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Eingetragene, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus?

Title: Eingetragene, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus?

Research Paper (undergraduate) , 1999 , 29 Pages

Autor:in: Mo Yanik (Author)

Sociology - Religion
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Das hier vorliegende Papier ist das Ergebnis einer Debatte, die immer größere mediale Präsenz gefunden hat. Es geht um die souveräne Frage, ob es – innerhalb Deutschlands – kirchenrechtlich möglich bzw. tolerierbar ist, dass sich eine evangelische Pfarrerin bzw. ein evangelischer Pfarrer in einer gleichgeschlechtlichen, eingetragene Lebensgemeinschaft befindet und durch Zusammenleben im Pfarrhaus öffentlich zeigt, dass sie oder er homosexuell ist (und eine Pfarrstelle innehat).

Anlass und Ursache dieser Debatte sind natürlich konkrete Wünsche von homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern, die im Zuge des gesellschaftlichen Paradigmenwechsels (angestossen durch die Streichung des § 175 aus dem Strafgesetzbuch in den 1960er bzw. 1970er Jahren) ihr coming out öffentlich gemacht haben, mit ihren Lebenspartnern im Pfarrhaus zusammenzuwohnen oder weiterführend Kinder zu adoptieren und Vergleichbares. Einige Fälle sind, wie sollte es anders sein, als skandalon in die Öffentlichkeit geraten und erhöhten dadurch den Druck auf die Kirche. Es wurde ein Entscheidungszwang ausgelöst, sodass sich die Kirche positionieren musste.

Die PRO-Seite nutzte als Hauptargument, dass die Kirche „mit der Zeit gehen muss“ und sich den Lebensumständen und gesellschaftlich akzeptierten Konventionen anpassen sollte. Die CONTRA-Seite stellte sich dem entgegen: dies sei kein kirchlich akzeptierbarer Lebensstil für PfarrerInnen. Beide Seiten versuchen ihre Argumentationen theologisch zu manifestieren. Nachfolgend möchte ich ein religionswissenschaftliches Resümee dieser Debatte ziehen. Zugunsten einer besseren Lesbarkeit wird im Folgenden nur eine geschlechtliche Form in der Pluralform personenbezogener Substantive verwendet, die neutral verstanden wird. Wenn von Pfarrern die Rede ist, bedeutet dies, dass sowohl Frauen als auch Männer gemeint sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Geschichtlicher Hintergrund

1.1 Inkrafttreten des LPartG und die Folgen

1.1.1 Kirchliche Reaktionen und kirchenrechtliche Situation

1.1.2 Beispiel der Pfarrerin Katrin Jell

2 Positionen und theologische Argumente

2.1 Pro

2.1.1 Landeskirche Sachsen

2.1.2 Erklärung des Landesbischofs

2.1.3 AG „Homosexualität in biblischem Verständnis“

2.2 Contra

2.2.1 Markersbacher Initiative

2.2.2 Sächsische Bekenntnisinitiative

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die kirchenrechtliche Debatte in Deutschland darüber, ob evangelische Pfarrer in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft leben und ihren Dienst ausüben dürfen. Ziel ist ein religionswissenschaftliches Resümee der theologischen und gesellschaftlichen Argumentationsmuster beider Seiten.

  • Rechtlicher Rahmen durch das Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG)
  • Kirchenrechtliche Anpassungsprozesse in der Evangelischen Kirche
  • Theologische Begründungen für und gegen die Öffnung des Pfarrdienstes
  • Rolle von Initiativen und kircheninternen Arbeitsgruppen
  • Einfluss des gesellschaftlichen Paradigmenwechsels auf die kirchliche Haltung

Auszug aus dem Buch

1.1.2 Beispiel der Pfarrerin Katrin Jell

Der Fall der Pfarrerin Katrin Jell löste die hier skizzierte „Lawine“ aus, daher wollen wir kurz darauf eingehen. Katrin Jell ist seit nunmehr sechs Jahren Pfarrerin einer Kirchgemeinde in der sächsischen Schweiz (Sebnitz). Ihre Beziehung zu einer Frau ist in der Kirchgemeinde bekannt und wird vom Kirchenvorstand akzeptiert.

