Das duale System und dessen Auswirkung auf Quoten, Programm und Konsum von Rundfunk


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entstehung des dualen Systems
2.1 Der Ausgangspunkt des dualen Systems: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk
2.2 Die Entstehung und Entwicklung des privaten Rundfunks

3 Das Dilemma des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks

4 Die Veränderung von Sendestrukturen und Programmen
4.1 Gründe für die Veränderungen und deren Ausmaß beim öffentlich- rechtlichen Rundfunk
4.2 Die Veränderungen im kommerziellen Rundfunkbereich

5 Auswirkungen des dualen Systems auf das Konsumverhaltens der Rezipienten..

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es in der Bundesrepublik Deutschland seit einem Vierteljahrhundert auch privaten Rundfunk. Dieser bildet die zweite Säule des „dualen Rundfunksystems“.1 Im Folgenden soll dieses Fakt aber nicht nur so stehen bleiben, sondern es wird durchleuchtet werden, was sich seit der Einführung des dualen Rundfunksystems verändert hat. Vor allem die Auswirkung auf Quoten, Programm und Konsum sollen in den Fokus gerückt werden.

Jedoch lassen sich diese Punkte nicht ohne grundlegendes Wissen über die Entstehungsgeschichte des dualen Systems begreifen. Aus diesem Grund wird zunächst die Entstehung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die Alliierten Besatzungstruppen dargestellt werden. Bedeutend ist hier, dass sie bereits vor der Entscheidung standen, ob ein öffentlich-rechtliches oder ein privatwirtschaftliches Rundfunksystem etabliert werden sollte.2

Da sich nach 1945 das öffentlich-rechtliche System durchsetzte, ist es für die Fortsetzung der Entstehungsgeschichte des dualen Systems unerlässlich auch die Entwicklung des Privatrundfunks zu betrachten. Vor allem politische Stellungen und juristische Entscheidungen, sollen in einem kurzen chronologischen Abriss, die Etablierung des Privatrundfunks verdeutlichen.

Das Auftreten eines neuen Konkurrenten auf einem Markt wird sich nie ohne die Entstehung einer Konkurrenzsituation vollziehen.3 Diese Konkurrenzsituation wird vor allem beim Kampf um Quoten deutlich. Deshalb soll erklärt werden, weshalb der öffentlich-rechtliche und der Privatrundfunk gleichermaßen um Quoten kämpfen. Vor allem der Aspekt der Finanzierung der Sender wird hierbei eine Rolle spielen.

Nachdem die Gründe für die Konkurrenzsituation geklärt wurden, soll klar werden, welche Wege gesucht werden um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Dies ist unerlässlich um Quoten zu erzeugen oder zu halten. Vor allem die Strategien der Differenzierung und Nachfrageausweitung sollen für beide Organisationsformen beleuchtet werden.4 Im Programm ist eine solche Untersuchung gut möglich, weshalb untersucht wird, inwiefern die Konvergenzhypothese zutrifft. Diese besagt, dass sich die Programme von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern immer mehr angleichen bis sie nicht mehr zu unterscheiden sind.5

Zuletzt wird gezeigt werden, wie die Rezipienten auf das veränderte Programm reagieren. Vor allem die Frage, ob es ein spezielles Publikum für den öffentlich- rechtlichen und den privaten Rundfunk gibt, ist hier von zentraler Bedeutung. Als Schlussfolgerung aller Erkenntnisse lässt sich noch eine abschließende Frage klären. Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Monopolstellung verloren hat und Marktanteile an die Privaten abgeben musste, soll verdeutlicht werden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht verdrängt wurde beziehungsweise verdrängt werden kann.6

Besonders interessant für diese Arbeit ist der Text von Peter Widlok: „Billigware oder Luxusgut? Der Hörfunk in Deutschland seit 1984.“7 Er beinhaltet nicht nur Informationen über die Ausgangsvoraussetzungen zu Beginn der Privatisierung des Rundfunks, sondern beschäftigt sich ebenso mit der Durchführung dieser. Vor allem politische und juristische Betrachtungsweisen der Entwicklung des dualen Systems werden aufgegriffen. Aber auch Kritik am Privatrundfunk und Merkmale der Unterscheidung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommen nicht zu kurz. Ebenfalls interessant ist der von Jürgen Wilke verfasste Artikel „Die zweite Säule des dualen Systems: Privater Rundfunk.“8 Vor allem seine Ausführungen zu der Entwicklung des dualen Systems, wie auch zu der Finanzierung von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunks sind interessant. Da ich mich in meiner Argumentation auf den Radiobereich konzentrieren möchte, kann ich leider den ebenfalls sehr aufschlussreichen Abschnitt über die Veränderungen von Marktanteilen beim Fernsehen nur geringfügig verwenden. Helmut Scherer gibt mit seinem Text „Funktionsdifferenzierungen beim Hörfunk?“ einen sehr guten Eindruck von der Konkurrenzsituation zwischen den beiden Polen des dualen Systems, sowie deren Programm- und Senderentwicklungen und die Rezeption durch den Konsumenten.9

