Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive


Zwischenprüfungsarbeit, 1999
40 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. System und Umwelt

2. Psychische und soziale Systeme

3. Kommunikation

4. Gesellschaftliche Differenzierung

5. Sozialisation und Erziehung

6. Funktion, Leistung, Reflexion

7. Binäre Codierung und Programmierung

8. Das Medium der Erziehung

9. Erziehender Unterricht

Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Erziehung steht in einer langen Tradition, denn einerseits wurde schon immer erzogen, andererseits ist die Erziehung von Anfang an in den Blickpunkt wissenschaftlicher Beobachtung geraten. Schon die antike Philosophie, die die Aufgabe der Erziehung am Staat fixiert, erachtet es für wichtig, sich dieser Thematik anzunehmen. Ziel ist die Erziehung des Individuums zur Tugend der Tapferkeit, Besonnenheit, Weisheit und Gerechtigkeit (vor allem durch Erzählungen, Musik und Gymnastik)[1], aber auch zur Tapferkeit (durch Leibesübungen), Brauchbarkeit (durch Lesen, Schreiben und Zeichnen) und Muße (durch die musische Kunst).[2] In diese europäische Traditionslinie lassen sich dann Gelehrte wie Cicero, Plutarch, Quintilian und Augustinus, bis hin zu Thomas von Aquin und Michel de Montaigne einreihen, die ebenfalls die Erziehung zum Gegenstand ihrer Betrachtungen machen.

Mit der Ausdifferenzierung des Erziehungssystems im 18. Jahrhundert (insbesondere durch die Institutionalisierung des schulmäßigen Unterrichts) und der fortlaufenden Differenzierung gegen Religion, Politik und Familie als bisher zuständige Instanzen der Erziehung[3], erblüht auch die Theorie der Erziehung (Pädagogik) zu neuem Leben und entfaltet in ihrer Reflexion eine thematische Heterogenität, die sicherlich auch mit den gesellschaftsstrukturellen Veränderungen korreliert.

Erste Inklusionspostulate kann man schon im 17. Jahrhundert bei Comenius entdecken, der eine gleiche schulische Erziehung für alle Kinder einforderte.[4] Dieser Gedanke wird dann im 18. Jahrhundert hauptsächlich durch Rousseau aufgegriffen und theoretisch ausgearbeitet. Rosseaus Ausführungen stehen im Zeichen der Berufung auf die Natur. Er ist der Ansicht, man müsse Kinder immer altersgemäß erziehen, wobei deren natürliche Entwicklung zum Menschen im Vordergrund stehe.[5] Die sich daran anschließende philanthropische Bewegung expliziert ihre Erziehungsziele am Menschen und präsentiert sich als empirisch und praxisnah orientiert. Die Erziehung muß die Anlagen in der menschlichen Natur zur Vollkommenheit entwickeln.[6] Der Erzieher habe „alles aus dem Kinde herauszubilden, was einer Ausbildung fähig ist“ und „es ist der ganze Mensch, den er ins Auge faßt.“[7] Mit dem Übergang zum Neuhumanismus tritt die Idee der Bildung in den Mittelpunkt erzieherischer Bemühungen und erreicht ihre stärksten Ausprägungen in den Schriften Wilhelm von Humboldts. Bildung ist immer Selbstbildung, also eigenständige Aneignung von Methoden und Stoffen zwecks Erkenntniserweiterung und Vollendung des Geistes, und die Erziehung hat dabei die Aufgabe, diese Bestrebungen zu generieren.[8]

Die steigende Zahl von Einschulungen mit ihren daraus resultierenden Schwierigkeiten (vor allem im Unterricht) ist für die Pädagogik im 19. Jahrhundert Anlaß genug, sich den organisatorischen Problemen der Erziehung zuzuwenden. Ins Blickfeld der Betrachtung geraten dabei vor allem Fragen der Methodik und der Didaktik, aber auch solche der Administration und der Beschreibung des Verhältnisses zu anderen Systemen.[9] Bis weit ins 20. Jahrhundert weist die Pädagogik dann interdisziplinäre Tendenzen auf, vor allem auf soziologischer (Barth, Krieck), psychologischer (Lay, Meumann), philosophischer (Spranger, Litt, Nohl) und theologischer (Grisebach, Schreiner) Grundlage.[10]

