Die Bedeutung des Wortes "billig" - Sprachwandel


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 12 Punkte


Leseprobe

Inhalt

1 Thema und Aufbau der Hausarbeit

2 Bedeutungswandel
2.1 Bedeutung und Bedeutungswandel.
2.2 Ursachen für Bedeutungswandel.
2.3 Arten des Bedeutungswandels

3 Bedeutungswandel am Beispiel „billig“
3.1 Pejorisierung des Wortes „billig“ durch Nutzenwahrnehmungen in Handelsbeziehungen.
3.2 Gegenwärtiger Bedeutungswandel von „billig“

4 Ausblick auf weitere Bedeutungsveränderungen des Wortes „billig“

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als zentrales Kommunikationsmedium reflektiert die Sprache die stetige Entwicklung von Kulturen. Sprache, ob gesprochen oder geschrieben, findet sich als wesentliche Grundlage des menschlichen Zusammenlebens in allen Teilbereichen des täglichen Lebens wieder. Aus der permanenten Veränderung der Lebensumstände folgt eine kontinuierliche Anpassung der Sprache.1

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich in diesem Kontext mit einer diachronischen Betrach- tung des Untersuchungsgegenstandes „billig“. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, welche Einflüsse den semantischen Wandel des Wortes „billig“ determinierten und wie sich sein Be- deutungsgehalt im Zeitverlauf änderte. Der Untersuchung dieser Forschungsfrage dienen drei Hypothesen:

- Im Laufe seiner sprachhistorischen Entwicklung erhielt das Wort „billig“ eine negati- ve Denotation.
- Das Interaktionsverhältnis von Verkäufern und Käufern und ihre individuellen Nut- zenwahrnehmungen löste die semantische Neuerung des Wortes „billig“ aus.
- Gegenwärtig ereignet sich ein weiterer semantischer Wandel des Wortes „billig“.

Bei der Erarbeitung der Fragestellung beschränkt sich diese Arbeit aus forschungsökonomischen Gründen auf den semantischen Wandel des Untersuchungsgegenstandes, sie schließt andere Formen des Sprachwandels explizit aus.

Die Untersuchung der Fragestellung beginnt mit einer Definition der Begriffe Bedeutung und Bedeutungswandel; darauf folgt eine Darstellung allgemeiner Ursachen und Arten von Be- deutungswandel. Anschließend wendet sich die Arbeit dem semantischen Wandel des Unter- suchungsgegenstandes „billig“ mit der wissenschaftlichen Untersuchung der drei Hypothesen zu. Dazu geht sie auf die Ursachen der Entwicklung und die Art des Bedeutungswandels ein. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf weitere interessante Fragestellungen ab.

Die Untersuchung stützt sich auf Fachliteratur von Sprachwissenschaftlern, die sich mit Sprachwandel im Allgemeinen sowie dem Bedeutungswandel und der semantischen Neuerung des Wortes ‚billig‘ im Speziellen beschäftigen.

2 Bedeutungswandel

2.1 Bedeutung und Bedeutungswandel

Neben dem Lautwandel, dem lexikalischen Wandel und dem grammatischen Wandel ist der Bedeutungswandel ein wichtiges Teilgebiet des Sprachwandels. Für den Bedeutungswandel als Teilgebiet des Sprachwandels liegt noch keine konsistente Gesamttheorie vor. So erklärt von Polenz traditionelle Bedeutungstheorien als unzureichend.2 Er zieht stattdessen die pragmatische Bedeutungstheorie vor, die den Sprecher und seinen Sprachgebrauch in sozialen Interaktionen ins Zentrum setzt.

„Bedeutung ‚steckt‘ nicht in den Wörtern ‚drin‘, sondern konstituiert sich aus Sprachwissen, Voreinstellungen und Intentionen der Sprachbenutzenden (auf beiden Seiten) und ist nach Kontextbedingungen im Rahmen bestimmter kommunikativer Handlungszusammenhänge (‚Sprachspiele‘) zu beschreiben.“3

Keller und Kirschbaum verweisen auf die repräsentationistische und instrumentalistische Möglichkeit, um die Frage ‚Was ist Bedeutung?‘ klären zu können. Nach einer Analyse ver- werfen die beiden Sprachwissenschaftler die repräsentationistische Variante, die ‚Bedeutung‘ als die assoziierte Vorstellung auffasst. Mit Verweis auf den Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein erachten die Autoren die instrumentalistische Auffassung zu Beantwortung der Frage für geeigneter, um die Bedeutung eines Wortes zu erläutern. Diese geht davon aus, „[…] dass Wörter Instrumente sind, die konventionellerweise dazu dienen, bestimmte Absich- ten zu verwirklichen.“4 Als Fazit halten Keller und Kirschbaum fest, dass sich die Bedeutung eines Wortes aus den Gebrauchsregeln in der Sprache konstituiert. Folglich ist Bedeutungs- wandel die Veränderung der Gebrauchsregeln.

Nübling et al. postulieren, „dass Bedeutungen weder naturgegeben noch ein für allemal fixiert sind, sondern dass sie ‚geronnene‘ Welterfahrung und Weltsicht der Sprechenden darstellen, sich ständig verändern.“5 Sie verweisen darauf, dass die Bedeutung oder auch Semantik zwi- schen denotativer und konnotativer Bedeutung unterscheidet. Denotativ bezeichnet die Kern- bedeutung eines Wortes, während konnotativ die Nebenbedeutung eines Wortes erfasst.

