Homonymie und Polysemie in der Lexikographie. Ein Vergleich von Duden und Brockhaus


Seminararbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mehrdeutige Wortformen
2.1 Homonymie und Polysemie
2.2 Abgrenzungsproblematik

3 Gegenüberstellung von Duden und Sprach-Brockhaus

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Mehrdeutigkeit von Wortformen ist ein brisantes Thema, dessen Diskussion bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die Semantik bemüht sich schon lange, die Homonymie- und Polysemie-Probleme zu lösen, allerdings ist man noch zu keiner allgemein anerkannten Lösung gekommen, was die Komplexität dieses Themas unterstreicht. Es existieren zwar ei- nige Ansätze, doch sie alle haben neben ihrer zahlreichen Vorteile doch auch viele Nachteile. Es handelt sich also um ein Thema, bei dem man sehr schnell auf Redundanz zu treffen scheint. Die Unabgeschlossenheit dieser Diskussion führt in weiterer Hinsicht dazu, dass besonders in der Lexikographie sehr uneinheitlich, subjektiv und teilweise sogar willkürlich Entscheidungen getroffen werden, die auf keiner soliden Theorie begründet sind. In der Lexikographie erkennt man dieses Problem vor allem daran, dass unterschiedliche Wörterbücher zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Besonders die Zahl der Bedeutungen eines polysemen oder homonymen Wortes variiert hier sehr stark, weil es eben kein allgemeines Verfahren zur Erschließung dieser Bedeutungen gibt. Auch in der Darstel- lung solcher mehrdeutigen Wörter gibt es viele Variationen, allerdings wird Homonymie normalerweise dargestellt, indem mehrere Lemmata angeführt werden, wohingegen Poly- semie meist als ein Beitrag dargestellt wird, der mehrere Untergliederungen aufweist (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 160).

Zu Beginn dieser Arbeit sollen vor allem die nötigen Termini eingeführt werden, welche für ein weiterführendes Verständnis unumgänglich sind. Auch die elementaren Problemstel- lungen in diesem Bereich sollen anhand von Beispielen reflektiert und anschaulich präsentiert werden. Erst dann scheint es sinnvoll zu sein, auf die möglichen Herangehensweisen und Lösungsvorschläge genauer einzugehen und diese näher zu beleuchten. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf die Differenzierung zwischen Homonymie und Polysemie gelegt sein.

Nach der Darstellung dieser vorhandenen Lösungsvorschläge sollen zwei ausgewählte Wörterbücher, der Duden (1999) und der Sprach-Brockhaus (1984), auf die Homonymie- und Polysemie-Problematik hin untersucht und miteinander verglichen werden. Um diesen Ver- gleich dementsprechend zu konkretisieren, werden diverse Beispiele notwendig sein, bei de- nen die thematisierte Problematik anschaulich gemacht werden kann. Damit soll ein Einblick in ein heftig diskutiertes und sehr umstrittenes Themengebiet gegeben werden und ebenso an- schaulich gemacht werden, wie in der Lexikographie konkret mit den Themen Homonymie und Polysemie umgegangen wird.

2 Mehrdeutige Wortformen

2.1 Homonymie und Polysemie

Wie in den meisten Forschungsgebieten gilt es, auch bei der Untersuchung der mehrdeutigen Wortformen erst einmal die Termini zu unterscheiden und zu definieren, was bereits die ers- ten Schwierigkeiten beschert. Trotz aller Inkonsequenzen, auf welche im Folgenden noch ge- nauer eingegangen wird, könnte man Homonymie annähernd beschreiben als „die Bedeutungsbeziehung zweier sprachl. Zeichen, die bei Nichtübereinstimmung ihres Inhaltes ausdrucksseitig, und zwar phon. und graph. ident. sind“ (Rehbock 2010, 271) und Polysemie als Vorhandensein von mehreren „Teilbedeutungen, die sich in einem oder mehreren Bedeutungsmerkmalen überschneiden bzw. mehrere ähnl. oder partiell ident. Referenzbereiche spezifizieren“ (Rehbock 2010, 520). Bei Berücksichtigung des Zeichen- begriffs von Saussure besteht der Unterschied also im Wesentlichen darin, dass bei der Homonymie mehrere signifikantgleiche Wörter vorliegen, die inhaltlich keine Verbindung oder Ähnlichkeit aufweisen. Polysemie hingegen liegt dann vor, wenn es sich um einen ein- zelnen Ausdruck handelt, dem mehrere Bedeutungen (signifiés) zugeordnet werden.

