Die Triere im militärisch-politischen Kontext des fünften Jahrhunderts


Examensarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,8
Hans Kramer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Voraussetzung
2.1 Historische Zusammenhänge des 5. Jahrhunderts
2.2 Entwicklung zum Schiffstyp Triere
2.3 AntikeQuellen zur Triere

3. Politische Aspekte der Triere
3.1 Schifffahrtals Machtinstrumentder Antike
3.2 Die Institution der Trierarchie
3.3 Das Flottenbauprogramm und der Attisch-Delische Seebund
3.4 Werften und Schiffshäuser
3.5 Bau einer Triere

4. Militärische Aspekte der Triere
4.1 Besatzung einer Triere
4.2 Einsatzgebiete der Trieren
4.3 Die Seetaktik im fünften Jahrhundert
4.4 Seeschlachten im antiken Griechenland
4.5 Die Triere in der Seeschlacht von Salamis

5. Resümee

6. QuellenundNachweise
6.1 Literatur
6.2 Quellen
6.3 Online

7. Anhangsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Die vorliegende Examensarbeit soll sich mit der Triere, einem der wichtigsten bzw. dem bedeutendsten Kriegsschiff der griechischen Antike, beschäftigen. Konkret soll sie im zeitlichen Rahmen des fünften Jahrhunderts vor Christus eingeordnet und weiter politisch sowie militärisch betrachtet werden. Dies erfolgt in einer Auseinandersetzung mit den aufgenommenen Themen und Fragestellungen der Examensarbeit.

Nachdem ich während eines Athenbesuches das Schifffahrtsmuseum in Piräus[1] besuchte, erwachte in mir erneut das Interesse für das Kriegsschiff Triere. In diesem Museum ist der Nachbau die ,,Trireme Olympias “ ausgestellt. Dieser Nachbau wurde von J. S. Morrison[2] betreut, gebaut und wissenschaftlich begleitet. Einige Jahre zuvor hörte ich in einem Seminar von dem Konzept der Trierarchie und dem Einsatz der Schiffe bei der Schlacht bei Salamis. Damals empfand ich das Thema der Triere als sehr spannend und gehaltreich. Deswegen habe ich mich neben meinem großen Interesse für die Antike zu der Kombination mit der Triere als Examensthema entschieden.

In der folgenden Arbeit soll die Frage stehen, ob die Triere das wichtigste Kriegsschiff der klassischen Antike ist und wo und gleichsam wie es Einsatz fand. Weiter sollen Fragen aus dem politisch-militärischen Kontext des fünften Jahrhunderts folgen. Wie zum Beispiel schaffte es eine Poleis Trieren zu bauen und auszustatten? Gerade dieser Finanzierungsaspekt stellt einen interessanten Bezug der Arbeit dar. Aber auch die genauen Einsätze, vor allem in den Perserkriegen und vor Salamis, sind Bestandteil dieser Arbeit. In dieser Ausarbeitung sollen immer wieder Fragestellungen der jeweiligen Teile der Examensarbeit das Erkenntnisinteresse abbilden. Ich versuche dementsprechend Antworten auf die gestellte Fragen zu entwickeln und diese wenn möglich an Quellen und Literatur nachzuweisen.

In wenigen Fällen war es notwendig in den Fußnoten die Internetdatenbank Wikipedia als Referenzobjekt anzugeben. Gerade die antiken Seefahrtsbegriffe ließen sich nicht in den klassischen Nachschlagewerken erschöpfend und in ausreichender Qualität einsehen. Es wurden ausschließlich Einträge der Datenbank als Verweise genutzt, die nach eingehender Recherche bekannte und valide Literatur hatten. Die Onlinequellen neben Wikipedia sind historische Datenbanken oder Internetpräsenzen von führenden Forschern zum Kontext Triere.

2. Voraussetzungen

Bevor in die grundsätzliche Analysearbeit an konkreten Fragen eingestiegen wird, werde ich einige Voraussetzungen zur gesamten Problematik der Triere abbilden. Damit soll die vertiefende Arbeit vorbereitet und gleichzeitig einige wissenswerte Inhalte kommuniziert werden.

