Für die letzten Jahre sind grundlegende Veränderungen der Organisationspraxis zu beobachten, steigende Komplexität der Umweltbedingungen und stetiger Wandel der strategischen Anforderungen fordern ein größeres Maß an organisatorischer Flexibilität. Es kommt daher zunehmend zu interorganisatorischer Kooperationen, sog. interorganisatorischen Netzwerken, neben den traditionellen Organisationsformen Markt und Hierarchie. Die dominante Form interorganisatorischer Netzwerke in der Praxis sind von einem fokalen Akteur geführte, strategische Unternehmensnetzwerke.
Die Steuerung eines solchen Netzwerks stellt das fokale Unternehmen vor besondere Herausforderungen, da die klassischen Koordinationsmechanismen von Markt und Hierarchie, Preise und Weisungen, in Unternehmensnetzwerken nur bedingt funktionieren. Dieses Problem stellt sich besonders in internationalen strategischen Netzwerken, wo im Rahmen der Netzwerksteuerung auch kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen sind. Fokussiert tritt die Problematik bei der Systemintegration hervor, da die Entwicklung kollektiver Strategien und die Herstellung einer gemeinsamen Identität im internationalen Kontext eine besondere Komplexität und Dynamik entwickeln. Neben dem gegenseitigen Vertrauen der Netzwerkpartner spielt besonders Macht als Koordinationsmedium aufgrund der zentralen Stellung des fokalen Akteurs eine wichtige Rolle.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Systemintegration in internationalen strategischen Netzwerken durch das Koordinationsmedium Macht zu untersuchen. Dabei sollen insbesondere die Grenzen der Macht des fokalen Akteurs aufgezeigt werden und daraus praktische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Als erkenntnisleitende Theorie dient die Strukturationstheorie von GIDDENS, da diese explizit auf den Faktor Macht eingeht und einen kohärenten Analyserahmen für diese Arbeit bietet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Problemstellung und Zielsetzung
- Gang der Untersuchung
- Strategische Unternehmensnetzwerke in der Organisationstheorie
- Netzwerke als moderne Organisationsform
- Abgrenzung strategischer Unternehmensnetzwerke
- Aufgaben des fokalen Akteurs in strategischen Netzwerken
- Grundlagen der Strukturationstheorie
- Erkenntnisinteresse und Relevanz der Strukturationstheorie
- Rekursivität und das Stratifikationsmodell des Handelns
- Die Dualität von Struktur
- Herrschaft und Macht in der Strukturation strategischer Netzwerke
- Systemintegration in strategischen Netzwerken
- Relevanz und Rolle von Macht als Koordinationsinstrument
- Grenzen von Macht als Integrationsmedium und Implikationen für die Netzwerksteuerung
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Systemintegration in internationalen strategischen Netzwerken anhand des Koordinationsmediums Macht. Sie beleuchtet die Grenzen des Machtpotenzials des fokalen Akteurs und leitet daraus praktische Handlungsempfehlungen ab. Als theoretischer Rahmen dient die Strukturationstheorie von GIDDENS, die den Faktor Macht explizit einbezieht und einen kohärenten Analyserahmen bietet.
- Die Bedeutung und Herausforderungen der Systemintegration in internationalen strategischen Netzwerken
- Die Rolle von Macht als Koordinationsmedium in Unternehmensnetzwerken
- Die Grenzen von Macht als Integrationsmedium und die Implikationen für die Netzwerksteuerung
- Die Anwendung der Strukturationstheorie zur Analyse der Macht in strategischen Netzwerken
- Praktische Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Netzwerksteuerung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 führt das Konzept strategischer Unternehmensnetzwerke in der Organisationstheorie ein und beschreibt die Abgrenzung dieser Form von Netzwerken sowie die Aufgaben des fokalen Akteurs innerhalb des Netzwerks.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Grundlagen der Strukturationstheorie, die als theoretischer Rahmen für die Analyse der Macht in strategischen Netzwerken dient. Es werden das Erkenntnisinteresse der Theorie, die Rekursivität und das Stratifikationsmodell des Handelns sowie die Dualität von Struktur erörtert.
Kapitel 4 analysiert die Relevanz und Rolle von Macht als Koordinationsinstrument in strategischen Netzwerken. Es beleuchtet die Grenzen der Macht des fokalen Akteurs und ihre Auswirkungen auf die Netzwerksteuerung.
Schlüsselwörter
Strategische Unternehmensnetzwerke, Systemintegration, Macht, Koordinationsmedium, Strukturationstheorie, GIDDENS, Internationale Zusammenarbeit, Netzwerksteuerung, Fokaler Akteur, Grenzen der Macht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein strategisches Unternehmensnetzwerk?
Ein Netzwerk, das von einem zentralen („fokalen“) Akteur geführt wird und in dem rechtlich selbstständige Unternehmen kooperieren, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
Welche Rolle spielt Macht in solchen Netzwerken?
Macht dient als Koordinationsmedium, da klassische Weisungsbefugnisse (Hierarchie) fehlen und Vertrauen allein oft nicht ausreicht, um kollektive Ziele durchzusetzen.
Was besagt die Strukturationstheorie von Giddens?
Sie beschreibt die Wechselwirkung zwischen individuellem Handeln und sozialen Strukturen, wobei Macht als wesentlicher Bestandteil jeder sozialen Interaktion gesehen wird.
Welche Grenzen hat die Macht des fokalen Akteurs?
Zu viel Machtausübung kann das Vertrauen zerstören, Widerstand bei Partnern hervorrufen und die notwendige Flexibilität des Netzwerks einschränken.
Wie beeinflussen kulturelle Unterschiede die Systemintegration?
In internationalen Netzwerken erschweren unterschiedliche Werte und Kommunikationsstile die Entwicklung einer gemeinsamen Identität und Strategie.
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- Dipl.-Kfm. Christian Funke (Author), 2003, Macht als Integrationsmedium in internationalen strategischen Netzwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19342