Um diese Bestimmungen anhand von Beispielen nachvollziehbarer zu gestalten, könnte man im Falle der Homonymie das Lexem Kiefer anführen, wobei hier sowohl eine ‚spezi- fische Art der Nadelbäume’, als auch ‚das menschliche Kiefer’ gemeint sein könnten. Eine in- haltliche Ähnlichkeit oder sonstige Verbindungen können zwischen diesen beiden Bedeu- tungen nicht festgestellt oder nachgewiesen werden. Im Falle der Polysemie schließlich, könnte man beispielsweise das Lexem Feld anführen, wobei es entweder die Bedeutung des ‚landwirtschaftlich zu nützenden Ackers’ zugewiesen bekommt, oder aber jene ‚eines ge- wissen Gebietes’. Im Duden (1999, 1198) werden an dieser Stelle noch weitere Bedeutungen wie ‚weite, unbebaute Bodenfläche’ oder ‚von einer zusammenhängenden Fläche abgetrenntes [...] Teilstück’ angeführt. Ebenso tauchen Angaben wie ‚Kriegsschauplatz’ und ‚Fachgebiet’ auf.

Diese Begriffsdefinitionen scheinen relativ logisch und nachvollziehbar und auf den ersten Blick ist vielleicht gar nicht zu erkennen, welche Problemstellung sich dahinter verbirgt. Man stößt relativ schnell an die Grenzen, wenn man Homonymie und Polysemie nur nach diesen Bestimmungen unterscheidet und charakterisiert, denn bei einigen Wörtern scheint die Ab- grenzung dann doch eher schwierig. Auf die Abgrenzung zwischen Homonymie und Poly- semie im Konkreten wird aber erst später, in Abschnitt 2.2, spezifischer einzugehen sein. Zu allererst sieht man sich viel eher mit weitaus elementareren Problemen konfrontiert. So erkennt man beim Vergleich mehrerer Definitionen unterschiedlicher Autor/inn/en, dass sich die ersten Probleme bereits bei der Definition selbst ergeben. Schon der zu definierende Sach-verhalt scheint von einer undurchsichtigen und komplexen Begriffslandschaft umgeben zu sein: „Alle diese Definitionen leiden an dem Fehlen einer genauen terminologischen Festlegung der in ihnen verwendeten Begriffe, insbesondere des Wortbegriffs“ (Bergmann 1977, 32). Diese Erkenntnis ist auch nicht allzu schwer nachvollziehbar, insofern als es einige verschiedene Definitionsmöglichkeiten oder Auslegungen des Begriffs Wort gibt. Erklären lässt sich dieses Phänomen damit, dass eben auch der Terminus Wort der Mehrdeutigkeit un-terliegt. Analog dazu kann man ebenso gut das Lexem bedeuten heranziehen und man wird auch hier schon bald eine rege Mehrdeutigkeit erkennen können. Demnach kann man mit bedeuten einige verschiedene Sachverhalte ausdrücken, ohne stets dasselbe zu sagen oder zu meinen. Zu diesem Phänomen seien hier drei Beispiele (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 153f) angeführt:

(1) Anfang und Beginn bedeuten das Gleiche.
(2) Was bedeutet es, dass sie ohne Verabschiedung verschwand?
(3) ein bedeutender Künstler

Diese Beispiele belegen, was man vielleicht schon vermuten konnte: Mehrdeutigkeit ist nicht nur ein spezielles Phänomen, das in vereinzelten Fällen zum Tragen kommt, sondern vielmehr eine häufig auftretende sprachliche Erscheinung, die den Umfang unseres Wortschatzes er- heblich einzugrenzen vermag (vgl. Hermann 1988, 6). Dies kann vor allem mit dem Gesetz der Sprachökonomie erklärt werden. Wenn jeder lexikalischen Einheit nur eine einzige spe- zifische Bedeutung zukäme, so würde das wohl oder übel den Rahmen von Wörterbüchern sprengen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Homonymie und Polysemie in der Lexikographie. Ein Vergleich von Duden und Brockhaus
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten (Semantik)
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V193578
ISBN (eBook)
9783656186977
ISBN (Buch)
9783656187233
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Semantik, Homonymie, Mehrdeutigkeit, Polysemie, Lexikographie, Duden, Sprach-Brockhaus
Arbeit zitieren
Christoph Lederhilger (Autor), 2011, Homonymie und Polysemie in der Lexikographie. Ein Vergleich von Duden und Brockhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193578

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