2 Die Entstehung des dualen Systems

Um die Auswirkungen des dualen Systems verstehen zu können, muss zuerst ein Verständnis vorhanden sein, wie dieses entstanden ist. Da sich diese Rundfunkeinteilung erst langsam nach der Entwicklung des privaten Rundfunks manifestierte, soll vor allem die Entstehung des kommerziellen Rundfunks ab 1984 betrachtet werden. Aber auch der damalige Standpunkt der öffentlich- rechtlichen Programmanbieter, sowie politische Positionen sollen nicht zu kurz kommen.

2.1 Der Ausgangspunkt des dualen Systems: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hatte seit 1945 zunächst eine Monopolstellung in Deutschland.10 Diese entstand jedoch nicht auf natürliche Weise, sondern war durch die Besatzungsmächte initiiert. Diese bauten den Rundfunk in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg wieder auf.11 Ziel hierbei war es, diesen neuen Rundfunk vor Gleichschaltung und der Benutzung als Propagandainstrument zu schützen. Um dieses Ziel zu erreichen waren sich vor allem die USA und die Briten über die Organisation des neuen Rundfunksystems uneinig. Die Briten plädierten für die Einführung eines öffentlich-rechtlichen Models nach dem Vorbild der BBC. Die Amerikaner hingegen wollten nach dem Vorbild ihres Landes ein privates Rundfunksystem etablieren.12 Schlussendlich wurde aufgrund der geringen territorialen Größe und des fehlenden Werbemarktes die Britische Lösung vorgezogen.13 An diesem System änderte sich dann für mehrere Jahrzehnte nicht viel.

2.2 Die Entstehung und Entwicklung des privaten Rundfunks

Nachdem sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland etabliert hatte, gab es bald Versuche diesen durch einen Privaten Rundfunk zu ergänzen.

Politisch wurden diese Bemühungen hauptsächlich von der CDU/CSU unternommen. Schon in den 50er Jahren forderte die damalige CDU- Bundesregierung einen kommerziellen Rundfunk als Ergänzung zum öffentlich- rechtlichen Rundfunk. Dies scheiterte aber an den Einwänden der Zeitungsverleger, die Angst um den lokalen Werbemarkt hatten.14 Das sich vor allem die konservativen Parteien für die Etablierung eines privaten Rundfunks einsetzten, lag in der - ihrer Meinung nach - einseitigen Berichterstattung. So entstand auch die Forderung, dass das ZDF die Defizite in der Informationsverbreitung von Parteien, in diesem Fall der CDU/CSU beseitigen sollte.15 Die Hauptforderung der konservativen Politiker lag allerdings in der Gestaltung von Vielfalt bei möglichst geringen Grenzen.16

Doch bevor sich ein privater Rundfunk entwickeln konnte mussten zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Versuche in den Jahren 1961 und 1971 einen kommerziellen Rundfunk zu entwickeln, scheiterten jeweils beim Bundesverfassungsgericht.17 Dieses sah aufgrund eines Frequenzmangels die technischen Voraussetzungen für diese neue Rundfunkorganisation nicht gegeben.18

Ende der 70er Jahre beziehungsweise zu Beginn der 80er Jahre wurden durch die technische Entwicklung von Übertragungswegen (Kabel, Satellit) neue Frequenzen frei.19 Das Hauptargument gegen einen privaten Rundfunk brach weg und so erlaubte das Gericht 1981 auch andere Organisationsformen als den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.20

Jedoch entwickelte sich der private Rundfunk nicht schlagartig. Zunächst entstanden 1984 einige Kabelpilotprojekte. Diese ermöglichten es, privaten Anbietern in Berlin, München, Dortmund und Ludwigshafen ihr Programm über das Kabelnetz zu verbreiten.21 Obwohl die Pilotprojekte als Studie geplant waren, warteten vor allem CDU-regierte Bundesländer, deren Ergebnisse nicht ab und ändern die Landesmediengesetze zu Gunsten des privaten Rundfunks. 1987 wurde auch der Rundfunkstaatsvertrag geändert.22 Er berücksichtigte nun auch private Rundfunkanbieter. Dies schien wie eine nachträgliche Genehmigung bereits zu beobachtender Entwicklungen. Schon 1985 wurden in Bayern UKW-Frequenzen an private Anbieter vergeben.23 In Baden-Württemberg ist mit der Einführung des Stadtradios Ulm und Freiburg ab 1985 sehr gut zu beobachten, worin die Besonderheit der frühen privaten Rundfunksender liegt. Durch Regionalisierung und lokale Information sollte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Konkurrenzvorteil erzeugt werden.24 Daraufhin versuchte der öffentlich-rechtliche Rundfunk dieses System zu kopieren, er schaffte es aber nicht die Gebiete ausreichend zu differenzieren. So öffnete der WDR zum Beispiel am 4. Juni 1984 in seinem Programm ein Drei-Stunden-Fenster für das Münsterland, Ostfahlen- Lippe, das Ruhrgebiet und die Kölner Bucht.25

