Diagnostik von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern

Ausarbeitung der Fallbeispiele „Felix“ und „Lotte“


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 11 Punkte

Leseprobe

Inhalt

1 Fallbeispiel „Felix“
1.1 Hypothesen über seine Verhaltensgründe
1.1.1 Felix leidet unter emotionalem Stress
1.1.2 Felix ist überfordert
1.1.3 Felix leidet unter ADS
1.2 Ziele der Diagnostik
1.3 Diagnostik-Verfahren
1.3.1 Diagnostisches Verfahren: Felix leidet an emotionalem Stress
1.3.2 Diagnostisches Verfahren: Felix ist überfordert
1.3.3 Diagnostisches Verfahren: Felix leidet unter ADS
1.4 Ergebnisse und Handlungsmöglichkeiten
1.4.1 Felix leider unter Leistungsdruck
1.4.2 ADS wird diagnostiziert
1.5 Schwierigkeiten im diagnostischen Prozess

2 Fallbeispiel „Lotte“
2.1 Hypothesen über ihre Verhaltensgründe
2.1.1 Lottes Geschwister gehen ihr auf die Nerven
2.1.2 Lotte hat keine beruflichen Perspektiven
2.1.3 Lotte hat „innerlich gekündigt“
2.2 Ziele der Diagnostik
2.3 Diagnostik-Verfahren
2.3.1 Diagnostisches Verfahren: Lottes Geschwister gehen ihr auf die Nerven
2.3.2 Diagnostisches Verfahren: Lotte hat keine beruflichen Perspektiven
2.3.3 Diagnostisches Verfahren: Lotte hat „innerlich gekündigt“
2.4 Ergebnisse und Handlungsmöglichkeiten
2.4.1 FAVK Testergebnis: Störung sozialer Fertigkeiten und sozialer Interaktionen
2.4.2 SELLMO Testergebnis: Kombination von geringer Lernzielorientierung mit starker Arbeitsvermeidungstendenz
2.5 Schwierigkeiten im diagnostischen Prozess

1 Fallbeispiel: „Felix“

1.1 Hypothesen über seine Verhaltensgründe

1.1.1 Felix leidet unter emotionalem Stress

Die vorliegenden Informationen über Felix weisen darauf hin, dass er unter emotionalem Stress leidet. Deutlich wird dies durch sein Protesthaltung bei der Aufforderung zu lesen und das damit verbundene gelegentliche Weinen. Ein weiterer Hinweis ist das Nichtbefolgen von Anweisungen bzw. das Nichtreagieren bei Aufforderungen. Diese Verhaltensweisen können Indizien dafür sein, dass er, vermutlich unbewusst, auf seine seelischen Defizite aufmerksam machen möchte. Mögliche Ursachen sind der Umzug der Familie und der damit verbundene Schulwechsel.

Eine andere oder zusätzliche Belastung kann fehlende körperliche Zuwendung der Mutter, des Vaters oder beider Elternteile sein. Möglicherweise kann sich Felix nicht gegenüber seinen zwei älteren Geschwistern durchsetzen und kommt beim elterlichen Kuscheln zu kurz. An- haltspunkte hierfür ist das Suchen nach körperlicher Zuwendung durch Erwachsene in der Schule. Felix möchte an die Hand genommen werden und hat Schmusebedürfnis. Auch die bereits erwähnte Verweigerung beim Vorlesen deutet auf fehlende Zuwendung hin. Durch sein verweigerndes Benehmen erhält er negative Aufmerksamkeit, auch eine Art von Zuwen- dung.

Ein weiterer Hinweis dafür, dass Felix unter emotionalen Stress leidet, ist das Verhalten der Mutter. Sie teilte dem Lehrer Herrn Rot mit, dass es der Familie sehr wichtig sei, dass Felix später ein Gymnasium besucht. Durch die zwei Termine mit Herrn Rot wird deutlich, dass ihr dieses Anliegen sehr wichtig ist. Vermutlich ist es auch die Mutter, die dafür sorgt, dass die Hausaufgaben von Felix immer vollständig und korrekt sind. Sie gibt ihrem Kind zusätzliche Aufgaben auf, kontrolliert diese und bestraft ihn mit Hausarrest bei falschen Lösungen. Durch diese sehr leistungsorientierte Maßnahme wird Felix enormer Leistungsdruck vermittelt. Al- tersangemessene Freiräume zum unbesorgten Spielen scheinen Felix dadurch genommen zu sein. Hierfür kennzeichnend ist, dass er viel Freude am Sportunterricht hat, denn hier kann er seinem natürlichen Spieltrieb nachgehen. Seine Unbeholfenheit resultiert eventuell durch zu wenig Körpererfahrung, die ihm durch das viele Lernen genommen wird.

