Zweiteilige Tarife werden in der ökonomischen Literatur immer wieder behandelt.
Dabei stehen Fragen der Regulierungstheorie regelmäßig im Vordergrund.
Untersucht wird vordringlich der Effekt gespaltener Tarife auf die gesamtwirtschaftliche
Wohlfahrt. Auch die prominentesten Beispiele für zweiteilige
Tarife, Telefon-, Strom- oder Gasgebühren entstammen (ehemals) regulierten
Märkten.
In dieser Arbeit wird eine andere Facette zweiteiliger Tarife beleuchtet. Es wird
untersucht, inwiefern zweiteilige Tarife als Instrument der Gewinnmaximierung
von Firmen eingesetzt werden können und unter welchen Bedingungen
zweiteilige Tarife in wettbewerblich organisierten Märkten Bestand haben. Dabei
wird das Beispiel eines jungen wachsenden Marktes betrachtet: Organisiertes
Autoteilen (Car-Sharing).
Der Aufbau der Arbeit ist dabei wie folgt: Eingangs wird die ökonomische Logik
der Preisdiskriminierung dargestellt. In Kapitel 3 schließt sich eine ausführliche
Betrachtung von zweiteiligen Tarifen als einer der Ausprägungsformen von
Preisdiskriminierung an. Im Fokus sind dabei zweiteilige Tarife in verschiedenen
wettbewerblichen Marktformen. Die Verbreitung von gespaltenen Tarifen und
anderen Arten der Preisdiskriminierung ist Gegenstand von Kapitel 4. Besonderes
Gewicht liegt dabei auf dem Dienstleistungssektor. Schließlich wird am Beispiel
des Marktes für Car-Sharing gezeigt, dass sich die theoretischen Ergebnisse in der
Praxis wiederfinden. Bevor mit der Analyse zweiteiliger Tarife in verschiedenen Marktformen
begonnen wird, werden diese in den Kontext der Preisdifferenzierung eingebettet.
Dazu werden nach deren klassischer Einteilung die Ziele und Voraussetzungen der Preisdifferenzierung erläutert. Abschließend werden ihre Implementierungsformen,
darunter zweiteilige Tarife, vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zweiteilige Tarife als Form der Preisdiskriminierung
2.1 Preisdifferenzierung nach Pigou
2.2 Ziele der Preisdifferenzierung
2.3 Voraussetzungen von Preisdifferenzierung
2.4 Instrumente der Preisdifferenzierung
3. Zweiteilige Tarife in verschiedenen Marktformen
3.1 Zweiteilige Tarife im Monopol
3.2 Zweiteilige Tarife bei vollständiger Konkurrenz
3.3 Zweiteilige Tarife bei monopolistischer Konkurrenz
3.4 Zweiteilige Tarife im Oligopol
3.4.1 Oligopolistischer Preiswettbewerb
3.4.1.1 Homogene Nachfrage
3.4.1.2 Heterogene Nachfrage
3.4.2 Oligopolistischer Mengenwettbewerb
3.4.2.1 Homogene Nachfrage
3.4.2.2 Heterogene Nachfrage
4. Zweiteilige Tarife und andere Formen der Preis differenzierung in der Praxis
4.1 Verbreitung von Preisdifferenzierung in verschiedenen Wirtschaftssektoren
4.2 Gründe für den hohen Grad der Preisdifferenzierung bei Dienstleistungen
4.3 Der Markt für Car-Sharing
4.3.1 Definition und Systemerklärung
4.3.2 Abgrenzung von verwandten Erscheinungen
4.3.3 Car-Sharing im Wandel
4.3.3.1 Anbieterstruktur
4.3.3.2 Kooperationen
4.3.3.3 Produktdifferenzierung
4.3.3.4 Nachfragestruktur
4.3.4 Car-Sharing als Mobilitätsdienstleistung
4.3.5 Tarifstruktur im Car-Sharing
4.3.5.1 Preismuster
4.3.5.2 Die Situation in Frankfurt/Main
5. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung zweiteiliger Tarife als Instrument der Gewinnmaximierung in wettbewerblichen Märkten. Dabei wird insbesondere analysiert, unter welchen theoretischen Bedingungen diese Preismodelle bestehen können und wie sie sich in der Praxis, explizit am Beispiel des wachsenden Car-Sharing-Marktes, manifestieren.
