"Didaktik der Musik- Orientierung am Kunstwerk" ist eine bis dato noch nie dagewesene Schrift in einer musikdidaktischen Diskussion, dessen Ausrichtung kurz zuvor noch die Musische Bildung zum Ziel hatte. Spätestens mit Adornos Argumenten gegen eine "musikpädagogische Musik" wird deutlich, dass sich in dem Fach Musik etwas ändern muss. In dieser Arbeit wird die Konzeption von Alt nicht nur vorgestellt und in den relevanten historischen Kontext gestellt. Auch die Gültigkeit seiner Ideen und Vorschläge und die Übertragbarkeit auf den heutigen Musikunterricht und die Bildungsstandard stehen auf dem Prüfstand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Rückblick und Situation der Musikdidaktik
2.1. Situation der Musikdidaktik nach dem zweiten Weltkrieg
2.2. Einschätzung der Situation der Musikpädagogik 1968 nach Michael Alt
3. Orientierung am Kunstwerk Funktionsfelder der Musikdidaktik
3.1. Reproduktion
3.2. Theorie
3.3. Interpretation
3.4. Information
3.5. Der Gesamtplan
4. Heutige Musikdidaktik
4.1 Bildungsstandards
5. Relevanz und Präsenz für die heutige Musikdidaktik
6. Reflektion
7. Anhang
7.1. Bibliografien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die musikdidaktische Konzeption von Michael Alt, insbesondere sein Werk „Didaktik der Musik“, und prüft deren geschichtliche Einordnung sowie ihre Relevanz für den zeitgenössischen Musikunterricht. Ziel ist es, Alts kunstwerkorientierten Ansatz kritisch zu beleuchten und der Frage nachzugehen, inwieweit seine strukturierte Methodik in einem heutigen, kompetenzorientierten Bildungskontext Bestand hat.
- Historische Entwicklung der Musikdidaktik bis zur Nachkriegszeit
- Die vier Funktionsfelder nach Michael Alt (Reproduktion, Theorie, Interpretation, Information)
- Kritische Analyse des kunstwerkzentrierten Didaktikmodells
- Vergleich der Alts'schen Konzeption mit modernen Bildungsstandards
Auszug aus dem Buch
3.3. Interpretation
In diesem Funktionsfeld liegt der neue Sinn und die Hauptaufgabe des Musikunterrichts begründet. Allein schon die Begriffswahl für dieses Feld, deutet auf eine Richtung, die ein rationales Verfahren beansprucht. Um seine Auffassung des Begriffes zu verdeutlichen, stellt Alt nicht nur die bisherigen Entwicklungen einer Werkbetrachtung im Unterricht dar, sondern legitimiert seinen Begriff der Interpretation, durch eine überlegte Ausschließung anderer Begriffe, wie Musikalische Rezeption, Musikhören, Werkhören oder Werklehre. Zusammengefasst äußert sich Alt gegen eine Werkbetrachtung, die lediglich eine „Querverbindung der Musik zu […] musikgeschichtlichen Ausrandungen“ darstellt und für eine Auslegung, die über die Kulturkunde hinaus geht. Alt akzentuiert den Begriff der Interpretation, weg von dem „nachschöpferisch und künstlerisch verstehenden Lehrerinterpretation“ hin zu der „Hervorkehrung dessen, was an der Interpretation lehrbar ist.“
Seine Forderung an die Musikpädagogik ist die Bemühung um eine praktikable Auslegungslehre. Es soll also im Feld der Interpretation nicht mehr um das bloße Nachempfinden vorgelebter Interpretationen gehen, sondern um das Erlernen von Praktiken, die es erlauben eigene Interpretationen anzubunden. Sinn und Zeck soll die Ausformung eines „künstlerischen Symboldenkens“ werden, welches das Operationsfeld des Denkens im Musikunterricht entscheidend erweitert. Die Interpretation will mit der Auslegungslehre, „die Sinn- und Sachstrukturen des Werkes aufhellen.“ Hierdurch wird deutlich wie groß der objektive Anteil ist, denn Alt versteht die Interpretation als Dienst am Werk und wendet sich bewusst von geisteswissenschaftlichen Interpretationen ab. Verstärkt wird diese Objektivität mit der Erhebung des Kunstwerkes mit seinem Anspruch zum höchsten Eigenwert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der musikdidaktischen Konzeption von Michael Alt ein und umreißt das Ziel der kritischen Auseinandersetzung mit seinem Werk.
