Zu den Unterschieden bei der Bildung der Kinder aufgrund unterschiedlicher Herkunft - Das MOVE-Projekt

Ein Projekt, zur Nachahmung empfohlen


Hausarbeit, 2005

16 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Entstehungsphase von MOVE

3. Adressaten des Projektes

4. Zuweisungsverfahren und konzeptionelle Veränderungen

5. Umsetzung des Projektauftrags

(Schwerpunkte: Beratungsgespräche und Begleitung)

6. Hindernisse bei der Umsetzung des Projektauftrages

7. Perspektiven

1. Einleitung

Mit den Schwierigkeiten auf dem Lehrstellenmarkt nimmt auch die Unterschiedlichkeit zwischen den Jugendlichen, was ihre Bildungs- und Qualifizierungssituation betrifft, zu. Dabei zählen nicht nur der erreichte Schulabschluss, die Schulnoten und die regionale Arbeitsmarktlage zu den zentralen Faktoren, welche die Zugangschancen zu einer beruflichen Ausbildung beeinflussen. Auch andere Aspekte, wie z.B. der Familien- und ein möglicher Migrationshintergrund, spielen eine entscheidende Rolle. Der seit Jahren angespannte Ausbildungsstellenmarkt hat gerade für Jugendliche mit ausländischer Staatsangehörigkeit bedeutende Konsequenzen. Ihre Beteiligung an beruflicher Ausbildung, ohnehin auf deutlich niedrigerem Niveau als bei den deutschen Jugendlichen, ist seit Mitte der 90er Jahre permanent rückläufig.

Jugendliche mit Migrationshintergrund sind jedoch gegenüber deutschen Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche auch dann benachteiligt, wenn sie über gleiche Schulabschlüsse verfügen. So absolvieren nur 25 Prozent der nicht deutschen Jugendlichen eine duale Ausbildung, gegenüber 59 Prozent ihrer deutschen Altersgenossen. Vor 10 Jahren waren es hingegen noch 34 Prozent (vgl. Pressemitteilung Nr. 58/2006 der Pressestelle der Bundesagentur für Arbeit, 15. August 2006).

Ein Großteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, denen der Übergang in die Ausbildung nicht gelingt, weil die schulischen Voraussetzungen fehlen oder weil sie auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt diskriminiert werden, verliert die Motivation und verzichtet aus diesem Grund auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Somit bleiben die Betreffenden unqualifiziert und haben kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Um für die Situation der Migrantenkinder auch selbst Verantwortung zu übernehmen, gründete der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg e.V. (TBB) im Jahr 1999 das Jugend- und Familienberatungsprojekt „Initiative zur Berufs- und Beschäftigungsmotivierung“ (IBB) Schließlich geht der TBB davon aus, dass Menschen mit Migrationshintergrund zu einem integralen Bestandteil der bundessdeutschen Gesellschaft geworden sind, die schulisch, beruflich, politisch und sozial gleich gestellt werden müssten.

Daher ist der Dachverband bestrebt, gemeinsam mit den Organisationen anderer ethnischer Minderheiten für ein gleichberechtigtes Miteinander Mehrheiten zu gewinnen. Er bietet – zurzeit in fünf Projekten – den Menschen aus der Türkei und anderen Migranten Beratung und Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Probleme, bei sozialen und rechtlichen Fragen sowie bei der schulischen und beruflichen Bildung.

Das Projekt MOVE („Motivieren und Vermitteln“) ist eines der fünf Projekte, welches ich im vorangegangenen Bericht vorgestellt habe. Dieses Mal möchte ich darauf eingehen, wie es zu dem Projekt MOVE kam und einen Teil der prozessualen Aspekte darstellen, die bei der Umsetzung des Projektauftrages (nämlich die Jugendlichen individuell auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten, die dauerhafte Integration zu erzielen und sie in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt zu vermitteln) eine wesentliche Rolle spielen.

2. Die Entstehungsphase von MOVE

Wie im ersten Bericht bereits dargestellt, ist MOVE ein Verbundprojekt in Kooperation mit den Jugendämtern und den Job-Centern der Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln sowie der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen.

Nach fünfjähriger, erfolgreicher Arbeit wurde das Vorgängerprojekt IBB mit der Begründung, reine Beratungsangebote seien mit der neuen Regelung Hartz IV nicht mehr zu finanzieren, nicht verlängert. Es kam aber noch nicht zu einer endgültigen Absage des eingereichten Verlängerungsantrages. Während nämlich der Vorstand mit den Zuwendungsgebern über eine mögliche Verlängerung des Beratungsangebotes weiterverhandelte, beschloss das Team, das Projekt IBB nicht so leicht aufzugeben. So haben wir zweieinhalb Monate lang das Beratungsangebot ehrenamtlich aufrechterhalten. Erst Mitte März kam es zu einem Endergebnis. Der TBB konnte ab 01. April 2005 mit dem neuen Projekt MOVE beginnen.

