Generation Single - Ein Wandel der Gesellschaft im 20./ 21. Jahrhundert


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 2,0

N. H. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phänomen Single
2.1 Wer kann als Single definiert werden?
2.2 Singles im historischen Rückblick

3. Die Singlegesellschaft?

4. Die Bedeutsamkeit eines sozialen Netzwerkes für Singles

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Familienstruktur im Mittelalter und der frühen Neuzeit war oft dadurch gekennzeichnet, dass drei bis vier Generationen zusammen lebten. Hinzu kamen meist noch Mägde und Knechte, um die zahlreichen Aufgaben zu erledigen. Im industriellen Zeitalter hatte sich die Familiengröße bereits enorm reduziert, weil eine Trennung von Arbeit und Privatleben erfolgte. Die Familie gibt es natürlich heute auch noch, jedoch rückt ein andere Lebensform immer mehr in den Vordergrund. Die Rede ist von Singles. Überall wird die Form des Alleinlebens und deren Begriff „Single“ verwendet, sei es im Fernsehen, im Internet, im Radio oder in der Literatur.

Es entsteht immer mehr der Eindruck, dass sich eine Singlegesellschaft gebildet hat, in der die Menschen ihre sogenannten Freiheiten und Unabhängigkeiten ausleben können.

Doch werfen sich zu diesem Themengebiet folgende Fragen auf: Wer ist überhaupt eine Single und wo genau sind die Ursachen hierfür zu finden? Dazu stellt sich die Frage, seit wann gibt es diese Lebensform? Wird die Familie als solche in naher Zukunft nicht mehr existieren?

In der folgenden Seminararbeit soll, anhand einer Darstellung von Singles, dem Einpersonenhaushalt und sozialen Netzwerken, die Problematik näher erläutert werden.

2. Phänomen Single

Um die These des Autors näher untersuchen, muss bildlich gesprochen, Stein auf Stein gesetzt werden. Zunächst sind grundlegende Informationen erforderlich, deshalb wird sich zuerst der Begriffsbestimmung „Single“ zugewandt sowie der Zuordnung von bestimmten Eigenschaften und Kriterien. Der Autor will dadurch eine Abgrenzung des Terminus „Single“ aufzeigen, welche Komponenten berücksichtigt werden und welche Arten des Singledaseins sich daraus ergeben. Anschließend erfolgt ein komprimierter historischer Ausblick, wie das Leben als Single in der frühen Neuzeit bis hinein in die sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts aussah und welch gesellschaftliche Akzeptanz diese „Lebensform“[1] innehatte.

In den siebziger Jahren kam der Begriff des „Singles“ aus Amerika nach Europa. Der Begriff stand für die Lebensform des Alleinlebens in Verbindung mit einer unkonventionellen Lebensweise. Vor allem junge Menschen galten als Singles, die anstatt einer Familiengründung den beruflichen Erfolg, ein ungebundenes Leben mit viel Freizeit, verschiedenen Sexualpartnern und keinerlei familiärer Verantwortung vorzogen.

Mittlerweile ist aus dem Modewort ein selbstverständlicher Begriff geworden, der im alltäglichen Sprachgebrauch benutzt wird. Es werden regelmäßig Statistiken über Singles veröffentlicht, renommierte Tageszeitungen bringen Artikel zu dem Thema heraus und die Anzahl an Literatur dazu wächst stetig. Vor allem im Internet und Fernsehbereich wird der Konsument mit dieser Lebensform sprichwörtlich geradezu überschüttet. Produkte wie Single-Essen, Single-Wohnungen oder Single-Reisen verdeutlichen die enorme Verwendung des Begriffes.[2]

2.1 Wer kann als Single definiert werden?

In der Wissenschaft wird der Begriff Single kontrovers diskutiert. Hierbei nehmen die verschiedenen Kriterien, die letztendlich einen Single ausmachen, eine entscheidende Rolle ein. Schon an der Basisform oder auch der Grundform des Singledaseins, plakativ formuliert, gibt es differenzierte Ansätze. So beschreibt Stephan Baas „Singles als Personen, die auf‚ die Führung einer exklusiven und dauerhaften Partnerschaft im gemeinsamen Haushalt verzichten‘.“[3] Anders definiert der Soziologe Stefan Hradil den Single. Er bezeichnet ihn als ein Alleinlebenden, der sukzessiv zum Synonym für den Einpersonenhaushalt geworden ist.[4]

Es wird vor allem in der Öffentlichkeit davon ausgegangen, dass Jeder weiß, was ein Single ist und auf die Übersetzung des Wortes verwiesen. In der deutschen Sprache bedeutet es allein, einzeln und wird meist mit allein-lebend gleichgesetzt. Aber reicht diese Beschreibung aus, um eine Frau oder einen Mann dieser Lebensform zuzuschreiben? Der Autor ist bereits an dieser Stellte bestrebt zu hinterfragen, ob denn ein Alleinlebender gleich ein Single sein muss. Welche Bezeichnung sollten dementsprechend Lebensgemeinschaften tragen, die sich als Paar bezeichnen, aber einen getrennten Haushalt führen? Spielt das Alter eine Rolle, oder sind wir Personen im Alter von 15, 35 und 70 Jahren gleichzustellen? Die Beantwortung der Fragen ist zu diesem Zeitpunkt nicht primäres Ziel, vordergründig soll ein Denkanstoß beim Leser entstehen.[5]

Heike Lipinski betrachtet den Begriff Single in ihrem Buch aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Sie untersucht zwei unterschiedliche Kriterien. Zum Einen das der Partnerlosigkeit, wobei Wohnsituation und Anzahl der Kinder keinen Einfluss nehmen. Zum Anderen benutzt sie das Merkmal der Altersgrenze, ergo eine Person, die in einem gewissen Alter ist, „‘in dem man normalerweise in Partnerschaft lebt‘, ohne eine solche ist.“[6] Eine genaue Altersgrenze legt sie dabei aber nicht fest.

