Die Bedeutung der Wheelus Air Base für die USA unter der Regierung Johnson


Seminararbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1
T. Schlipfinger (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1| Libyen nach dem zweiten Weltkrieg
Die USA in Libyen
Das Geschäft mit dem Öl

2| Bedeutung der Basis
Die Bedeutung für die USA
Die Bedeutung für Libyen

3| Verhandlungen
Beginn der libyschen Forderungen
Gründe für die Verhandlungsbereitschaft der beiden Regierungen
Der Ablauf der Verhandlungen

4| Ausblick

Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

Einleitung

Das Hauptthema der US-Außenpolitik unter US-Präsident Lyndon B. Johnsons in Libyen war die Thematik rund um die Basenrechte der Wheelus Air Base. Und um genau diese geht es auch in dieser Arbeit. Arabisch-Nationale Kräfte im In- und Umland wollten die Basis wieder fest in libyscher Hand sehen, allen voran der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser. Und so begann die libysche Regierung unter König Idris I. bereits zu Beginn von Johnsons Amtszeit, den Abzug der US-Amerikaner zu fordern. Kurz darauf begannen die Verhandlungen. Hierbei stellt sich natürlich die Frage, wie ernsthaft diese in den ersten beiden Jahren von Johnsons Amtszeit geführt wurden, da ja beide, Idris I. und die USA Vorteile aus dieser Zusammenarbeit zogen. Meine These hierzu ist, dass es den USA überhaupt erst durch eine Hinhaltetaktik im ersten Verhandlungsjahr, unterstützt durch ein doppeltes Spiel des Königs, ermöglicht wurde, die Basenrechte bis 1970 aufrechtzuerhalten. Diese These werde ich primär mit Auszügen aus den Dokumenten des amerikanischen Außenministeriums belegen.

Meine Arbeit gliedert sich dabei in vier Teile. Zu Beginn werde ich kurz darauf eingehen, wie die USA 1954 überhaupt zu den Basenrechten gekommen sind und was damals genau ausgehandelt wurde. Dies ist insofern wichtig, als die ursprünglich ausgehandelten Modalitäten eine große Bedeutung für die späteren Verhandlungen hatten. Dann gehe ich noch kurz auf die Ölfunde ein, da sie mit ein Grund für die Amerikaner waren, Libyen keinesfalls verlassen zu wollen. Im zweiten Teil werde ich die Hauptaufgaben der Basis ab 1964 bis 1969 für die Vereinigten Staaten sowie für Libyen bzw. König Idris I. erläutern und dabei erklären, warum die Basis für beide Parteien so unentbehrlich war. Im dritten Teil geht es um das Kernthema der Arbeit – den Forderungen nach einem Abzug der USA und dann den anschließenden Verhandlungen zwischen 1964 und 1965. Dabei werde ich auf die Probleme, die diese erschwerten, eingehen, sowie auf die Motive der einzelnen Verhandlungspartner. Einen Schwerpunkt werden auch die Verhandlungstaktiken darstellen – sie sind es, die meine These untermauern. Im Anschluss daran gebe ich einen kurzen Ausblick auf die Ereignisse nach 1965 bis hin zum Verlust der Basenrechte.

Da sich die Arbeit im Wesentlichen auf Dokumente des amerikanischen Außenministeriums stützt (ergänzt durch ausgewählte Sekundärliteratur), ist es hierbei noch wichtig zu erwähnen, dass das zum Großteil aus amerikanischer Sicht geschieht.

1| Libyen nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg sah die Zukunft für Libyen nicht sehr positiv aus. Wirtschaftlich stand das Land am Rande des Abgrunds und im Land befanden sich gleich mehrere fremde Mächte. Man versuchte sich also zu arrangieren und bot den westlichen Nationen – allen voran den Vereinigten Staaten sowie Großbritannien – Basenrechte an, im Gegenzug verlangte Libyen Entwicklungshilfe. So wurde 1953 mit den Briten ein groß angelegtes Freundschaftsabkommen beschlossen. Das rief dann allerdings arabischen Widerstand hervor, daher trat Libyen im gleichen Jahr in die Liga der arabischen Staaten ein um auch hier Loyalität zu beweisen. Dieser Konflikt zwischen der Zuwendung an den Westen und den arabischen Nachbarstaaten (nicht der Sowjetunion!) sollte sich dabei durch die folgenden Dekaden ziehen[1].

Die USA in Libyen

Ein Jahr später – 1954 – stieß Libyen den arabischen Nationalisten nochmals, diesmal sogar noch heftiger, vor den Kopf. Ein Abkommen mit den US-Amerikanern von 1951 wurde neu verhandelt und ausgebaut: gegen hohe Entwicklungshilfe sollten die USA Basenrechte für die bereits seit dem zweiten Weltkrieg besetzte Militärbasis Wheelus bis Ende 1971 oder eventuell darüber hinaus, bis einer der beiden Parteien den Vertrag kündigte, erhalten.[2] Dabei wollten die USA ursprünglich ihre Entwicklungshilfe nicht an die Basenrechte knüpfen, hauptsächlich, damit das den anderen Nationen, die den USA Basen zur Verfügung stellten, nicht als Beispiel dienen konnte. Es wurde allerdings schnell klar, dass diese zwei Punkte nicht zu trennen waren, vor allem weil die Basenrechte aus libyscher Sicht „verkauft“ wurden.[3] Die Schutzfunktion vor Nachbarstaaten (allen voran Ägypten) welche die amerikanische Anwesenheit alles andere als erfreut hinnahmen, war dann allerdings kein Faktor mehr, der die Verhandlungen zugunsten der USA beeinflusste.

