„Die Vorstellung, alles zu konzentrieren in einem zentralen Raum, in dem Liebe, Ver-trauen und individuelles Aufgehobensein ihren Platz haben, liegt die Idee der Konstruktion eines Ortes zugrunde, der sicher ist vor Egoismus und Konflikt, Verschleiß und letztendlich auch vor Wandel. Diese Idee von einem einzigen unerschütterlichen Ort, der Intimität, Vertrauen und wechselseitiges Verstehen miteinander vereint, ist im Mythos der heilen Familie angelegt.“
Aber ist die Vorstellung von einer heilen Familie heutzutage wirklich zu einem Mythos, einer Sage, verkommen?
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Gründung einer eigenen Familie in unserer heutigen Zeit noch die gewünschte Sicherheit gibt, oder ob sie ein zu großes Risiko mit sich bringt. Punkte wie die hohe Scheidungsrate stellen den Wunsch nach einer eigenen Familie oftmals in Frage, aber auch gesellschaftliche Veränderungen und veränderte Wertvorstellungen lassen den Kinderwunsch oft ins Hintertreffen geraten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Familie
2.1 Definition
2.2 Funktionen der Familie
2.3 Familie in Deutschland
2.3.1 Historische Betrachtung: Von der Großfamilie zum Einzelkind
2.3.2 Aktuelle demografische Daten
2.3.2.1 Abnahme der Geburten
2.3.2.2 Rückgang der Mehrkinderfamilien
2.3.2.3 Anstieg der Scheidungsrate
2.3.2.4 Rückgang der Eheschließungen
2.3.2.5 Zunahme der Singlehaushalte
2.3.2.6 Zunahme der nichtehelichen Lebensgemeinschaften
3 Familiengründung als Risiko
3.1 Hohe Scheidungsrate
3.2 Finanzielle Absicherung der Familie
3.2.1 Mehrverdienerhaushalte – häufig die einzige Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu finanzieren
3.2.2 Problem bei entstehender Arbeitslosigkeit
3.2.3 Finanzielle Unterstützung durch den Staat
3.2.4 Was kann der Staat tun, damit das Armutsrisiko Kind sinkt?
3.3 Persönliche und gesellschaftliche Probleme der Entscheidung für die Lebensform „Familie“
3.4 Anforderungen des Berufs, die mit der Institution Familie nicht vereinbar sind
4 Familiengründung als Sicherheit
4.1 Staatlicher Schutz der Familie
4.2 Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt gegenüber äußeren Einflüssen
4.3 Kinder als Renten- und Pflegeversicherung
4.4 Alternativen zum Familienbild „Mutter, Vater, Kind“
5 Individualisierung versus Institutionalisierung: Singleleben versus Familiengründung
6 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die soziologische Fragestellung, ob die Gründung einer eigenen Familie in der heutigen Gesellschaft eher ein Risiko darstellt oder weiterhin die ersehnte Sicherheit bietet. Dabei werden gesellschaftliche Transformationsprozesse, veränderte Wertvorstellungen und ökonomische Rahmenbedingungen analysiert, um zu bewerten, wie sich die Entscheidung für ein Familienleben vor dem Hintergrund von Individualisierung und beruflichen Anforderungen gestaltet.
- Analyse demografischer Trends wie Geburtenrückgang und steigende Scheidungsraten.
- Untersuchung finanzieller Belastungen und staatlicher Fördermaßnahmen für Familien.
- Diskussion der Vereinbarkeit von beruflichen Anforderungen und Familienpflichten.
- Betrachtung von Alternativen zum traditionellen Familienbild wie Patchwork- oder Single-Haushalte.
- Reflektion über die soziologischen Konzepte der Individualisierung und De-Institutionalisierung.
Auszug aus dem Buch
3.4 Anforderungen des Berufs, die mit der Institution Familie nicht vereinbar sind
An den Erwerbstätigen von heute werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Den festen, lebenslangen Arbeitsplatz am eigenen Wohnort haben nur wenige. Stattdessen wird hohe Mobilität verlangt. Man muss also bereit sein, auch eine längere oder lange Anreise zum Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen. Unter Umständen muss man auch gewillt sein, sich ins Ausland versetzen zu lassen oder viel zu reisen. Hohe Flexibilität ist gefragt. Gegebenenfalls müssen Überstunden, Wochenendschichten oder überhaupt flexible Arbeitszeiten akzeptiert werden. Will man beruflich nicht stagnieren, ist Fortbildung unumgänglich, was zu weiteren Abwesenheitszeiten führt. Die Anforderungen unserer Hochleistungsgesellschaft führen nicht nur zu Streßsymptomen, sondern sind auch alles andere als familienfördernd. Die ständig wachsenden beruflichen Erwartungen an berufstätige Eltern werden häufig auch zu einer Belastung für die Kindererziehung.