Emotionale Belastungen verschiedenster Art können als Konsequenz haben, dass sich die betreffende Person in eine Art Traumwelt zurückzieht. Felix schaut oft aus dem Fenster, ist mit seinen Gedanken oft ganz woanders und träumt. Diese Beobachtungen von Herrn Rot sind eventuell Hinweise für Felix‘ Flucht aus einer belastenden Situation in eine Traumwelt.

1.1.2 Felix ist überfordert

Aus den Verhaltensweisen von Felix lassen sich als mögliche Ursache schließen, dass er nicht den gegebenen Anforderungen gewachsen ist. Hinweise sind das Verweigern und Weinen bei der Aufforderung zum Vorlesen. Anzunehmen ist, dass er im Vergleich zu seinen Mitschülern in der Entwicklung nachsteht. Er kann den Aufgaben in der Schule nicht gerecht werden. Indizien sind das Abschreiben beim Nachbarn im Mathematikunterricht, das Nichtbefolgen von Arbeitsaufträgen, das Spielen mit seinem Auto, das aus dem Fenster Schauen und Träumen. Er entzieht sich damit den ihm zugeteilten Aufgaben und Anforderungen.

Eine andere Ursache könnten Seh-, Hör- oder Sprechschwierigkeiten sein. Weist Felix hier Defizite aus, so ist er mit seinen gegebenen Grundvoraussetzungen im Unterricht und auch im sozialen Miteinander benachteiligt und überfordert. Die oben genannten Verhaltensweisen könnten auch aus diesen körperlichen Defiziten resultieren, ohne dass Entwicklungsdefizite in der psychischen Wahrnehmung und der Denkstruktur vorliegen.

1.1.3 Felix leidet unter ADS

Die Informationen, die über Felix gegeben sind, lassen erwägen, dass er an ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) leidet. Typische Symptome von ADS sind unter anderen mangelndes Selbstwertgefühl, geistige Abwesenheit auch beim direkten Ansprechen, Tagträumen, schnelle Ablenkbarkeit, Konzentrationsschwäche, Lese- und Rechnenschwäche durch mangelnde Aufmerksamkeit und das Vermeiden von anstrengenden Aufgaben. All diese Verhaltensweisen zeigen sich bei Felix. Er arbeitet im Unterricht kaum mit, erledigt Aufgaben nur teilweise, malt anstatt von der Tafel abzuschreiben, er schaut aus dem Fenster, spielt mit seinem kleinen Auto, vermeidet Kontakt zu anderen, ist mit seinen Gedanken oft woanders und reagiert häufig nicht, wenn er angesprochen wird. Seine Lese- und Rechenschwierigkeiten sind als Konsequenz von Felix‘ Aufmerksamkeitsmangel zu mutmaßen.

1.2 Ziele der Diagnostik

Ziel der diagnostischen Verfahren bei Felix ist, dass seine individuellen Lernvoraussetzungen optimiert werden. Das heißt, es müssen Maßnahmen getroffen werden, die ihn dabei unter- stützen Kompetenzen aufzubauen. Zunächst müssen die Ursachen für das Verhalten von Felix ermittelt werden, dann können Maßnahmen ergriffen werden, die die Ursachen beheben oder lindern. Ohne das Ermitteln der Auslöser für seine Verhaltensweisen ist es kaum möglich, die Symptome zu beseitigen.

Konkrete Ziele sollten das Finden von Antworten auf die Fragen sein, was die Gründe für seine Unaufmerksamkeit, Lernschwäche, Leistungsmotivation und Unsicherheit sein. Sind die Verursacher für diese Verhaltensauffälligkeiten bekannt, so können entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

1.3 Diagnostik-Verfahren

1.3.1 Diagnostisches Verfahren: Felix leidet unter emotionalem Stress

In der Begründung der Hypothese wurde bereits deutlich, dass es mehrere Gründe für eine emotionale Belastung geben kann. Die Komplexität steigt, wenn von den angeführten möglichen Ursachen mehrere zusammenwirken. Durch die gegebenen Informationen sind nur sehr vage Mutmaßungen möglich.

Um die Ursachen für seine Unsicherheit, Konzentrationsschwäche und Leistungsdefizite zu ermitteln ist es nötig, ein Gesamtbild von den Verhaltensweisen von Felix zu erhalten. Die genannten Beobachtungen liegen überwiegend den Aussagen des Lehrers Herrn Rot zugrunde. Damit die Frage nach den Ursachen objektiv beantwortet werden kann, sind wissenschaftliche Beobachtungen und umfangreicherer Informationen nötig.