Ich war damals als einzige aus dem Team gegen das neue Konzept. Ich war fest der Meinung, dass wir zwar in der Beratungstätigkeit eine gute Arbeit geleistet hatten, aber nicht in der Lage wären, eine Aktivierungshilfe zu bewältigen (noch dazu bei Jugendlichen, die unfreiwillig dem Projekt zugewiesen werden). Dennoch habe ich mich für die Mitarbeit in diesem neuen Projekt entschieden. Ich war für die inhaltliche Umsetzung des Projekts zuständig und mich sollte ein Leiter für ca. zehn Wochenstunden begleiten. Dieses Konzept stellte sich allerdings später als eher störend denn hilfreich heraus. Der Mann hatte aufgrund der begrenzten Zeit nicht die Möglichkeit, sämtliche alltäglichen Schwierigkeiten im Projektablauf richtig einzuschätzen, die schlichtweg mit den Gegebenheiten dort zu tun hatten; er traf falsche Entscheidungen, die eben nur darauf beruhten, was er momentan hörte oder sah, was weitere Probleme mit sich brachte. So wurde die doppelte Besetzung der Leitung im zweiten Projektjahr eingestellt.

Nach langen Gesprächen und Überlegungen wurde für das Team durch einen Bildungsträger ein Schnellkurs im Bereich der Feststellung von fachlichen und sozialen Kompetenzen und über Zertifizierung angeboten. Zu der Zeit hatten wir weder für den Unterricht noch für das Personal die notwendigen Räumlichkeiten. Uns allen fehlte es an Erfahrung. Wir mussten uns auch um das Unterrichtsmaterial und um andere Gegenstände wie Tische, Stühle oder Computer selbst kümmern. Kurz gefasst – wir hatten zwar eine ungefähre Vorstellung davon, was uns erwartete, aber nicht wie, wo und mit wem diese umzusetzen wäre.

So wurden in der Kürze der Zeit schnell die Räumlichkeiten in der Obentrautstraße in Berlin-Kreuzberg gefunden und bezogen. Über die Schwierigkeiten, die im Haus, vielmehr mit dem Verwalter des Hauses auftraten, habe ich mehrmals berichtet. Auch wenn ich heute weiß, dass diese Entscheidung damals falsch war (für eine annähernd richtige Entscheidung war ja keine Zeit), mit dem Projekt und mit der Zielgruppe dort einzuziehen, so weiß ich aber auch, dass unsere Jugendlichen für die Kündigung des Mietvertrages (MOVE musste leider am 01. April dieses Jahres dort ausziehen) eigentlich keinen nicht wieder gut zu machenden Grund geliefert haben.

Die ersten Teilnehmer wurden am 24.04.05 dem Projekt zugewiesen. MOVE sollte 60 Teilnehmern einen Platz anbieten. Es kam aber niemals dazu, dass die Zuwendungsgeber alle Plätze belegen konnten. Die Begründung war, es gebe mehrere Aktivierungshilfen und andere Angebote im Bezirk. Eine Kollegin kündigte, bevor die ersten Teilnehmer zum Projekt kamen, zwei weitere Kollegen nach drei bzw. nach sieben Monaten. Innerhalb von knapp zwei Jahren musste sich der Vorstand von drei weiteren Mitarbeitern trennen. Diese überhaupt nicht optimalen Zustände und die Schwierigkeiten, die die Teilnehmer aufgrund ihrer bisherigen Biografie mitbrachten, führten bis Ende 2006 zu mehrfachem Personalwechsel. Dies wiederum hatte natürlich zur Folge, dass wir keine funktionierende Gemeinschaft bilden konnten und ich im Laufe dieser zwei Jahre zusätzlich immer noch mit der Einarbeitung der neuen KollegInnen beschäftigt war.

3. Adressaten des Projektes

MOVE ist eine Aktivierungshilfe und richtet sich mit seinen Angeboten an arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, die ALG II beziehen.

Der bisherige schulische und berufliche Werdegang der meisten MOVE zugewiesenen Jugendlichen ist von Schul-, Maßnahme- und Ausbildungsabbrüchen geprägt. Viele von ihnen haben die allgemeinbildende Schule vor mehreren Jahren verlassen. Wenngleich sich unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch einige Realschulabsolventen oder Jugendliche mit abgeschlossener Berufsausbildung (zumeist in überbetrieblicher Form) befinden, verfügen die meisten jedoch lediglich über geringere oder keine Schulabschlüsse, zum Teil haben sie auch eine sonderpädagogische Schulbildung hinter sich. Auch wenn auf den ersten Blick die Teilnehmer ähnliche Biografien haben, bringen sie doch alle sehr unterschiedliche schulische, berufliche und persönliche Erfahrungen mit. Um jedem von ihnen gerecht werden zu können, müssen die MitarbeiterInnen sehr genau hinschauen. Dies erfordert viel Kraft, Zeit, persönliches Engagement und Respekt vor der Situation des Einzelnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zu den Unterschieden bei der Bildung der Kinder aufgrund unterschiedlicher Herkunft - Das MOVE-Projekt
Untertitel
Ein Projekt, zur Nachahmung empfohlen
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Sociology)
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V193945
ISBN (eBook)
9783656214274
ISBN (Buch)
9783656218128
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Something that must be done more often, an example of social aid
Schlagworte
unterschieden, bildung, kinder, herkunft, move-projekt, projekt, nachahmung
Arbeit zitieren
Christian Winkelmann (Autor), 2005, Zu den Unterschieden bei der Bildung der Kinder aufgrund unterschiedlicher Herkunft - Das MOVE-Projekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193945

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