Seit Jahren sinken, trotz steigender Umsätze, die Margen im Projektgeschäft unterschiedlicher Branchen wie dem Anlagenbau oder dem Baugewerbe, was nicht zuletzt auf den Wettbewerbsdruck und die steigende Transparenz der internationalen Märkte zurückzuführen ist. Durch diesen evolutionären Prozess der Wirtschaft gewinnt die Preiskomponente zunehmend an Bedeutung und veranlasst Auftragnehmer ihre Kalkulationen ohne ausreichende Sicherheitszuschläge auszuführen, da sie unter Berücksichtigung selbiger bereits frühzeitig den ausländischen Wettbewerbern unterliegen würden. Die schwindenden Margen bei gleichzeitigem Anstieg der Komplexität und technischen Anforderungen bei zu realisierenden Projekten transferieren ein nicht zu vernachlässigendes Risiko in das Tagesgeschäft der Auftragnehmer und gefährden oftmals die Wirtschaftlichkeit von großen Projekten.3 Die Gefährdung von komplexen Projekten fußt unter den gegebenen Umständen regelmäßig auf Änderungen und Abweichungen im Projektverlauf, die vielfach nicht vor Beginn des Leistungserstellungsprozesses vertraglich geregelt werden können. Die Veränderlichkeit der Leistungsinhalte ergibt sich, unter dem Gesichtspunkt der meist langfristigen Realisierungsphasen, aus technischen Neuerungen, Planungsfehlern und Änderungen in den Kundenwünschen. Untersuchungen im internationalen Anlagengeschäft ergeben, dass bei größeren Anlagenprojekten Änderungen und Abweichungen im Wert von 20-25% des Auftragswertes entstehen können. Diese Dimensionen sollen Anlass genug sein, dem Vertragspartner gegenüber Kostenerstattungen geltend zu machen und darüber hinaus weitere Gewinnpotenziale durch Nachforderungen auszuschöpfen. ...
Um das Thema Claim Management zu erschließen, werden zunächst wichtige Grundlagen und Problematiken, wie Gegenstand und Ursachen, skizziert sowie Wege zur Vermeidung von Claims aufgezeigt. Im Anschluss sollen die Voraussetzungen für ein effektives Claim
Management diskutiert werden und das zentrale Instrument des Claim Managements, der Claim Prozess, detailliert dargestellt und durch mögliche Strategien ergänzt werden....
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung und Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung und Struktur der Arbeit
2 Grundlagen und Definitionen
2.1 Projektmanagement
2.2 Projekt Controlling
2.3 Vertragsmanagement
2.4 Claim Management
3 Claim Management: Ursprung, Inhalt und Durchführung
3.1 Ursprung
3.2 Claims – Ihre Erscheinungsformen
3.2.1 Gegenstand
3.2.2 Richtung
3.3 Ursachen und Vermeidung von Claims
3.3.1 Ursachen
3.3.2 Vermeidung
3.4 Voraussetzungen für ein effektives Claim Management
3.4.1 Claim Manager
3.4.2 Vertrag
3.4.3 Schnittstellen und Verantwortliche
3.4.4 Dokumentation
3.4.5 Änderungsmanagement
3.4.6 Prozesse
3.5 Claim Prozess: Operatives Claim Management
3.5.1 Problemerkennung
3.5.2 Dokumentation
3.5.3 Lagebeurteilung
3.5.4 Ausarbeitung und Bewertung
3.5.5 Realisierung und Erfolgskontrolle
3.6 Claim Strategie
4 Reflexion: Claim Management im Projektverlauf
4.1 Potenzieller Verlauf eines Projektes
4.2 Akquisationsphase
4.3 Angebots- Verhandlungs- und Vertragsgestaltungsphase
4.3.1 Problemfelder
4.3.2 Claimpotenziale
4.3.3 Präventives Claim Management
4.4 Realisierungsphase
4.4.1 Problemfelder
4.4.2 Claimpotenziale
4.4.3 Präventives und aktives Claim Management
4.5 Abschlussphase
4.5.1 Problemfelder
4.5.2 Claimpotenziale
4.5.3 Aktives Claim Management
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle des Claim Managements im Projektverlauf, um ein dediziertes Bild von dessen Funktion, Möglichkeiten und Potenzialen zur Ertragssicherung in Projekten zu vermitteln.
