In der modernen Politikwissenschaft wird „ökologisches politisches Denken“ als die vierte politische Strömung neben Konservatismus, Liberalismus und Sozialismus betrachtet. Da die ökologischen Probleme sich vermehren, erhebliche Gefahren für die menschliche Zivilisation darstellen und sogar im bestimmten Grad ihre Existenz bedrohen, werden sie immer öfter auf dem wissenschaftlichen und politischen Niveau betrachtet. In diesem Bezug werden im Rahmen des Ökologismus im 20. Jahrhundert mehrere Theorie und Konzeptionen entwickelt, und die Theorie der Weltrisikogesellschaft von Ulrich Beck gehört zu den bedeutsamsten von ihnen, weil er die ganze Welt als eine Gemeinschaft betrachtet, die sich in der Umwandlung befindet und somit die neuen Herausforderungen für die Politik, Wirtschaft und den sozialen Bereich bringt. Selbstverständlich kann solche gesellschaftliche Umstrukturierung auch für Deutschland aktuell sein.
In dieser Hinsicht lässt sich die folgende Fragestellung formulieren: ob sich in der deutschen Gesellschaft die gleichen Merkmale zeigen, die aus der wissenschaftlichen Sicht als typisch für die Weltrisikogesellschaft angesehen werden? Um die vorliegende Fragestellung zu beantworten, werden vor allem die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft betrachtet, die von Ulrich Beck und anderen Sozial- und Politikwissenschaftlern ausgearbeitet wurden. Aufgrund dieser theoretischen Grundlagen werden die Kernelementen und Kerninstitutionen bestimmt, die für die Weltrisikogesellschaft typisch sind, ihre allgemeinen Kriterien bilden und gleichzeitig empirisch überprüfbar sind. Danach werden die entsprechenden Kernelementen und Kerninstitutionen der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft unter den allgemeinen Kriterien der Weltrisikogesellschaft subsumiert, indem sie auch durch qualitative oder quantitative Daten bestätigt oder widerlegt werden. Außerdem wird vorher die Gesamtheit des Begriffs „gegenwärtige deutsche Gesellschaft“ definiert und die wissenschaftlich operationalisierbare Hypothese entwickelt, die vermutet, dass die gegenwärtige deutsche Gesellschaft ein Teil der Weltrisikogesellschaft ist.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. Die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft
1. Das Konzept der Weltrisikogesellschaft von Ulrich Beck
a) Die Risikogesellschaft als Grundlage für die Weltrisikogesellschaft
b) Besonderheiten des Konzeptes der Weltrisikogesellschaft
2. Alternative Verständnisse der Risikogesellschaft
3. Allgemeine Kriterien der Weltrisikogesellschaft
II. Die Entwicklungslage der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft
1. Definition von Begriffen
2. Herleitung einer wissenschaftlichen Hypothese
3. Subsumierung der Kernelemente und Kerninstitutionen der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft unter das allgemeine Konzept der Weltrisikogesellschaft
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die gegenwärtige deutsche Gesellschaft die Merkmale einer Weltrisikogesellschaft aufweist. Dabei wird analysiert, wie sich globale Risiken und gesellschaftliche Umstrukturierungen in Deutschland widerspiegeln und ob das Land als Teil dieses globalen Phänomens betrachtet werden kann.