Der einleitende Teil der Arbeit wird die entsprechenden Prämissen zur weiteren Arbeit thematisieren. Zum Beispiel wird der Beitrag dort reduziert in den historischen Kontext eingeordnet. Aber auch die existierenden antiken Quellen in Form von Überlieferungen von Thukydides, Herodot und Aristoteles werden erste Einblicke in den Gesamtkontext geben.

Außerdem stellt sich die Frage nach konkreten Wrackfunden im Mittelmeerraum und deren Verordnung durch die Wissenschaft. Welche wissenschaftlich wertvollen Quellen wurden bereits gefunden?

Generell ist die Triere ein typisches Kriegsschiff der klassischen Periode der Antike. Die Vormachtstellung des Schiffstyps sollte bis zum Ende der vorchristlichen Zeit andauern.[3] Damit war die Triere und die Technologie für mehr als 500 Jahre das vorherrschende Kriegsschiff der Antike. Beinahe alle Mittelmeeranrainer wie Athen, Syrakus, Karthago oder auch die Römer besaßen Trieren. Klar ist, dass später die Römer die Technologie übernahmen und ihre eigene Trieren in den Dienst stellten. Auch die Galeeren nutzen später die Rudertechnologien der Triere. Neben dem wichtigen Gesichtspunkt der Kriegsschifffahrt setzte man die Technologien des Schiffes später auch in der Transportschifffahrt ein.

Die Forschung beschäftigt die Triere schon seit langer Zeit. Eine erste Rekonstruktion versuchte man schon im Jahr I860 unter der Schirmherrschaft von Napoleon III.[4] Dabei handelt es sich aber um eine römische Triere. Napoleon III. war sehr interessiert an der Geschichte Roms und besonders der von Caesar. Deswegen erteilte er Auguste Jal und Dupuy de Lome[5] den Auftrag eine typische Triere des Caesar nachzubauen. Die Rekonstruktion kann nicht als gelungen gelten, zwar hatten neuerliche Funde wie das Lenormant Relief[6] Einfluss bei den beiden Verantwortlichen, jedoch reicht schon ein Blick auf das Foto (siehe Abbildung I) um zu erkennen, dass es sich eher um keine historische sondern eine zeitgenössische Rekonstruktion handelt.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungen I: Foto Napoleons Tnere 1861

Das Schiffskonzept eines Dreiruderers bewegt die Wissenschaft und Forschung demnach schon seit mehreren Jahrhunderten. Dennoch sind von diesem ersten Nachbau sehr wenige Zeugnisse oder Quellen erhalten. Lehmann stützt nicht die These Morrisons, dass es sich unbedingt um eine römische Triere handeln soll. Er lässt es offen, ob eine attische, römische oder gar phönizische Triere durch Napoleon III rekonstruiert werden sollte.[8] Grundsätzlich macht es aber Sinn, dass Napoleon III. seinen Interessen gegenüber der Antike, im besonderen Roms und Caesars nachging, und dementsprechend eine Triere Caesars rekonstruieren wollte.

2.1 Historische Zusammenhänge des fünften Jahrhunderts

Im folgenden Teil möchte ich einen kurzen Einblick in die Geschichte Griechenlands und im Besonderen der Stadt Athen im fünften Jahrhundert vor Christus geben. Dies soll im späteren Verlauf der Arbeit helfen, Zusammenhänge vor allem im politisch militärischen Kontext leichter zu verstehen. Welche Vorfälle im fünften Jahrhundert haben konkret mit den Trieren zu tun?

Das fünfte Jahrhundert vor Christus war ein ereignisreicher Abschnitt der griechischen und der athenischen Geschichte. Besonders Athen beherbergte neben den berühmten Philosophen Sokrates und Platon eine überragende Generation an Staatsmännern wie zum Beispiel Themistokles, Perikles oder Thukydides[9]. Diese Zeit wird auch als die Klassische bezeichnet. Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Persern und Athen, später dem Attisch-Delischem Seebund, prägt auf militärischer Basis das Jahrhundert. In diesen so genannten Perserkriegen versuchte das persische Reich, in Form ihrer Großkönige Dareios I.[10] und Xerxes I.[11], Griechenland zu bezwingen und damit den Persern zu unterwerfen. Gerade in diesem Zusammenhang ereigneten sich Seeschlachten und damit fanden nahezu ausschließlich Trieren Einsatz in den Kämpfen.