Mittels Befragungen der Eltern, weiteren nahestehenden Familienmitgliedern und engen Be- kannten kann ein umfassenderes Bild von den Verhaltensweisen von Felix in unterschiedli- chen Situationen und in Interaktionen mit verschiedenen Personen erzeugt werden. Fragestel- lungen, denen hier nachgegangen werden sollte, sind: Ist Felix zuhause / beim Spielen / bei Freunden / etc. unaufmerksam und verträumt? Hat Felix Freunde, mit denen er regelmäßig spielt? Zeigt Felix Anzeichen von Versagensängsten? Wie ist sein Verhältnis zu seinen Ge- schwistern / Eltern / etc.? Warum ist die Familie umgezogen? Hat sich an dem Verhalten von Felix seit dem Umzug etwas geändert? Liest Felix zuhause? Womit beschäftigt sich Felix gerne?

Zusätzlich sollte auch Felix befragt werden. Mögliche Fragen sind: Gehst du gerne in die Schule? Was magst du an der Schule? Was magst du nicht an der Schule? Spielst du gerne mit Freunden? Was machst du am liebsten in deiner Freizeit? Wie viel Zeit verbringst du mit dei- nen Eltern? Was machst du am liebsten mit deinen Eltern? Was wünscht du dir mit deinen Eltern zu tun?

Die Befragungen können als Interview oder in Form eines Fragebogens geschehen und sollten von einem Schulpsychologen durchgeführt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass relevan- te Aspekte bei der Diagnostik beachtet werden und dass diese der Objektivität unterliegt. Ne- ben Befragungen der Eltern, Familienmitgliedern und nahestehenden Bekannten sollte auch ein psychologisches Gutachten angefertigt werden.

Ergänzend halte ich eine Beobachtung nach wissenschaftlichen Kriterien von Felix Verhalten in der Schule für wichtig. Die Beobachtung des Lehrers unterliegt nicht wissenschaftlichen Kriterien, da seine Wahrnehmung subjektiv gefärbt ist und er nur Ausschnitte des Verhaltens von Felix beobachtet hat. Für eine wissenschaftliche Beobachtung ist es wichtig, dass diese objektiv, replizierbar und nach bestimmten Aspekten auswertbar ist. Um die Ursachen für Felix Verhalten zu ergründen und seine individuellen Lernvoraussetzungen zu verbessern, sollte eine solche Beobachtung unbedingt von einer außenstehenden geschulten Person durchgeführt werden.

1.3.2 Diagnostisches Verfahren: Felix ist überfordert

Um Antwort auf die Frage zu bekommen, ob Felix den Anforderungen in der Schule noch nicht gewachsen ist, würde ich das Diagnostikverfahren EDI (Entwicklungsstanddiagnose) zur Überprüfung seines Entwicklungsstandes heranziehen. Mit diesem Verfahren können Entwicklungsabweichungen und -defizite aufgedeckt werden, womit sich Förder- und Thera- piebedarf ableiten lassen.

Wie bereits in der Begründung der Hypothese formuliert, kann das Flüchten in eine Traum- welt Folge von Überforderung sein. Auch das Spielen mit dem Auto, das Malen, das Weinen und die Suche nach elterlicher Zuwendung sind Indizien für mögliche Defizite in der Ent- wicklung von Felix. Desweiteren erweckt die Verwechslung von rechts und links, seine Un- beholfenheit im Sportunterricht und seine Schüchternheit den Anschein, dass er im Vergleich mit Gleichaltrigen in der Entwicklung zurücksteht. Um ideale Lernvoraussetzungen für die weitere schulische Entwicklung von Felix schaffen zu können ist es nötig, den individuellen Reifegrad und Informationen über seine Wahrnehmungsfunktionen und Denkstrukturen zu erhalten. Die Schwerpunkte bei dem EDI-Test sind das Denken und die Wahrnehmung. Durch das Erfassen der hier liegenden Fähigkeiten sind Rückschlüsse auf altersgemäße und abweichende Werte möglich. Stärken und Schwächen werden ermittelt und so können ange- messene Maßnahmen getroffen werden, die Felix in seinen individuellen Voraussetzungen stärken.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Diagnostik von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern
Untertitel
Ausarbeitung der Fallbeispiele „Felix“ und „Lotte“
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Lern- und Verhaltensdiagnostik im Kontext Schule
Note
11 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V193640
ISBN (eBook)
9783656186571
ISBN (Buch)
9783656187097
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diagnostische Verfahren, Schuldiagnositik, Fallbeispiel, Diagnostik, Diagnostik-Verfahren, FAVK, SELLMO
Arbeit zitieren
Stephanie Töpert (Autor), 2011, Diagnostik von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193640

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