Judy Garland - Der unglückliche Hollywood-Star


Fachbuch, 2012
43 Seiten

Leseprobe

Ernst Probst

Judy Garland

Der unglückliche Hollywood-Star

Zu den erfolgreichsten, aber auch unglücklichsten Hollywoodstars gehörte die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Judy Garland (1922–1969), eigentlich Frances Ethel Gumm. Einerseits spielte sie sich dank ihres großen Talents an die Spitze der amerikanischen Filmdarstellerinnen. Andererseits trübten Pillenabhängigkeit, fünf gescheiterte Ehen, Selbstmordversuche, Gerichtsprozesse und Nervenzusammenbrüche ihre märchenhafte Karriere.

Frances Ethel Gumm kam am 10. Juni 1922 als drittes Kind von Frank Avent Gumm

(1896–1935) und Ethel Marian Gumm (1917–1977) in Grand Rapids (Minnesota) zur Welt. In einer Kurzbiografie über sie heißt es, sie sei in einem Koffer geboren worden. Sie hatte zwei ältere Schwestern namens Sue und Virginia, die 1916 bzw. 1919 geboren wurden. Ihr Vater betrieb damals ein Filmtheater in Grand Rapids. Die Familie trat bei Filmvorführungen während der Pausen in ihrem Kino mit Gesangs- und Tanznummern auf.

Frances war zwei Jahre alt, als ihre Eltern ihr Haus verkauften und nach Kalifornien zogen. Dies taten sie in der Hoffnung, in Hollywood vom Film entdeckt zu werden. In Lancaster (Kalifornien) übernahm der Vater wieder ein Filmtheater. Bereits als Dreijährige stand Frances im Filmtheater ihres Vaters auf der Bühne und schon als Fünfjährige war sie eine

Saison-Komödiantin.

Die Eltern von Frances zogen 1927 nach Los Angeles (Kalifornien). Dort besuchte Frances die Volksschule und von 1929 bis 1931 die „Lawler’s Professional School“. 1929 stand die siebenjährige Frances zusammen mit ihren zwei Schwestern Sue und Virginia erstmals vor der Filmkamera. Dabei sang sie das Lied „That’s the Good Old Sunny South“. Ihr Debüt auf der Kinoleinwand feierte sie in dem Film „The Big Revue“ (1929).

Bei Tourneen durch die USA wirkte Frances mit ihren Geschwistern als „Gumm Sisters“ in Vaudeville-Shows und später als „Garland Sisters“ mit. Star dieser Shows war die jüngste Tochter Frances. Die drei Schwestern durften 1933 auf der Weltausstellung in Chicago auftreten.

Ab 1934 trat Frances Ethel Gumm unter dem Künstlernamen Judy Garland auf. Dazu wurde sie vermutlich durch den Namen des Schauspielkritikers Robert Garland (1895–1960) inspiriert.

Bei einem Auftritt in einem schäbigen Freilichtkino von Lancester (Kalifornien) entdeckte der Talentsucher Jack Robbins (1894–1959) die Zwölfjährige. Er verschaffte ihr 1935 beim Filmstudio „Metro-Goldwyn-Mayer“ („MGM“) einen siebenjährigen Vertrag als

Kindergesangsstar. Während dieser Zeit starb der Vater an Kinderlähmung (Poliomyelitis).

Der erste Film von „MGM“, in dem man Judy Garland sah, hieß „Every Sunday“ (1936). Diesen Streifen drehte sie zusammen mit Deanna Durbin. Judy spielte ihre Rolle so selbstsicher, dass das Filmstudio auf die Option verzichtete, auch Deanna Durbin einen Vertrag anzubieten.

Eine wichtige Rolle hatte Judy Garland in dem Film „Broadway Melody of 1938“ (1937). Darin sang sie das Lied „Dear Mister Gable“. In „Love Finds Andy Hardy“ (1938) trat sie an der Seite von Mickey Rooney auf.

Während das kräftige kleine Mädchen seine ersten Rollen spielte, setzte man es auf Hungerdiät, weil der Produzent Arthur Freed eine schlanke Tänzerin aus ihm machen wollte. Wegen der Gewichtsprobleme wurde Judy als Teenager von Tabletten abhängig, als Erwachsene schluckte sie wegen Stress Pillen.

Zum Star avancierte Judy Garland durch den Film „The Wizard of Oz“ („Der Zauberer von Oz“, 1939). Dabei handelte es sich um die Verfilmung eines Kinderbuch-Klassikers von Lyman Frank Baum (1856–1919). In jenem Fantasy-Musical spielte die junge Judy das kleine Mädchen Dorothy, das sein Heil über dem Regenbogen sucht und den Zauberer finden möchte. Rührend sang sie das Lied „Over the Rainbow“, das beinahe dem Schnitt zum Opfer gefallen wäre. Bei den Dreharbeiten verbrannte sich Margaret Hamilton (1902–1985) als böse Hexe die rechte Hand und das Gesicht, als ihr Besen Feuer fing. Ursprünglich hätte Shirley Temple die Rolle der Dorothy in „The Wizard of Oz“ übernehmen sollen. Doch die Vertragsverhandlungen mit deren Filmstudio „20th Century Fox“ scheiterten. Für ihre überzeugende schauspielerische Leistung erhielt Judy den damals noch vergebenen „Juvenile Oscar“ für jugendliche Darsteller.

