Die Arbeit behandelt die Mythologie in der Zeit der Großen Griechischen Kolonisation im Achten bis zum Sechsten Jahrhundert vor Christus. Bei den Kolonisationsbemühungen der Oikisten wurde das delphische Orakel zum Mittelpunkt jeder Reise, denn nur durch die Befragung des Orakels wurde das Unternehmen als gottgewollt anerkannt und stand somit unter einem guten Stern. Im Falle der Nichtbefragung wurde es zugleich zum Scheitern verurteilt. Doch wie entstand die Griechische Mythologie eigentlich und welche Bedeutung hatte das delphische Orakel genau? Diese Fragen werden in der vorliegenden Arbeit geklärt und an den Beispielstädten Syrakus und Kyrene näher aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mythologie in der Zeit der Kolonisation in Bezug auf das delphische Orakel
2.1 Entstehung und Verwendung der griechischen Mythologie
2.2 Das delphische Orakel und dessen Bedeutung in der Kolonisationszeit
2.3 Die Gründung Kyrenes bei Pindar und Herodot
2.4 Der Mythos bei der Gründung von Syrakus
3. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und Funktion der griechischen Mythologie sowie des delphischen Orakels während der Epoche der „Großen griechischen Kolonisation“ (ca. 8. Jh. bis 500 v. Chr.). Im Fokus steht die Frage, inwieweit Gründungsmythen als Instrument zur Legitimation von Städteneugründungen dienten und wie antike Autoren diese Prozesse literarisch verarbeiteten.
- Mythologische Grundlagen und Abgrenzung zur Religion
- Die Funktion des delphischen Orakels als Instanz bei Kolonisationszügen
- Vergleichende Analyse der Gründungssagen von Kyrene bei Pindar und Herodot
- Mythologische Deutung der Gründung von Syrakus
- Umgang mit literarischer Überlieferung und historischen Fakten
Auszug aus dem Buch
2.2 Das delphische Orakel und dessen Bedeutung in der Kolonisationszeit
Das delphische Orakel war in der Zeit des alten Griechenlands die bedeutendste Orakelstätte der Antike und dem Gott Apollon geweiht. Zusätzlich war dieser Ort der Ausgangspunkt vom Großteil der Mythen. Es war zudem der Startpunkt eines jeden Oikisten, der eine Koloniegründung anstrebte. Der Oikist sollte nicht nur mit dem göttlichen Segen sanktioniert werden, der es ihm gestattete, in der neuen Siedlung für die Menschen und Götter neue Heiligtümer und Tempel zu errichten. Es spielte auch die Aneignung fremden Territoriums eine Rolle, welche gerechtfertigt war, wenn den Griechen bei dieser Okkupation der Segen durch die Götter zugesprochen wurde.
Apollon hatte zahlreiche Funktionen. Er war Gott der Heilkunst und Beschützer der Künste und Musik, aber auch Gott der Sühne und der Herden, um nur einige von vielen anzufügen. Für die verschiedenen Funktionen besaß er unterschiedliche Beinamen, so zum Beispiel wurde er nach dem Tod Pythons, Apollon Pythios genannt, als er an dessen seherische Fähigkeiten gelang. Ihm zu Ehren wurden die Pythischen Spiele gefeiert.
Die folgende Geschichte des delphischen Orakels soll uns zeigen, warum gerade dieses Orakel den Mittelpunkt der Griechen ausmachte und ihn mythenhaft machte. Es wurde oft vom „Omphalos“ (Nabel) von Delphi gesprochen, welcher als Symbol für den Mittelpunkt der Welt gelten sollte. Nach der Legende begegneten sich zwei Adler (andere Versionen sprechen auch von Schwänen), die Zeus an den beiden Enden der Welt losgelassen hatte, die sich anschließend auf dem Omphalos trafen. Kolonien wollten sich mit dem Mittelpunkt der Welt in Verbindung sehen, die meisten von ihnen lagen an der Peripherie der damals bekannten Welt und wollten somit nicht den Kontakt zum Zentrum ihrer Kultur verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der griechischen Mythologie und grenzt den zeitlichen Rahmen der „Großen griechischen Kolonisation“ ein, während sie die Bedeutung von Kyrene und Syrakus für die Untersuchung hervorhebt.