2. Historischer Rückblick und Situation der Musikdidaktik: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung der Musikerziehung nach dem Zweiten Weltkrieg nach und beleuchtet die gesellschaftlichen Ausgangspunkte, die zu Alts Reformansätzen führten.
3. Orientierung am Kunstwerk Funktionsfelder der Musikdidaktik: Dieser Hauptteil analysiert die vier von Alt definierten Funktionsfelder – Reproduktion, Theorie, Interpretation und Information – und deren Zusammenwirken im Gesamtplan.
4. Heutige Musikdidaktik: Hier wird der Bogen zur aktuellen Situation geschlagen und erörtert, wie sich die Anforderungen durch Bildungsstandards im Vergleich zu Alts Ansätzen gewandelt haben.
5. Relevanz und Präsenz für die heutige Musikdidaktik: Dieses Kapitel reflektiert kritisch die Umsetzbarkeit von Alts kunstwerkorientiertem Modell im modernen Unterricht, insbesondere unter Berücksichtigung der Kompetenzorientierung.
6. Reflektion: Die abschließende Betrachtung resümiert die Arbeit und bewertet die Bedeutung von Alts Konzeption als historischen Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Grundlegung des Musikunterrichts.
7. Anhang: Enthält das Verzeichnis der verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Michael Alt, Musikdidaktik, Didaktik der Musik, Kunstwerkorientierung, Funktionsfelder, Reproduktion, Theorie, Interpretation, Information, Musikerziehung, Bildungsstandards, Werkbetrachtung, Musikunterricht, Kompetenzorientierung, ästhetische Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die musikdidaktische Konzeption von Michael Alt und ihre historische Einordnung in die deutsche Musikpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Musikdidaktik, die kunstwerkzentrierte Lehre nach Alt sowie ein Vergleich mit heutigen musikdidaktischen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Michael Alts „Didaktik der Musik“ kritisch zu würdigen und zu untersuchen, ob und wie seine Ansätze in der modernen Musikdidaktik noch Relevanz besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der Alts theoretische Konzepte in den Kontext der musikpädagogischen Diskursgeschichte gestellt und mit modernen Forderungen wie Kompetenzorientierung kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Alts vier Funktionsfeldern (Reproduktion, Theorie, Interpretation, Information) und deren theoretische Fundierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Michael Alt, Musikdidaktik, Funktionsfelder, Kunstwerkorientierung, ästhetische Bildung und Kompetenzorientierung.
Wie bewertet die Autorin die „Kunstwerk-Ideologie“ bei Michael Alt?
Die Autorin erkennt in der starken Fokussierung auf das Kunstwerk eine ideologische Komponente, die im modernen, schülerzentrierten Unterricht mit seinem hohen Anspruch an Praxis und subjektive Erfahrung zu Konflikten führt.
Inwiefern unterscheidet sich der aktuelle Musikunterricht von Alts Vorstellungen?
Während Alt stark auf die rationale Erschließung des Kunstwerkes setzte, liegt der Fokus heute stärker auf dem aktiven Handeln der Schüler, der Kompetenzentwicklung und dem Einbezug ihrer persönlichen Lebenswelt.
- Arbeit zitieren
- Sandra Bednorz (Autor:in), 2009, Die Konzeption Michael Alts auf dem Prüfstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193195