Blutgruppen und Bandwürmer im Biologieunterricht. Unterrichtsentwurf im Rahmen eines Praktikums

9. / 10. Klasse Gymnasium


Praktikumsbericht / -arbeit, 2010

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Informationen zur Praktikumsschule

2. Überblick über die Praktikumsstunden

3. Gedanken im Vorfeld des Praktikums

4. Schülerbeobachtung

5. Protokoll zweier hospitierter Unterrichtsstunden

6. Protokoll zweier selbst gehaltener Stunden

7. Reflexion über das Praktikum

Anhang
Anhang 1.1
Anhang 1.2
Anhang 2.1
Anhang 2.2
Anhang 3.1
Anhang 3.2
Anhang 3.3
Anhang 4.1
Anhang 4.2
Anhang 4.3
Anhang 4.4

1. Informationen zur Praktikumsschule

Das Gymnasium X liegt am Stadtrand der Stadt X, mit ca. 15.000 Einwohnern im Landkreis Y. Die Schule bietet zwei unterschiedliche Schwerpunktsetzungen an, wobei in jedem Fall mindestens zwei Fremdsprachen verpflichtend sind:

Im sprachlichen Gymnasium beginnen die Schüler in der 5. Klasse mit Englisch/ Latein. Ab der 6. Jahrgangsstufe folgt als zweite Fremdsprache Latein/Englisch und später als dritte Fremdsprache Französisch. Zusätzlich kann man auch als Wahlfach Russisch oder Spanisch belegen.

Auch im naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasium beginnen die Schüler in der 5. Klasse mit Englisch/Latein.

Wählen die Schüler Latein als 1. Fremdsprache, belegen sie als zweite Fremdsprache im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig Englisch, ansonsten Latein/Französisch. Statt der dritten Fremdsprache liegen später in beiden Fällen die Schwerpunkte im naturwissenschaftlich-technologischen Bereich: Physik, Chemie, Informatik.

Das Gymnasium wurde in den 60ern für 400-500 Schüler ausgelegt und zählt heute bereits über 1100 Schüler, die von ca. 60 Lehrkräften betreut werden. Deshalb wurden im Laufe der Zeit viele Anbauten vorgenommen, die sich vor allem im baulichen Stil unterscheiden. Sie beherbergen zum einen Klassenräume aber auch die Fachsäle für Chemie, Physik, Biologie, Musik und Kunst.

Das Einzugsgebiet des Gymnasiums erstreckt sich über eine sehr große Fläche des südlichen Landkreises Y. Zu den Randgebieten gehören neben A auch zum Bespiel B. Aus diesem Grund werden die Schüler nicht nur mit einer großen Anzahl an Bussen jeden Tag zur Schule gefahren sondern auch mit dem Zug.

Neben den beiden großen Zeichen- und Handarbeitsräumen, verfügt das Gymnasium ebenso über eine Vielzahl von Fachsälen für den Naturwissenschaftlichen Bereich. Für den vielen praktischen Unterricht, der angeboten wird, stehen eine Vielzahl von Präparaten, Chemikalien, Geräte, etc. zur Verfügung. Diese werden vor allem auch von Schülern der Oberstufe für die Anfertigung von Seminararbeiten und in diversen Wahlkursen genutzt.

2. Überblick über die Praktikumsstunden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folgende Themengebiete wurden behandelt:

- Natur und Technik: Ernährung, Sinnesorgane, Mikroskopieren (Übungen)
- Chemie: Wertigkeiten, Atommodelle, Reaktionen und funktionelle Gruppen in der organischen Chemie
- Biologie: Insekten (Augen, Stadien), Evolutiontheorie, Blutgruppen und Blutkreislauf, Innere Organe des Menschen, Grundlagen der Genetik (Mutationen, Mitose, Meiose)

