Die gescheiterte Säkularisation

Von Napoléons diktiertem Frieden von Campo Formio zum Rastatter Kongress


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Napoléons Erfolge in Norditalien bis zur Schlacht von Rivoli

3. Der diktierte Frieden von Campo Formio

4. Die linksrheinischen Reichsgebiete nach ihrer Eroberung
4.1. Die Friedensverhandlungen in Rastatt
4.2. Das Scheitern des Rastatter Kongresses

5. Der Ausbruch des zweiten Koalitionskrieges

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der Revolution in Frankreich entbrannte auf dem europäischen Kontinent der erste Koalitionskrieg von 1792 bis 1797 zwischen Frankreich und den umliegenden, mächtigen Monarchien – allen voran Preußen und Österreich, später die Königreiche Piemont-Sardinien, Großbritannien, Spanien und Neapel. Nach und nach schieden die europäischen Großmächte gegen das immer erfolgreicher operierende Volksheer des revolutionären Frankreichs aus. Schlussendlich auch die Habsburger Monarchie, bedrängt durch den General Napoléon Bonaparte. Mit Österreich schied der letzte große Gegner Frankreichs auf dem Festland aus, nur England führte den Kampf fort und die restlichen Feinde im Heiligen Römischen Reich waren allein kaum im Stande den Krieg fortzuführen.[1]

Friedenskonsolidierungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich fanden anschließend von 1797 bis 1799 in Rastatt statt. Beim dortigen Kongress sollte entschieden werden, wie die Reichsstände entschädigt werden würden für linksrheinische Gebiete, welche Österreich im Frieden von Campo Formio und Preußen im Frieden von Basel Frankreich zugesprochen worden waren.[2]

Im Zuge dieser Arbeit soll gezeigt werden unter welchen Grundvoraussetzungen der Kongress von Rastatt begann, welche Ziele und Forderungen die Teilnehmer hatten, besonders die wichtigsten Parteien Frankreich und Österreich, sowie warum es zu keiner Konsolidierung und einem anhaltenden Frieden kam – denn schon 1799 kam es zum zweiten Koalitionskrieg.[3]

Im ersten Kapitel wird erklärt, wie der französische Nebenkriegsschauplatz in Norditalien und die dortigen Erfolge Napoléons entscheidend auf den Verlauf des ersten Koalitionskrieges Einfluss nahm. Folgend im 3. Kapitel beschäftigt sich die Arbeit mit den Erfolgen Bonapartes nach der Schlacht von Rivoli. Mit der Eroberung Leobens wurde Österreich an den Verhandlungstisch gezwungen, der Frieden von Campo Formio beendete schließlich den Krieg.

Das 4. Kapitel bearbeitet zuerst die Grundvoraussetzungen der zentralen Streitobjekte auf dem Kongress von Rastatt: Den linksrheinischen Territorien des Heiligen Römischen Reiches seit ihrer Einnahme durch französische Truppen. Im folgenden Teil der Arbeit soll der Beginn der Friedensverhandlungen in Rastatt dargelegt werden, um dann in den letzten beiden Kapiteln vor dem Resümee herauszuarbeiten, welche Entwicklungen und Ereignisse dazu führten, dass Österreich bis zum Jahr 1799 die Möglichkeit eines friedlichen Ausgleichs mit Frankreich bzw. Ersatzlösungen für die Reisstände mit linksrheinischem Besitz verwarf. Schlussendlich rüstete die Habsburger Monarchie noch während des Kongresses wieder zum Krieg, ging mit Russland ein Bündnis ein und nahm 1799 wieder die Kriegshandlungen mit Frankreich auf. Die auf dem Kongress von Rastatt beschlossenen Entschädigungen für die Reichsstände können als Vorläufer der späteren Säkularisation betrachtet werden und schon im Frieden von Campo Formio wurde eingeleitet, was nach dem zweiten Koalitionskrieg beim Frieden von Lunéville besiegelt wurde.[4]

