Internet im sozialpsychologischen Ansatz

Welchen Einfluss hat das Internet im sozialpsychologischen Ansatz auf das Wählerverhalten?


Hausarbeit, 2012
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der sozialpsychologische Ansatz

2. Medieneinfüsse im sozialpsychologischen Ansatz

3. Abgrenzung des Internets gegenüber klassischen Medientypen
3.1 Internet als Kommunikationsmedium
3.1.1 One-to-one Kommunikation
3.1.2 Many-to-many Kommunikation
3.1.3 Many-to-one Kommunikation
3.1.4 One-to-many Kommunikation
3.2 Internet als Informationsmedium
3.3 Möglichkeiten der interaktiven Partizipation und Information
3.3.1 Soziale Netzwerke und File-Sharing-Plattformen
3.3.2 Der Wahl-O-Mat
3.3.3 Abgeordnetenwatch

4. Einfluss des Internets
4.1 Einfluss von sozialen Netzwerken und File Sharing-Plattformen
4.1 Einfluss des Wahl-O-Mats
4.2 Einfluss von Abgeordnetenwatch

5. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Laut dem Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. BITKOM, ist das Internet mittlerweile zu einem entscheidenden Faktor für Wahlen geworden. Besonders bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren scheint das Internet als Informationsträger mittlerweile die Zeitung und das Fernsehen überholt zu haben. So nutzt inzwischen jeder Dritte vor Bundestagswahlen die Webseiten von Parteien oder Politikern als Informationsmedium.1 Auch der überraschende Wahlerfolg der Piratenpartei bei den Landtagswahlen 2011 in Berlin zeigte, dass Interpräsenz2 und die Thematisierung des Webs einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft genießen (vgl. Schweitzer: 45). Dies lässt die beträchtliche Bedeutsamkeit des Internets und seiner Rolle als Einflussfaktor für Wahlentscheidungen erkennen.

Sich mit dieser Thematik wissenschaftlich detaillierter auseinanderzusetzen, erscheint als notwendige Konsequenz unerlässlich. Hiermit stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Internet tatsächlich auf das Wahlverhalten hat bzw. ob dieser Einfluss im sozialpsychologischen Ansatz ausreichend aufgegriffen wird. Ziel dieser Arbeit ist es den klassischen Ansatz zur Ermittlung des Wählerverhaltens ins 21. Jahrhundert zu transportieren und zu überprüfen, ob dieser durch die Etablierung des neuen Mediums Internet beeinflusst wird.

Dazu wird zunächst die Theorie des sozialpsychologischen Ansatzes erläutert. Im Zentrum stehen dabei insbesondere die Einflüsse der Massenmedien. Dabei wird zuerst der Einfluss der Medien auf das Wählerverhalten allgemein betrachtet, ehe im dritten Kapitel die Unterschiede zwischen klassischen Medien und dem Medium Internet aufgezeigt werden. Zum besseren Verständnis folgt daran anschließend eine Unterteilung der Nutzungsarten in Kommunikation und Information, bevor diese mit exemplarischen Beispielen zu neuen Möglichkeiten der Einflussnahme des Internets erweitert werden. Das letzte Kapitel dient einem abschließendem Fazit und der Zusammenfassung der Ergebnisse.