3. Gedanken im Vorfeld des Praktikums

Zunächst einmal ist anzumerken, dass es sich bei der Praktikumsschule um die Schule handelt, die ich 10 Jahre lang besucht habe und schließlich mein Abitur schrieb. Deshalb kenne ich natürlich noch einige der dort arbeitenden Lehrkräfte auch wenn sich in den vergangen Jahren ein großer Umschwung im Lehrerkollegium vollzogen hat. Aufgrund dessen betrat ich das Lehrerzimmer mit gemischten Gefühlen: Auf der einen Seite voller Vorfreude auf die Möglichkeit wieder einige Unterrichtsversuche vornehmen zu können und von den vor allem jungen Lehrkräften zu lernen und auf der anderen mit der Frage im Hinterkopf wie mich wohl die Lehrer die mich schon so lange kennen als eine Art Kollegen aufnehmen werden. Natürlich bin ich während der Schulzeit auch oft anderer Meinung gewesen als einige meiner Lehrer und war deshalb sehr gespannt und auch unsicher wie sie auf mich reagieren würden.

Als Praktikant denke ich, habe ich mich am meistens darauf gefreut nach dem Orientierungspraktikum endlich wieder die Möglichkeit zu haben vor einer Klasse zu stehen und zu unterrichten. Letztendlich ist dies meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt dieses Praktikums, die Chance zu nutzen der späteren Lehrtätigkeit nachzugehen und schließlich entweder eine Bestätigung der Berufswahl zu erhalten oder frühzeitig zu erkennen, dass man vielleicht doch nicht der geeignetste für diesen Beruf ist. Von vielen der vor allem älteren Lehrern habe ich bereits während meines Orientierungspraktikums erfahren, dass diese während ihres Studium kaum oder gar nicht die Möglichkeit eines Praktikums an einer Schule hatten und schon gar nicht eine Klasse zu unterrichten. Sie hatten erst im Referendariat die Möglichkeit ihre Berufswahl wirklich zu überprüfen und wurden dabei aber schon von als angehende Lehrer bewertet. Deshalb freue ich mich sehr auf das Praktikum und werde versuchen so oft es geht auch verschiedene Klassen in den beiden Fächern Biologie und Chemie zu unterrichten.

Als Abiturient und Student für das Lehramt im 3. Semestern hat man sich bereits einiges an Fachwissen angeeignet, jedoch stellt man sich vor allem vor dem Unterrichten von höheren Klassen die Frage, ob man über genügend Hintergrundwissen verfügt auch den Nachfragen auch der älteren und bereits erfahreneren Schülern Stand zu halten.

Eine weitere Frage, die sich mir in Bezug auf das Unterrichten stellt ist, ob man auch die nötige Autorität gegenüber den Schülern mitbringt. Sich vor eine Klasse zu stellen und einen Vortrag zu halten ist nur die Hälfte des Jobs, es gehört aber auch dazu auf die Klasse einzugehen, zu beobachten aber auch für Disziplin zu sorgen. Gerade aus der eigenen Schulzeit kenne ich auch einige Lehrer, denen es schwer fällt in der Klasse für Ruhe zu sorgen, sich durchzusetzen und denen die Schüler permanent auf der Nase herumtanzen. Ich denke, dass dies auch sehr wichtig für einen Praktikanten ist herauszufinden welcher Typ Lehrer man vielleicht einmal wird oder mit welchen Lehrern man sich am besten identifizieren kann.

Alles in allem freue ich mich sehr auf das Praktikum, die Möglichkeit zu unterrichten, neue Lehrer kennen zu lernen, von ihnen zu lernen und hoffe in den fünf Wochen eine Bestätigung für mich zu erhalten, das ich den richtigen Beruf gewählt habe.

4. Schülerbeobachtung

Nach einigen Biologiestunden in einer 5. Klasse habe ich mich entschieden einen Schüler genauer zu beobachten. Bereits in der ersten Stunde in der betreffenden Klasse fiel er mir als ein sehr aufgeweckter Junge auf, der ein großes Interesse am Fach Biologie zeigte. Vor allem fiel er mir dadurch auf, dass er sich bereits viele Fachausdrücke merken konnte und auch beim Lösen von Problemen stets einer der ersten war.