Diese Bemerkungen zur Geschichte der Pädagogik mögen genügen, denn wir wollen im Rahmen dieser Arbeit keine historische Nachzeichnung der pädagogischen Themenvielfalt leisten, geschweige Stellung dazu beziehen. Daß diese Themenvielfalt und die dazu angebotenen (vielfach unzulänglichen) Theorievarianten immer wieder zu Reflexionsproblemen im Erziehungssystem führen und geführt haben, kann kaum noch verwundern. Um nicht in die Ahnengalerie der pädagogischen Tradition eingereiht zu werden, nehmen wir mit dieser Abhandlung einen externen Standpunkt ein, um unter kommunikationswissenschaftlichen Aspekten, lediglich das erzieherische Geschehen zu beschreiben.

Grundlage dafür ist die Systemtheorie Niklas Luhmanns[11], wonach sich in der modernen Gesellschaft drei Ebenen der Bildung von sozialen Systemen identifizieren lassen: Interaktionen, Organisationen und Funktionssysteme, denen allen gemeinsam ist, daß sie auf der Basis von Kommunikation operieren. Demnach besteht die Gesellschaft nicht aus Menschen, Subjekten oder Individuen, sondern ausschließlich aus Kommunikation. Das Erziehungssystem ist ein Funktionssystem (neben dem Recht, der Wissenschaft, der Kunst oder der Politik) in der modernen funktional differenzierten Gesellschaft, welches somit ebenfalls ausschließlich auf der Basis von Kommunikation operiert. Dieser zentrale Stellenwert der Kommunikation als Reproduktionsmechanismus der Gesellschaft ist dann Anlaß genug, sich unter kommunikationswissenschaftlichen Gesichtspunkten dieser Thematik zu nähern.

Der uns für diese Arbeit gesteckte Rahmen läßt es nicht zu, eine ausführliche Einführung in die Systemtheorie zu leisten, entbindet aber nicht von der Notwendigkeit einige Theoriefiguren nochmals kurz darzustellen. Wir konzentrieren uns dabei einleitend auf die System/Umwelt-Differenz, um dann in einem zweiten Schritt die Unterscheidung von psychischen und sozialen Systemen und ihrer jeweiligen Operationsmodi herauszustellen. Da uns vorrangig die sozialen Systeme interessieren, wenden wir uns dann dem zentralen Begriff der Kommunikation zu. Um der Beschreibung des Funktionssystems der Erziehung Vollständigkeit zu garantieren, ist es unerläßlich im Übergang zum Hauptteil dieser Arbeit, die Formen der gesellschaftlichen Differenzierung nachzuzeichnen. Dabei interessieren uns weniger die Formen der segmentären Differenzierung, der Zentrum/Peripherie-Differenzierung und der stratifikatorischen Differenzierung, als vielmehr die moderne funktionale Differenzierung, die sich dadurch auszeichnet, daß verschiedene Funktionssysteme zwar ungleichartig, aber gleichrangig nebeneinander bestehen. Jedes Funktionssystem leistet einen spezifischen Beitrag zur gesellschaftlichen Reproduktion, der von keinem anderen System übernommen werden kann (ungleichartig). Da dieser Beitrag jedoch unentbehrlich ist und von keinem anderen System übernommen werden kann, ist auch kein System wichtiger als das andere (gleichrangig). Im Rahmen dieses Kapitels sollen dann auch die beiden anderen Ebenen der Systembildung (Interaktion und Organisation) geschildert werden.

Im Hauptteil soll zunächst einmal auf den Unterschied von Erziehung und Sozialisation eingegangen werden, um dann vertiefend in die Beschreibung des Erziehungssystems einzudringen. Dabei werden uns folgende Punkte interessieren: Welche Funktion erfüllt die Erziehung, was leistet sie gesamtgesellschaftlich und wie reflektiert sie über sich, mit welcher binären Codierung strukturiert sie ihre Kommunikation und was tragen die Programme dazu bei, und welches Medium kann den Erfolg erzieherischer Kommunikation steigern. Abschließend werfen wir noch einen Blick auf den erziehenden Unterricht, wobei vordergründig die immanenten Probleme der Unterrichtssituation behandelt werden sollen.