- Theoretische Grundlagen der Weltrisikogesellschaft nach Ulrich Beck
- Alternative wissenschaftliche Perspektiven auf das Risikokonzept
- Definition und Operationalisierung der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft
- Empirische Subsumierung deutscher Kerninstitutionen unter das Risikomodell
Auszug aus dem Buch
a) Die Risikogesellschaft als Grundlage für die Weltrisikogesellschaft
Die Grundlage der von Ulrich Beck dargestellten Theorien der Risikogesellschaft und der Weltrisikogesellschaft ist der Kernbegriff von Risiko, durch das die ganze moderne Gesellschaft geprägt wird. In dem vorliegenden theoretischen Rahmenbezug wird ein Risiko als zukünftige globale Gefährdungslage verstanden, die durch das menschliche Handeln, insbesondere durch die industrielle Fortschrittsmaschinerie und die Entscheidungen technisch-ökologischer Art entsteht, für die ganze Menschheit und Natur droht, sich mit der weiteren Entwicklung von Industrie und Technik weiter verschärft und deren Konsequenzen unabsehbar werden (vgl. Beck 1986: 28-29; vgl. Beck 1989: 3; vgl. Beck 2007: 29; Krücken 1997: 31). Ein Risiko hat die folgenden Merkmale (vgl. Beck 1986: 29-31):
- es setzt oft irreversible Schädigungen frei, bleibt im Kern unsichtbar und wird nur durch das menschliche Wissen wahrgenommen;
- es produziert soziale Gefährdungslagen, die auch für seine Verursacher gelten und vor allem solche Bereiche wie Gesundheit, Legitimation, Besitz und Gewinn betreffen;
- internationale Ungleichheiten, einerseits zwischen Dritter Welt und Industriestaaten, andererseits zwischen den Industriestaaten untereinander, entstehen durch Risiken;
- ein Risiko enthält ein politisches Potential von Katastrophen, deren Abwehr und Handhabung eine Reorganisation von Macht und Zuständigkeit einschließen kann; somit kann der Ausnahmezustand zum Normalzustand werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung verortet das ökologische Denken in der Politikwissenschaft und führt in Ulrich Becks Theorie der Weltrisikogesellschaft ein, um die Fragestellung zur Einordnung der deutschen Gesellschaft zu begründen.
I. Die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft: Dieses Kapitel erläutert das Kernkonzept von Ulrich Beck, diskutiert kritische Gegenpositionen und definiert die allgemeinen Kriterien, die eine Gesellschaft zur Weltrisikogesellschaft machen.
II. Die Entwicklungslage der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft: Hier werden zentrale Begriffe definiert, eine wissenschaftliche Hypothese aufgestellt und die deutschen Institutionen auf ihre Übereinstimmung mit den zuvor entwickelten Kriterien der Weltrisikogesellschaft geprüft.
Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Deutschland als Teil der Weltrisikogesellschaft gelten kann, und betont die wachsende Bedeutung ökologischer Sachfragen für die politische Landschaft.
Schlüsselwörter
Weltrisikogesellschaft, Ulrich Beck, Risikogesellschaft, Ökologisches politisches Denken, Politische Theorie, Deutschland, Globalisierung, Gefährdungslage, Soziale Transformation, Versicherungsschutz, Nachhaltigkeit, Institutionenanalyse, Politische Sachfragen, Umweltpolitik, Gesellschaftstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob die heutige Bundesrepublik Deutschland Merkmale aufweist, die sie als Teil einer globalen Weltrisikogesellschaft im Sinne von Ulrich Beck definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Risikotheorie, ökologisches politisches Denken sowie die Analyse staatlicher und gesellschaftlicher Anpassungsprozesse an globale Gefahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine wissenschaftliche Hypothese zu belegen, wonach Deutschland durch seine sozio-ökonomischen und politischen Strukturen integraler Bestandteil der Weltrisikogesellschaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird ein theoretischer Rahmen (Beck) definiert, dessen Kriterien anschließend durch eine qualitative und quantitative Analyse deutscher Gegebenheiten überprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Risikobegriffs und die anschließende empirische Subsumierung der deutschen Gesellschaft unter diese Kriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind die Weltrisikogesellschaft, Ulrich Beck, politische Sachfragen, industrielle Risiken und die sozio-kulturelle Transformation Deutschlands.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Douglas/Wildavsky von dem von Ulrich Beck?
Während Beck die Risikogesellschaft als objektive, industrielle Gegebenheit betrachtet, legen Douglas und Wildavsky den Fokus auf die soziale Wahrnehmung und kulturelle Konstruktion von Risiken.
Welche empirischen Indikatoren dienen zur Bestätigung der Hypothese für Deutschland?
Der Autor nutzt unter anderem Daten zur Familienstruktur, zur Erwerbsquote von Frauen, zur Entwicklung des Versicherungswesens und zum politischen Umgang mit ökologischen Themen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Versicherungswesens?
Das Versicherungswesen wird als Indikator dafür gesehen, wie moderne Gesellschaften mit Unsicherheit und den ökonomischen Folgen von Gefahren umgehen.
- Arbeit zitieren
- Andrei Horlau (Autor:in), 2012, Die gegenwärtige deutsche Gesellschaft als ein Teil der Weltrisikogesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193796