Formen des Philosophierens mit Kindern

Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen am Beispiel der "Gewitternacht-Kartei"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Können Kinder wirklich philosophieren?

3.Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen

4.Die „Gewitternacht-Kartei“

5. Reflexion

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Papi, wozu sind wir auf der Welt?“ –

„Um den anderen Gutes zu tun.“ –

„Und wozu sind die anderen auf der Welt?“[1]

Dieser kurze Dialog zwischen Kind und Vater bringt uns als Zuhörer oder Leser zum Schmunzeln. Ein Kind beginnt nach dem „Warum“ und „Wozu“ des Lebens zu fragen und bringt sein Gegenüber durch eine einfache Frage und Gegenfrage dazu, genauer über grundsätzliche Fragen des Lebens nachzudenken. Laut Martens gerät man – lässt man sich auf die Frage des Kindes ein – dadurch unweigerlich ins Philosophieren.[2] Bedeutet dies aber auch, dassKinder schon wirklich philosophieren können? Oder handelt es sich bei den „naiven“ Kinderfragen nur um „Naseweisheiten“ oder „Gedankensplitter“[3] ?In der vorliegenden Arbeit gehe ich zunächst – Martens folgend – auf genau diese Fragen ein, inwiefern es möglich und sinnvoll ist, mit Kindernzu philosophieren. Dabei werde ich vor allem drei Argumente gegen das Philosophieren mit Kindern beleuchten und ihre Widerlegung durch Martens und Nordhofen darstellen. Anschließend gehe ich der Frage nach, inwieweit man mit Bildern bzw. speziell mit sog. Bildkärtchen philosophieren kann. Als exemplarisches Beispiel dafür wird dann abschließend die „Gewitternacht-Kartei“ von Rainer Oberthür und Alois Mayer vorgestellt. Zuletzt folgt ein kurzes Resümee.

2. Können Kinder wirklich philosophieren?

Die Frage nach den philosophischen Kompetenzen von Kindern wird in der Wissenschaft sehr kontrovers diskutiert.

Aus den persönlichen Erfahrungen mit wissbegierigen, fragenden und ständig weiter- und hinterfragenden Kindern kann man als Erwachsener womöglich schnell zu dem Schluss kommen, dass Kinder wirklich philosophieren können. Ihre oftmals „naiven“ Fragen ähneln häufig den „großen“ Fragen der Philosophie nach dem „Warum?“ und „Wozu?“.

Gestützt wird diese These durch Behauptungen „großer“ Philosophenwie die Karl Jaspers´, der in seiner „Einführung in die Philosophie“ festhält: „Ein wunderbares Zeichen dafür, daß der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die Fragen der Kinder. Gar nicht selten hört man aus Kindermund, was dem Sinne nach unmittelbar in die Tiefe des Philosophierens geht.“[4] Auch Theodor W. Adorno glaubte, dass „wir eigentlich als Kinder alle Philosophen sind“[5]. Seiner Meinung nach im Kindesalter wohl sogar ursprünglicher als im Erwachsenenalter, da „uns in der Tat durch unsere offizielle Bildung, die sich ja immer schon in der vergegenständlichten, branchenmäßigen Form abspielt, die Philosophie eigentlich ausgeprügelt wird“[6]. Auch der Philosoph John Locke sah es als großen Vorteil an, dass Kinder, die von der Gesellschaft noch nicht geprägt sind, unvoreingenommen und ungetrübt an Fragestellungen herantreten und über Dinge nachdenken können.[7]

Daneben sprechen nach Martens auch zahlreiche praktische Schulversuche, die seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurden, für ein Philosophieren mit Kindern. Allerdings weist er darauf hin, dass es „in jedem Fall zu klären [sei], ob und in welchem Sinne es sich dabei um wirkliche Philosophie handelt oder möglicherweise bestensfalls[sic!] um interessante Gespräche, die in jedem Unterricht und in jeder Situation vorkommen können“[8].

Martens führt nun aus, dass es drei Gruppen von Einwänden gegen das Philosophieren mit Kinderngibt. Er nennt philosophische, pädagogische und entwicklungspsychologische Einwände.[9]

Die philosophischen Einwände lassen sich in drei unterschiedliche Argumente aufteilen. Zunächst führt Martens das Begabungsargument an, nach dem Arthur Liebert 1927 behauptete, dass die Begabung zur Philosophie nicht erlernbar, sondern ein „Gnadengeschenk“ sei. Dieses „Gnadengeschenk“ sei auch nur wenigen gegeben.[10] Des Weiteren führte Liebert das Natürlichkeitsargument ein. Darin behauptete er, dass zu frühes Philosophieren mit Kindern deren natürlichen und freien Entwicklung des Geistes entgegenstehe. Das dritte Argument der philosophischen Einwände, das Schwierigkeitsargument, besagt, „daß Philosophie als systematisches, prinzipienorientiertes, begriffsanalytisches oder metatheoretisches Denken die geistigen Fähigkeiten von Kindern […]bei weitem übersteige“[11] Kinder seien noch nicht in der Lage, zu abstrahieren und distanziert zu reflektieren.[12]

Dem Begabungsargument widerspricht Martens, indem er zwar bestätigt, dass zum Philosophieren bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen vorhanden sein müssen, dies jedoch nicht exklusiv für die Philosophie gilt. Auch in anderen Gebieten wie z.B. Sport oder Musik bedarf es bestimmter Fähigkeiten und Kompetenzen, die jedoch nicht angeboren sein müssen, sondern vermittelt und erlernt werden können.[13] Auch das Natürlichkeitsargument lässt Martens nicht gelten, da daraus nicht ersichtlich wird, inwieferndas Philosophieren der natürlichen Entwicklung des Kindes im Wege steht.

[...]


[1] Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S. 8.

[2] Ebd.

[3] Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S. 8, 17.

[4] Jaspers: Einführung in die Philosophie. München 1961. Zitiert nach: Nordhofen: Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung, S. 36.

[5] Adorno: Vorlesung zur Einleitung in die Erkenntnistheorie. Universität Frankfurt/M. WS 1957/58, S. 141 f (Junius-Drucke; als Vorlesungsmitschnitt).

[6] Ebd.

[7] Vgl. Schulte-Roling/ Münnix: Philosophieren mit Kindern. Erstes Philosophieren in der Sekundarstufe I, S. 3.

[8] Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S. 10.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Nordhofen: Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung, S. 37.

[13] Vgl. Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Formen des Philosophierens mit Kindern
Untertitel
Philosophieren mit Bildern bzw. Bildkärtchen am Beispiel der "Gewitternacht-Kartei"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Modelle des Philosophierens mit Kindern
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V193549
ISBN (eBook)
9783656190134
ISBN (Buch)
9783656191858
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Philosophie, Didaktik, Philosophieren mit Kindern, Bildkärtchen, Gewitternacht-Kartei
Arbeit zitieren
Andreas Fuhrmanski (Autor), 2010, Formen des Philosophierens mit Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193549

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