- Grundlagen des Claim Managements und dessen Einordnung in das Projektmanagement
- Analyse von Ursachen für Claims sowie deren präventive Vermeidung
- Detaillierte Darstellung des operativen Claim-Prozesses
- Strategische Reflexion des Claim Managements über verschiedene Projektphasen hinweg
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Problemerkennung
Der Prozess startet mit dem Erkennen und Melden etwaiger Probleme, was bei allen projektbeteiligten Mitarbeitern ein vorhandenes Claim Bewusstsein voraussetzt, um Probleme und Abweichungen auch als solche erkennen zu können. Nicht weniger wichtig wird hier die Fähigkeit verstanden, die Informationen effizient an die Entscheidungsträger weiterleiten zu können, welche durch das Schaffen von klaren Ablaufprozeduren im Projektalltag noch unterstützt werden sollte. „Weitere Ansatzpunkte erhält der Claim Manager oder Projektleiter auch über das Projektcontrolling, das regelmäßig einen Soll-Ist-Vergleich durchführt“ oder aber durch regelmäßige Meetings, in denen das allgemeine Projektgeschehen und potenzielle Claims besprochen werden. Gemeldete Probleme und Änderungen werden darauf folgend in einem zu erstellenden Änderungslogbuch erfasst und kategorisiert, um während der Projektabwicklung Aufschluss über wesentliche Gesichtspunkte, wie Zeitpunkt der Änderung, Ursache und Auswirkung auf das Projekt, geben zu können. Stellt sich hingegen eine Änderung als eine Change Order heraus, wird diese ebenfalls dokumentiert und dem Kunden als Auftragsänderung bestätigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der sinkenden Margen im Projektgeschäft und die daraus resultierende Notwendigkeit eines systematischen Claim Managements.
2. Grundlagen und Definitionen: Erläuterung relevanter Begriffe wie Projektmanagement, Projektcontrolling, Vertragsmanagement und Claim Management.
3. Claim Management: Ursprung, Inhalt und Durchführung: Historischer Rückblick, Kategorisierung von Claims sowie Voraussetzungen und operative Prozesse des Claim Managements.
4. Reflexion: Claim Management im Projektverlauf: Detaillierte Analyse des Claim Managements in den Phasen Akquisition, Angebot, Realisierung und Abschluss.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Rolle des Claim Managements und Ausblick auf die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, projektbegleitenden Strategie.
Schlüsselwörter
Claim Management, Projektmanagement, Projektcontrolling, Vertragsmanagement, Nachtragsmanagement, Claim-Prozess, Projektverlauf, Risikomanagement, Claimpotenzial, Auftragsabwicklung, Change Order, Leistungsabweichungen, Claim-Strategie, Ertragssicherung, Projekterfolg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Steuerung von Forderungen und Gegenforderungen (Claims) in Projekten, um bei sinkenden Margen wirtschaftliche Erfolge zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Claim-Typen, die organisatorischen Voraussetzungen, den operativen Prozess der Claim-Abwicklung sowie die Strategiewahl im Projektverlauf.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Rolle und Funktion des Claim Managements in komplexen Projekten zu untersuchen und den Wert effizienter Claim-Prozesse zur Ertragssicherung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um Grundlagen, Definitionen und Best-Practice-Ansätze zu erarbeiten und diese kritisch auf verschiedene Projektphasen zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Claim Managements, den operativen Prozessablauf (Erkennung bis Realisierung) sowie eine phasenbezogene Reflexion von der Akquise bis zum Projektabschluss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Claim Management, Projektcontrolling, Vertragsgestaltung, Leistungsabweichungen und Nachtragsmanagement charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das Änderungsmanagement für Claims?
Das Änderungsmanagement ist als Bestandteil des Projektcontrollings essenziell, um Änderungen frühzeitig zu registrieren, zu bewerten und vertraglich abzusichern, bevor sie zu unkontrollierten Risiken werden.
Warum wird im Fazit zwischen defensiven und offensiven Strategien differenziert?
Die Differenzierung zeigt, dass die gewählte Strategie das Kundenverhältnis massiv beeinflusst: Während defensive Strategien auf Schadensbegrenzung und Partnerschaft setzen, zielen offensive Strategien auf die Maximierung des wirtschaftlichen Ergebnisses ab.
- Arbeit zitieren
- Martin Wölzmüller (Autor:in), 2012, Claim Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193958