Exegese der Sturmstillungsgeschichte, Matthäus 8, 18-27


Seminararbeit, 2002
17 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhalt

0. Exposition

1. Die Übersetzung des Matthäustextes 8, 18-27
1.1 Zur Struktur des Textes

2. Analyse

3. Auslegung

4. Zusammenfassung
4.1 Bedeutung für die Matthäusgemeinde
4.2 Fazit

5. Literaturverzeichnis

0. Exposition

Die vorliegende Arbeit behandelt die Sturmstillungsgeschichte nach Matthäus 8,18-27. Ich werde eine klassische Exegese durchführen und mich speziell mit der Bedeutung des Textes für die Matthäusgemeinde und in diesem Zusammenhang mit den Themen „Kleinglaube“ und „Nachfolge“ auseinandersetzen.

Obwohl einige Kommentare (z.B. Gnilka, Sand) die Bibelstelle in zwei Abschnitte aufteilen, nämlich prinzipiell in „Nachfolge“ (18-22) und „Seesturm“ (23-27), habe ich mich dafür entschieden, sie als ein Ganzes zu sehen und zu analysieren. Dementsprechend werde ich in dieser Seminararbeit damit argumentieren, dass die Seesturmsequenz in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nachfolge steht. Der Text birgt in seiner Komplexität meiner Meinung nach eine Vielfalt von Anhaltspunkten, die für beide Themen genügend Material liefert.

Nachdem ich zunächst eine Übersetzung des Textes aus dem Evangelisch-Katholischen Kommentar (s. Bibliographie im 5. Kapitel) vorstelle und daran die Struktur erläutere, werde ich danach folgend zur Analyse übergehen. Darauf aufbauend habe ich im 3. Kapitel eine detaillierte Erklärung des behandelten Matthäustextes verfasst. Im 4. Kapitel werde ich zusammenfassend die Bedeutung des Textes für die Matthäusgemeinde herauskristallisieren.

1. Der übersetzte Text (Matthäus 8, 18-27)

18 Als aber Jesus eine Volksmenge um sich sah, befahl er, ans[1]

andere Ufer zu fahren.

19 Da trat einer herzu, ein Schriftgelehrter, und sagte ihm:

„Meister, ich will dir überallhin nachfolgen, wo du hingehst“.

20 Und Jesus sagt ihm: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vö-

gel des Himmels haben Nester, aber der Menschensohn hat

nicht, wo er sein Haupt hinlege“.

21 Ein anderer aber, von den Jüngern, sagte ihm: „Herr, erlaube

mir, zuerst wegzugehen und meinen Vater zu begraben“.

22 Jesus aber sagt ihm: „Folge mir nach und laß die Toten ihre

Toten begraben!“

23 Und als er ins Boot einstieg, folgten ihm seine Jünger nach.

24 Und siehe, ein großes Beben geschah auf dem See, so daß das

Boot von den Wellen zugedeckt wurde; er aber schlief.

25 Da traten sie herzu, weckten ihn und sagten: „Herr, rette! Wir

gehen unter!“

26 Und er sagt ihnen: „Wie ängstlich seid ihr, Kleingläubige!“ Da

stand er auf und fuhr die Winde und den See an. Und es ent-

stand eine große Windstille.

27 Die Leute aber erstaunten und sagten: „Was ist das für einer,

daß ihm die Winde und der See gehorchen?“

1.1 Zur Struktur des Textes

Der Text ist durch die Worte [aperchomai] (=gehe hinweg) in Vers 18 und 21, [arcolonteo] (=folge nach) in Vers 19 und 22, und durch [matetes] (=Schüler, Jünger) in Vers 21 und 23 bestimmt (Lutz, EKK, 21). Vers 18 leitet die Geschichte der Sturmstillung ein. Jesus fordert hier zur Überfahrt auf, welche in Vers 23 begonnen wird und schließlich in Vers 28 endet. Der Zusammenhang zwischen Aufforderung und Ausführung wird durch die Verse 19-22 unterbrochen (Lutz, EKK, 21). Es ist auffällig, dass beide Hauptteile, nämlich Vers 18-22 und 23-27 fast gleich lang sind. Im Mittelpunkt steht die Angst der Jünger in Vers 25b und die Reaktion Jesu in Vers 26a, mit der die Wende eingeleitet wird. Die vorkommenden Worte „Schlafen“ (Vers 24b) und „Aufstehen“ (Vers 26) sowie das „große Beben“ (Vers 24a) und die „große Windstille“ (Vers 26b) sind antithetisch (Lutz, EKK, 21). Die erstaunten Leute am Ende der Perikope (Vers 27) stellen einen Gegensatz zu den Jüngern dar, die in Vers 23 Jesus ins Boot gefolgt sind. Durch die Erwähnung der [antropoi] wird deutlich, dass Jesus von den Leuten weggefahren ist und nur die Jünger bei ihm sind.