1. System und Umwelt

Die Unterscheidung von System und Umwelt markiert den Ausgangspunkt der differenztheoretischen Analyse Luhmanns und wird von daher auch im Rahmen dieser Arbeit an den Anfang gestellt.[12] Seinem griechischen Ursprung folgend, bezeichnet der Begriff System ursprünglich etwas Zusammengesetztes, daß sich durch die Verhältnisse und Beziehungen seiner Elemente konstituiert.[13] Auch Luhmann stellt in Rechnung, daß es um Relationierungen von Elementen geht, abstrahiert den Systembegriff aber insoweit, als er „Merkmale vor Augen hat, deren Entfallen den Charakter eines Gegenstandes als System in Frage stellen würde. Zuweilen wird auch die Gesamtheit solcher Merkmale als System bezeichnet.“[14] Diese (sozialen und psychischen) Systeme werden als gegeben vorausgesetzt[15] und sind durch Selbstreferentialität gekennzeichnet, d.h. sie besitzen die „Fähigkeit, Beziehungen zu sich selbst herzustellen und diese Beziehungen zu differenzieren gegen Beziehungen zu ihrer Umwelt.“[16]

Selbstreferentielle Systeme legen durch ihre eigenen Operationen fest, was zum System und was zur Umwelt dieses Systems gehört. Diese Operationen konstituieren die Einheit des Systems und ziehen deren Grenzen.[17] Da es hier um ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis geht, ist die Umwelt keine Randerscheinung, sondern konstitutiv für die Bildung von Systemen und deren Identität und nicht weniger wichtig als das System.[18] Das System selbst ist zudem stets weniger komplex[19] als die Umwelt, wodurch sich ein Komplexitätsgefälle manifestiert, das das System zwingt aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu selegieren, um Komplexität behandeln und reduzieren zu können. Komplexität erzwingt also geradezu Selektion und macht zugleich die Kontingenz (auch anderes ist möglich) aller Operationen erfahrbar.[20]

Das Prinzip der Ausdifferenzierung als Modus operandi ermöglicht es dem System, Komplexität zu reduzieren. Die Systembildung wiederholt sich im System, d.h. die Komplexität wird zunächst gesteigert, da solch ein System nun aus mehreren Teilsystemen und Teilsystemumwelten besteht. Andererseits hat diese Steigerung der Komplexität den Vorteil, daß es nun jedem Teilsystem möglich ist, einen bestimmten Teil der Gesamtkomplexität zu übernehmen und so der Reduktion nachzukommen.[21]

2. Psychische und soziale Systeme

Wir wollen nun einen Schritt weitergehen, indem wir die Innenseite der von uns gesetzten Anfangsunterscheidung näher betrachten: das System. Wir richten unseren Schwerpunkt in diesem Zusammenhang auf psychische und vor allem soziale Systeme und kümmern uns nicht um organische und maschinelle Systeme. Psychische und soziale Systeme zeichnen sich vor allem durch vier Merkmale aus: Selbstreferenz, Autopoiesis, operative Geschlossenheit und Sinnverarbeitung.

Der Modus der Selbstreferenz wird durch das Konzept der Autopoiesis erweitert und besagt, daß psychische und soziale Systeme autopoietisch organisierte Systeme sind.

Als autopoietisch wollen wir Systeme bezeichnen, die die Elemente, aus denen sie bestehen, durch die Elemente, aus denen sie bestehen, selbst produzieren und reproduzieren. Alles, was solche Systeme als Einheit verwenden (...) wird durch eben solche Einheiten im System bestimmt. (...) Es gibt weder Input von Einheit in das System, noch Output von Einheit aus dem System.[22]