Von seiner Lehrerin habe ich erfahren, dass seine Eltern beide studiert haben und er viel Zeit bei seiner Oma, einer Tierärztin verbringt. Meinen ersten Eindruck konnte sie mir auch bestätigen: Er sei ein sehr lebhafter Schüler der im mündlichen und praktischen Bereich sehr gute Leistungen erbringt jedoch bei schriftlichen Proben durchaus Probleme hat. Ein großes Problem bei ihm sei außerdem, dass er schnell unruhig wird wenn ihm langweilig ist und da er seine Aufgaben oft schneller lösen kann als andere kommt es häufig dazu, dass er den Unterricht stört und andere Schüler ablenkt.

In der Stunde in der meine Beobachtung erfolgt, wurde das Prinzip der Oberflächenvergrößerung anhand der Darmzotten im menschlichen Körper behandelt. Zum generellen Verhalten von G. habe bereits in meiner Einleitung einiges gesagt.

Im Biologiesaal sitzen die Schüler an Tischen jeweils zu dritt relativ nahe bei einander. Dadurch kommt es häufig zu Gesprächen zwischen den Schüler die dem Unterricht nicht immer dienlich ist. Besonders aufschlussreich finde ich die Gruppenarbeit, in der sich die Schüler das Prinzip der Oberflächenvergrößerung selber erarbeiten sollen. In der Gruppe des betroffenen Schülers fiel auf, dass er sofort die Leitung übernahm und die andern Schülern an seinen Ideen lautstark teilnehmen lies. Mit seiner gestenreichen Sprache überzeugt er schnell seine Mitschüler und versuchte anschließend auch mit den umliegenden Gruppen in Kontakt zu treten. Durch die Lehrerin wurde dies allerdings gut unterbunden, indem sie eine Zusatzarbeit für die Gruppe aufgab: Die Gruppe sollte die Oberflächenvergrößerung der Darmzotten graphisch darstellen. Während dieser Arbeit schien der Schüler wesentlich unruhiger als zuvor, was sich auch durch das Zappeln mit den Beinen und Kippeln mit dem Stuhl bemerkbar macht. Jedoch wurden die anderen Gruppen nicht weiter gestört und konnten ihre eigenen Gedanken weiterverfolgen.

Bei der anschließenden Auswertung der Ergebnisse meldet sich der Schüler bei jeder Frage um die Ergebnisse seiner Gruppe vorzustellen. Oft reagiert seine Lehrerin nicht sofort darauf und gibt erst den anderen Gruppen die Möglichkeit Unterrichtsbeiträge zu liefern. Dies halte ich für eine gute Lösung, denn so kann gewährleistet werden, dass nicht immer nur dieselben Schüler am Unterrichtsgeschehen teilnehmen und vor allem die Schwächeren, die mehr Zeit benötigen auch etwas beitragen können. Auf der anderen Seite hat aber auch G.‘s Gruppe die Chance andere abschließend zu verbessern, falls die bereits vorgestellten Lösungen nicht stimmen.

Ein weiteres Problem der zügigen Arbeitsweise ist, dass er oft bereits Aufgaben erledigt, zu denen der Rest der Klasse erst später kommt. Eigentlich stellt dies kein so großes Problem dar, allerdings ist er deshalb oft abgelenkt oder beim falschen Thema und außerdem ist ihm natürlich wenn die anderen Schüler soweit sind langweilig.