Darüber hinaus entstanden auch große Plastiken und Tragödien im künstlerischen und kulturellen Bereich Athens. Insgesamt kann man feststellen, dass das fünfte Jahrhundert aus den beschriebenen Gründen, die Blütezeit Athens und der griechischen Stadtstaaten war. Auch auf der politischen Ebene ereigneten sich einige moderne Ansätze. Immer mehr Bürger wurden an der Politik und Staatsverwaltung beteiligt. In diesem Zusammenhang wird von der attischen Demokratie sprechen.

Um eine chronologische Abbildung von den politisch-militärischen Ereignisse zu liefern, werde ich im Folgenden die wichtigsten Vorgänge kurz beschreiben.

Am Anfang des fünften Jahrhunderts brach in Kleinasien der ionische Aufstand der Griechen gegenüber den Persern aus. Dieser wurde aber von den Persern 494 v. Chr. erfolgreich niedergeworfen. Vor allem lag dies am geringen Interesse am Aufstand in den restlichen griechischen Poleis. Nur die Stadtstaaten Athen und Eretria sendeten unterstützende Hilfstruppen. Im Jahr 492 v. Chr. fordern die Perser die Unterwerfung aller griechischen Staaten unter ihre Herrschaft. Datis[12] rüstete in dieser Folge die Flotte der Perser, indem er die Flottenkooperation des Datis über die Ägäis gegen die Griechen schickte. Die Perser werden in diesem Zusammenhang bei Marathon von einem zahlenmäßig kleinerem Heer der Athener geschlagen. Um das Jahr 483 beschlossen die Griechen unter der Führung von Themistokles die Flotte zu verstärken. Man befürchtete in der Zukunft weitere Angriffe der Perser auf das attische Festland. 480 v. Chr. zog der persische Großkönig Xerxes mit einer beeindruckenden Armee gegen die Griechen. Die Zahlen von Homer, welcher von tausenden Schiffen und Heereszahlen von bis zu zwei Millionen Soldaten schrieb, werden in der Forschung stark angezweifelt. Fakt ist aber, dass die Griechen es mit einer militärischen Übermacht zu tun hatten. In der ersten Phase der Auseinandersetzung konnte Xerxes Siege sowohl zu Land als auch auf dem Wasser über die Hellenen feiern. Erst die Schlacht bei Salamis Ende September 480 v. Chr. brachte die persischen Bemühungen zum Stillstand und leitete sogar den Rückzug der persischen Flotte ein. Insgesamt werden die persischen Bemühungen ganz Griechenland zu unterwerfen als Perserkriege bezeichnet. Diese beinhalten sowohl die Feldzüge ausgehend von Dareios I. als auch von seinem Sohn Xerxes I.

Resultat der gewonnenen Auseinandersetzung war es, dass Athen weiter die Konfrontation mit den Persern suchte. Damit wollte es seine Stellung im Mittelmeerraum weiter festigen und wenn möglich erweitern. Außerdem war es nach ihrem Selbstverständnis auch notwendig. Dies war unter anderem einer der Gründe für die Entfernung der beiden großen hellenischen Poleis, denn Sparta wollte nach Salamis nicht weiter Krieg betreiben. 477 v. Chr. wurde dann der Attisch-Delische Seebund mit dem Kassensitz in Delos gegründet. Unter der Führung Athens wurde hier besonders der Flottenaspekt weiter ausgebaut. Der Bund sollte die Mitglieder vor Übergriffen, vor allem aus dem kleinasiatischen Raum schützen, und eine breite Kampfkraft bilden.

Dieser Bundesflotte gelang es im Jahr 465 v. Chr. am Eurymedon in einer Land- und Seeschlacht zu siegen.

