Seit sich zwei Bábí 1852 mittels eines Anschlags auf den persischen Shah für die Hinrichtung des Báb rächen wollten, befand sich Bahá'u'lláh in Gefangenschaft, bzw. in Verbannung, die bis zum Ende seines Lebens andauerte. Nachdem er den Iran 1853 verlassen
musste hielt er sich stets im Osmanischen Reich auf. Er wurde von Bagdad über Konstantinopel nach Adrianopel verbannt und erreichte schließlich Akko.[...]
Im Folgenden soll daher die Sozialgeschichte Akkos unter der osmanischen Herrschaft mit Schwerpunkten auf ihrer Blütezeit vor Bahá'u'lláhs Ankunft und während seiner Anwesenheit im Überblick dargestellt werden. Nach einer kurzen Erläuterung der Vorgeschichte Bahá'u'lláhs und der Gründe für seine Verbannung nach Akko werden sein offizieller Rechtsstatus und seine eher inoffiziellen Privilegien, sowie sein Verhältnis zu anderen
Bewohnern der Stadt anhand der genannten Primärliteratur herausgearbeitet.
Zusammenfassend soll die Entwicklung anhand eines Vergleichs seiner Stellung in der Stadt am Anfang und am Ende seiner Gefangenschaft reflektiert und offen gebliebene Fragen gestellt werden.
This paper describes the history of Akko, which was economically very important for Europe but was overshadowed by Haifa and Beirut by the time Bahá'u'lláh came there. The government of the Ottoman Empire ordered that he and his followers had to be in prison and are not allowed to interact with each other or the inhabitants of Akko. This didn't last very long since the Bahá'ís got more and more privilege. In 1877, Bahá'u'lláh could leave the city and live outside. So his social state changed a lot in the short time period of 24 years although he was formally a prisoner until the end.
Inhaltsverzeichnis
1 Überblick über die Geschichte Akkos
1.1 Akko im Osmanischen Reich (1517 bis 1920)
1.1.1 Wirtschaft und Politik
1.1.2 Bevölkerung
1.2 Akko zwischen 1865 und 1890
1.2.1 Wirtschaft und Verwaltung
1.2.2 Wahrnehmung der Stadt durch die Bahá'í
2 Person Bahá'u'lláh und Gründe für die Verbannung
3 Bahá'u'lláhs gesellschaftlicher Status in Akko
3.1 Einordnung der Quellenliteratur
3.2 Erste Periode von 1868 bis 1877
3.2.1 Rechtsstatus und Privilegien
3.2.2 Verhältnis zu Bewohnern und Besuchern von Akko
3.3 Zweite Periode von 1877 bis 1892
3.3.1 Rechtsstatus und Privilegien
3.3.2 Verhältnis zu Bewohnern und Besuchern von Akko
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Status von Bahá'u'lláh während seiner Gefangenschaft in Akko unter osmanischer Herrschaft. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen seinem formalen Status als Gefangener und seiner tatsächlichen sozialen Stellung sowie deren Entwicklung im Laufe der Zeit durch eine Analyse der verfügbaren Primärliteratur nachzuzeichnen.
- Historische Entwicklung von Akko als Handelsstadt und osmanische Provinz
- Sozio-ökonomische Bedingungen der Stadt im 19. Jahrhundert
- Analyse der osmanischen Verbannungspolitik und des Rechtsstatus von Bahá'u'lláh
- Wandel der Wahrnehmung Bahá'u'lláhs durch die Bevölkerung von Akko
- Evolution der Privilegien des Gefangenen von der Zitadelle bis zum Leben in Landhäusern
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Bevölkerung
Die Bevölkerung der Stadt Akko lebte aus Sicherheitsgründen in der Regel innerhalb der Stadtmauern mit einer „strict functional division between different parts of the city“ (Philipp 2001, 172). Im Norden befindet sich noch heute der Regierungs- bzw. Militärkomplex, dessen Herzstück die Zitadelle mit der anliegenden Moschee darstellt. Im Osten lag das Handelsareal mit vier Khans zum Lagern und Vorbereiten der Waren und dem Bazar. Die Einwohner lebten vorallem im Zentrum, Westen und Süden der Stadt (vgl. ebd., 172). Wie schon erwähnt setzte sich die Bevölkerung vorallem aus Einwanderern zusammen, sodass sich den 25.000 Bewohnern der Stadt in den frühen 1770ern kaum ein Erwachsener fand, der dort geboren war (vgl. ebd., 173). Zu dem kam, dass die Stadt um 1800 mehrmals von der Beulenpest heimgesucht wurde, woran bis zu 50 Prozent der Bevölkerung starben. Obwohl bekannt ist, dass beim letzten Ausbruch der Pest hauptsächlich Muslime starben, weil die Christen sich in Quarantäne begeben hatten, gab es vermutlich keine nennenswerte räumliche Trennung verschiedener Einwohnergruppen, zumal die Stadt zu klein war um sich aus dem Weg gehen zu können (vgl. ebd., 177). Die Bevölkerungszahlen lagen in Akko zwischen ca. 8000 Einwohnern um 1800, 10.000 um 1840 und 1860 und erneut 8.500 im Jahr 1880 (Ben-Arieh, zit. in: Schölch 1986, 40). Da in dieser Zeit die Bahá'í in die Stadt kamen, soll diese Epoche näher betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Überblick über die Geschichte Akkos: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung Akkos von der Kreuzfahrerzeit über den Aufschwung unter osmanischer Verwaltung im 18. Jahrhundert bis zur wirtschaftlichen Stagnation im 19. Jahrhundert.