2. Mythologie in der Zeit der Kolonisation in Bezug auf das delphische Orakel: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Mythologie und untersucht die zentrale politische und religiöse Rolle des delphischen Orakels als Legitimationsinstanz für die Gründung neuer Poleis.
2.1 Entstehung und Verwendung der griechischen Mythologie: Hier wird der Prozess der Mythenbildung als Konglomerat aus einheimischen und importierten Elementen beschrieben und deren Funktion als Verhaltenssteuerung und Unterhaltung analysiert.
2.2 Das delphische Orakel und dessen Bedeutung in der Kolonisationszeit: Das Kapitel beleuchtet Apollons Rolle als Schutzgott und die Bedeutung Delphis als „Nabel der Welt“ sowie die praktische Durchführung der Orakelbefragungen durch Oikisten.
2.3 Die Gründung Kyrenes bei Pindar und Herodot: Dieser Abschnitt vergleicht die literarischen Darstellungen der Stadtgründung Kyrenes durch die antiken Autoren Pindar und Herodot und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Mythenüberlieferung heraus.
2.4 Der Mythos bei der Gründung von Syrakus: Der Fokus liegt hier auf der Gründung von Syrakus durch Archias und der mythologischen Verknüpfung der geografischen Gegebenheiten mit den Figuren Alpheios und Arethusa.
3. Schlussteil: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die historische Problematik der Quellenlage sowie die fortdauernde Debatte um die Glaubwürdigkeit von Orakellegenden.
Schlüsselwörter
Griechische Mythologie, Kolonisation, Delphisches Orakel, Kyrene, Syrakus, Apollon, Oikist, Gründungssage, Antike, Herodot, Pindar, Thera, Poleis, Religion, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der griechischen Mythologie während der archaischen Kolonisationsbewegung und untersucht deren Einfluss auf die Gründung neuer griechischer Städte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rolle des delphischen Orakels, die Bedeutung von Gründungsmythen und der Vergleich literarischer Zeugnisse zur Kolonisation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verknüpfung von mythologischer Legitimation und historischer Stadtgründung am Beispiel der Poleis Kyrene und Syrakus aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse antiker Primärquellen sowie die Auswertung relevanter archäologischer und historischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Mythen, die Funktion des delphischen Orakels als Startpunkt für Kolonisten und die spezifischen Gründungsmythen von Kyrene und Syrakus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Griechische Mythologie, Kolonisation, delphisches Orakel, Oikist sowie die Namen der untersuchten Städte Kyrene und Syrakus.
Warum spielt das delphische Orakel bei Koloniegründungen eine solch tragende Rolle?
Es diente als göttliche Sanktionsinstanz, die einem riskanten Gründungsvorhaben moralische und religiöse Legitimität verlieh und oft als Ratgeber für die Standortwahl fungierte.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Gründung Kyrenes bei Pindar von der bei Herodot?
Während Pindar sich stärker auf das Orakel als Ausgangspunkt konzentriert, bietet Herodot eine ausführlichere, teils widersprüchliche Darstellung mit verschiedenen Überlieferungstraditionen aus Thera und Kyrene.
Welche Bedeutung haben die Figuren Alpheios und Arethusa für die Gründung von Syrakus?
Sie dienen als mythologische Brücke, die Syrakus durch die Wasserwege der Arethusa und des Alpheios symbolisch mit dem griechischen Mutterland (Olympia) verbinden.
- Arbeit zitieren
- Tobias Noack (Autor:in), 2011, Griechische Mythologie im Zeitalter der Kolonisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193723