1. Der sozialpsychologische Ansatz

Im folgenden Abschnitt soll der theoretische Rahmen für die Arbeit dargelegt werden. Da sich im Laufe der Wahlforschung mehrere Ansätze herausgebildet haben, wird zunächst erläutert, warum in folgender Arbeit der sozialpsychologische und nicht etwa der Rational-Choice oder soziologische Ansatz als Fundament verwendet wird, um Medieneinflüsse auf das Wahlverhalten zu untersuchen. Dabei ist zu erwähnen, dass der sozialpsychologische Ansatz als Erweiterung des soziologischen Ansatzes zu verstehen ist und ihn aufgrund dessen nicht vollkommen ausklammert, sondern die langfristigen Komponenten der Soziologie mit in das Modell einfließen lässt (vgl. Brettschneider 2005: 480). Der sozialpsychologische Ansatz bietet somit mehr Erklärungsmöglichkeiten. Als deutlich schwieriger erweist sich jedoch der Vergleich mit dem Rational-Choice- Ansatz, da sich dieser in den vergangen Jahrzehnten in viele Einzel- ansätze aufgegliedert hat und somit keine klare Trennung zu ziehen ist (vgl. Dams 2003: 49). So könnte, wie Schmitt in seiner Studie "Issue- Kompetenz oder Policy-Distanz?" herausfand, das Rational-Choice- Modell beispielsweise unter Umständen die gleichen Erklärungsvariablen bieten wie der sozialpsychologische Ansatz:

„ Der politische Vereinfacher hat Interesse und Kenntnisse bezüglich Sachfragen, trifft seine Wahlentscheidung aber stärker aufgrund von Informationenüber Kandidaten, wobei aber auch generalisierte Nutzenerwartungen wie z.B. Parteibindungen mit in die Entscheidung eingehen. Die Erklärungsfaktoren dieses Rational Choice Modells sind also Kandidatenpräferenz, Issueorientierung und Parteibindung - genau die drei Erklärungsfaktoren des sozialpsychologischen Ansatzes. “ (Dams 2003: 50)

Folglich lässt sich sagen, dass beim Rational Choice Modell keine klare Abgrenzung gegeben ist (vgl. ebd.: 50). Weil eine eindeutige Definition fehlt, erscheint er mir für diese Arbeit ungeeignet.

Demzufolge soll zunächst geklärt werden, was unter Medieneinflüssen im sozialpsychologischem Ansatz zu verstehen ist, um anschließend darauf einzugehen, wie man die Theorie auf das Internet anwenden kann.

2. Medieneinflüsse im sozialpsychologischem Ansatz

Ausgehend vom soziologischem Ansatz, der das Wahlverhalten anhand von bereits vorhandenen Prädispositionen der Wähler erklärt (vgl. Brettschneider 2005: 475), übernimmt der sozialpsychologische Ansatz diese zumeist langfristig sehr konstante Komponente, indem er sie im Modell mit Hilfe der Bezeichnung „Parteiidentifikation“ verankert (vgl. Dams 2003: 29 ff.). Diese bildet die Grundlage für das spätere Wählerverhalten und ist fest mit dem Orientierungssystem des Wählers verbunden (vgl. Schulz 2011: 265 ff.). Infolgedessen ist die Parteiidentifikation, wie auch beim soziologischen Ansatz, relativ schwach von Medieneinflüssen veränderbar, da diese aufgrund von selektiver Mediennutzung beim Rezipienten zumeist von vornherein umgangen wird (vgl. Brettschneider 2005: 482). Somit trägt nach Brettschneider die Berichterstattung der Medien fast ausschließlich zu einer Aktivierung oder Verstärkung der Parteiidentifikation bei, welche jedoch nicht zu unterschätzen ist, da die Aktivierung der Wählerschaft eine entscheidende Rolle im Wahlergebnis spielen kann (vgl. ebd.: 483). Zudem lässt sich sagen, je höher die Identifikation mit einer Partei ist, desto geringer ist auch der Medieneinfluss auf den Wähler (vgl. Dams: 2003: 29 ff.). Neben der langfristigen Komponente spielen jedoch auch kurzfristige Komponenten eine wichtige Rolle. Diese werden wie in Abb. 1 zu sehen ist, durch die Kandidaten- und Themenorientierungen gebildet und wiederum von den drei Faktoren „direkte Beobachtung, Gespräche und Massenmedien“ beeinflusst (vgl. Brettschneider 2005.: 482 ff.). So orientiert sich der Wähler bei seiner Wahl beispielsweise an Charaktereigenschaften oder den zugesprochenen Kompetenzen der Kandidaten. Leiten lässt er sich aber auch an bestimmten Themen, die für ihn besonders relevant sind. Diese werden mit den Standpunkten der Parteien verglichen und können Einfluss auf die letztliche Wahlentscheidung nehmen. Wie die bisherige Wahlforschung jedoch überwiegend zeigte, griff auch hier die selektive Mediennutzung und führte hauptsächlich zu einer Verstärkung oder Abschwächung der Wählereinstellungen (vgl. ebd.: 483).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

