzipiert, in dem auch Widersprüche ihren Platz
haben. In der »Ankündigung einer neuen Zeitschrift« heißt es zur Intention des Kursbuchs:
»Absicht. Kursbücher schreiben keine Richtungen vor. Sie geben Verbindungen an, und sie
gelten so lange wie diese Verbindungen. So versteht die Zeitschrift ihre Aktualität«.3
Die Nichtfestlegung entspricht Enzensbergers Maxime »sich nicht in Einbahnstraßen zu verrennen,
offen zu bleiben für Tendenzen, Prozesse und Utopien«.4 Literatur bildet demnach
nicht den Schwerpunkt des Kursbuchs, sondern es dient der »Aufklärung« des Gegenwärtigen
und damit dessen »Revision«.5
Inhaltsverzeichnis
- Publizistik als Kunstform
- Hans Magnus Enzensberger als Herausgeber des »>Kursbuchs<<
- Die Kulturzeitschrift Kursbuch
- Literatur als »Antiware«
- Die Auflösung einer festen Ordnung
- Die »Bewußtseinsindustrie«
- Die »Ware« Kursbuch
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text befasst sich mit dem Werk von Hans Magnus Enzensberger, insbesondere mit seiner Rolle als Herausgeber der Kulturzeitschrift Kursbuch und seiner Auseinandersetzung mit der »Bewußtseinsindustrie«. Die Arbeit analysiert Enzensbergers literarische und kulturtheoretische Konzepte, die auf die Frage nach der Rolle der Kunst in der modernen Gesellschaft und die Manipulation der Öffentlichkeit durch die Massenmedien eingehen.
- Enzensbergers Konzept des Kursbuchs als offenes Forum und Plattform für kritische Reflexion
- Die Rolle der Literatur und Poesie als »Antiware« im Kontext der »Bewußtseinsindustrie«
- Die Auseinandersetzung mit der Brechtschen Kunstkonzeption und Enzensbergers eigene Theorie der politischen Alphabetisierung
- Die Analyse der Massenmedien als »Schlüsselindustrie« der »Bewußtseinsindustrie« und Enzensbergers Vision von »netzartigen Kommunikationsmodellen«
- Die Ambivalenz des Enzensbergerschen Werks, das sowohl affirmativ als auch subversiv ist und die Struktur der »Bewußtseinsindustrie« gleichzeitig aufdeckt und nutzt
Zusammenfassung der Kapitel
- Publizistik als Kunstform: Der Text beleuchtet die Gründungsphase der Zeitschrift »Kursbuch«, die von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel ins Leben gerufen wurde. Enzensbergers Vision war es, ein Medium zu schaffen, das sich der Verfügungsgewalt über eigene Medien verschafft und zugleich als Träger revolutionären Gedankenguts marktkonform erscheint.
- Hans Magnus Enzensberger als Herausgeber des »>Kursbuchs<<: Der Text beleuchtet Enzensbergers literarische Konzepte, insbesondere seine Auseinandersetzung mit der Brechtschen Kunstkonzeption und seine eigene Theorie der »Antiware« Poesie. Enzensberger sieht die Kunst nicht als bloße Ware, sondern als »Gebrauchsgegenstand«, der im Kontext gesellschaftlichen Engagements zur Aufklärung und Kritik beitragen soll.
- Die Kulturzeitschrift Kursbuch: Der Text beschreibt die Intention des Kursbuchs als offenes Forum, das Widersprüche zulässt und auf der Suche nach »Verbindungen« anstatt vorgegebenen Richtungen ist. Die Zeitschrift soll der »Aufklärung« des Gegenwärtigen und seiner »Revision« dienen.
- Literatur als »Antiware«: Enzensberger sieht die Poesie als »Antiware«, die sich der Manipulation durch die »Bewußtseinsindustrie« entzieht. Diese These wird in Verbindung mit Adornos Thesen zur Kulturindustrie diskutiert, die jedoch von Enzensberger in Bezug auf den Begriff der »Bewußtseinsindustrie« weiterentwickelt wird.
- Die Auflösung einer festen Ordnung: Enzensbergers poetisches Werk zeichnet sich durch seine innere Unordnung und Dynamik aus. Das Gedicht als »Prozess« ist nicht an feste Strukturen gebunden, sondern bedient sich spielerisch konventioneller Mittel und verweist gleichzeitig auf einen herrschaftsfreien Raum.
- Die »Bewußtseinsindustrie«: Enzensberger greift den Begriff der »Kulturindustrie« von Adorno und Horkheimer auf und entwickelt ihn weiter zur »Bewußtseinsindustrie«. Die Massenmedien werden als »Schlüsselindustrie« dieser »Bewußtseinsindustrie« identifiziert, die das Bewusstsein der Menschen manipuliert und die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zementiert.
- Die »Ware« Kursbuch: Das Kursbuch wird als Medium der »Bewußtseinsindustrie« analysiert, das gleichzeitig als Plattform für die Verbreitung von »Antiware« dient. Enzensberger nutzt die »Ware« Kursbuch, um die Strukturen der »Bewußtseinsindustrie« aufzudecken und subversive Ideen zu verbreiten.
Schlüsselwörter
Kursbuch, Hans Magnus Enzensberger, Literatur, Poesie, Antiware, Bewußtseinsindustrie, Kulturindustrie, Massenmedien, politische Alphabetisierung, Kommunikation, Subversion, Affirmation, Autopoiesis
Häufig gestellte Fragen
Was war das „Kursbuch“?
Das Kursbuch ist eine 1965 von Hans Magnus Enzensberger gegründete Kulturzeitschrift, die als wichtiges Sprachrohr der kritischen Intelligenz und der 68er-Bewegung galt.
Was meint Enzensberger mit dem Begriff „Bewusstseinsindustrie“?
Er beschreibt damit die Massenmedien als Industriezweig, der das Bewusstsein der Menschen manipuliert, um bestehende Herrschaftsverhältnisse zu sichern.
Warum bezeichnete Enzensberger Poesie als „Antiware“?
Weil sich Poesie seiner Ansicht nach der totalen kommerziellen Verwertung und Manipulation durch die Bewusstseinsindustrie entziehen kann.
Welches Ziel verfolgte das Kursbuch laut Enzensberger?
Es sollte ein offenes Forum für Tendenzen, Prozesse und Utopien sein, das der Aufklärung und Revision des Gegenwärtigen dient.
Wie sah Enzensbergers Vision von Kommunikation aus?
Er plädierte für netzartige Kommunikationsmodelle, die eine emanzipatorische Nutzung der Medien durch die Bevölkerung ermöglichen sollten.
- Arbeit zitieren
- Sacha Szabo (Autor:in), 2008, Publizistik als Kunstform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193140