Diese gesellschaftlichen Bedingungen fördern nicht gerade eine positive Entscheidung für Familiengründungen, bieten keinen Anreiz, Kinder in die Welt zu setzen, sondern verhindern ein Anwachsen der Geburtenrate. Zunehmend werden andere Beziehungs- und Lebensformen als die Familie gewählt, die sich leichter verbinden lassen mit den zeitaufwendigen, den ganzen Menschen absorbierenden Anforderungen des Berufslebens, in denen Kinder und Familienleben nicht vorgesehen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Mythos der heilen Familie ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich Risiko versus Sicherheit.
2 Familie: Hier werden soziologische Definitionen der Familie, ihre Funktionen in der Gesellschaft und historische sowie aktuelle demografische Entwicklungen in Deutschland dargelegt.
3 Familiengründung als Risiko: Dieses Kapitel behandelt die Faktoren, die eine Familiengründung heute erschweren, insbesondere Scheidungsraten, finanzielle Belastungen und berufliche Anforderungen.
4 Familiengründung als Sicherheit: Es werden positive Aspekte und Schutzmechanismen beleuchtet, die Familien trotz gesellschaftlicher Widerstände weiterhin attraktiv machen.
5 Individualisierung versus Institutionalisierung: Singleleben versus Familiengründung: Eine theoretische Einordnung des Wandels von Sozialformen durch die Begriffe Individualisierung und De-Institutionalisierung.
6 Schluss: Der Autor resümiert die ernüchternden Aspekte des Familienwandels, erkennt aber gleichzeitig die steigende gesellschaftliche Akzeptanz neuer Familienformen an.
Schlüsselwörter
Familiengründung, demografischer Wandel, Scheidungsrate, Kinderarmut, Erziehungsgeld, Individualisierung, De-Institutionalisierung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kleinfamilie, Singlehaushalte, Generationenvertrag, Soziologie, soziale Gruppe, Lebensform, Reproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Gründung einer Familie unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen in Deutschland als ein persönliches Risiko oder als ein Gewinn an Sicherheit wahrgenommen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die demografische Entwicklung, die finanziellen Belastungen durch Kinder, die Auswirkungen hoher Scheidungsraten sowie die wachsende Inkompatibilität zwischen anspruchsvoller Erwerbstätigkeit und dem traditionellen Familienleben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin geht der Frage nach, ob der Wunsch nach einer Familie angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und hoher persönlicher Risiken in der modernen Zeit noch realisierbar bzw. erstrebenswert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziologische Literaturarbeit, die auf Basis aktueller demografischer Daten des Statistischen Bundesamtes und relevanter soziologischer Fachliteratur (u.a. von Ulrich Beck) eine argumentative Analyse erstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Familie in Deutschland, eine detaillierte Auseinandersetzung mit Risikofaktoren wie Scheidung und Armut sowie eine Gegenüberstellung der Sicherheitsaspekte und moderner Alternativen zum Familienbild.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Familiengründung, Individualisierung, demografischer Wandel, Scheidungsrisiko und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Welche Rolle spielt der Staat laut der Autorin bei der Familiengründung?
Der Staat bietet durch Gesetze, Kindergeld und Erziehungsgeld zwar gewisse Absicherungen, wird aber von der Autorin auch kritisch gesehen, da das Sozialsystem oft nicht ausreicht, um insbesondere Geringverdiener ausreichend zu unterstützen.
Warum ist das traditionelle Modell "Mutter, Vater, Kind" laut der Arbeit rückläufig?
Durch die Emanzipation der Frau, die steigenden Anforderungen an berufliche Mobilität und Flexibilität sowie die positivere Bewertung des Singlelebens haben sich alternative Lebensformen etabliert, die besser in die moderne Leistungsgesellschaft passen.
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- Diplom Soziologin Christine Bulla (Author), 2003, Familiengründung - Sicherheit oder Risiko?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19362