Die Lage zwischen Sparta und Athen verschlechterte sich weiter, als eine von den Athenern gesendete Hilfslieferung an Sparta zurückgewiesen wurde. Kimon, ein spartafreundlicher Politiker, wurde aus Athen verbannt. Perikles[13] gewann immer mehr Macht in Athen. Dies war begründet auf seinen rhetorischen Fähigkeiten, die er vor allem vor der Volksversammlung einsetzte. Während dieser Zeit, um 462 v. Chr., wurden auch so genannte Diäten für die Bürger bei Anwesenheit in der Volksversammlung und bei Gericht vom Staat entrichtet. Zwischen 476 und 457 v. Chr. befestigte Athen seinen Seezugang, indem eine große Mauer von Piräus zur Stadt Athen errichtet wurde. In den folgenden Jahren kam es zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen Athen und den Persern. 448 v. Chr. gelang aber ein Frieden zwischen Athen und dem persischen Reich. Außerdem kam es zu einem Friedensschluss mit Sparta auf 30 Jahre im Jahr 445 v. Chr. bei gegenseitiger Anerkennung des Besitzstandes. In den Jahren 443 bis 429 v. Chr. wurde Perikles immer wieder zum Strategen[14] gewählt. In diesem Zusammenhang steht auch ein weiterer Ausbau der Akropolis. Diese wurde aus Geldern des Seebundes erweitert. Proteste der Mitglieder warf Athen gewaltsam nieder und der freiwillige Bund der verschiedenen Poleis wurde zum Herrschaftsgebiet Athens. Der peloponnesische Krieg von 431 bis 404 v. Chr. sollte das ausklingende fünfte Jahr­hundert prägen. Diese Auseinandersetzung fand zwischen dem attischen Seebund, unter Führung von Athen, und dem peloponnesischen Bund, unter der Führungsmacht Spartas, statt. Der Krieg brachte beinahe alle Poleis auf das Schlachtfeld und bedeutete damit gleichzeitig eine große Veränderung im gesamten Griechenland bzw. in der gesamten griechischen Sprachwelt. Die Zeit der Attischen Demokratie und des Attischen Seebundes war vorbei, die klassische Zeit hatte spätestens mit dem Sieg der Spartaner ein Ende.

Das Ergebnis war, dass in Athen eine Herrschaft der 30 Tyrannen im Jahr 404 v. Chr. eingesetzt wurde. Dennoch hielt diese eingesetzte Tyrannenherrschaft nicht lange und wurde durch die Demokratie abgelöst.

2.2 Entwicklung zum Schiffstyp Triere

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden wie sich die Triere aus den bereits bestehenden Schilfen der Antike entwickelt hat. Welche Ideen und Ansätze bei der Entwicklung lassen sich feststellen und welche neuen Innovationen kamen hinzu.

Der wichtigste Faktor bei der Konstruktion eines Wasserfahrzeuges, wie der Triere, ist das Klima des zu befahrenen Seegebietes. In der Antike ist dieses ausschließlich das Mittelmeer. Man trifft dort sehr heiße und weitgehend niederschlagsfreie Sommer und milde, dafür aber regenreiche Winter an. Darüber hinaus kann es gelegentlich zu Stürmen kommen. Weiterhin ist es wichtig zu verstehen, dass der Wind, als Antriebskraft von Seefahrzeugen, nur für Transport- und Frachtschiffe nutzbar ist. Das bedeutet in der Konsequenz aber nicht, dass eine Triere kein Segel hatte. Jedoch wurde dies nicht in Seeschlachten genutzt. Es war eher bei günstigen Wind als Unterstützung gedacht. Aus diesem Zusammenhang schließt sich auch das Problem des Seeganges an, welcher aber im Mittelmeer aus geographischen Gründen[15] keine große Gefährdung darstellt.