Jell hatte mit ihrer Partnerin im Pfarrhaus gelebt und nachdem diese eingezogen war, regte sich der Widerstand gegen die beiden. Das Paar zog aus dem Pfarrhaus aus, da sie nicht einsahen ihre Beziehung abzubrechen. „Momentan arbeitet sie als Krankenhausseelsorgerin in Leipzig, ’aus gutem Grund’, wie sie sagt.“

Nachdem sich die Landeskirche in Sachsen den Bestimmungen des neuen PfDG.EKD zu beugen hatte, ergab sich für Jell und ihre Lebensgefährtin natürlich eine neue Situation, Jell kommentiert dies im Radio:

„Also ich hab ja vorher nachgedacht, bevor ich in den Dienst der Landeskirche gegangen bin. Ich bin ja nicht blauäugig in eine Situation gegangen, von der ich vorher nicht wusste, was sie für mich, auch für meine Partnerschaft bedeutet. Wir sind auch der festen Überzeugung, dass eben in unserer Landeskirche Menschen unterschiedlicher Prägungen zu Hause sind, und waren deswegen durchaus in der Hoffnung, dass es für uns auch einen Platz in der Landeskirche geben wird und auch gibt. […] Das ist eine neue Möglichkeit, die sich für uns aufgetan hat, aber das ist definitiv so, dass wir unsere Partnerschaft eintragen lassen wollen. Wir sind seit zehn Jahren zusammen, da ist das legitim dann, das ganze juristisch fest zu klopfen.“

Zusammenfassung der Kapitel

Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Voraussetzungen durch das Lebenspartnerschaftsgesetz sowie die kirchenrechtliche Reaktion und zeigt beispielhaft den Fall der Pfarrerin Katrin Jell auf.

Positionen und theologische Argumente: Das Kapitel analysiert die theologischen Debatten und die argumentativen Standpunkte sowohl der Befürworter (Pro) als auch der Gegner (Contra) der Öffnung des Pfarrdienstes für homosexuelle Paare.

Fazit: Die Arbeit resümiert den Einfluss gesellschaftlicher Konventionen auf die kirchliche Haltung und erörtert die zukünftigen Herausforderungen für die Kirche bei der Positionierung zu komplexen gesellschaftlichen Fragen.

Schlüsselwörter

Pfarrhaus, Homosexualität, Lebenspartnerschaftsgesetz, LPartG, Evangelische Kirche in Deutschland, EKD, Landeskirche Sachsen, Theologische Argumente, Paradigmenwechsel, Pfarrdienstgesetz, Segnung, Sächsische Bekenntnisinitiative, Markersbacher Initiative, Kirchenrecht, Diskurs

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Debatte innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland darüber, ob das Zusammenleben von Pfarrern in einer gleichgeschlechtlichen eingetragenen Lebenspartnerschaft kirchenrechtlich zulässig ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind das Lebenspartnerschaftsgesetz, die kirchenrechtlichen Neuregelungen der EKD, die theologische Auseinandersetzung mit der Bibel und der gesellschaftliche Wandel.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist ein religionswissenschaftliches Resümee der Debatte unter Berücksichtigung verschiedener kirchlicher Positionen und ihrer Argumentationsweisen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine deskriptiv-analytische Methode, um kirchliche Verlautbarungen, Berichte von Arbeitsgruppen und öffentliche Diskurse aufzuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der geschichtliche Hintergrund, die Pro- und Contra-Positionen innerhalb der sächsischen Landeskirche sowie die Rolle spezifischer Initiativen detailliert beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Pfarrdienstgesetz, Homosexualität, LPartG, kirchenrechtliche Öffnung und der theologische Diskurs über Schöpfungsordnungen.

Wie steht die Evangelische Kirche in Deutschland offiziell zu diesem Thema?

Die EKD hat sich nach internen Diskussionen für eine Öffnung entschieden, die eingetragene Partnerschaften grundsätzlich unterstützt, auch wenn individuelle Abweichungen in Landeskirchen bestehen.

Warum wird der Fall der Pfarrerin Katrin Jell hervorgehoben?

Der Fall dient als konkretes Beispiel für die reale Konfliktlage zwischen persönlicher Lebensführung und kirchlichen Traditionen, die letztlich den Druck auf die Landeskirche erhöhte.

Welche Rolle spielt die Sächsische Bekenntnisinitiative?

Sie fungiert als organisierte Contra-Stimme, die eine Rückkehr zu einer biblisch und bekenntnisorientierten Ausrichtung fordert und sich gegen die Neuregelungen der Landeskirche ausspricht.

Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der künftigen Rolle der Kirche?

Der Autor erkennt einen Trend, bei dem die Kirche zunehmend gesellschaftlichen Werten folgt, um ihre Relevanz und Mitgliederbindung zu sichern, wobei dies zu Spannungen in der kirchlichen Glaubwürdigkeit führen kann.

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Details

Title
Eingetragene, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus?
College
University of Bremen  (Religionswissenschaft und Religionspädagogik)
Author
Mo Yanik (Author)
Publication Year
1999
Pages
29
Catalog Number
V193229
ISBN (eBook)
9783668314818
ISBN (Book)
9783668314825
Language
German
Tags
eingetragene lebensgemeinschaften pfarrhaus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mo Yanik (Author), 1999, Eingetragene, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193229
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