Bei der Verbindung von Universalgrammatik und Zweitspracherwerb handelt es sich um eine aktuelle Thematik. Die Bezeichnung der generativen Grammatik nimmt Prinzipien für alle natürlichen Sprachen an, welche aus sprachspezifischen Parametern bestehen. Die Frage nach dem Zugriff der Universalgrammatik beim Zweitspracherwerb wird kontrovers diskutiert und die dabei vertretenen Ansätze sind sehr unterschiedlich. Neben psycho- und soziolinguistischen Theorien ist vor allem die linguistische Theorie für diese Arbeit von Bedeutung. Weshalb Zweitsprachenlerner die Sprache auf eine bestimmte Art und Weise erwerben, erweist sich als äußerst komplex. Die Art der Kompetenz ist schwer zu definieren und weitaus schwieriger festzustellen als beim Erstspracherwerb. Die Unterschiede der Lernmechanismen sind hierbei interessant. Darüber hinaus ist die Parameterfixierung von Bedeutung, denn lässt sie sich nachweisen, impliziert dies simultane Erwerbsmechanismen und die Realisierung von Parameterwerten in der Zweitsprache. Damit verbunden ist die Frage nach noch vorhandenen UG-Prinzipien. Wird der Nachweis einer Parameterfixierung erbracht, impliziert dies wiederum den positiven Zugriff auf die UG. Warum sollte der Lernende daher nicht immer in der Lage sein, die mentalen Strukturen als Voraussetzung zum Spracherwerb zu nutzen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Probleme der Spracherwerbsforschung
4. Unterschiede L1 und L2
5. Die UG-Hypothese
5.1 UG-Parameter
5.2 Parameterfixierung
5.3 Erstspracherwerb und UG
5.4 Zweitspracherwerb und UG
6. Positionierungen und Argumentationen
6.1 Kein Zugang zur UG
6.2 UG-Zugang und identischer L1- bzw. L2-Erwerb
6.3 Aktive Rolle der UG unter Einfluss der Muttersprache
6.3.1 Exemplarisches Beispiel der Datenerhebung von White
6.3.2 Parameterfixierung bei White
6.4 Partieller Zugang zur UG
6.5 Hypothesen gegen Parameterfixierung
6.6 Schlussfolgerung der Diskussion
7. Resümee
8. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kontroverse Frage, ob beim Zweitspracherwerb ein Zugriff auf die Universalgrammatik (UG) möglich ist. Dabei wird analysiert, inwieweit generative Theorien den Erwerbsprozess bei Erwachsenen erklären können, welche Rolle die Erstsprache dabei spielt und ob eine Parameterfixierung stattfindet.
- Debatte um den UG-Zugriff beim Zweitspracherwerb
- Vergleich von Erst- und Zweitspracherwerb
- Mechanismen der Parameterfixierung
- Einfluss der Muttersprache (Transfer-Hypothesen)
- Kritische Analyse empirischer Erhebungsmethoden
Auszug aus dem Buch
6.3.1 Exemplarisches Beispiel der Datenerhebung von White
White argumentiert unter anderem mit dem Empty Category Principle, d.h., leere Kategorien müssen streng regiert sein. Dieser Parameter ist sprachspezifisch, sodass unterschiedlich strenge Rektoren zugelassen werden. „White compared sentences such as (3a) and (3b) with sentences such as (4a) and (4b).
(3) a. Whoı do you think that Mary saw tı?
b. Whoı do you think Mary saw tı?
(4) a. * Whoı do you think that tı saw Mary?
b. Whoı do you think tı saw Mary?“ (Jordens; Lalleman, 1996, 409)
Bei diesem Beispiel handelt es sich um den that trace effect, bei dem Subjektextraktionen nicht zulässig sind. Wie das Beispiel (4b) veranschaulicht, ist der Grund dafür die eingebettete Konjunktion. Die Spur wird jeweils durch t signalisiert und beispielsweise vom Verb streng regiert. White benutzt Sätze dieser Art und untersucht diesbezüglich Grammatikalitätsurteile mit dem Ergebnis, dass häufig korrekte Urteile gefällt werden. Erkennt der Lerner das Urteil richtig, so könnte man daraus schließen, dass universalgrammatische Prinzipien die einzige Erklärung dafür darstellen. Meines Erachtens ist die Grundannahme sinnvoll, da weder Input bzw. positive Evidenz noch die Verbindung zu der Erstsprache einen Einfluss ausüben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Universalgrammatik im Kontext des Zweitspracherwerbs und Formulierung der Forschungsfrage.
2. Forschungsstand: Überblick über die verschiedenen theoretischen Ansätze der Spracherwerbsforschung, insbesondere die generative Perspektive.
3. Probleme der Spracherwerbsforschung: Erörterung fundamentaler Herausforderungen wie des "logischen Problems" beim Spracherwerb.
4. Unterschiede L1 und L2: Vergleich der Lernvoraussetzungen und -prozesse zwischen Erst- und Zweitspracherwerb.
5. Die UG-Hypothese: Darstellung der Konzepte von Universalgrammatik, Parametern und deren Fixierung.
6. Positionierungen und Argumentationen: Kritische Diskussion verschiedener Hypothesen zum UG-Zugriff, vom vollständigen Ausschluss bis zum uneingeschränkten Zugang.
7. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Argumente und Fazit zur Möglichkeit der Parameterfixierung.
8. Ausblick: Vorschläge für künftige Forschungsansätze, um die Interpretation empirischer Daten zu vereinheitlichen.
Schlüsselwörter
Universalgrammatik, Zweitspracherwerb, Parameterfixierung, Erstsprache, Generative Grammatik, Logisches Problem, Spracherwerbsforschung, Input, Transfer, UG-Zugriff, Grammatikalitätsurteile, Bilingualer Spracherwerb, Empirische Daten, Linguistik, Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretische Frage, ob Erwachsene beim Erlernen einer Zweitsprache auf die angeborenen Prinzipien der Universalgrammatik zugreifen können oder ob andere Lernmechanismen greifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Konzepte der generativen Spracherwerbsforschung, insbesondere Parameter, Parameterfixierung, das Verhältnis von Erst- zu Zweitspracherwerb sowie die Rolle des Inputs.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Rolle der Universalgrammatik beim Zweitspracherwerb zu klären und zu analysieren, ob der Prozess der Parameterfixierung bei L2-Lernern nachgewiesen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Der Autor führt eine theoretische Literaturanalyse durch, setzt sich kritisch mit verschiedenen linguistischen Positionen auseinander und reflektiert über die Aussagekraft empirischer Testverfahren.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der UG-Hypothese, den Vergleich von L1- und L2-Erwerb sowie die kritische Gegenüberstellung verschiedener Positionen zum UG-Zugang anhand von Fachliteratur.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Universalgrammatik, Parameterfixierung, L1-L2-Transfer, generativer Ansatz und Spracherwerbsprozesse definiert.
Inwiefern spielt die Muttersprache laut dem Autor eine Rolle beim L2-Erwerb?
Der Autor argumentiert, dass die Erstsprache nicht als genereller Filter für die Parameterfixierung angesehen werden sollte und plädiert für eine autonome Entwicklung der L2-Strukturen.
Warum hält der Autor die bisherige Datenerhebung in der Forschung für problematisch?
Er kritisiert, dass empirische Tests oft die Kriterien für Reliabilität und Validität verletzen und dass Performanzdaten oft fälschlicherweise direkt mit sprachlicher Kompetenz gleichgesetzt werden.
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- Manuel Neumeister (Author), 2012, Zugriff auf die Universalgrammatik im Zweitspracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193627