2 Person Bahá'u'lláh und Gründe für die Verbannung: Hier wird der biographische Hintergrund von Bahá'u'lláh sowie der politische Kontext seiner Verbannung durch das Osmanische Reich nach der Inhaftierung infolge des Anschlags auf den persischen Schah erläutert.
3 Bahá'u'lláhs gesellschaftlicher Status in Akko: Dieser Hauptteil analysiert die Lebensbedingungen von Bahá'u'lláh in Akko anhand von Primärquellen, unterteilt in die Perioden der Haft in der Zitadelle und der späteren, vergleichsweise freieren Zeit in Landhäusern.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Transformation von Bahá'u'lláhs Status vom isolierten Gefangenen zur geachteten Persönlichkeit zusammen und identifiziert weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Bahá'u'lláh, Akko, Osmanisches Reich, Gefangenschaft, Verbannung, Sozialgeschichte, Privilegien, 19. Jahrhundert, Palästina, Primärliteratur, Interkulturelle Kommunikation, Stadtentwicklung, Rechtsstatus, Religionsgeschichte, Shoghi Effendi
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebensgeschichte und dem gesellschaftlichen Status des Religionsstifters Bahá'u'lláh während seiner Verbannung und Gefangenschaft in der osmanischen Stadt Akko im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Stadt Akko unter den Osmanen, die sozio-ökonomischen Bedingungen der Stadt sowie der rechtliche und soziale Wandel der Haftbedingungen von Bahá'u'lláh.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie sich der Status Bahá'u'lláhs von einem streng isolierten Gefangenen, der gesellschaftlich geächtet war, zu einer angesehenen Person entwickelte, obwohl sein offizieller Status als Gefangener bis zum Ende bestehen blieb.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin stützt sich primär auf eine historische Quellenanalyse, wobei sie maßgeblich auf Bahá'í-Primärliteratur und zeitgenössische geschichtswissenschaftliche Arbeiten zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quellenkritische Einleitung und eine chronologische Untersuchung der Haftzeit, wobei die rechtlichen Einschränkungen und die Interaktion mit der lokalen Bevölkerung in zwei Phasen (1868-1877 und 1877-1892) differenziert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bahá'u'lláh, Akko, Osmanische Herrschaft, Gefangenschaft, Privilegien, soziale Akzeptanz und historischer Wandel im 19. Jahrhundert.
Welche Rolle spielte der osmanische Verbannungserlass für den Alltag von Bahá'u'lláh?
Der Erlass legte formal fest, dass Bahá'u'lláh isoliert in der Zitadelle gefangen gehalten werden musste; die Arbeit zeigt jedoch, dass diese Bestimmungen im Laufe der Jahre durch lokale Gouverneure zunehmend gelockert wurden.
Inwiefern veränderte sich die Wahrnehmung Bahá'u'lláhs durch die Bewohner von Akko im Zeitverlauf?
Während er bei seiner Ankunft als "Feind der öffentlichen Ordnung" diffamiert wurde, erfuhr er durch sein Verhalten und die Vermittlung seines Sohnes 'Abdu'l-Bahá über die Jahrzehnte hinweg zunehmenden Respekt bis hin zur Verehrung durch Würdenträger der Stadt.
- Arbeit zitieren
- Hanna A. Langer (Autor:in), 2012, Bahá'u'lláh in Akko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193904