Musik als Kommunikationsmittel in der sozialen Arbeit


Seminararbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Was ist Kommunikation?
2.2 Was ist Musik?

3. Musik als Kommunikationsmittel
3.1 Musik und Sprache - Ein Vergleich
3.2 Musik als Interaktion?
3.3 Musizieren als Methode der Sozialen Arbeit
3.4 Singen als eine Methode der Sozialen Arbeit

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kommunikationsprozess

Abb. 2: Robbie Williams im Kontakt mit Publikum

Abb. 3: Kommunikation und Interpretation

Abb. 4: Arbeitsformen - Soziale Arbeit

Abb. 5: Kindergartengruppe

Abb. 6: Suselraum

Abb. 7: Gemeinsam Musizieren

Abb. 8: Wende-Musical Saitenverkehrt

Abb. 9: Elemente der Kommunikationssysteme

1. Einleitung

Die soziale Arbeit vollzieht sich hauptsächlich in Interaktion zwischen Klienten und Sozialarbeiter. In diesem Kontext ist Kommunikation als Grundwerkzeug zum Austausch von Informationen unverzichtbar.

Jeder Mensch hat ganz individuelle Bedürfnisse. „Ein Bedürfnis ist dadurch erkennbar, dass es sich kundgibt.“ (Mollenhauer, 2001). Schon unsere ersten Vorfahren taten dies, in dem sie auf verschiedene Art und Weise miteinander kommunizierten. Die Sprache diente damals in erster Linie überlegende Gegner (Feinde) zu vertreiben.

Heute kommunizieren wir auf verschiedensten Arten miteinander. Die Lautsprache, also das normale Sprechen, ist bis heute eines der wichtigsten Elemente für den Austausch von Informationen.

Doch wie verhält sich Kommunikation im Kontext der sozialen Arbeit? Kommt es hier ausschließlich auf die verbale Sprache, das gesprochene Wort, als Kommunikations- mittel an? Sicher nicht. Bereits bei der Erziehung von Kindern ist fest zu stellen, dass auch die Art und Weise also Form der Übertragung einer Botschaft von großer Bedeu- tung ist. So zum Beispiel das Ansehen seines Gegenübers in einem Gespräch und den Einsatz von Mimik und Gestik.

So sind Körpersprache, die verbale Sprache und Symbole nur einige weitere Gestal- tungselemente, welche zur Verständigung dienen. Ein wesentliches und oft unter- schätztes Medium für Kommunikation ist die Musik. Musik spricht Menschen auf emo- tionaler Ebene an und kann zur Unterstützung im Kommunikationsprozess dienlich sein. Sie kann den Zugang zu einem Menschen wesentlich erweitern und zum Beispiel im gemeinsamen Gestalten und Erleben Kommunikation auf der nonverbalen Ebene ermöglichen. Musik kann durch aktives Erleben, gerade in der Gruppe, die Wahrneh- mungs- und Kommunikationsfähigkeit eines Menschen erheblich steigern.

In der vorliegenden Arbeit wird die Bedeutung des Mediums Musik als ein alternatives Kommunikationsmittel näher untersucht und erläutert. Ist Musik Kommunikation? Kann Musik den Kommunikationsprozess erleichtern?

Im zweiten Teil wird beschrieben was Musik im kommunikativen Kontext leisten kann und wo mögliche Ansätze des Einsatzes des Mediums in der sozialpädagogischen Arbeit liegen.

2. Begriffsbestimmungen

Für die Auseinandersetzung mit dem Medium Musik als ein mögliches Kommunikati- onsmittel bedarf es zunächst einer Definition der Begrifflichkeiten „Kommunikation“ und „Musik“.

2.1 Was ist Kommunikation?

Kommunikation bezeichnet zunächst den Austausch von Informationen und Nachrich- ten zwischen zwei oder auch mehreren Personen. Der Begriff stammt aus dem Lateini- schen; das Substantiv „communicatio“ bedeutet Mitteilung, das Adjektiv „communis“ bedeutet gemeinsam (Hoffmann, Martini, Rebel, Wickel, Wilhelm, 2004, S. 26). Dieser Austausch kann über Sprache, Mimik und Gestik, Schrift oder auch durch andere Me- dien wie Musik oder das Internet stattfinden. Kommunikation heißt immer auch das gemeinsame in Beziehung treten zwischen dem Sender einer Botschaft (codiert) und dem Empfänger der diese interpretiert (decodiert). Diese beiden bilden die Rahmenbe- dingungen des zustande kommen eines Kommunikationsprozesses.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kommunikationsprozess. (Quelle: Autor)

