In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit verschiedenen Nationskonzepten und der Adaption der Theorien auf das Baskenland. In Kapitel 2 werde ich zu-nächst die Nationalismusforschung, verschiedene Nationskonzepte sowie Nationalismustheorien anhand verschiedener Autoren und deren Kernthesen vorstel-len. Im Anschluss daran stelle ich in Kapitel 3 den besonderen historischen Kontext des Baskenlandes dar und beschäftige mich mit der Möglichkeit, ob das Baskenland für die Nationalismusforschung von besonderer Bedeutung sein könnte. Mit einem Resümee und einer Bewertung werde ich diese Arbeit abschließen.
Ich habe das Baskenland als Untersuchungsobjekt für das Phänomen des Nationalismus gewählt, da es sich dort um einen alten, aber gleichzeitig auch einen außerordent-lich aktuellen ethnopolitischen Konflikt in Europa handelt. Ich möchte unter Verwen-dung von verschiedenen Nationalismustheorien, die ich zuvorderst vorstellen werde, den ethnopolitischen Konflikt des Baskenlandes untersuchen und der Frage nachge-hen, ob und inwieweit die Basken eine eigene Nation darstellen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nationalismustheorien
2.1. Ernest Renan
2.2. Ernest Gellner
2.3. Benedict Anderson
2.4. Eric Hobsbawm
2.5. Anthony D. Smith
3. Baskenland
3.1. Genese des Baskischen
3.2. Historiographie des Baskenlandes
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Nationalismus im Kontext des Baskenlandes. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die Basken unter Anwendung verschiedener Nationalismustheorien als eigene Nation betrachtet werden können und welche historische sowie politische Bedeutung dieser ethnopolitische Konflikt besitzt.
- Grundlegende Theorien der Nationalismusforschung (Konstruktivismus vs. Ethno-Symbolismus)
- Historische Herkunft und Genese der baskischen Identität
- Entwicklung und politische Strukturen des baskischen Nationalismus
- Stellung des Baskenlandes im spanischen Staat und Autonomiebestrebungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Genese des Baskischen
„Am Fuß der Pyrenäen lebt ein Volk, das tanzt, wie Voltaire sagte, dessen Herkunft nicht geklärt ist und das gegenwärtig Schlagzeilen macht mit seinem Kampf für Autonomie“ (Merian, 1977, 3). Um das Baskenland ranken sich viele Legenden und Mythen, woher die Sprache und deren Sprecher kommen. Das Baskische ist eine vorindogermanische Sprache, die mit keiner anderen Sprache in Europa bekannt ist und zudem die älteste Sprache in Europa darstellt (vgl. Niebel, 2009, 24).
In der Maiausgabe 2005 der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ wurde von den Autoren Elisabeth Hamel und Theo Vennemann ein bemerkenswerter Artikel veröffentlicht. Dieser hat die baskische Sprache zum Gegenstand und kommt zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass baskisch die Ursprache der Europäer sein könnte, da in vielen europäischen Fluss-und Ortsnamen baskische Wörter stecken. Allerdings werden diese Erkenntnisse in der Fachwelt mit großer Skepsis aufgenommen und kritisiert, da der Autor Vennemann gar kein baskisch spricht und seine Theorie anderen Forschungsergebnissen widerspricht (vgl. Niebel, 2009, 30).
In dieser Zeitschrift wird in einem weiteren Artikel von Elisabeth Hamel und Peter Forster davon berichtet, dass nach neuesten molekulargenetischen Untersuchungen drei Viertel „unserer“ Gene von den Urbasken stammen sollen, das kann bedeuten, dass sich die Basken schon seit vielen tausend Jahren in diesem Gebiet befinden. Der Journalist Wolfgang Krischke geht in seinem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 04.11.2009 auch auf die Theorien vom Sprachwissenschaftler Theo Vennemann ein, dass die „Vaskonen-These“, also das große Teile Europas vor der Ankunft der Indogermanen von einer Bevölkerung besiedelt waren, die vaskonisch (Vorform des heutigen Baskischen) sprachen. Die These besagt weiterhin, dass die indogermanischen Einwanderer typische baskische Sprachmerkmale übernahmen, die sich heute noch in Zählweisen und Landschaftbezeichnungen nachweisen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Nationskonzepte ein und erläutert das Ziel der Arbeit, diese auf den historischen Kontext des Baskenlandes anzuwenden.
2. Nationalismustheorien: Dieses Kapitel stellt zentrale Ansätze der Nationalismusforschung vor, darunter die Theorien von Renan, Gellner, Anderson, Hobsbawm und Smith.
3. Baskenland: Es erfolgt eine Darstellung der historischen und sprachlichen Grundlagen sowie der politischen Entwicklung des Baskenlandes und dessen Identitätskrise.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die angewandten Theorien im Hinblick auf den baskischen Kontext und reflektiert die Möglichkeiten einer Anerkennung der baskischen Nation.
Schlüsselwörter
Nationalismus, Nation, Baskenland, Baskische Identität, Ethno-Symbolismus, Konstruktivismus, Autonomie, Selbstbestimmungsrecht, Sprachenpolitik, Euskadi, PNV, ETA, Spanische Verfassung, Identitätsbildung, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob das Baskenland als eine eigene Nation eingestuft werden kann, indem sie dies durch die Brille etablierter politikwissenschaftlicher Nationalismustheorien analysiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft die allgemeine Nationalismusforschung (theoretische Ebene) mit einer historischen und politischen Untersuchung des Baskenlandes (empirische Ebene).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den ethnopolitischen Konflikt im Baskenland unter Verwendung theoretischer Ansätze zu durchleuchten, um zu bewerten, ob und inwiefern die Basken eine Nation darstellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Anwendung wissenschaftlicher Nationalismustheorien auf einen spezifischen historischen Kontext basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Kernthesen bekannter Theoretiker wie Gellner und Smith vorgestellt, gefolgt von einem detaillierten Abriss der baskischen Geschichte, Sprache und dem politischen Kampf um Autonomie.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter der Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nationalismus, Konstruktivismus, Ethno-Symbolismus, Autonomie, Identität, Selbstbestimmungsrecht und der spezifische Kontext der baskischen Region.
Welche Rolle spielt der Ansatz von Anthony D. Smith für den Autor?
Der Autor präferiert Smiths „ethno-symbolism“-Ansatz gegenüber dem reinen Konstruktivismus, da er es für unrealistisch hält, Nationen lediglich als soziale Artefakte ohne tiefere historische Verwurzelung zu betrachten.
Wie bewertet der Autor die Rolle der baskischen Sprache für die Identität?
Die Sprache wird als konstituierendes und vitales Identitätsmerkmal des baskischen Nationalismus beschrieben, das trotz schwieriger Erlernbarkeit eine starke Abgrenzungsfunktion gegenüber der spanischen Mehrheitsgesellschaft einnimmt.
Warum stellt der Autor einen Vergleich zum Südtirol-Modell an?
Der Autor nutzt Südtirol als Beispiel, um zu zeigen, wie regionale Selbstverwaltung bei gleichzeitigem Wohlstand funktionieren kann, betont jedoch gleichzeitig die begrenzten Vergleichsmöglichkeiten aufgrund unterschiedlicher historischer Voraussetzungen.
- Arbeit zitieren
- Diplom Politologe Robert Offermann (Autor:in), 2010, Gibt es eine Baskische Nation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193802