Ciceros 'De oratore'

Bedeutung, Betrachtung und Beurteilung


Hausarbeit, 2012
16 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Bedeutung des Werks ‚De oratore‘

2. Betrachtung des Werks ‚De oratore‘
2.1. Der Verfasser des Werks: Marcus Tullius Cicero
2.2. Die Entstehung des Werks
2.3. Die Dialogteilnehmer
2.4. Inhaltliche Betrachtung des Werks
2.4.1. Zusammenfassung des Liber Primus
2.4.2. De oratore, II, 1-84

3. Beurteilung des Werks ‚De oratore‘

4. Literaturverzeichnis

1. Bedeutung des Werks ‚De oratore‘

„Ciceros Schrift ‘De oratore’, bestehend aus drei Büchern, vollendet im Jahre 55 v.Chr., ist die bedeutendste Darstellung der Rhetorik, welche die Antike hinterlassen hat“, so Fuhrmann (2011, S.52) in seinen einleitenden Worten zu Ciceros rhetorischer Theorie. Auch heute noch wird ihr großer Nutzen für die Menschheit zugesprochen:

And though there is not in this nation perhaps the same public demand for the knowledge and practice of the art, which was in old Rome, yet I will venture to affirm, that in no age, and in no country, since the days of Cicero, they have been more useful and more necessary than in the present (Guthrie in Cicero 1822, preface).

Mit Recht habe man die besondere Leistung Ciceros in seiner Schrift Über den Redner darin gesehen, dass er das geistige Erbe Griechenlands mit römischer Lebenswirklichkeit verband und beides aus seinen persönlichen Anschauungen und Erfahrungen heraus zu einer neuen Einheit zusammenfügte, heißt es bei Merklin (1976, Buchumschlag).

Nach einer kurzen Betrachtung des Verfassers des Werks, sei- ner Entstehungsgeschichte und seiner Dialogteilnehmer wird diese Arbeit sich zur beispielhaften Analyse auf die Paragra- fen 1 bis 84 des Liber Secundus konzentrieren, die sich auf eine inhaltliche Zusammenfassung des Liber Primus stützen wird.

2. Betrachtungen des Werks ‚De oratore‘

2.1. Der Verfasser des Werks: Marcus Tullius Cicero

Cicero ist am 3. Januar 106 v.Chr. in Arpinium zur Welt gekommen. Sein voller Name lautet Marcus Tullius Cicero, er stammt aus einer Familie des römischen Amtsadels, da sein Vater Grundbesitzer und römischer Ritter war.

Wie in den demokratischen Staaten Griechenlands war auch im republikanischen Rom die Beredsamkeit von maßgeblicher Bedeutung. Sie hatte hier auf ihrem Höhepunkt, gegen Ende der Republik, einen ausgesprochen politischen Charakter und galt hier als eins der wichtigsten Mittel, um zu An- sehen und Einfluß [sic.] und in die hohen politischen Äm- ter zu gelangen; für jeden, der im politischen Leben eine Rolle spielen wollte, war sie unentbehrlich (Barwick 1963, S.5).

Cicero war einer dieser Bürger, der im politischen Leben eine Rolle spielen wollte. So genoss er eine ausführliche Ausbil- dung in Rom in den Fächern Jura, Rhetorik und Philosophie. In den Jahren 75 bis 66 vor Christus durchlief er die typische politische Laufbahn in Rom, bis er 63 v. Chr. schließlich Konsul wurde.

So hatte Cicero, wie er selbst Brut. 321 betont, durch seine außerordentliche Betriebsamkeit als Redner und durch die Neuartigkeit seiner Beredsamkeit die Augen des Publi- kums auf sich gelenkt; und seiner unermüdlichen und er- folgreichen rednerischen Tätigkeit hatte er es in erster Linie zu verdanken, daß [sic.] er, obwohl ein Neuling (ho- mo novus) und ohne ruhmvolle Ahnen, so unerhört rasch in der politischen Ämterlaufbahn aufstieg (Barwick 1963, S.5). 58-57 v. Chr. befand sich Cicero dann im Exil, während dessen er seine erste große schriftstellerische Phase durchlief und unter anderem sein Werk De oratore1 verfasste. Nachdem Cicero aus dem Exil zurückkehren konnte, machte er es sich zur Auf- gabe, seinen hohen politischen Einfluss wiederzuerlangen. Unter dem Triumvirat von Pompeius, Crassus und Caesar war dies jedoch kaum möglich, äußerte er Kritik, wurde ihm seine Stellung schnell deutlich gemacht und er musste sich beugen. So setzte er seine rhetorischen Fähigkeiten im Senat und vor Gericht zu seinen Gunsten ein, worunter er stark zu leiden hatte (vgl. Pina Polo 2010, S. 152).