1986 klärte das Bundesverfassungsgericht die Aufgaben von öffentlichrechtlichem und privatem Rundfunk. So wurde der öffentlich-rechtliche Rundfunk dazu aufgefordert für eine Grundversorgung an Informationen zu sorgen. Der private Rundfunk hingegen sollte mit seinem Programm für Vielfalt sorgen.26 Dies spiegelt sich auch in der Aussage von Dieter Weirich wieder. Der ehemalige medienpolitsche Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion forderte für den privaten Rundfunk „So viel Vielfalt wie möglich,[…]“27

[...]


1 vgl.: Wilke, Jürgen: Die zweite Säule des „dualen Systems“: Privater Rundfunk, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“ (23. Februar 2009), S. 12-19. S. 12

2 vgl.: Dussel, Konrad: Amerikanisierung und Postmoderne in der Bundesrepublik Deutschland. Beiträge der Rundfunkgeschichte zu fächerübergreifenden Diskursen, in: GWU 50:4 (1999), S. 221-239. S. 226

3 vgl.: Scherer, Helmut: Funktionsdifferenzierungen beim Hörfunk, in: Jarren, Otfried (Hg.): Medienwandel - Gesellschaftswandel?: 10 Jahre dualer Rundfunk in Deutschland; eine Bilanz, Berlin 1994, S. 245-263. S. 246 f.

4 vgl.: Scherer 1994. S. 264 f.

5 vgl.: Schatz, Heribert: Rundfunkentwicklung im „dualen System“: die Konvergenzhypothese, in: Jarren, Otfried (Hg.): Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen, Opladen 1994, S. 67- 79. S. 67

6 vgl.: Widlok, Peter: Billigware oder Luxusgut? Der Hörfunk in Deutschland seit 1984 im Wandel, in: Jarren, Otfried (Hg.): Medienwandel - Gesellschaftswandel?: 10 Jahre dualer Rundfunk in Deutschland; eine Bilanz, Berlin 1994, S. 229-243. S. 230

7 vgl.: Widlok 1994. S. 229-243

8 vgl.: Wilke 2009. S. 12-19

9 vgl.: Scherer 1994. S. 245-263

10 vgl.: Widlok 1994. S. 230

11 vgl.: Wilke 2009. S. 13

12 vgl.: Dussel 1999. S. 226

13 vgl.: Wilke 2009. S. 13

14 vgl.: Widlok 1994. S. 230

15 vgl.: Wilke 2009. S. 13

16 vgl.: Widlok 1994. S. 233

17 vgl.: Widlok 1994. S. 231

18 vgl.: Wilke 2009. S. 14

19 vgl.: Bomas, Wiebke: Der duale Rundfunk. Seine Bedeutung für die Entwicklung des Rundfunkmarktes, Diplomarb., Köln: Institut für Rundfunkökonomie 2005. S. 15

20 3. Rundfunkurteil (BVerfGE 57, 295 FRAG (1981)): http://www.servat.unibe.ch/law/dfr/bv057295.html, zugegriffen am 28.04.2010.

21 vgl.: Widlok 1994. S. 231

22 vgl.: Wilke 2009. S. 15

23 vgl.: Seufert, Wolfgang: Dualer Rundfunk: Programmangebot im Gewinnkalkül privater Unternehmen, in: Jarren, Otfried (Hg.): Medienwandel - Gesellschaftswandel?: 10 Jahre dualer Rundfunk in Deutschland; eine Bilanz, Berlin 1994, S. 117-130. S. 119

24 vgl.: Widlok 1994. S. 230

25 vgl.: Ebenda

26 4. Rundfunkurteil (BVerfGE 73, 118 Niedersachsen (1986)): http://www.servat.unibe.ch/law/dfr/bv073118.html, Zugegriffen am 28.04.2010.

27 vgl.: Widlok 1994. S. 229

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das duale System und dessen Auswirkung auf Quoten, Programm und Konsum von Rundfunk
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Proseminar - Die Geschichte des Rundfunks in Deutschland
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V193304
ISBN (eBook)
9783656190424
ISBN (Buch)
9783656191810
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
system, auswirkung, quoten, programm, konsum, rundfunk
Arbeit zitieren
Florian Fischer (Autor), 2010, Das duale System und dessen Auswirkung auf Quoten, Programm und Konsum von Rundfunk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193304

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