Inszenierung politischer Rhetorik im Film

Aufgezeigt am Spielfilm 'The King's Speech'


Hausarbeit, 2012
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Rhetorik in „The King’s Speech“
2.1. Politische Rhetorik: die Rolle des Königs
2.2. Die Bedeutung der Medien für Rhetorik und Politik
2.2.1. Die Bedeutung des Radios im 2. Weltkrieg
2.3. Radiorhetorik
2.3.1. Das Medium Radio
2.3.2. Definitionen der Radiorhetorik
2.3.3. Theorien der Radiorhetorik
2.4. Die Rolle des Radios im Film
2.4.1. Die Inszenierung des Radios im Film
2.4.3. Berties Weg zum König

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Politik ist ein großes Thema in vielen bekannten Spielfil- men oder Fernsehserien. Oft ist diese Politik unmittelbar ab- hängig von ihrem Instrument der Rhetorik. Der Spielfilm „The King’s Speech“, der 2010 veröffentlicht wurde, ist ein solcher Film, der sich dieses Themas bedient und politische Rhetorik - vor allem im Radio - inszeniert. King George VI. muss als Stotterer seine rhetorischen Fähigkeiten verbessern, um bei seinem Volk als rechtmäßiger König angesehen zu werden und dieses durch Radioansprachen durch den bevorstehenden Krieg Zweiten Weltkrieg zu begleiten.

In dieser Arbeit geht zunächst auf die politischen Umstän- de in einer Monarchie und speziell auf die Rolle des Königs ein und klärt, was dies für die Rhetorik bedeutet. Da die Eta- blierung des Radios eine ganz entscheidende Rolle für die Si- tuation des Königs im Film und seine politische Rhetorik spielt, konzentriert sie sich daraufhin weitestgehend auf ebendieses Medium und auf die Theorien der Radiorhetorik. Nachdem so eine theoretische Grundlage geschaffen worden ist, wird die Rolle des Radios im Film „The King’s Speech“ inhalt- lich und formal-ästhetisch analysiert und der Blick auf den Weg des King George VI. vom Stotterer zum respektierten König gelenkt.

2. Politische Rhetorik in „The King’s Speech“

2.1. Politische Rhetorik: die Rolle des Königs

"Voraussetzung [...] der Herrschaft ist ihr Repräsenta- tionscharakter. Dies ist die allgemeine, essenzielle Grund- funktion des Führertums. Diese Darstellung [...] erfolgt vor allem mit rhetorischen Überzeugungsmitteln." (Grieswelle 2000, S.29).

Dies trifft in besonderem Maße für den Monarch einer par lamentarischen Monarchie zu, denn: er ist nicht im Besitz von politischer Macht. Seine Hauptaufgabe liegt in der Repräsentation des Staates nach innen und nach außen. Neben weiteren Aufgaben, wie die Eröffnung eines Parlamentsjahres, verkörpert er nicht nur das Oberhaupt der Kirche, sondern auch die Identifikationsfigur des Volkes (vgl. Schieren 2010).

King George VI. war ein solcher Monarch, dessen Legitima- tion sich größtenteils in der Rhetorik fand. Geboren wurde Al- bert Frederick Arthur George zu York 1885. Nachdem 1936 sein Vater, George V., starb und sein Bruder Edward VIII. im selben Jahr abdankte, bestieg er den Thron und wurde König. Als we- sentliches Merkmal der Herrschaftsausübung machte ihn die Rhe- torik erst durch das Auftreten als Orator zu einem vom Volk anerkannten und respektierten König (vgl. Bradford, 1989).

Rhetorik spielt daher in der Politik eine entscheidende Rolle, sei es als Mittel der Herrschaftsausübung, als Instru- ment, politische Ziele und Handlungen persuasiv zu erreichen oder - wie etwa in der Monarchie - sogar als Rechtfertigung von Herrschaft.

2.2. Die Bedeutung der Medien für Rhetorik und Politik

Politische Rhetorik eines Monarchen kann nur dann erfolgreich sein, wenn sein Volk an seinen Worten Teil haben kann - wenn diese verbreitet werden. Die Medien, die für diese Verbreitung zuständig sind, spielen daher ebenfalls eine entscheidende Rolle im Bereich der politischen Rhetorik. Dabei treten sie nicht in Form neutraler Übertragungsmittel auf. Marschall McLuhan stellt bereits 1964 die umstrittene aber dennoch sehr aussagekräftige These auf: „The medium is the message!“ (McLu- han 1964, S. 298). Das Medium selbst füge eine Dimension der Bedeutung hinzu, heißt es hier, obwohl bis zu diesem Zeitpunkt vordergründig die Rede, der Redner, die Bedeutung der Rede und die Zuhörerschaft Aspekte jeder Analyse darstellen. Auch Knape behandelt den Einfluss des Mediums auf die Rhetorik. Er schreibt:

Die Arbeiten von Marshall McLuhan, Walter J. Ong, Eric Alfred Havelock oder Friedrich A. Kittler - um nur einige Namen zu nennen - machen deutlich, dass seit der Antike die technisch verfügbaren Medien in immer stärkerem Maß das Denken und kommu- nikative Handeln beeinflussen. Der Extrempunkt wäre erreicht, wenn die Medialität die menschliche Rhetorik ausschaltete“ (Knape 2000 (2), S. 92.).

Der Einfluss der Medien auf die Rhetorik innerhalb der Politik sollte daher nicht vernachlässigt werden. Zu Zeiten King George VI. spielte vor allem ein Medium eine große Rolle: das Radio.

2.2.1. Die Bedeutung des Radios im 2. Weltkrieg

Schon Aristoteles stellte die These auf, dass der Stil einer geschriebenen Zeile niemals der eines gesprochenen Texts sein könne (vgl. Aristoteles, 1413 b - 1414). Horowitz und Newman führen diesen Gedanken weiter aus und charakterisieren das gesprochene Wort als deutlich produktiver, mit größerem und länger anhaltendem Effekt als das geschriebene (vgl. ebd. in Godfrey 1974, S.5). Da politische Reden vor der Erfindung des Radios nur von wenigen live miterlebt, sondern meist in verschriftlichter und verkürzter Form rezipiert wurden, be- kommt das Radio eine besondere Bedeutung, da es nun für die Masse möglich wird, eine gesprochene Rede mitzuverfolgen: „Plato indicated that the size of the groups in which men can be governed depends upon the range of the human voice. Radio certainly increased that range” (Godfrey 1974, S. 13).

Gerade im Zweiten Weltkrieg spielt dies eine entscheidende Rolle. Laut Godfrey involvierte das neue Medium ganze Völker emotional in die Geschehnisse des Kriegs (vgl. Godfrey 1974, S.11f.). Auch das Radio entpuppt sich nicht als neutrales Übertragungsmittel: “it can […] unify as it fulfills the exi- gency it creates” (Godfrey 1974, S. 12).

Das englische Volk wurde so im Radio auf den Krieg vorbereitet und durch den Krieg begleitet - durch Ansprachen des Königs George VI.

2.3. Radiorhetorik

2.3.1. Das Medium Radio

Das Radio ist das erste elektronische Massenmedium, das erfunden wurde (vgl. Häusermann & Käppeli 1986, S.550). Wie bei jedem Medium gab es zunächst unzählige Vorstufen, letzt- endlich wird die Geburt des Hörfunks jedoch auf das Jahr 1901 datiert, als es Guglielmo Marconi gelang, ein Signal von Eng- land nach Neufundland zu senden. In den 1920ern wurde das Ra- dio in vielen Ländern dann populär, sowohl als Übertragungsge- rät für Unterhaltung, als auch für wichtige Informations-, Diskussions- und Redeübertragungen (vgl. Godfrey 1974, S.4).

Charakteristikum des Radios sei, dass es sich auf den auditiven Kanal beschränke. „Mit dem Fernsehen teilt es die Merkmale der Öffentlichkeit, der räumlichen und gesellschaftlichen Reichweiten, der Aktualität, der Mündlichkeit und […] der Medialität“ (Häusermann & Käpelli 1986, S. 550).

Neben der Reichweite stellt vor allem Die Aktualität, der Live-Charakter des Hörfunks, eine sensationelle Neuheit zu bisherigen Medien wie der Zeitung dar.

“Historically, a live audience exhibits a certain expectancy of trust, accuracy and immediacy, and ascribes these characteris- tics to the messages delivered. Through these psychological characteristics, radio - when artfully used - can form opinion and guide action above all other forms of communication (God- frey 1974, S.14).

Wie jedes Medium, schafft auch das Radio spezielle Rahmen- bedingungen - sowohl für Orator als auch für Empfänger (Häu- sermann & Käpelli 1986, s. IX).

[...]

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Details

Titel
Inszenierung politischer Rhetorik im Film
Untertitel
Aufgezeigt am Spielfilm 'The King's Speech'
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V193443
ISBN (eBook)
9783656184904
ISBN (Buch)
9783656185550
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inszenierung, rhetorik, film, spielfilm, king, speech
Arbeit zitieren
Frauke Schoon (Autor), 2012, Inszenierung politischer Rhetorik im Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193443

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