Platons "Philebos" - Darstellung und Interpretation des Abschnitts 38a - 41b


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Platons „Philebos“

3. Thematische Abfolge

4. Interpretation von 38a – 41b

5. Reflexion

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Abschnitt 38a – 41b aus Platons Dialog „Philebos“ erläuternd darzustellen und zu interpretieren.

Zunächst werde ichallgemein auf diesen Dialog eingehen und eine Übersicht über die auftretenden Personen, Form und Inhalt geben. Anschließend folgt ein kurzer Überblick über die thematische Abfolge des Dialogs. Dabei werde ich dann auch die zu behandelnde Stelle in den Kontext des Dialogs einordnen. Es folgt eine Interpretation dieses Abschnitts mit einem kurzen Resümee.

2. Platons „Philebos“

Platons Dialog „Philebos“ ist vermutlich ein Spätwerk. Er entstand wahrscheinlich in der Zeit zwischen 360 und 347 v. Chr. Eine genaue chronologische Einordnung innerhalb der späten Dialoge Platons stellt sich allerdings als schwierig dar.[1]

Auffällig an diesem Dialog ist, dass Sokrates wieder als Hauptredner auftaucht.In Platons Spätwerk ist er normalerweise in den Hintergrund gerückt und meist nur als „stummer Zeuge“[2] anwesend.Neben Sokrates treten noch Philebos und Protarchos als Gesprächspartner auf. Über diese beiden erfährt man jedoch nichts Genaueres. Frede vermutet, dass es sich bei Philebos um eine fiktive Figur handelt, da sichfür diesen Namen sonst keinerlei Belege finden lassen.[3] Protarchos dagegen dürfte der Sohn des Kallias, eines „der reichsten Männer Athens […] und ein eifriger Förderer der Sophisten“[4], gewesen sein. Er stellt einen „typischen“ Gesprächspartner des Sokrates dar: „Ein junger Mann der Oberklasse, der zwar für die Annehmlichkeiten des Lebens offen, aber nicht ohne Bildung und intellektuelle Neugier ist“.[5]

Formal ist dieser Dialog aufgebaut wie viele andere auch. Platon benutzt die direkte Rede in verteilten Rollen. Allerdings fehlt im Gegensatz zu anderen Dialogen eine Rahmenhandlung bzw. ein Rahmengespräch. Ebenso wird nichts zu Ort, Zeit und Anlass des Gesprächs gesagt. Laut Frede ist diese „Kargheit“ für die späten Werke Platonsungewöhnlich.[6] Der Leser erhält keine Ruhepausen, sondern muss „streng bei der Sache gehalten […] in einem Zuge den ganzen Beweisgang des Sokrates mitmachen“[7]. Bezeichnend dafür ist auch, dass der Dialog nicht mit einer Einleitung oder Gesprächseröffnung beginnt, sondern dass der Leser in ein bereits laufendes Gespräch hineingenommen wird. Frede bezeichnet dies als „zweiten Akt“. Im fiktiven ersten Akt hätte Sokrates demnach mit Philebos diskutiert, an dessen Stelle nun Protarchos tritt.[8] Philebos ist zwar immer noch anwesend, nimmt aber so gut wie nicht mehr am Gespräch teil und schläft später sogar ein.

Inhaltlich geht es im Philebos laut Apelt „um nichts Geringeres als um die Grundfrage der antiken Ethik: ´Was ist für den Menschen das höchste Gut?´“[9] Oder anders ausgedrückt: Ist die Lustoder das Wissen das höchste Gut des Menschen?Frede weist noch darauf hin, dass „sein eigentliches Ziel die Ermittlung des Glücks im menschlichen Leben ist“[10].

Sokrates trifft in Philebos auf einen „Dogmatiker der Hedone, mit dem sich nicht reden läßt“[11], einen Hedonisten „reinsten Wassers“[12], der wohl keinerlei Anstrengungen liebt und eine weitere Diskussion über die Frage nach dem höchsten Gut des Menschen für überflüssig hält[13], da er sie für sich schon längst beantwortet hat.[14]

An die Stelle des Philebos als Gesprächspartner Sokrates´ tritt nun Protarchos. Er übernimmt Philebos´ These und damit die Aufgabe, die Lust als das höchste Gut des Menschen zu verteidigen. Im Gegensatz zu Philebos beharrt Protarchos allerdings nicht stur auf seinem hedonistischen Standpunkt, sondern ist zu einer Diskussion bereit, sodass ein kooperatives Gespräch zustande kommen kann.[15] Frede sieht in der Tatsache, dass der eigentliche Gesprächsgegenstand (die „Sache der Lust“) statt vom Hedonisten Philebos von einem Stellvertreter vertreten wird, ein Signal dafür, dass Platon Sokrates in diesem Fall kein Streitgespräch wie in früheren Dialogen führen lassen will, in denen er seine Gegner zu Zugeständnissen zwang, sie jedoch nie wirklich überzeugen konnte. In diesem Dialog geht es eher um einen Appell an die Einsicht des Gegenübers, sodass sich das Gespräch „durch Kooperation statt durch Konfrontation auszeichnet“[16].

[...]


[1] Frede, Philebos, S. 93.

[2] Frede, Philebos, S. 5.

[3] Vgl. Frede, Philebos, S. 95.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Frede, Philebos, S. 93.

[7] Apelt, S. 1.

[8] Vgl. Frede, Philebos, S. 93f.

[9] Apelt, S. 1.

[10] Frede, Eudaimonia, S. 329.

[11] Gadamer, S. 83.

[12] Frede, Philebos, S. 94.

[13] Vgl. Frede, Philebos, S. 94.

[14] „Mir scheint und wird auch immer scheinen, dass die Lust in jeder Hinsicht siegt.“ (12a).

[15] Vgl. Frede, Philebos, S. 94.

[16] Frede, Philebos, S. 96f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Platons "Philebos" - Darstellung und Interpretation des Abschnitts 38a - 41b
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Platon, Philebos
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V193630
ISBN (eBook)
9783656195702
ISBN (Buch)
9783656195757
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Platon, Philebos, Sokrates, Dialog, 38a-41b, Lust, Wissen, Hedonist, Glück, höchstes Gut, Vernunft
Arbeit zitieren
Andreas Fuhrmanski (Autor), 2010, Platons "Philebos" - Darstellung und Interpretation des Abschnitts 38a - 41b, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193630

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