Während die beschriebenen Ansätze unterschiedliche Aspekte von Bedeutungen und Bedeu- tungswandel beleuchten, so ist allen Erläuterungen gemein, dass die Bedeutung von Wörtern nicht festgelegt ist. Sie konstituiert sich aus den Intentionen der Sprachbenutzer und den Ge- brauchsregeln, unter denen Ausdrücke verwendet werden. Auf der Basis der theoretischen Herleitung bedient sich die Arbeit der folgenden Definitionen für die Begriffe Bedeutung und Bedeutungswandel:

- Die Bedeutung eines Wortes resultiert aus seiner Verwendung durch Kommunikati- onspartner, die mit der Sprache konkrete Intentionen verfolgen. Die Bedeutung ist weder fix noch konform, sondern variiert kontextabhängig.
- Bedeutungswandel beschreibt die Übernahme ungebräuchlicher Gebrauchsregeln durch eine Sprachgemeinschaft, sodass diese die neuen Konventionen darstellen.

2.2 Ursachen für Bedeutungswandel

Die Welt der Menschen ist von Neuentwicklungen geprägt. Daraus resultieren veränderte Umstände und neue Anforderungen, die eine kontinuierliche Anpassung der Menschen erfordern. Da Kommunikation Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens ist, unterliegt die Sprache im Allgemeinen sowie die Bedeutung von Wörtern dem stetigen Wandel.

Im kommunikativen Prozess verfolgen Sprecher und Hörer das Ziel, Sprache effektiv zu nutzen.6 Die Effektivität determiniert sich aus den Intentionen der Kommunikationspartner.

Fritz postuliert den kommunikativen Nutzen als Ursache für den Bedeutungswandel. Semantische Neuerungen erweitern das Handlungspotential, mit dem der Sprecher folgende Absichten verwirklichen kann:

„(i) eine neue Art von Gegenstand identifizieren,
(ii) eine neue Sichtweise eines Gegenstandes einführen,
(iii) auf einen Gegenstand auf leicht verständliche Art Bezug nehmen,
(iv) auf einen Gegenstand auf ungewöhnliche Weise Bezug nehmen,
(v) eine neue Art von Sachverhalt ausdrücken,
(vi) einen Sachverhalt auf besonders anschauliche Weise ausdrücken,
(vii) einen Sachverhalt ausdrücken, ohne dabei verpönte Ausdrücke verwenden zu müssen,
(viii) seine Gefühle besonders ausdrucksvoll zu erkennen geben,
(ix) jemanden auf besonders subtile Art ärgern,
(x) seine Kompetenz in einem bestimmten Sachbereich zeigen.“7

Neben dem Nutzaspekt, so Fritz, unterliegt der semantische Wandel dem Ökonomieaspekt. Demzufolge entstehen Neuerungen unter der Nutzung bekannter, etablierter Mittel, Verfahren und Muster.

Keller und Kirschbaum bezeichnen insbesondere das Streben nach Energieersparnis, Höflichkeit, Anerkennung und Gefallen als ausschlaggebend für den Bedeutungswandel. Sie stellen heraus, dass der Bedeutungswandel nicht nur auf den Intentionen und Kommunikationshandlungen durch den Sprecher basiert. Semantische Neuerungen sind das Ergebnis kommunikativer Interaktionen zwischen Sprecher und Hörer. Deutet ein Rezipient die Verwendung eines Wortes auf eine neuartige Weise und nutzt dieses dann im Sinne dieser neuen Interpretation weiter, so hat er den Inhalt des Wortes neu belegt.

[...]


1 Stedje, Astrid: Deutsche Sprache gestern und heute. 6. Auflage. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2007. S.36. 3

2 Polenz, Peter von: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart Band I. 2. Auflage. Berlin; New York: de Gruyter 2000. S. 45.

3 Ebd. S. 46. (Hervorhebungen im Original)

4 Keller, Rudi; Ilja Kirschbaum: Bedeutungswandel. Eine Einführung. Berlin; New York: de Gruyter 2003. S. 7.

5 Nübling, Damaris u.a.: Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels. Tübingen: Narr Francke Attempo Verlag 2006. S. 107.

6 Fritz, Gerd: Historische Semantik. 2. Auflage. Stuttgart; Weimar: J.B. Metzler Verlag 2006. S. 40.

7 Ebd. S. 39.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Wortes "billig" - Sprachwandel
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Sprachgeschichte
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V193649
ISBN (eBook)
9783656186328
ISBN (Buch)
9783656187783
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwandel, Pejorisierung, semantischer Wandel, sprachhistorische Entwicklung, lexikalischer Wandel, sprachliche Variation, semantische Neuerung, Bedeutungserweiterung, Bedeutungsverengung, Bedeutungsübertragung, Bedeutungsverschiebung, Bedeutungsverbesserung, Bedeutungsverschlechterung, Meliorisierung
Arbeit zitieren
Stephanie Töpert (Autor), 2011, Die Bedeutung des Wortes "billig" - Sprachwandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193649

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