2. Analyse

Mit den Nachfolgeapophthegmata (Mt 8,19-22) unterbricht Mt seine Berichte über die Machttaten Jesu (Gnilka, Herder, 309). Die Einführung mit Vers 18 hat ihre Parallele in Mk 4,35 f, da Markus dort die Sturmstillung einleitet, die bei Mt ab 8, 23ff anfängt. Damit stellt Mt die Sturmstillung unter den Nachfolgegedanken (Gnilka, Herder, 310). Auf diese These werde ich im folgenden Kapitel (3. Auslegung) näher eingehen.

Die Wundergeschichte der Sturmstillung bei Markus 4, 35-41 dient sozusagen als Rahmen für die Nachfolgeworte (Lutz, EKK, 21). Im Vergleich mit der Geschichte der Sturmstillung bei Mk, welche ich als eine klassische Wundergeschichte bezeichnen möchte, taucht also bei Mt eine Einfügung auf (8, 19-22). In dieser kommen zwei Szenen vor, in denen Jesus mit nachfolgewilligen Menschen redet. Mt stellt nun diese Situation als einziger Evangelist in Zusammenhang mit der Sturmstillung. Die Einfügung unterbricht sozusagen die Markusversion bei Mt. Nachdem der Vers Mt 8, 18 noch Mk 4, 35 entspricht, folgen im Anschluss anstelle des Seefahrtbeginns die Nachfolgeworte (Mt 8, 19ff). Diese sind eng mit der Erzählung verbunden, denn sie stehen zwischen dem Einführungsvers (Mt 8, 18) und dem eigentlichen Beginn der Perikope (Mt 8, 23-27) (Held, 190).

Die Einfügung ist an die Umgebung regelrecht durch eine Stichwortverbindung angepasst worden: Jesus befiehlt, ans andere Ufer zu fahren (Vers 18), daraufhin sagt ein Schriftgelehrter zu ihm, dass er ihm nachfolge, wohin er auch gehe (Vers 19); in Vers 21 sagt ihm ein Jünger, Jesus möge ihm erlauben „zuerst“ seinen Vater zu begraben. Darauf antwortet Jesus (Vers 22):„Folge mir nach...“ Und in Vers 23 schließlich, als er ins Boot einsteigt, „folgten ihm seine Jünger nach.“

Der Einschub beginnt damit, dass ein Schriftgelehrter sich dazu bekennt, Jesus, den er mit Meister anredet, nachfolgen zu wollen (Vers 19). Die Anrede „Meister“ bzw. der Vokativ [Rabbi] war durchaus üblich, spricht aber auch dafür, dass dieser Mann nicht zu den Jüngern gehört. Jesus antwortet im - stilistisch bedeutsamen - historischen Präsens mit einem Vergleich (Vers 20), was Nachfolge bedeutet.

[...]


[1] Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, Band I/2, Ulrich Lutz: Das Evangelium nach Matthäus, Benziger/Neukirchener Verlag, 1990

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Exegese der Sturmstillungsgeschichte, Matthäus 8, 18-27
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Theologie)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in das Neue Testament und seine Sprache II
Note
2+
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V1937
ISBN (eBook)
9783638111959
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit behandelt die Sturmstillungsgeschichte nach Matthäus 8,18-27. Ich werde eine klassische Exegese durchführen und mich speziell mit der Bedeutung des Textes für die Matthäusgemeinde und in diesem Zusammenhang mit den Themen 'Kleinglaube' und 'Nachfolge' auseinandersetzen. 240 KB
Schlagworte
Exegese, Kleinglauben, Nachfolge, Jünger, Jesus, Sturmstillung, Christus, Gemeinde, Seesturm
Arbeit zitieren
H.-A. Theilen (Autor), 2002, Exegese der Sturmstillungsgeschichte, Matthäus 8, 18-27, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1937

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