Die Schiffsbautechnik der Antike war in ihren Anfängen unvollkommen. Ein Schiff wurde als die Weiterentwicklung des Floßes erachtet, denn an dem flachen Boden wurden Seitenwände errichtet, sodass eine Art hölzerner Trog entstand.[16] Die Forschung ist sich insgesamt über die Entwicklung der griechischen Schiffstypen sehr einig und kann diese ziemlich lückenlos bis zum siebten Jahrhundert vor Christus verfolgen. Die Helden Homers bedienten sich der Seefahrt nur als Transportmittel, denn das Ansehen des Seekampfes war gering bzw. nahezu nicht vorhanden. Die damaligen Schiffe dienten ausschließlich als Transportmittel. Laut Homer soll es bereits im zweiten Jahrtausend vor Christus Seefahrt gegeben haben, welches auch zwei Wrackfunde vor der türkischen Küste und Wandmalereien beweisen.[17] Sollte es zu dieser Zeit dennoch zu einem Seekampf gekommen sein, wurde dieser grundsätzlich von Bord zu Bord geführt.

Neben der bewaffneten Besatzung ist die Manövrierfähigkeit des Schiffes ein Hauptaspekt und damit ein großer Erfolgsfaktor im antiken Seekampf. Diese Schiffseigenschaften blieben über viele Jahrhunderte die Wichtigsten. Deshalb versuchte man später auch die Schiffe mit möglichst vielen, gut gerüsteten Soldaten zu besetzen.[18] Während der frühen Zeit des Schiffsbaus zu militärischen Zwecken ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass es nur eine Reihe Ruderer aufjeder Seite des Schiffes, die so genannten Rojer[19], gegeben hat. Daraus ergibt sich auch die Bezeichnung Monere[20]. Der Gefechtswert eines Schiffes setzt sich also aus der Kampfkraft der Besatzung und der Steuerfähigkeit sowie der Geschwindigkeit des Kampfschiffes zusammen. Den Sporn[21] und das Sturmdeck[22] gab es bereits zum Anfang des Kriegsschiffbaus. Die Entwicklung und Verbesserung der Schiffe war trotz großem Streben nur sehr schwer zu realisieren. Die Marine-Techniker versuchten vor allem die Geschwindigkeit immer weiter zu erhöhen.[23] [24] [25] Dieser Faktor war schwerlich durch den Einsatz von mehr Rojern zu erreichen, denn man müsste damit auch das ganze Schiff vergrößern, welches bei schwerer See dementsprechend schwieriger zu steuern war. Homer gab die Längengrenze eines Schiffes bereits mit den so genannten Fünfzigruderern, welche auf jeder Seite 25 Rojern Platz boten, an. Dies entspricht in etwa einer Länge von 30 bis 35m. Das Flaggschiff der Römer, die Aeneas, zeigt, dass die Länge von 120 Fuß (35,5m) in der Antike nicht überschritten wurde.24 25 Die logische Konsequenz war, dass die Anzahl der Rojer erhöht wurde, ohne gleichzeitig die Ausmaße des Schiffes zu vergrößern. Die Lösung bestand darin mehrere Reihen von Rojern auf dem Schiff zu installieren. Auf diese Weise entstanden die beiden typischen Kriegsschiffsklassen der Antike, die Diere[26] (Zweireiher) und die Triere (Dreireiher).

Leider ist aus dem Altertum keine zusammenhängende Beschreibung einer antiken Triere erhalten und darüber hinaus widersprechen sich die überlieferten Fragmente der Schriftsteller oft. Dennoch versucht die Wissenschaft die weitläufigen Spuren zusammenzutragen, einzuordnen und zu erhalten, aber es entsteht nach Köster kein allgemein befriedigendes Ergebnis. Trotz der zahlreichen Verweise, besonders bei Herodot, ist es äußerst schwierig ein konkretes einer Triere zu entwickeln. Die Angaben sind auf eine zu rekonstruierende Triere bezogen. Es sollte nicht versucht werden, möglichst viele Einzelheiten antiker Schiffsdarstellungen in das Bild einer Normal- Triere einzufügen.[27] Ein passendes Zitat findet sich zu dem Sachverhalt bei Köster:

„Das ist etwa, als wenn ein Forscher nach 2000 Jahren den Typus eines Seeklippers von I860, beispielsweise die „Flying Cloud“, Capt. Creesy, rekonstruieren wollte, und zu dem Zweck alle dann noch erhaltenen Abbildungen von Segelschiffen, angefangen mit der „Mora“, dem Flaggschiff Wilhelm des Eroberers auf den Teppichen von Bayeux oder den Karavellen des Columbus - von denen wir, nebenbei gesagt, heute nicht einmal mehr wissen, wie sie getakelt waren - bis zur „Potosi“, Capt. Hilgendorff, hernehmen und daraus nun ein Segelschiff zusammenstoppeln würde, auf das dann auch noch alle Äußerungen von Schriftstellern der verschiedensten Jahrhunderte zutreffen müssten.“[28]

Generell muss man sich aber auch klarmachen, dass sich das Schiff, welches als Triere bezeichnet wird, sich stetig veränderte. Das bedeutet, dass eine Triere des Themistokles ein ganz anderes Wasserfahrzeug war als ein Modell aus dem zweiten oder dritten Jahrhunderts vor Christus. Demnach resümiert Köster, dass eine erschöpfende Rekonstruktion einer antiken Triere nicht möglich ist, auf die alle Angaben der Autoren zutreffen.[29] Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Angaben zu Wasserfahrzeugen aus dem zweiten und dritten Jahrhundert vor Christus stammen. Weiter zu beachten ist, dass die Überlieferungen aus der antiken Zeit teilweise nicht vollständig sind bzw. nicht der Wahrheit entsprechen. Es ist nicht ungewöhnlich das Angaben bewusst verfälscht bzw. nicht ausreichend umfänglich der Wahrheit entsprachen. Die Technologie sollte nicht derart offen publiziert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung II: Keramikscherbe

Was zeigt uns diese Abbildung? Es ist das erste Fragment, welches eine dritte Reihe Rojer andeutet. Damit kann festgestellt werden, dass die Technologie bereits im achten Jahrhundert vor Christus zum ersten Mal bekannt war. Jedoch war diese angedeutete Reihe nicht voll besetzt, das heißt, dass sich nur die Hälfte der späteren Rojermenge in der obersten Reihe befanden.[30] Demgegenüber stehen die Aussagen von Thukydides, der die ersten Trieren und damit die technische Innovation den Korinthern zusprach.[31] Versucht man einen kritischen Blick auf den Sachverhalt, so ist eher der attischen Keramikscherbe der erste Ansatz zum Dreiruderer zuzuschreiben. Was in der Konsequenz nicht unbedingt bedeuten muss, dass auch aus dem attischen Raum die erste Triere kommt.

Nachdem die Griechen die Idee des Zweireihers umgesetzt hatten, entwickelten die Schiffsbaumechaniker diese zu einem Dreireiher, der Triere, weiter. Damit wurde versucht die Schiffsleistung, im Besonderen die Geschwindigkeit, weiter zu erhöhen.

Einen ersten Verweis für diese Bemühungen finden wir in einer Quelle. Diese ist um 735 bis 710 v. Chr. entstanden und befindet sich auf der beschriebenen attischen Keramikscherbe.

Demgegenüber stand das Problem des Platzverhältnisses innerhalb der Triere. Generell muss man feststellen, dass es nach Rost keine genauen Beschreibungen zu diesem Sachverhalt gibt.[32] Köster wie auch Lächler-Wirz sprechen von einem Trierenrätsel, welches sie trotz der minimalen Verweise der Quellen wie folgt erklären:

Die Rojer der ursprünglichen Reihe, welche wir noch von der Monere kennen, werden Thalamiten[33] genannt und befinden sich am unteren Schiffskörper.[34] Damit also am dichtesten zur Wasserlinie. Direkt über den Thalamiten befindet sich die zweite Rojerreihe, die Zygiten.[35] Diese sitzen auf dem Querholz der Bordwände bzw. dem schiffstechnisch nötigen Querbalken. Die Rojer auf der dritten und damit letzten Reihe werden Thraniten genannt. Wie der Name schon andeutet sitzen diese auf einer Art Schemel, welcher auf dem Oberdeck, und zwar an der Außenseite des schräg unter ihm sitzenden Zygiten, montiert ist. Mit Hilfe der Abbildung III können wir diese Sitzanordnung besser nachvollziehen und die Frage bzw. das Trierenrätsel teilweise entschlüsseln.[36] Während der lange andauernden sitzenden Arbeit der Rojer und darüber hinaus rhythmischen Arbeitsweise kam es vermehrt zu Schädigungen an Oberschenkel und Gesäß. Dies führte dazu, dass die Rojer sich kissenähnliche Unterlagen zum Schutz als Sitzpolsterung zum Rudern mitbrachten.[37]

