Die Zeit um 1450 gilt nicht nur Historikern sondern auch Literatur-, Sprach-, Medien-, und Kommunikationswissenschaftlern als ein revolutionärer Einschnitt in der Kommunikations- und Medientechnik. Der Mainzer Johannes Gutenberg war mit der Entwicklung der von ihm erfundenen Druckerpresse mit wiederverwendbaren, frei beweglichen Lettern so weit fortgeschritten, dass erstmals Bücher in größerer Auflage gedruckt und zu erschwinglichen Preisen verbreitet werden konnten. Spätestens seit dem Druck der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, vermutlich im Jahr 1454, war Gutenbergs Erfindung endgültig ausgereift genug, um Druckerzeugnisse verschiedenster Art (Donaten, Kalender, Ablassbriefe, Bücher) in hoher Auflage zu produzieren. Durch die Ausweitung der „pragmatischen Schriftlichkeit“ in Verwaltung und Wirtschaft, sowie die Gründungswelle deutscher Universitäten im 15. Jahrhundert – u.a. in Leipzig (1409), Rostock (1419), Trier (1473), Mainz (1476) – erhielt die neue Drucktechnik ihren ersten größeren Antrieb. Wenn sich die Überlieferung von Texten bisher größtenteils nur auf Mündlichkeit und aufwendig handgeschriebene Abschriften begrenzte, eröffnete der Buchdruck nun völlig neue Dimensionen. Doch erst durch das epochale medienhistorische Ereignis der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es zu der rapiden Expansion des Druck- und Publikations-wesens. Die neu entwickelte Druckkunst war somit ausschlaggebend dafür, dass die Reformation ihre Stoßkraft europaweit entfalten konnte – nicht umsonst war Luther einer von Gutenbergs größten Bewunderern.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabenstellung
2. Historischer Kontext und Auswirkungen des Buchdrucks
3. Entwicklung und gesellschaftliche Auswirkungen des Internets
4. Vergleich der Kommunikationsrevolutionen
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Parallelen und Unterschiede zwischen der Kommunikationsrevolution durch die Erfindung des Buchdrucks ab 1450 und der heutigen digitalen Revolution durch das Internet. Ziel ist es, die historischen Auswirkungen auf Wissensproduktion und Gesellschaft zu analysieren und kritisch mit den heutigen medientechnischen Entwicklungen zu vergleichen.
- Historische Bedeutung von Johannes Gutenbergs Druckerpresse
- Die Rolle der Reformation bei der Verbreitung von Informationen
- Entstehung der "Informationsgesellschaft" und des Internets
- Vergleich der Auswirkungen auf Wissensspeicherung und -vermittlung
- Gesellschaftliche Politisierung und Veränderung der Medienöffentlichkeit
Auszug aus dem Buch
Vergleich der Kommunikationsrevolutionen
Die erste deutliche Veränderung die durch das Internet im Kommunikationsverhalten der Gesellschaft verursacht wurde, war die schleichende Verdrängung des handgeschriebenen Briefes durch elektronische Post (E-Mail). Diese komfortablere und schnellere Form des Informationsaustausches erschütterte nicht nur zeitweise das Geschäftskonzept vieler Versandunternehmen sondern trug zu einer Beschleunigung des täglichen Lebens bei. Informationen erreichten nun den Adressaten in Sekundenschnelle und lösten somit früher Reaktionen aus. Desweiteren ermöglicht das Internet mit der - äquivalent zur Anzahl der Nutzer (in Deutschland sind es 2011 schon über 50 Millionen Menschen) - steigenden Zahl der abrufbaren Webseiten in kürzester Zeit die Einsicht in ein Überangebot an Informationen zu erlangen. Ein synonymer Effekt fand auch ab Mitte des 15. Jahrhunderts mit der Etablierung des Buchdruckes statt: visuelle Erfahrungen Einzelner, die zuvor nur im Gedächtnis gespeichert und ausschließlich mündlich verbreitet werden konnten, wurden nun aufgeschrieben und somit einer größeren Menge an Interessenten mitgeteilt. Dadurch entstand die Möglichkeit das Wissen der Menschheit für alle Zeiten zu sichern und zu überliefern was zu einer enormen Bildungssteigerung führte. Durch die Schaffung dieses neuen „Informationsmarktes“ trug die von Gutenberg ausgelöste Kommunikationsrevolution zu einem entscheidenden Modernisierungsschub bei: die Menschen traten nun aus der Enge des Mittelalters in die weiträumige Neuzeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabenstellung: Definition der Fragestellung bezüglich der Kommunikationsrevolutionen des 15. Jahrhunderts und der Gegenwart.
2. Historischer Kontext und Auswirkungen des Buchdrucks: Analyse der technischen Innovation Gutenbergs und deren Einfluss auf die Wissensgesellschaft und Reformation.
3. Entwicklung und gesellschaftliche Auswirkungen des Internets: Darstellung der Genese des Internets und seiner transformativen Kraft auf Kommunikationsverhalten und Informationszugang.
4. Vergleich der Kommunikationsrevolutionen: Gegenüberstellung der beiden Medienepochen hinsichtlich Aktualität, Informationsüberfluss und gesellschaftlicher Politisierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der grundverschiedenen Voraussetzungen bei gleichzeitiger Feststellung gemeinsamer Wandlungsprozesse im öffentlichen Denken.
6. Literatur: Auflistung der verwendeten gedruckten Werke und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Kommunikationsrevolution, Buchdruck, Internet, Medienrevolution, Johannes Gutenberg, Reformation, Wissensgesellschaft, Informationsmarkt, Medienöffentlichkeit, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Informationszeitalter, Kultur des Vergessens, Modernisierung, Massenkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einordnung der Medienrevolution durch den Buchdruck im 15. Jahrhundert im Vergleich zur modernen digitalen Kommunikationsrevolution durch das Internet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Medientechnik, Wissensvermittlung, gesellschaftliche Veränderungsprozesse durch neue Publikationsmittel und die Veränderung von Kommunikationsverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Ära ab 1450 und der heutigen Zeit herauszuarbeiten, um zu verstehen, wie technologische Neuerungen gesellschaftliche Strukturen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse und einen medienwissenschaftlichen Vergleich auf Basis vorhandener Fachliteratur und historischer Ereignisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die technische Entwicklung der Druckerpresse, die Auswirkungen der Reformation, die Entstehung des Internets sowie eine kritische Gegenüberstellung von Informationsfülle, Aktualität und Politisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kommunikationsrevolution, Buchdruck, Internet, Medienöffentlichkeit, Wissensgesellschaft und gesellschaftlicher Wandel sind die Kernbegriffe.
Inwiefern hat der Buchdruck die Gesellschaft des 15. Jahrhunderts verändert?
Er ermöglichte eine massenhafte Verbreitung von Wissen, beförderte die Reformation und legte den Grundstein für eine neue Medienöffentlichkeit, die über die mündliche Tradition hinausging.
Welche Risiken werden im Hinblick auf das Internet genannt?
Als Risiken werden die sogenannte „Kultur des Vergessens“, der Informationsüberfluss, die Verbreitung von Fehlinformationen und der Mangel an professioneller journalistischer Filterung angeführt.
- Arbeit zitieren
- Simon Thiele (Autor:in), 2012, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Medien- und Kommunikationsrevolutionen von 1450 und heute , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193770