Die Maxime der Autopoiesis hat zur Konsequenz, daß derart organisierte Systeme zwangsläufig operativ geschlossen sein müssen, denn es gibt auf operativer Ebene keine Möglichkeit die Umwelt zu erreichen, geschweige an Operationen anderer Systeme zu partizipieren.[23] Autopoietische Systeme müssen ihre Strukturen durch die eigenen Operationen herstellen, was einerseits dazu dient, die Voraussetzungen für weitere anschlußfähige Operationen zu schaffen und andererseits, die für den Anschluß notwendigen Strukturen bereitzustellen. Das System erzeugt sich folglich selbst (das Innen) und differenziert sich durch seine Operationen gegenüber der Umwelt (das Außen).[24]

Autopoietische Systeme sind geschlossene Systeme insofern, als sie das, was sie als Einheit zu ihrer eigenen Reproduktion verwenden (...) nicht aus ihrer Umwelt beziehen können. Sie sind gleichwohl offene Systeme insofern, als sie diese Selbstproduktion nur in einer Umwelt, nur in Differenz zu einer Umwelt vollziehen können.[25]

Damit psychische und soziale Systeme ihre jeweiligen Operationen initiieren und sich autopoietisch geschlossen produzieren und reproduzieren können, machen sich beide Systemarten das Medium Sinn zunutze. In Form[26] gebracht, orientiert sich Sinn an der Differenz von aktuell/möglich, d.h. etwas wird aktuell bezeichnet, verweist aber gleichzeitig auf einen Horizont weiterer Möglichkeiten. Auf diese Art und Weise zur Selektion gezwungen, können sinnverarbeitende Systeme die Weltkomplexität verarbeiten und verfügbar halten, aber unter dem Zwang, daß Sinn nur selbstreferentiell an anderen Sinn anschließen kann.[27]

Das, was psychische und soziale Systeme vordergründig und offensichtlich unterscheidet ist ihr Operationsmodus und ihre Beobachtbarkeit. Psychische Systeme operieren auf der Basis von Gedanken bzw. Vorstellungen und sind für einen Beobachter intransparent, also black boxes, die keinen direkten Kontakt zu anderen psychischen Systemen aufnehmen können.[28] Soziale Systeme dagegen operieren auf der Basis von Kommunikation und sind direkt beobachtbar.[29]

3. Kommunikation

Kommunikation ist also diejenige Operation, durch die sich soziale Systeme (und damit Gesellschaft) produzieren und reproduzieren und somit die Stellung des Letztelements von sozialen Systemen einnehmen.

Da auch das Erziehungssystem ein soziales System ist, das auf der Basis von Kommunikation operiert, gilt es vorrangig den Kommunikationsbegriff, der innerhalb der Luhmannschen Theorie einen zentralen Stellenwert genießt, zu skizzieren. Damit wird die Relevanz psychischer Systeme nicht degradiert, denn „Kommunikation ist (...) auf Bewußtsein angewiesen – allein schon deshalb, weil nur das Bewußtsein, nicht aber die Kommunikation selbst, sinnlich wahrnehmen kann (...).[30] Wir nehmen aber die Position eines (externen) Beobachters ein, der nicht dem Anspruch gerecht werden will zu ergründen, was und wie z.B. Lehrer oder Schüler denken während Erziehung stattfindet.[31] Es geht lediglich darum aufzuzeigen, wie das Funktionssystem Erziehung operiert, und das erfordert eine nähere Betrachtung des Kommunikationsbegriffs.

Kommunikation kommt durch die Synthese dreier Selektionen zustande: Information, Mitteilung und Verstehen. „Keine dieser Komponenten kann für sich allein vorkommen. Nur zusammen erzeugen sie Kommunikation. Nur zusammen – das heißt nur dann, wenn ihre Selektivität zur Kongruenz gebracht werden kann.“[32]

Eine Information ist eine Auswahl aus einer Vielzahl von Sinnverweisungen, d.h. etwas wird thematisiert und findet Eingang in die Kommunikation, anderes bleibt außen vor. Die Information ist ein Konstrukt der Kommunikation und kann dementsprechend nicht dem psychischen System zugerechnet werden, da es den beteiligten Bewußtseinssystemen durchaus möglich ist, ihre Gedanken einem ganz anderen Thema zuzuwenden, während die Kommunikation kommuniziert.[33]