(Quelle: Brettschneider 2005: 481)

Allerdings stellt sich genau hier die Frage, ob die neuen Möglichkeiten des Internets den Einfluss der Massenmedien verändern können. Oder ob die Möglichkeit besteht, dass den Faktoren „direkte Beobachtung und Gespräche“ mit Hilfe des Internets eine größere Relevanz zukommt. Diese Fragen sollen nun im folgenden Kapitel untersucht werden. Dabei werden zunächst die Unterschiede zwischen der traditionellen Mediennutzung - wie dem Lesen von Printmedien sowie dem Hören und Sehen von Funkmedien - dem vergleichsweise neuen Medium des Internets gegenübergestellt.

3. Abgrenzung des Internets gegenüber traditionellen

Medientypen

Um die Unterschiede zwischen den traditionellen Medien und dem Medium Internet darzustellen, ist es zunächst notwendig eine Untergliederung in der Nutzungsart vorzunehmen. So dient das Internet im Gegensatz zu den klassischen Medien neben der Informationsgewinnung

(indirekte Kommunikation) auch zur Kommunikation (direkte

Kommunikation) (vgl. Belwe 2008: 2), sodass es jedem Nutzer frei steht, mit sehr geringem Aufwand vom stummen Empfänger zum Sender von Informationen zu werden (vgl. Stern 2007: 174). Man sieht also, dass sich die beiden Nutzungsarten nicht zwangsläufig ausklammern, da durch Kommunikation auch immer Informationen weitergegeben werden können (vgl. ebd.: 168). Die politischen Akteure sehen hierin die entscheidenden Vorteile gegenüber klassischen Wahlkampfkanälen, wie TV-Spots oder Plakate, da die Möglichkeit besteht, medialen Selektionsfiltern auszuweichen und so neue Zielgruppen zu erschließen (vgl. Schweitzer: 193). Darüber hinaus ergibt sich die Chance, die bisher getrennten Medien Schrift, Text, Grafik und Film im Internet zusammenzufassen (vgl. Stern 2007: 170). Im folgenden Abschnitt soll jedoch zunächst auf die verschiedenen Kommunikationsformen eingegangen werden.

3.1 Internet als Kommunikationsmedium

Die Kommunikation von politischen Themen findet im Internet auf mehreren Ebenen statt (vgl. Stern 2007: 171). So besteht neben der aus den traditionellen Medien bekannten indirekten Kommunikationsform (one- to-many) auch die Chance eines direkten Kommunikationsflusses (vgl. Welz 2002: 5). Diese Kommunikationsmöglichkeiten erweitern sich im Internet auf many-to-many-, many-to-one- und one-to-one- Kommunikationen (vgl. Stern 2007: 172), welche anhand exemplarischer Beispiele und einer kurzen Definition dargestellt werden.

[...]


1 http://www.bitkom.org/67663_67654.aspx (letzter Abruf: 14.03.2012)

2 Die Internetpräsenz der Piratenpartei basiert laut einer Studie von Schweitzer im Vergleich zu den anderen parlamentarischen Fraktionen am meisten auf partizipativen Elementen wie Chatrooms, Foren oder Webblogs (vgl. Schweitzer 2010: 217).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Internet im sozialpsychologischen Ansatz
Untertitel
Welchen Einfluss hat das Internet im sozialpsychologischen Ansatz auf das Wählerverhalten?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V193437
ISBN (eBook)
9783656184935
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, sozialpsychologischer Ansatz, Wählerverhalten, Medientypen, Einfluss, Informationsmedium, Kommunikationsmedium
Arbeit zitieren
Daniel Burghardt (Autor), 2012, Internet im sozialpsychologischen Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193437

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