Oftmals nutzen Sender und Empfänger die Möglichkeit das verstandene zu überprüfen. Dies geschieht durch eine Rückmeldung des Empfängers, wie er eine Nachricht ent- schlüsselt, also verstanden hat. Für eine solche Rückmeldung, auch Feedback ge- nannt, benötigt der Empfänger seine Sinne zur Wahrnehmung. Das Feedback ermög- licht dem Sender der Nachricht ein Abgleich seiner Sende-Absicht mit dem Interpretier- ten des Empfängers. Der Sender einer Nachricht bedient sich im Kommunikationspro- zess, oft unbewusst, Hilfsmittel wie zum Beispiel der Körperhaltung, Mimik und Gestik um seine Botschaft zu übermitteln. Kommunikation verbindet somit Wahrnehmung und Gestaltung, Eindrücke und Ausdruck (Hoffmann, Martini, Rebel, Wickel, Wilhelm, 2004, S. 27).

Grundlagen der Kommunikation

Zu den wichtigen individuellen Grundlagen der Kommunikation gehören - mit unterschiedlicher Relevanz - die sensorischen Fähigkeiten Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen, aber auch kinästhetische, propriozeptive und vestibuläre Wahrnehmungen. (Wilken, 2006, S. 4)

Wilken stellt fest, dass neben den klassischen sensorischen Fähigkeiten auch die ge- lernte Fähigkeit Reize aus unterschiedlichen Wahrnehmungssystemen verbinden zu können notwendig ist, um zielgerichtete Handlung ausführen zu können - um Kommu- nikation stattfinden zu lassen. Die Wissenschaft bezeichnet diese erlernte Fähigkeit „sensorische Integration“. Und beschreibt die Integration und Verbindung von äußeren Reizen.

So zeigte der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick seiner Kommunikationsaxiom auf: "Man kann nicht nicht kommunizieren!" [Hervorhebung durch Autor] Nach seiner Grundlagentheorie der Kommunikation aus dem Jahre 1969 geht hervor, dass sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen (sehen, hören, etc.) können, sie miteinander kommunizieren, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Watzlawick verstand Verhalten jeglicher Art als Kommunikation.

Wie die Kommunikationsform auch ist, ob verbal oder non-verbal (die Verständigung mit und ohne Worte), immer teilen wir unseren Mitmenschen etwas mit. Auch im nonverbalen Kontext vermitteln wir unserem Gegenüber etwas und wenn es nur Desinteresse ist, welches wir durch wegschauen und schweigen bekunden. Die Informationen, welche über den nonverbalen Kanal transportiert werden, bedürfen der bereits oben genannten Decodierung und der Interpretation einer Botschaft. Dies bezeichnet die Sozialpsychologie als „nonverbale Kommunikation“.

Auch Musik kann eine Form der nonverbalen Kommunikation sein. Immer dann, wenn Sie auf rein instrumentaler Grundlage basiert. Auch in diesem Kontext werden Gefühle, Stimmungen oder Zustände bewusst oder unbewusst transportiert und interpretiert.

Dabei erfolgt natürlich die Decodierung der „Botschaft“ immer individuell. Das Feed- back hier ist der Applaus des Publikums. Doch bevor auf Musik, als ein mögliches Kommunikationsmittel, eingegangen wird, folgt zunächst die Begriffsdefinition.

2.2 Was ist Musik?

Musik ist ein elementarer Bestandteil der menschlichen Kultur und unseres alltäglichen Lebens. Das Medium Musik begegnet uns ständig und fortwährend. Sie dient dem Ausdruck unserer Gefühle und Bewegung, wirkt kann beruhigend wirken und Freude schaffen.

Die Suche nach den Ursprüngen der Musik gestaltet sich schwierig. So kann nicht ein- deutig gesagt werden, wann erste musikalische Ausdrücke in der Entwicklung der Menschheit auftauchten. Allerdings geht die Musikwissenschaft davon aus, dass Musik so alt wie die Menschheit selbst ist. Musik existiert in einer Vielzahl von Kulturen. Char- les Darwin zufolge entstand Musik als Nachahmung von Tierlauten. Jean-Jacques Rousseau führt den Gesang auf Ruflaute mit gehobener Stimme zurück. (Reti, 2009, S. 2) Die Ausdruckstheorie Herbert Spencers leitet die Musik aus emotionalen Lautäußerungen des Menschen ab. (Wörner, 2009, S 4.)

