Da in vielen Ländern die Impfung freiwilliger Natur ist, können Gerüchte über mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen von Impfungen die Impfrate in einer Gesellschaft gefährlich zum absinken bringen. Wenn dies geschieht, können sich längst vergessene, vermeidbare Krankheiten wieder verstärkt verbreiten. Ende der Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts haben zwei Hypothesen über den Zusammenhang zwischen Impfungen und gesundheitliche Schädigungen massive öffentliche Aufmerksamkeit und Besorgnis erregt. Eine dieser Thesen postuliert, dass die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln Autismus verursachen kann. Die zweite Hypothese nimmt an, dass der quecksilberhaltige Konservierungsstoff Thiomersal (engl. Thimerosal), der in einigen Impfstoffen enthalten ist, neurologische Schädigungen bewirkt, was letztlich ebenfalls zu Autismus Spektrum Störungen führen kann. Zum Zweck der empirischen Ergründung des Wahrheitsgehalts dieser Hypothesen wurden in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt. Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, den Forschungsstand zu diesen zwei Hypothesen in Augenschein zu nehmen. Nach Erörterung einiger Studien zu beiden genannten Hypothesen wird abschliessend die Schlussfolgerung gezogen, dass der aktuelle Forschungsstand eine Ablehnung dieser beiden Hypothesen nahe legt.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Einführung
Theorie
Befundlage des aktuellen Forschungsstands
Diskussion
Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Forschungsstand hinsichtlich der Hypothesen, ob die MMR-Dreifachimpfung oder der quecksilberhaltige Konservierungsstoff Thiomersal in Impfstoffen als ursächliche Faktoren für die Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen in Betracht kommen.
- Wissenschaftliche Analyse des behaupteten Zusammenhangs zwischen der MMR-Impfung und autistischen Störungen.
- Untersuchung der toxikologischen und epidemiologischen Befunde zur Rolle von Thiomersal in Impfstoffen.
- Kritische Würdigung der Wakefield-Studie und deren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung.
- Gegenüberstellung von Ergebnissen großflächiger epidemiologischer Studien aus Dänemark, England und Japan.
- Beurteilung der Evidenzlage im Hinblick auf eine Ablehnung der genannten Hypothesen.
Auszug aus dem Buch
Befundlage des aktuellen Forschungsstands
Zunächst werden Studien angeführt, die die Hypothese untersuchen, dass MMR Impfungen einen spezifischen, von chronisch entzündlicher Darmerkrankung geprägten Subtypus von Autismus verursachen. In der ersten Studie zu diesem Thema, welche gleichzeitig auch das Vehikel zur Popularität dieser Hypothese war, untersuchten Wakefield et al. (1998) zwölf Kinder, die der pädiatrischen gastroenterologischen Abteilung des Royal Free Hospital in London zugewiesen worden waren. Allen Kindern gemeinsam war die Vorgeschichte einer zunächst normalen Entwicklung, die durch den Verlust von bereits erworbenen Fähigkeiten abgebrochen wurde. Weiterhin waren allen Kindern gastrointestinale Beschwerden wie Unterleibsschmerzen, Durchfall und Schwellung des Unterleibs gemeinsam. Neun der Kinder wurden als autistisch diagnostiziert, ein Kind erhielt die Diagnose einer desintegrativen Psychose und zwei der Kinder litten an einer Enzephalitis (Gehirnentzündung). Bei neun der zwölf Kinder berichteten die Eltern, dass die ersten Verhaltenssymptome innerhalb von einem bis vierzehn Tagen nach Verabreichung der MMR-Impfung auftraten.
Bei den restlichen drei Kindern zeigten sich die ersten behavioralen Symptome ein bis zwei Monate nach der MMR-Impfung. Die Kinder wurden einer umfassenden Abklärung unterzogen: sie wurden sowohl gastroenterologisch, als auch neurologisch untersucht, es wurde eine Endoskopie des Dickdarms sowie ein MRI vorgenommen, man nahm Gewebeproben des Dickdarms, erstellte biochemische, hämatologische und immunologische Profile, konsultierte die entwicklungsgeschichtlichen Aufzeichnungen und vieles mehr. Wakefield und Kollegen kamen zum Schluss, dass die von ihnen untersuchten Kinder einem spezifischen Phänotyp von Autismus zeigen, welcher Wakefield später mit dem Begriff der autistischen Enterocolitis benannte (2000). Wakefield et al. (1998) postulieren, dass die autistischen Symptome von einem entzündeten oder dysfunktionalen Darm herrühren. Da die Symptome dieser zwölf Kinder in zeitlicher Nähe zur MMR-Impfung auftraten, deuteten Wakefield und Kollegen (1998) an, dass die MMR-Impfung einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Auftreten der Symptome haben könnte, auch wenn sie anmerken mussten, dass sie dies mit ihrer Studie nicht nachweisen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Bietet einen Überblick über die behandelten Hypothesen und legt die Schlussfolgerung nahe, dass der aktuelle Forschungsstand eine Ablehnung der Thesen stützt.
Einführung: Erläutert den gesundheitspolitischen Nutzen von Impfungen und führt in die Entstehung der Zweifel durch die Postulierung eines Zusammenhangs zu Autismus ein.
Theorie: Definiert den Begriff Autismus sowie verwandte Störungsbilder und stellt die zwei zentralen Hypothesen (MMR-Impfung und Thiomersal) vor.
Befundlage des aktuellen Forschungsstands: Präsentiert und analysiert eine Reihe wissenschaftlicher Studien, die sowohl die MMR- als auch die Thiomersal-Hypothese empirisch untersuchen.
Diskussion: Rekapituliert und reflektiert die Ergebnisse kritisch, wobei insbesondere die methodischen Schwächen der frühen Studien und der Wissensstand durch spätere Analysen beleuchtet werden.
Literaturverzeichnis: Listet die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Studien auf.
Schlüsselwörter
Autismus, MMR-Impfung, Thiomersal, Quecksilber, Impfsicherheit, Infektionskrankheiten, Entwicklungsstörungen, Epidemiologie, Wakefield, Darmerkrankungen, Immunreaktion, Impfrate, Autismus-Spektrum-Störung, Wissenschaftliche Evidenz, Toxikologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Stichhaltigkeit von Vermutungen, dass Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) oder die Verwendung von Thiomersal in Impfstoffen Autismus verursachen könnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich mit Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung, den biologischen Wirkweisen von Impfstoffen und der toxikologischen Bewertung von Quecksilberverbindungen in der Medizin.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu den zwei genannten Zusammenhangshypothesen aufzuarbeiten und zu bewerten, um eine fundierte wissenschaftliche Einordnung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende empirische Studien, epidemiologische Daten und toxikologische Befunde analysiert und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und eine detaillierte Auswertung der Studienlage zur MMR-Impfung sowie zu Thiomersal-Expositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Autismus, MMR-Impfung, Thiomersal, Impfsicherheit und wissenschaftliche Evidenz geprägt.
Warum wird die Studie von Wakefield besonders kritisch betrachtet?
Die Studie wird aufgrund geringer Probandenzahlen, eines möglichen Selektionseffekts und später enthüllter massiver Interessenskonflikte und finanzieller Abhängigkeiten des Autors als unglaubwürdig eingestuft.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Thiomersal?
Auf Basis der analysierten Studien kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Thiomersal in den verwendeten Dosierungen in Impfstoffen unbedenklich ist und keine kausale Rolle bei der Entstehung von Autismus spielt.
- Arbeit zitieren
- Cornelia Harig (Autor:in), 2009, Können Impfungen Autismus verursachen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193231