Hradil wiederum unterscheidet den Begriff von Singles im engeren und weiteren Sinne. Beide Begriffsdefinitionen beruhen auf der Grundlage des Alleinlebens. Der weite Singlebegriff umfasst die Merkmale des Alters und der Einpersonenhaushalte, d. h. alleinlebende Männer und Frauen zwischen dem 25 und 55 Lebensjahr. Die Faktoren wie Freiwilligkeit der Lebensform, Kinder und ökonomische Selbstständigkeit sind hierbei nicht von Bedeutung. „Dieser weite Begriff des ‚Single‘ zielt […] im wesentlichen auf eine Lebensform und abstrahiert von den meisten Kennzeichen der Lebensweise.“[7] Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass es sich bei Lebensweisen um innere Einstellungen oder Verhaltensweisen nach Außen hin handelt, die im alltäglichen Leben zum Vorschein kommen.

Der Singlebegriff im engeren Sinne enthält ebenfalls die Definitionskriterien des Einpersonenhaushalts und des Alters, sowie die Merkmale der Freiwilligkeit, der Längerfristigkeit und der Partnerlosigkeit. Hiermit ist gemeint, dass eine Person freiwillig keine Beziehung eingeht und diese Partnerlosigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg auch nicht ändern will.[8]

Abschließend wird eine Typologie zum Thema von Shostak hinzugezogen, bei der die Kriterien Dauerhaftigkeit und Freiwilligkeit von besonderer Bedeutung sind. „Entlang dieser Aspekte hat er Singles in insgesamt vier Gruppen eingeteilt: die ambivalenten (zeitweilig, freiwillig), die hoffenden (zeitweilig, unfreiwillig), die überzeugten (dauerhaft, unfreiwillig) und schließlich die resignierenden (dauerhaft, unfreiwillig) Singles.“[9]

Vollständigkeitshalber darf man den Standpunkt der Öffentlichkeit nicht außer Acht lassen. Es entsteht hierbei der Eindruck, dass sich zwei Seiten mit differenzierten Ansichten zum Single gebildet haben. Hradil beschreibt dies mit „der Lebenssituation von Singles (als einsam, unglücklich, egoistisch oder aber als autonom, kontaktfreudig, leistungsfähig etc.)…“[10] und der Quintessenz für die Gesellschaft. Positive Folgen des Singledaseins können mehr Selbstverwirklichung, individuelle Unabhängigkeit und Flexibilität sein sowie die Auflösung von alten Denkmustern in Bezug auf die Familie, bei dem die Heirat ein soziales Muss darstellt. Im Gegensatz dazu stehen die negativen Folgen, diese führen zu einer Vereinsamung, egoistischem Verhalten und einer Veränderung in der Sozialpolitik.[11] Der Psychologe Hans-Werner Wahl geht sogar noch ein einen Schritt weiter, in dem er behauptet, dass der Single mitverantwortlich für „de[n] Zerfall der Familie“ ist und deshalb für den Bruch gesellschaftlich-familiärer Traditionen.[12]

[...]


[1] Anm.: „‘Mit Lebensformen‘ sind die relativ stabilen Beziehungsgefüge gemeint, die Menschen mit den Mitmenschen verbinden, mit denen sie unmittelbar zusammenleben. Lebensformen sind beispielsweise ‚normale‘ Familien, Alleinerziehende, Paare, Alleinlebende.“

Hradil, Stefan: Die „Single-Gesellschaft, München 1995, S. 5.

[2] Vgl.: Lipinski, Heike: Single – Leben zwischen Frust und Freiheit, Gütersloh 2001, S. 13 f.

[3] Baas, Stephan u.a. (Hg.):Singles im mittleren und höheren Erwachsenalter – Sozialwissenschaftliche und psychologische Befunde, Stuttgart 2008, S. 18.

[4] Vgl.: Hradil: Die „Single-Gesellschaft, S. 4.

[5] Vgl.: Lipinski: Single, S. 14 f.

[6] Ebenda, S. 15.

[7] Hradil: Die „Single-Gesellschaft, S. 7.

[8] Vgl.:Ebenda, S. 9.

[9] Baas, Stephan:Singles im mittleren und höheren Erwachsenalter, S. 18.

[10], Hradil: Die „Single-Gesellschaft S. 3.

[11] Vgl.: Ebenda, S. 3f.

[12] Baas, Stephan:Singles im mittleren und höheren Erwachsenalter, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Generation Single - Ein Wandel der Gesellschaft im 20./ 21. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V193856
ISBN (eBook)
9783656189978
ISBN (Buch)
9783656192190
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit enthält Gliederung, Einleitung, Hauptteil, Fazit und Literaturverzeichnis. Es sind insgesamt 12 Seiten.
Schlagworte
Singles, Familien, Singlegesellschaft, soziale Netzwerke
Arbeit zitieren
N. H. (Autor), 2010, Generation Single - Ein Wandel der Gesellschaft im 20./ 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193856

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