Alle wichtigen Rituale sind meist vom Gesang der Menschen begleitet und im schama- nischen Sinne werden den gesungenen Weisen magische bzw. Trance fördernde Ei- genschaften zugeschrieben. Diese Lieder oder Melodiefolgen haben meist eine lange Tradition und werden mündlich von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Die Bedeutung des Gesangs zieht sich durch alle Jahrhunderte und kulturellen Gebiete. Er umfasst den spirituellen Bereich ebenso, wie den weltlichen. So werden zum Beispiel in Indien schon seit Jahrtausenden Gebete und Meditationen durch das Singen von Mantren, sich immer wiederholenden Wort- und Klangfolgen, begleitet. (Onlinequelle 3)

Musik heute

Musizieren und Musikhören wird von der Mehrzahl der Deutschen immer noch als die wichtigste Freizeitbeschäftigung angesehen. (Altenmüller, 2005, S. 159) Besonders Kinder und Jugendliche nutzen das Medium Musik unter Anderem für den Austausch mit gleichgesinnten und die Pflege musikalischer Interessen in der Gruppe. Somit kann bereits in diesem Kontext festgestellt werden, dass das Medium Musik eine Basis für den Austausch von Informationen, zum Beispiel gemeinsamer Interessen und Musik- geschmäcker, schafft.

Musik dient Menschen unter Anderem dazu, Gefühle auszudrücken, diese Mitmenschen mitzuteilen. Des Weiteren kann das Medium ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Verschiedene Gruppen haben ganz eigene Lieder, welche ihnen eine individuelle Identität stiften: Fußballvereine und Fanclubs, Nationen (Nationalhymnen). Musik kann des Weiteren Trauer, Verliebtheit, Fröhlichkeit oder auch Einsamkeit ausdrücken und anderen mitteilen - mit ihnen teilen. (vgl. Onlinequelle 1)

3. Musik als Kommunikationsmittel

Musik gilt als eines der besten und vor allem weit getragenen Kommunikationsmittel. Sie schafft Räume für Begegnungen. Es ist nicht nur mit dem melodischen Aneinan- derreihen von Tönen getan, vielmehr schafft gerade die in der Musik verwendete Spra- che, ein ideales Mittel, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und eine Bot- schaft zu verbreiten.

Musik hat jeder Mensch in sich. Die menschliche Stimme zeigt das am deutlichsten. Nicht nur wenn wir ein Lied singen, sondern in unserer normalen verbalen Sprache klingen wir. (Onlinequelle 5)

Da jeder Mensch Musik erleben und zum Beispiel hörend musikalische Prozesse nachempfinden kann, gibt es nicht den „unmusikalischen Mensch“. Nur die Ausprägungsgrade von musikalischen Fähigkeiten unterscheiden sich. Auf Grundlage dieser Erkenntnis steht ein Zugang zur und über Musik praktische jedem Klientenkreis offen. (vgl. Hartogh, 2004, S. 45) Es steht dabei nicht die Perfektion auf einem Instrument oder dem wissenschaftlichen musikalischen Wissen stehen im Vordergrund sondern vielmehr die individuelle Bedürfnisse, Vorstellungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit Musik. (vgl. Hartogh, 2004, S. 46)

Zu dem Einsatz von Musik in der sozialen Arbeit wurden, seit den wissenschaftlichen Anfängen, unter Anderem die folgende These als Grundlage aufgeführt.

Musik wird nicht als ästhetischer Gegenstand betrachtet, sondern als personales und interpersonales Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. [Hervorhebung durch Autor] (vgl. Hartogh, 2004, S. 48-49)

Daraus lässt sich schließen, dass in der sozialen Arbeit nicht die Musik allein, sondern das musikalische Handeln von Interesse ist. Diese Sichtweise ermöglicht es das Musi- zieren in die Methoden der Sozialarbeit einzubringen und sie so um effektive Erfahrun- gen zu bereichern.

So können unter Anderem folgende Argumente für Musik als Kommunikationsmittel genannt werden: (vgl. Hartogh, 2004, S. 50) Dies sind zugleich soziale und individuelle Wirkungen, welche das Medium Musik leisten kann.

- Musizieren ermöglicht Sinneserfahrungen

Diese wiederum benötigt der Mensch um Kommunizieren zu können. Dabei stehen das Empfinden, das Einfühlen sowie das Gehörte im Vordergrund.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Musik als Kommunikationsmittel in der sozialen Arbeit
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
1,6
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V193670
ISBN (eBook)
9783656186953
ISBN (Buch)
9783656187523
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialpädagogik, Kommunikation, Musik, Kommunikationsmittel, Sprache, soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Sebastian Reichenbach (Autor), 2011, Musik als Kommunikationsmittel in der sozialen Arbeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193670

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