2. Napoléons Erfolge in Norditalien bis zur Schlacht von Rivoli

Während der Revolution sicherte Frankreich nicht nur seine Ostgrenze, sondern ging zur offensiven Expansion über – zum Selbstschutz ebenso, wie um den Revolutionsgedanken zu exportieren. Schon am 20. April 1792 musste Ludwig XVI. als französisches Staatsoberhaupt unter dem Druck der Revolutionären Kaiser Franz II., jedoch in dessen Funktion als König von Ungarn und Böhmen, den Krieg erklären.[5]

Im Zuge ihres Defensivbündnisses stellte sich Preußen daraufhin auf die Seite Österreichs. Trotz anfänglicher Erfolge der Alliierten besetzte die französische Nordarmee die österreichischen Niederlande. Mit Kampfhandlungen gegen das von Viktor Amadeus II. Maria regierte Königreich Sardinien-Piemont und dem Herzogtum Savoyen wurden nach 1793 Nizza und die Provinz Savoyen von den Revolutionstruppen eingenommen und ein Puffer zum Territorium der Habsburger Monarchie geschaffen.[6]

Am 2. März 1796 wurde Napoléon Bonaparte vom Direktorium der Befehl über die 37.000 bis 40.000 Soldaten des französischen Italienheeres und die Generäle Charles Pierre Fançois Augereau und André Masséna gegeben. Bonaparte hatte nie zuvor eine Armee dieser Größenordnung angeführt, aber als Teil des Bureau Topographique, der Planungsabteilung des Generalstabs, drei Jahre lang Italien und das dortige Terrain studiert. Dem aufstrebenden Feldherren gelang es die Moral der Truppe zu heben, welche schlecht ausgerüstet war und seit Monaten keinen Sold bekommen hatte.[7] Der Nebenkriegsschauplatz erlangte nicht nur durch die frühen Erfolge Napoléons an Bedeutung, schon am 15. Mai führte der Korse seine Truppen nach Mailand, der Hauptstadt der Lombardei, sondern auch weil er es Frankreich erlaubte einen seiner Hauptgegner direkt zu bedrohen.[8] Italienischer Widerstand war kaum vorhanden, bereitete den Revolutionstruppen aber dennoch Probleme. In den Jahren 1796 und 1797 waren es vor allem die Barbetti, Banden von Schmugglern und Banditen, welche sich in den Kriegszeiten auf die Seite der Monarchie stellten. Im offenen Feld waren diese Einheiten keine Gefahr für Napoléons Soldaten, verteidigten aber Pässe in den südlichen Alpen bei Mondovì und Cuneo oder griffen seine Nachhut an. Von den größeren Ortschaften im Weg der französischen Armee ergaben sich die meisten jedoch kampflos.[9]

In der Schlacht von Lodi am 10. Mai 1796 besiegte Napoléon ein unterlegenes, österreichisches Heer und eroberte danach Milan, trotzdem kämpften die Truppen der Habsburger Monarchie weiter. Bonaparte versuchte fortan eine Entscheidungsschlacht zu erzwingen und war dabei bereit große Risiken einzugehen. Einerseits splitterte er seine Truppen mit dem Ziel auf, sie zum richtigen Zeitpunkt für eine zahlenmäßige Überlegenheit wieder zusammen zu führen, andererseits setzte er sich auch selbst, wie im November 1796 bei der beinahe verlorenen Schlacht von Arcole, dem Feindfeuer aus.[10]

Die erhoffte Entscheidungsschlacht erhielt Napoléon, als der österreichische General Jozsef Alvinczi zum vierten und letzten Mal versuchte, die von französischen Truppen belagerte Stadt Mantua zu entlasten. Am 14. und 15. Januar 1797 siegte Bonaparte mit einem zahlenmäßig unterlegenen Heer in der Schlacht von Rivoli. Von seinen rund 23.000 Soldaten wurden rund 3.200 bis 5.000 getötet oder gefangen genommen während es auf der österreichischen Seite zwischen 12.000 oder 14.000 waren. Mantua fiel anschließend bis zum 2. Februar 1797 an Bonaparte. In der Folge kontrollierte Frankreich das komplette nördliche Italien.[11]

3. Der diktierte Frieden von Campo Formio

Obwohl sie ihre Positionen in Italien verloren hatten, gaben die Österreicher nicht auf. Napoléon musste die Kämpfe erst ins Herz des habsburgischen Territoriums tragen und drang in die Steiermark ein. Am 7. April eroberten die Franzosen Leoben nur vier Tagesmärsche von Wien entfernt, was den Feind schließlich an den Verhandlungstisch zwang – auch, da Preußen sich schon seit 1795 aus dem Krieg zurückgezogen hatte. Im Vorfrieden von Leoben schlossen die Habsburger im April 1797 einen Vertrag mit Frankreich, der den Ersten Koalitionskrieg beendete und England praktisch als einziger Gegner verblieb. Österreich verzichtete auf Belgien und die Lombardei und sollte dafür mit Territorien der Republik Venedig entschädigt werden, die wiederum päpstliche Gebiete erhalten sollte.[12]

[...]


[1] Vgl. Fehrenbach, Elisabeth: Vom Ancien Régime bis zum Wiener Kongress (Oldenbourg Grundriss der Geschichte). München 1993, S. 43-48. Fahrmeir, Andreas: Revolutionen und Reformen. Europa 1789–1850. München 2010, S. 64.

[2] Vgl. Fehrenbach: Ancien Régime, S. 48.

[3] Vgl. Ebd., S. 48f.

[4] Vgl. Demel, Walter: Reich, Reformen und sozialer Wandel 1763-1806 (Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte 12). Stuttgart 102005, S. 312. Lachenicht: Information und Propaganda, 40.

[5] Vgl. Fehrenbach: Ancien Régime, S. 43f. Fahrmeir: Revolutionen und Reformen, S. 64.

[6] Vgl. Fehrenbach: Ancien Régime, S. 43. Fahrmeir: Revolutionen und Reformen, S. 64.

[7] Vgl. Ullrich, Volker: Napoleon. Eine Biographie. Reinbek 2004, S. 64. Willms, Johannes: Napoleon. Eine Biographie. München 2005, S. 58f. und S. 66f. Dwyer, Philip: Napoleon. The Path to Power 1769-1799. London u.a. 2007, S. 195f. Flynn, Matthew J./Griffin, Stephen E.: Washington & Napoleon. Leadership in the Age of Revolution. Dulles 2012, S. 59.

[8] Vgl. Demel: Reich, S. 311f.

[9] Vgl. Broers, Michael: Revolt and Repression in Napoleonic Italy, 1796-1814. In: Chickering, Roger/Förster, Stig (Hrsg.): War in an age of revolution, 1775-1815. Cambridge 2010, S. 197-218, hier S. 199f.

[10] Vgl. Boycott-Brown, Martin: The Road to Rivoli. Napoleon’s First Campaign. London 2001, S. 310-315. Smith, Digby: The Greenhill Napoleonic Wars Data Book. Actions and Losses in Personnel, Colours, Standards and Artillery. 1792-1813, London/Greenhill 1998, S. 113 und 118. Flynn/Griffin: Washington & Napoleon, S. 59f.

[11] Vgl. Smith: Napoleonic Wars Data Book, S. 118 und 131-133. Chandler, David: Dictionary Of The Napoleonic Wars. New York 1979, S. 328.

[12] Vgl. Flynn/Griffin: Washington & Napoleon, S. 60. Demel: Reich, S. 309-312. Fehrenbach: Ancien Régime, S. 48. Kalt, Monica: Europa im ersten Koalitionskrieg und der Frieden von Basel. In: Simon, Christian (Hrsg.): Basler Frieden 1795. Revolution und Krieg in Europa. Basel 1995, S. 17-53, hier S. 48f. Aretin, Karl Otmar von: Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund (Deutsche Geschichte 7). Göttingen ²1993, S. 76.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die gescheiterte Säkularisation
Untertitel
Von Napoléons diktiertem Frieden von Campo Formio zum Rastatter Kongress
Hochschule
Universität Stuttgart  (Geschichte)
Veranstaltung
Säkularisation und Mediatisierung – Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V193341
ISBN (eBook)
9783656188155
ISBN (Buch)
9783656188568
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Landesgeschichte, Napoleon, Mediatisierung, Säkularisation, Heiliges Römisches Reich, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
Arbeit zitieren
Sebastian Großhans (Autor), 2012, Die gescheiterte Säkularisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193341

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