Die Abbildung III zeigt eine mögliche Anordnung der Rojer nach Stenzel bzw. Rost. Dabei sitzen Thalamiten (erste bzw. unterste Reihe) direkt unter dem Thraniten (dritte bzw. oberste Reihe). Der Zygit (zweite bzw. mittlere Reihe) sitzt auf dem bereits beschriebenen Querbalken seitlich versetzt, aber dennoch zwischen den beiden anderen Rojern und auf einer senkrechten Ebene mit den beiden anderen Rojerreihen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Ill: Triere im Querschnitt-Anordnung der Rojerreihen (Umzeichnung nach Stenzei Bd.I)

In der Abbildung IV kann man einen deutlichen Unterschied erkennen. Morrison und Coates entschieden sich in Zusammenarbeit mit den Schiffsbauern in Piräus für eine veränderte Anordnung. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Rojerreihen sowohl in der Ebene als auch in der Höhe nicht genau der Interpretation von Abbildung III entsprechen. Hier wurde entschieden, dass je näher der Rojer zur Wasserlinie sitzt, er einen größeren Abstand zum Schiffsrand bekommt. Dementsprechend wurde auch die Länge der Riemen[38] angepasst.[39]

Zur Ausgangsfrage nach dem Entwicklungsursprung soll Folgendes resümieren. Die Triere ist eine direkte Weiterentwicklung der Monere (eine Rojerreihe mit jeweils 25 Männern auf einer Seite) und der darauf folgenden Diere (Zweireiher). Durch den Versuch die Schiffsgeschwindigkeit zu erhöhen und dabei gleichzeitig nicht die Manövrierfähigkeit zu verringern, setzten die Konstrukteure die dritte Rojerreihe ein. Diese technische Innovation stellt ein für mehrere Jahrhunderte genutztes Rojerkonzept dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung IV: Ruderer (Rojer) in der Triere Olympias (Nachbau von 1987)

[...]


[1] http://www.greece.org/poseidon/work/museums/hmm/ 05.12.2011

[2] http://www.triremetrust.org.uk/index.asp?page=contacts 05.12.2011 Morrison ist hier der Urheber und Initiator der Webseite und einer der umtriebigsten Forscher zur Triere.

[3] Welsh, Frank: Building the Trireme. S.26.

[4] Ebd. S.27.

[5] Auguste Jal war ein Autor von nautischen Schriften und Dupuy de Lome war ein Schiffskonstrukteur.

[6] Siehe 2.3. Antike Quellen zur Triere - Lenormant Reliefbzw. Abbildungen

[7] Morrison; Coates; Rankov: The Athenian Trireme. S.16-19.

[8] Lehmann, L.: A trireme's tragedy. International Journey of Nautical Archaeology 11. S.150.

[9] Themistokles um 525 v.Chr. bis 459 v. Chr. (Staatsmann und Feldheer Athens); Perikles 490 v. Chr. bis 429 v. Chr. (Staatsmann); Thukydides 454 v. Chr. bis 399/396 v. Chr. (Stratege Athens, Historiker)

[10] Dareios I. Von 549 v. Chr. bis 486 v. Chr. - Großkönig des persischen Achämenidenreiches (neunter König aus dieser Dynastie)

[11] Xerxes I. Von 519v. Chr. bis 465 v. Chr. Persischer Großkönig und ägyptischer Pharao (Sohn von Dareios I.)

[12] Datis war medischer Feldheer unter Dareios I.

[13] Perikles von ca. 490 v. Chr. bis 429 v. Chr. Staatsmann Athens; initiierte den Attischen Seebund.

[14] Stratege ist ein gewählter Führer, einer der zehn Phylen Athens.

[15] Das Mittelmeer ist von hohen windbrechenden Gebirgszügen umgeben. Daher kommt es nicht wie im Atlantik zu Wirbelstürmen oder Hurrikanen. Sollte der Wind anhalten, kommt es aus diesen Gründen nicht zu einer hohen Wellenbildung.

[16] Rost, G.A.:Seewesenund Seehandel in der Antike. S..37f.

[17] Ganschow, Thomas: Krieg in der Antike. S. 67.

[18] Köster August: Das Antike Seewesen. S.96.

[19] Als Rojer werden die Ruderer vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. auf den Trieren und anderen Schiffstypen bezeichnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Roier (17.10.2011)

[20] Die Monere ist durchjeweils eine Rojerbank aufjeder Schiffsseite gekennzeichnet und hatte ihren Ursprung 1200 v. Chr.. Besonders im Küstenhandel fand sie bis 750 v. Chr. Einsatz.

[21] Der Sporn auch Rammsporn oder Schiffsschnabel genannt befindet sich am Bug (Vorderseite) des Schiffes. Die Ursprünge sind auf das achte Jahrhundert v. Chr. belegt. http://de.wikipedia.org/wiki/Rammsporn (17.10.2011)

[22] Das Sturmdeck befindet sich oberhalb des eigentlichen Hauptdecks. Es sollte, den auf dem Kriegsschiff kämpfenden Soldaten ermöglichen, leicht auf das gegnerische Schiff zu springen. http://de.wikipedia.org/wiki/Sturmdeck (17.10.2011)

[23] Rost, G.A.: Seewesen und Seehandel in der Antike. S. 45f.

[24] Köster August: Das Antike Seewesen. S.97.

[25] Zum Vergleich, eine attische Triere war durchschnittlich 36m lang, eine byzantinische Dromone 30 bis 36m und selbst die Drachenschiffe der nordischen Meere waren nicht größer als 36m.

[26] Die Diere auch Bireme genannt ist ein Zweiruderer der Antike, welche es bereits 700 v.Chr. gab. http://de.wikipedia.org/wiki/Diere 04.01.2012

[27] Köster August: Das Antike Seewesen. S.98.

[28] Ebd. S.98.

[29] Baumeister, August: Denkmäler des klassischen Altertums zur Erläuterung des Lebens der Griechen und Römer in Religion, Kunst und Sitte. S.1593f.

[30] Morrison; Coates; Rankov: The Athenian Trireme. S.32-35.

[31] Thukydides (1,13)

[32] Rost, G.A.:Seewesenund Seehandel in der Antike. S 46f.

[33] http://www.kruenitz1.uni-trier,de/xxx/t/kt03420.htm (04.01.2011)

[34] Dieser Platz im Zwischendeck wurde bezeichnender Weise Höhle genannt. Daraus kann man schon die Zustände des Dienstplatzes der Ruderer ableiten.

[35] Übersetzt auch die Zweiten - befinden sich bei einer Triere in der Mitte.

[36] Lächer, P.; Wirz, H.: Die Schiffe der Völker. S.385.

[37] Rost, G.A.:Seewesenund Seehandel in der Antike. S.47.

[38] Riemen werden in der Schiffahrt die Ruder geannt. In der Regel sind sie drehbar und an der Bordwand befestigtbzw. aufgelegt. http://de.wikipedia.org/wiki/Riemen_%28Schifffahrt%29 (04.01.2012)

[39] Morrison; Coates; Rankov: The Athenian Trireme. S.212-216.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Die Triere im militärisch-politischen Kontext des fünften Jahrhunderts
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Alte Geschichte)
Note
1,8
Autor
Jahr
2012
Seiten
67
Katalognummer
V193728
ISBN (eBook)
9783656189008
ISBN (Buch)
9783656189367
Dateigröße
2041 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trireme, Seefahrt, Antike, Geschichte, Seekrieg, Triere, 5. Jahrhundert, Athen, Salamis, Perser, Schifffahrt, Schiff, Kriegsschiff, Rojer, Schlacht bei Salamis
Arbeit zitieren
Hans Kramer (Autor), 2012, Die Triere im militärisch-politischen Kontext des fünften Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193728

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