Seine Schwächen werden im letzten Teil der Unterrichtsstunde sichtbar, als es darum ging die neuen Erkenntnisse aufzuschreiben. Beim Konstruieren eines Merksatzes zum Thema Oberflächenvergrößerung, arbeitet er sehr ruhig ohne Kontakt zu seinen Mitschülern herzustellen oder sich mit ihnen zu beraten. Schriftliche Aufgaben erfordern von ihm offensichtlich viel mehr Aufmerksamkeit und Konzentration. Ein Beleg dafür, sind auch seine Hausaufgaben, die er schriftlich nicht komplett bearbeitet hat, der Lehrerin allerdings während der Verbesserung die richtige Lösung nennen kann.

Generell kann man das Meldeverhalten und die Mitarbeit des Schülers als sehr Vorbildlich betrachten. Jedoch quittiert er eine nicht sofortige Beachtung der Lehrerin oft mit einer Störung des Unterrichts. Wird er nicht sofort aufgerufen, so fällt es ihm schwer seine Gedanken zunächst für sich zu behalten und versucht die umliegenden Mitschüler über seine Ergebnisse zu informieren.

Jedoch als schlimmer empfinde ich es, wenn er die Meinungen der anderen Schüler durch seine ständigen Kommentare kritisiert. Sobald die Vorstellungen der anderen nicht den seinen Entsprechen versucht er sie sofort zu verbessern oder zum Umdenken zu bewegen. Oft fällt es der Lehrerin schwer dem entgegenzuwirken, vor allem dann wenn er mit seiner Variante Recht hat. Trotzdem ist dies eine Störung des Unterrichts und gerade in der Unterstufe finde ich sollte die Lehrerin mehr auf ihn einwirken. Anstatt lediglich zu sagen: „Erst melden“ oder „Du bist nicht dran“ sollte sie ihm eher einmal konkret klar machen, dass er nur zu reden hat wenn er aufgerufen wurde. Denn letztendlich hatte seine Gruppe noch eine Zusatzaufgabe und er somit noch ausreichend Gelegenheit zu Reden.

Nach genauer Betrachtung aller Fakten komme ich zu dem Entschluss, dass der Schüler leicht unterfordert ist mit dem Unterricht. Dies wird durch das schnelle Bearbeiten von Aufgaben und die bereits angeeignete Fachsprache, diese wurde in der Stunde zuvor beim Benennen von Verdauungsenzymen und Nahrungsbestandteilen sichtbar, deutlich. Ich finde es gerade für ihn aber auch die anderen Schüler in der Klasse wichtig den Schüler klare Verhaltensregeln im Unterricht aufzuzeigen, nicht nur um andere Schüler anzuregen selber über Probleme nachzudenken, sondern auch um sie vor seiner Kritik zu schützen und einen ordentlichen Unterrichtsverlauf zu garantieren.

Außerdem sollte sein Lehrer, vor allem auch beim selbstständigen Arbeiten am besten Ausweichaufgaben bereithalten.

Wichtig finde ich aber auch zusammen mit dem Schüler an seinen schriftlichen Schwächen zu arbeiten, da letztendlich die Zeugnisnote hauptsächlich über schriftliche Noten bestimmt wird. Natürlich ist eine individuelle Förderung von einem Schüler bei einer Klassengröße von 28 Schülern nicht sehr einfach, weshalb dies am besten nicht nur durch einen Lehrer sondern Unterrichtsübergreifen geschehen sollte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Blutgruppen und Bandwürmer im Biologieunterricht. Unterrichtsentwurf im Rahmen eines Praktikums
Untertitel
9. / 10. Klasse Gymnasium
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V193354
ISBN (eBook)
9783668257900
ISBN (Buch)
9783668257917
Dateigröße
3916 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulpraktikum, pädagogisch, didaktisch, Blockpraktikum, Gymnasium, Biologie, Unterricht
Arbeit zitieren
Oskar Kratochvil (Autor), 2010, Blutgruppen und Bandwürmer im Biologieunterricht. Unterrichtsentwurf im Rahmen eines Praktikums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193354

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Blutgruppen und Bandwürmer im Biologieunterricht. Unterrichtsentwurf im Rahmen eines Praktikums



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden