Die ökonomische Bedeutung der Landwirtschaft in Deutschland wird allgemein als gering eingestuft. Ihre räumliche Bedeutung ist demgegenüber wesentlich größer. Die letzte Flächenerhebung im Jahr 2004 ergab, dass 53 % der Gesamtfläche der Bundesrepublik landwirtschaftlich genutzt wird. Die landwirtschaftlichen Betriebe dominieren daher die Bodennutzung in Deutschland. Aus diesem Grund hat die Landwirtschaft in der Geographie einen besonderen Stellenwert. Der modernen Landwirtschaft sind im Zuge des agrarischen Strukturwandels neue Aufgabenfelder zugeteilt worden. Die Funktion der landwirtschaftlichen Betriebe ist nicht mehr ausschließlich auf die Nahrungsmittelproduktion beschränkt. Durch die flächenhafte Ausdehnung trägt die Landwirtschaft zum Erhalt und zur Pflege der Kulturlandschaft bei. Die verschiedenen landwirtschaftlichen Betriebssysteme prägen und bestimmen die räumlichen Verhältnisse in Deutschland. Aus diesem Grund ist die Betrachtung der räumlichen Entwicklung und Verteilung der Landwirtschaft ein wichtiger Bereich innerhalb der Agrargeographie.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der regionalen Differenzierung landwirtschaftlicher Betriebssysteme in Deutschland. Es wird untersucht, welche Einflussgrößen die landwirtschaftliche Nutzung begünstigen bzw. erschweren. Die Grundlage für die weitere Betrachtung bildet die Erklärung der landwirtschaftlichen Betriebssystematik in Deutschland. Anschließend wird die räumliche Verteilung der Betriebssysteme und der Betriebsgrößen dargestellt. Die Frage nach den Gründen, die zur räumlichen Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland geführt haben, steht dabei im Vordergrund. Aktuelle Einflüsse seitens der internationalen und nationalen Politik auf die Landwirtschaft bleiben im Rahmen dieser Arbeit weitestgehend unberücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Naturräumliche Voraussetzungen
2.1 Boden
2.2 Klima
3 Landwirtschaftliche Betriebssystematik
4 Räumliche Verteilung
4.1 Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebssysteme
4.2 Verteilung der Betriebsgrößen
5 Der Strukturwandel in der Landwirtschaft
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die regionale Differenzierung landwirtschaftlicher Betriebssysteme in Deutschland und untersucht die Einflussgrößen, die eine landwirtschaftliche Nutzung begünstigen oder erschweren. Im Fokus steht dabei die räumliche Verteilung der verschiedenen Betriebssysteme sowie der Betriebsgrößen in Abhängigkeit von natürlichen und historisch-politischen Faktoren.
- Analyse der naturräumlichen Standortfaktoren wie Bodenqualität und Klima
- Erklärung der landwirtschaftlichen Betriebssystematik basierend auf dem Standarddeckungsbeitrag
- Untersuchung der räumlichen Verteilung von Betriebssystemen und Betriebsgrößen
- Betrachtung des agrarischen Strukturwandels in Deutschland
- Gegenüberstellung von industrieller Landwirtschaft und ökologischem Landbau
Auszug aus dem Buch
2.1 Boden
Im allgemeinen wird die Qualität des Bodens anhand von drei Kriterien beurteilt. Dabei handelt es sich um die Bodenart, die Entstehungsart und die Zustandsstufe. Die Bodenart gibt an aus welchen Korngrößen der Boden zusammengesetzt ist. Diese Zusammensetzung beeinflußt den Nährstoffgehalt und das Wasserspeichervermögen des Bodens. Die Entstehungsart bezieht sich auf das geologische Ausgangsmaterial. Die Zustandsstufe beschreibt den Grad der Bodenentwicklung. In Deutschland befinden sich die fruchtbarsten Böden am Nordrand der deutschen Mittelgebirgsschwelle. In diesem Gebiet liegen die Jülicher-, Zülpicher-, Soester-, Hildesheimer-, Magdeburger- und Querfurterbörde. Das Merkmal dieser Bördelandschaften sind die lösshaltigen Böden. Während der Eiszeiten wurden in diese Gebiete Lössdecken eingeweht aus denen sich ertragreiche Böden (z.B. Schwarzerde) gebildet haben.
In Mittel- und Süddeutschland sind der Rheingraben, der Kraichgau und die Wetterau Regionen mit einer hohen Bodenqualität. Die durch Meeressedimente entstandenen Marschböden entlang der Nordseeküste in Schleswig Holstein zählen ebenfalls zu den ertragreichsten Böden Deutschlands. Im Gegensatz dazu sind im Norddeutschen Tiefland (z.B. Brandenburg) und im Mittelgebirge die ertragsärmsten Böden zu finden. Diese Böden sind nährstoffarm und versauert. Die Bodentypen sind Braunerde, Podsol und Moore. Da diese Regionen kaum landwirtschaftlich nutzbar sind, wird dort hauptsächlich Forstwirtschaft betrieben (Liedtke/Marschner, 2003:104-105).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die räumliche Bedeutung der Landwirtschaft und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, regionale Differenzierungsprozesse der Betriebssysteme zu untersuchen.
2 Naturräumliche Voraussetzungen: Dieses Kapitel erläutert, wie Bodenqualität und klimatische Bedingungen als wesentliche Standortfaktoren die landwirtschaftliche Nutzung und Ertragssicherheit beeinflussen.
3 Landwirtschaftliche Betriebssystematik: Hier wird die Klassifizierung landwirtschaftlicher Betriebe anhand des Standarddeckungsbeitrags in fünf Hauptbetriebsformen vorgestellt.
4 Räumliche Verteilung: Das Kapitel veranschaulicht die regionale Verteilung der verschiedenen Betriebssysteme und analysiert die historische sowie politische Begründung für die Unterschiede der Betriebsgrößen zwischen Ost- und Westdeutschland.
5 Der Strukturwandel in der Landwirtschaft: Hier wird der Prozess der Flächenvergrößerung und Spezialisierung beschrieben sowie die zunehmende Bedeutung des ökologischen Landbaus gegenüber der industriellen Landwirtschaft diskutiert.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Erkenntnisse zu den naturräumlichen, betriebswirtschaftlichen und strukturellen Einflussfaktoren auf die deutsche Landwirtschaft zusammen.
Schlüsselwörter
Landwirtschaft, Agrargeographie, Betriebssysteme, Standarddeckungsbeitrag, Deutschland, Bodenqualität, Klimabedingungen, Strukturwandel, Agrarstruktur, Betriebsgrößen, Marktfruchtbetrieb, Veredlungsbetrieb, ökologische Landwirtschaft, Ost-West-Gefälle, Kulturlandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der regionalen Differenzierung und der räumlichen Verteilung landwirtschaftlicher Betriebssysteme in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die naturräumlichen Voraussetzungen, die betriebswirtschaftliche Klassifizierung (Systematik), die räumliche Verteilung der Betriebsarten sowie der agrarische Strukturwandel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Einflussgrößen zu identifizieren, die eine landwirtschaftliche Nutzung in bestimmten Regionen begünstigen oder erschweren, und die Gründe für die räumliche Verteilung zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Klassifizierung verwendet?
Die Einteilung der landwirtschaftlichen Betriebe erfolgt mithilfe des Standarddeckungsbeitrags (StDB), der auf Basis der Marktleistung abzüglich variabler Kosten ermittelt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die naturräumlichen Faktoren (Boden, Klima), die Betriebssystematik, die räumliche Ausprägung der Agrarstruktur sowie den historischen Wandel der Betriebsgrößen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Landwirtschaft, Betriebssystematik, Standarddeckungsbeitrag, Agrarstruktur, Strukturwandel und regionale Differenzierung.
Wie unterscheidet sich die Betriebsstruktur zwischen Ost- und Westdeutschland historisch bedingt?
In Westdeutschland dominieren kleinere Betriebe aufgrund traditioneller Erbrechte (Realteilung), während in Ostdeutschland durch die DDR-Agrarpolitik großflächige Betriebe mit industrieller Produktionsweise entstanden sind.
Welche Rolle spielt die ökologische Landwirtschaft im aktuellen Strukturwandel?
Die ökologische Landwirtschaft stellt eine Gegenbewegung zur industriellen Landwirtschaft dar und wird politisch gefördert, wobei sie sich bisher vor allem auf den süddeutschen Raum konzentriert.
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- Benjamin Scholz (Author), 2009, Regionale Differenzierung landwirtschaftlicher Betriebssysteme in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193461