„Wizard of Oz“ gilt noch heute als einer der bekanntesten Filme in den USA. Figuren und Handlung wurden Bestandteile des Allgemeinwissens in den Vereinigten Staaten. Nach diesem Riesenerfolg wirkte Judy Garland in vielen anderen Musicals von „MGM“ mit. Als herausragendes Beispiel des Stils von „MGM“ gilt der Streifen „Meet Me in St. Louis“ (1944), einem der fast 20 Filme, in denen Judy in den 1940-er Jahren zu sehen war.

Mit ihrer wohltuenden Stimme und ihrem schauspielerischen Talent begeisterte Judy Garland fortan immer mehr das Kinopublikum. Ihr besessener Arbeitseifer und ihr hektisches Privatleben schadeten jedoch in den Folgejahren zunehmend ihrer Gesundheit. Als 21-Jährige suchte sie Psychiater auf. Mit 27 erlitt sie bei den Aufnahmen zu „Annie Get Your Gun“ ihren ersten Nervenzusammenbruch, worauf ihre Rolle anderweitig besetzt wurde.

Nach einer längeren Pause spielte Judy Garland mit Gene Kelly in „Sommer Stock“ (1950) und sollte danach mit Fred Astaire (1899–1987) in „Royal Wedding“ („Königliche Hochzeit“, 1951) auftreten. Doch mitten während der Dreharbeiten blieb sie dem Studio fern, was die „MGM“ umgerechnet fünf Millionen Mark kostete. Außerdem unternahm sie wegen ihres unglücklich verlaufenden Privatlebens in katastrophaler körperlicher und seelischer Verfassung einen Selbstmordversuch.

Im Juni 1950 wurde Judy Garland vom Filmstudio „MGM“ fristlos entlassen. Später erhob sie schwere Vorwürfe gegen „MGM“ und ihre Mutter, die sie aus finanziellen Interessen rücksichtslos ausgebeutet hätten. Judy Garland verließ Hollywood und erlebte nun eine schwere Zeit. Einerseits hatte sie berühmte Freunde wie den US-Präsidenten John F. Kennedy

(1917–1963), andererseits litt sie unter chronischem Geldmangel.

Judy Garlands Manager und dritter Mann, Sidney Luft, ermunterte seine Frau nach deren Genesung in einem Sanatorium, eine eigene Revue zu starten. 1951 kehrte Judy auf die Bühne zurück, tourte mit einer Gesangsshow durch die USA und begeisterte mit Liedern aus ihren Filmhits das Publikum. Als Sängerin feierte sie noch größere Erfolge als beim Film. Insgesamt gab sie mehr als 1.500 Konzerte und galt jahrelang als bestbezahlte Bühnenkünstlerin der Welt. Ihr Doppelalbum „Judy at Carnegie Hall“ (1961) erreichte den ersten Platz in den Popcharts der USA und erhielt fünf „Grammy Awards“.

Nach vier Jahren feierte Judy Garland neben James Mason (1909–1984) mit ihrer Hauptrolle in dem Film „A Star is born“ („Ein neuer Stern am Himmel“, 1954) ein glänzendes Comeback auf der Kinoleinwand. In diesem Streifen spielte sie die Rolle ihres Lebens mit autobiografischen Zügen und sprengte das Klischee, in das man sie sonst gepresst hatte. Für ihre Rolle als Vicky Lester in jenem Film erhielt sie den „Golden Globe“ als beste Komödien- bzw. Musicaldarstellerin. Zudem nominierte man sie für den „Oscar“ als beste Hauptdarstellerin, der aber später an Grace Kelly (1929–1982) ging, was Judy sehr enttäuschte.

Erste große Erfolge auf dem Fernsehbildschirm hatte Judy Garland bei „CBS“ in „Ford Star Jubilee: The Judy Garland Special“ (1955) und „General Electric Theatre. The Judy Garland Musical Special“ (1956). Ihr Special „The Judy Garland Show“ (1962) bei „CBS“ mit Dean Martin (1917–1995) und Frank Sinatra (1915–1998) erhielt vier „Emmy“-Nominierungen. 1963/1964 produzierte „CBS“ die wöchentliche „Judy Garland Show“ mit 26 Folgen, die ihr drei weitere „Emmy“-Nominierungen bescherte. Unter den vielen Stargästen war auch ihre Tochter Liza Minelli

Für ihre Filmnebenrolle in dem preisgekrönten Drama „Judgement at Nuremberg“ („Das Urteil von Nürnberg“, 1961) wurde Judy Garland als beste Nebendarstellerin für den „Oscar“ und den „Golden Globe“ nominiert. 1963 sah man sie in „A Child Is Waiting“ („Ein Kind wartet“) und „I Could Go On Singing“

[...]

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Details

Titel
Judy Garland - Der unglückliche Hollywood-Star
Autor
Jahr
2012
Seiten
43
Katalognummer
V193687
ISBN (eBook)
9783656188766
ISBN (Buch)
9783656189350
Dateigröße
2333 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Judy Garland, Film, Filmschauspielerinnen, Schauspielerinnen, Frauenbiografien, Biografien, Kurzbiografien, Filmstars
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Judy Garland - Der unglückliche Hollywood-Star, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193687

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