2.2. Die Entstehung des Werks

Während er seinen rednerischen Fähigkeiten politisch kaum Bedeutung zukommen lassen konnte, ließ er diese zunehmend in der Schriftstellerei zu Geltung kommen - mit der Zeit entstanden seine wertvollsten Werke.

„Denn Cicero war nicht nur ein fleißiger Praktiker, er war ebenso eifrig bemüht um die theoretischen Grundlagen sei- ner Kunst. Das Resultat war ein eigenartiges rednerisches Bildungsideal, das ihm als Leitstern während seiner redne- rischen Praxis vorschwebte und dem er auf der Höhe seines Lebens in einem Dialog, den drei Büchern De oratore, pro- grammatischen Ausdruck verlieh“ Barwick 1963, S.5).

Ciceros teuerster Freund Titus Pomponius Atticus wurde von Cicero durch häufigen Briefwechsel stets auf dem Laufenden gehalten. Da diese Briefe erhalten sind, ist es möglich, die emotionale Verfassung Ciceros und die Entstehungsgeschichte dieses Werkes mitzuverfolgen. So schrieb er im Mai 56 v.Chr.:

Denn was ist gräßlicher [sic.] als unser Leben, besonders meins? Du stehst, obwohl politisch interessiert, doch nicht in einem persönlichen Abhängigkeitsverhältnis und bist nur als Glied der Gesamtheit abhängig. Aber ich - sa- ge ich in der politischen Debatte, was sich gebührt, er- klärt man mich für verrückt, sage ich, was zweckmäßig ist, gelte ich als Knecht, schweige ich, so heißt es, ich sei gefangen und geknebelt (Pina Polo 2010, S.194).

Weiter heißt es 55.v.Chr.: „Aber wahrhaftig, wie alle sonstigen Zerstreuungen mich kalt lassen, alle Vergnügungen mich anekeln angesichts der politischen Lage, so halte ich mich an die Wissenschaften und erhole mich bei ihnen (Stärk 1995, S.107). Etwas später im Jahr berichtet er: „Mein Buch über den Redner habe ich mit Sorgfalt zu Ende geführt; oft und lange habe ich es unter den Händen gehabt; Du kannst es jetzt vervielfältigen lassen“ (Dortmund 2001, S.250).

Auf Quintus Wunsch, den jüngeren Bruder Ciceros, eine ausge- feiltere und vollständigere Version seines früheren Werkes „De inventione“ zu erhalten, verfasste Cicero ‚De oratore‘ und widmet es in seinen einleitenden Worten diesem Bruder. Quintus sei laut Cicero der Meinung, Begabung und Übung ma- chen einen großen Redner aus - ganz anders als Cicero selbst, der höchste Bildung auf allen wissenschaftlichen Gebieten als zwingende Voraussetzung2 hält. Beide Ansichten sind auch im Dialog des Werkes vertreten: die des Quintus durch den Prota- gonisten Antonius, die des Cicero durch Crassus.

2.3. Die Dialogteilnehmer

Crassus heißt mit vollem Namen Lucius Lucinius Crassus und lebte von 140 - 91 v.Chr.. Im Dialog ist er nicht nur einer der wichtigsten Redner, sondern gleichzeitig auch der Gastge- ber. Wie bereits erwähnt, steht er für eine universale Bil- dung des Orators. Als wohl größter Redner der römischen Repu- blik war Crassus war ein Lehrer Ciceros und von diesem sehr angesehen. Seine Karriere begann im Jahr 119 v. Chr., als er gerade 21 Jahre zählte. Im Laufe seiner politischen Ämter- laufbahn war er 98 v. Chr. Prätor, 95 v. Chr. Konsul und 92 v. Chr. Zensor. Innerhalb der Senatspartei war er einer der ersten Opfer des damaligen Bürgerkriegs (vgl. Merklin in Cicero 1976, S. 25+27).

Marcus Antonius lebte von 143 - 87 v.Chr. und vertritt die Gegenposition zu Crassus. So pflegt er eine pragmatischere Sicht auf die Rhetorik und die Anforderungen an den Orator und zählt - wie Quintus - eine gewisse vorhandene Begabung und die notwendige Übung zu den Prämissen eines anständigen Redners. Antonius selbst war ein großer römischer Redner und Politiker, der ebenfalls von Cicero geschätzt wurde.

[...]


1 55 v. Chr.

2 Vgl. Cicero, De oratore, I, 5

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Details

Titel
Ciceros 'De oratore'
Untertitel
Bedeutung, Betrachtung und Beurteilung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V193442
ISBN (eBook)
9783656184911
ISBN (Buch)
9783656185291
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ciceros, bedeutung, betrachtung, beurteilung
Arbeit zitieren
Frauke Schoon (Autor), 2012, Ciceros 'De oratore', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193442

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