Die Mitteilung ist ihrerseits ebenfalls eine Selektion aus einer Vielzahl von Verhaltensmöglichkeiten, denn eine Information muß auf eine wie immer geartete Weise mitgeteilt werden. Auch die Mitteilungsselektion ist ein Konstrukt der Kommunikation und keine Eigenleistung der beteiligten Bewußtseinssysteme, da diese nur denken, aber nicht kommunizieren können.[34]

Entscheidend ist nun die Selektion des Verstehens, denn:

Kommunikation kommt nur zustande, wenn diese zuletzt genannte Differenz [von Information und Mitteilung – J.F.] beobachtet, zugemutet, verstanden und der Wahl des Anschlußverhaltens zu Grunde gelegt wird. Dabei schließt Verstehen mehr oder weniger weitgehende Mißverständnisse als normal ein.[35]

Im Anschluß daran entscheidet sich, ob eine offerierte und verstandene Selektion vom Adressaten angenommen oder abgelehnt wird. Obgleich sich die Entscheidung für eine der beiden Seiten nur im weiteren kommunikativen Geschehen äußern kann, ist sie dennoch kein Teil der Kommunikation selbst.[36] „Daß Kommunikationen akzeptiert werden, heißt also nur: daß ihre Annahme als Prämisse der weiteren Kommunikation zugrunde gelegt wird, was immer im individuellen Bewußtsein dabei vor sich gehen mag.“[37]

[...]


[1] Vgl. Platon 1994, 269ff. und 343ff.

[2] Vgl. Aristoteles 1965, 270ff.

[3] Vgl. dazu auch Luhmann/ Schorr 1988, 53ff. und 58ff.

[4] Vgl. Comenius 1957, 93.

[5] Vgl. Rousseau 1958, 95ff. und 135ff.

[6] So Trapp 1779, 15.

[7] Niemeyer 1965, 10. Als weitere wichtige Autoren dieser Denkrichtung wären unter anderem zu nennen: J. B. Basedow, J. H. Campe und Chr. G. Salzmann.

[8] Vgl. von Humboldt 1793. Vgl. zum Übergang von der Philanthropie zum Neuhumanismus ausführlich auch Luhmann 1981.

[9] Vgl. Luhmann/ Schorr 1988, 165ff. Insbesondere die Ausführungen von Johann Friedrich Herbart zum erziehenden Unterricht haben die Pädagogik des 19. Jahrhunderts geprägt. Siehe dazu Herbart 1806.

[10] Einen detaillierten Überblick hierzu bieten von den Driesch/ Esterhues 1961.

[11] Die Soziologie hat sich auch schon vor Luhmann dem Thema der Erziehung zugewandt und kann insofern auch auf gewisse Vorleistungen zurückblicken. Hier wären vordergründig Durkheim, Mead und Parsons zu nennen.

[12] Bekanntlich steht das zweite systemtheoretische Paradigma unter der System/Umwelt-Differenz, bei dem vor allem die Offenheit und die Beziehungen zu anderen Systemen sowie deren Ausdifferenzierung (Systemdifferenzierung) in weitere Teilsysteme und deren Umwelten im Vordergrund der Auseinandersetzung stehen. Die neuere Systemtheorie steht unter dem Paradigma der Autopoiesis und weist Systeme als autopoietisch organisierte Systeme aus. Das Konzept der System/Umwelt-Differenzierung wird im Konzept der Autopoiesis weiterhin mitgeführt, wird aber dahingehend reformuliert, daß nun die Geschlossenheit und die Operations- und Organisationsweise von Systemen mehr Relevanz gewinnt. Zur weiteren Beschäftigung vgl. Kneer/ Nassehi 1993, 47ff. und Luhmann 1984, 15ff.

[13] Vgl. Hillmann 1994, 857.

[14] Luhmann 1984, 15.

[15] Luhmann begibt sich an dieser Stelle nicht auf eine erkenntnistheoretische Ebene à la Descartes, der mit Hilfe des methodologischen Skeptizismus zunächst an der Existenz solcher Systeme zweifeln würde.

[16] Luhmann 1984, 31. Luhmann spricht in diesem Falle auch von basaler Selbstreferenz als der Mindestform von Selbstreferenz. Diese liegt vor, wenn ein Element des Systems sich auf sich selbst bezieht. Vgl. Luhmann 1984, 600.