- Ökonomische Logik der Preisdiskriminierung
- Analyse zweiteiliger Tarife unter verschiedenen Marktformen (Monopol bis Oligopol)
- Empirische Untersuchung der Tarifgestaltung im Car-Sharing-Sektor
- Wettbewerbsdynamik und Preisstrategien in urbanen Märkten (Fallbeispiel Frankfurt/Main)
Auszug aus dem Buch
3.1 Zweiteilige Tarife im Monopol
In seiner Analyse unterscheidet OI die Fälle homogener und heterogener Nachfrage. Je nach umgesetztem Grad der Preisdifferenzierung ergeben sich unterschiedliche optimale Strategien.
Im Falle homogener Nachfrage realisieren die Kunden bei einteiliger Preissetzung Konsumentenrente. Diese kann ein vollständig preisdifferenzierender Monopolist über einen zweiteiligen Tarif abschöpfen, in dem er einen nutzungsabhängigen Preis in Höhe seiner Grenzkosten berechnet und die Grundgebühr der Konsumentenrente gleichsetzt.
Auch bei heterogener Nachfrage und Preisdifferenzierung ersten Grades wäre der optimale nutzungsabhängige Preis gleich den Grenzkosten. Allerdings müsste jeder Nachfrager eine unterschiedliche Grundgebühr in Höhe der jeweiligen individuellen Konsumentenrente bezahlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die ökonomische Relevanz zweiteiliger Tarife und führt das Car-Sharing als zentrales Anwendungsbeispiel zur Untersuchung von Gewinnmaximierungsstrategien ein.
2. Zweiteilige Tarife als Form der Preisdiskriminierung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Preisdifferenzierung nach Pigou sowie die Ziele und Instrumente für deren Implementierung dargestellt.
3. Zweiteilige Tarife in verschiedenen Marktformen: Das Kapitel analysiert die theoretische Logik zweiteiliger Preissysteme in unterschiedlichen Wettbewerbsszenarien, vom Monopol bis zum Oligopol.
4. Zweiteilige Tarife und andere Formen der Preis differenzierung in der Praxis: Hier wird die Verbreitung von Preisdifferenzierung im Dienstleistungssektor untersucht, mit besonderem Fokus auf die Marktstruktur, Tarifgestaltung und Kooperationsformen im Car-Sharing.
5. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Anwendung zweiteiliger Tarife zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Tarifpolitik im Car-Sharing-Markt.
Schlüsselwörter
Zweiteilige Tarife, Preisdiskriminierung, Preisdifferenzierung, Gewinnmaximierung, Car-Sharing, Dienstleistungssektor, Wettbewerbsmärkte, Oligopol, Konsumentenrente, Nachfrageintensität, Tarifstruktur, Mobilitätsdienstleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomische Wirkungsweise zweiteiliger Tarife (bestehend aus Grundgebühr und variablem Preis) als Instrument der Preisgestaltung und deren Anwendung in verschiedenen Wettbewerbssituationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Preistheorie der Preisdifferenzierung, der Modellierung von Marktformen sowie der empirischen Analyse der Tariflandschaft in der deutschen Car-Sharing-Branche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, unter welchen Bedingungen Unternehmen zweiteilige Tarife in wettbewerblichen Märkten erfolgreich zur Gewinnmaximierung einsetzen können, anstatt sie nur als reguliertes Instrument im Monopol zu betrachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse ökonomischer Modelle (z.B. von Oi, Hayes, Harrison/Kline) sowie auf eine deskriptive Analyse realer Tarifstrukturen und Daten aus der Car-Sharing-Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Tariflogik in verschiedenen Marktformen (Monopol, vollständige Konkurrenz, Oligopol) und eine praktische Untersuchung der Car-Sharing-Branche hinsichtlich Marktveränderungen und Preismodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen zweiteilige Tarife, Preisdifferenzierung, Gewinnmaximierung, Car-Sharing und die ökonomische Modellierung von Wettbewerbsmärkten.
Welche Besonderheit weist der Car-Sharing-Markt in Frankfurt/Main auf?
Frankfurt/Main stellt eine seltene Situation im Car-Sharing dar, da dort zwei gleich starke Anbieter konkurrieren, was den Wettbewerbsdruck und die Anwendung differenzierter Tarifmodelle verdeutlicht.
Wie wirken sich Dienstleistungsmerkmale auf die Preisgestaltung aus?
Merkmale wie Verderblichkeit und das wahrgenommene Kaufrisiko fördern die Anwendung von Preisdifferenzierung, da sie dem Anbieter helfen, Kapazitäten besser auszulasten und Konsumentenrente abzuschöpfen.
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- Simon Grohe (Author), 2003, Zweiteilige Tarife auf Wettbewerbsmärkten - Eine Analyse am Beispiel des Car-Sharing-Marktes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19390