[17] Vgl. Luhmann 1990, 289. Operationen des einen Systems (z.B. Wirtschaft) können also nie Operationen eines anderen Systems (z.B. Kunst) sein.

[18] Vgl. Luhmann 1984, 242f.

[19] „Als komplex wollen wir eine zusammenhängende Menge von Elementen bezeichnen, wenn auf Grund immanenter Beschränkungen der Verknüpfungskapazität der Elemente [im Falle sozialer Systeme sind dies Kommunikationen – J.F.] nicht mehr jedes Element jederzeit mit jedem anderen verknüpft sein kann.“ Luhmann 1984, 46.

[20] Vgl. Luhmann 1984, 249ff.

[21] Vgl. Luhmann 1984, 259ff. Den Aspekt der Ausdifferenzierung werden wir noch in einem der folgenden Kapitel ausführlicher behandeln. Es soll hier aber angemerkt werden, daß der Differenzbegriff bzw. die funktionale Differenzierung (anhand des Schemas System/Umwelt) der Ausgangspunkt der systemtheoretischen Analyse Luhmanns ist. Auch das Funktionssystem der Erziehung, mit dem wir uns im Rahmen dieser Arbeit beschäftigen, ist ein Ergebnis der funktionalen Differenzierung. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gewann die differenztheoretische Perspektive, vor allem durch Durkheim, Simmel und Weber Konturen innerhalb der Soziologie.

[22] Luhmann 1995, 56.

[23] Vgl. Luhmann 1997, 92.

[24] Vgl. Luhmann 1995a, 12f.

[25] Luhmann 1988, 49. Operative Geschlossenheit bedeutet, und das sei hier noch einmal deutlich vermerkt, keine Isolierung oder Umweltunabhängigkeit des Systems, denn das System kann sich nur in Differenz zu einer Umwelt konstituieren und ist zwecks Informationsbeschaffung auch abhängig davon. Vgl. dazu auch Luhmann 1984, 80.

[26] An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß es sich um das Prozessieren der Differenz von Medium und Form handelt. Ein Medium ist durch lose gekoppelte Elemente gekennzeichnet, während die Form sich durch rigide Kopplung auszeichnet, ohne allerdings das Medium zu verbrauchen. So ermöglicht Sprache als Medium die rigide Kopplung von Sätzen, ohne die lose gekoppelten Worte zu verbrauchen. Vgl. Luhmann 1997, 195ff.

[27] Vgl. Luhmann 1984, 93ff.

[28] Vgl. Luhmann 1995, 58ff.

[29] Vgl. Luhmann 1984, 192ff. Auf die verschiedenen Ebenen der sozialen Systeme (Interaktionssysteme, Organisationssysteme und Funktionssysteme) kommen wir noch zu sprechen.

[30] Luhmann 1997, 103.

[31] Denn das ist auf Grund der Intransparenz des Bewußtseins nicht beobachtbar.

[32] Luhmann 1995b, 115.

[33] Vgl. Kneer/ Nassehi 1993, 83. Kommunikation erfordert also die Beteiligung von zwei psychischen Systemen, und diese Beteiligung ist somit Bedingung der Möglichkeit von Kommunikation.

[34] Vgl. Kneer/ Nassehi 1993, 83f.

[35] Vgl. Luhmann 1984, 196. Im Kommunikationsprozeß kann immer nur ein soziales Verstehen generiert werden, d.h. was die beteiligten psychischen Systeme gleichzeitig denken und psychisch verstehen, kann nicht entschlüsselt werden.

[36] Vgl. Luhmann 1984, 203f.

[37] Luhmann 1997, 321. Die Alternative Annahme/Ablehnung wird uns noch einmal bei der Beschäftigung mit den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien bzw. dem Medium der Erziehung begegnen.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Kommunikationswissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
40
Katalognummer
V19348
ISBN (eBook)
9783638234931
ISBN (Buch)
9783638681070
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzieherische, Kommunikation, Perspektive
Arbeit zitieren
Magister Artium Jörg Frehmann (Autor), 1999, Erzieherische Kommunikation aus systemtheoretischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19348

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