Hier wurde also bereits der Grundstein für Konflikte gelegt, die bis Ende der 1960er andauern sollten. Libyen hatte allerdings wenig Alternativen, die wirtschaftliche Lage auf eine andere Weise zu verbessern – der Ölboom hatte noch nicht eingesetzt und so war Wheelus bis dahin die größte einzelne Arbeitsplatz- und Einkommensquelle Libyens.[4] Hierbei ist es auch wichtig zu erwähnen, dass Libyen sich nie der Sowjetunion zuwandte, im Gegenteil: ein Angebot für Entwicklungshilfe wurde Anfang der 1950er sogar ausgeschlagen. Wohl mit ein Grund für diese Ablehnung war die libysche Angst vor dem Kommunismus, der als Gefahr für den arabischen Nationalismus und generell für die islamische Tradition gesehen wurde.[5] Diplomatische Beziehungen begann man erst 1955 um einerseits nicht als Schoßhund des Westens dazustehen und um andererseits aus den Vereinigten Staaten mehr Entwicklungshilfe heraus zu pressen.[6] Die größte „Gefahr“ aus Sicht der USA, wenn diese sie auch nicht gleich erkannte, war dabei immer schon der arabische Nationalismus. Erst Anfang der 1960er passten die USA ihre Politik dementsprechend an.[7]

Das Geschäft mit dem Öl

Auch der Boom des Ölgeschäfts Mitte der 1950er Jahre änderte nichts am Geldfluss aus den USA. So kamen 1957 zum Beispiel 38,32 Millionen US-Dollar als Entwicklungshilfe und 43,4 Millionen US-Dollar durch das Ölgeschäft in das Land. Grund dafür war zum einen die Doktrin des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower – er hielt noch immer an der Sowjetunion als größter Gefahr fest und unterstützte pro-westliche Regime schon aus Prinzip. Trotzdem darf der Faktor Öl nicht unterschätzt werden. Mit einem Schlag war Libyen nicht mehr nur politisch, sondern auch ökonomisch interessant und das ließ man sich einiges kosten.[8]

Libyen hätte also zu Beginn der 1960er Jahre die besten Vorraussetzungen für eine positive staatliche Entwicklung gehabt. Finanziell war die Zukunft gesichert und militärisch genoss man die Rückendeckung der USA sowie Großbritanniens. Bald wurde allerdings die Kehrseite der Medaille sichtbar: die starke Hinwendung zum Westen stachelte Nationalisten an und dass das erwirtschaftete Geld zu einem großen Teil in der Oberschicht blieb und dort zu einem Ausbreiten der Korruption führte, half wenig um diese Entwicklung einzudämmen.[9] So waren bereits zu Beginn der Dekade viele Chancen verspielt und der Nährboden für eine Entwicklung gelegt, die Ende der 1960er zum Sturz des Regimes und zur totalen Abkehr vom Westen führen sollte.

2| Bedeutung der Basis

Um die Handlungsweise sowohl der Vereinigten Staaten als auch Libyens voll begreifen zu können, ist es weiters wichtig, die Bedeutung der Basis für alle Beteiligten zu kennen. Worin lag der Sinn von Wheelus für die USA, was versprachen sich der libysche Premierminister Mahmud al-Muntasir und König Idris I. davon und was genau hatte das libysche Volk – angestachelt von Nasser – daran auszusetzen? Darum soll es in diesem Kapitel gehen.

Die Bedeutung für die USA

Die Vereinigten Staaten zogen den größten Nutzen aus der Basis, ohne irgendeine Form von Nachteilen erdulden zu müssen. Zum einen nutzte die Air Force Wheelus als Trainingsstätte. Sämtliche Piloten, die dem europäischen Bereich zugeteilt waren, wurden hier trainiert. Einer der größten Vorteile der Basis war nämlich, dass sie das ganze Jahr über mit gutem Wetter aufwarten konnte.[10] Dann sprachen natürlich auch noch die vorhandenen Schieß- und Bombenplätze und die generelle Größe der Basis für Wheelus. Außerdem waren zu jeder Zeit ungefähr einhundert Jäger und Abfangjäger für Trainingseinsätze im „Weapons Training Center“ stationiert. Solange also noch kampfbereite Kräfte der Air Force in Europa stationiert waren, war die Basis unabdingbar.[11]

Ein weiterer Grund für die Vereinigten Staaten, die Basis nicht aufzugeben, war ihre Rolle in diversen Schlachtplänen. Ihr Standort machte sie zu einem essentiellen Faktor in über fünfzig Plänen, die den Mittleren Osten, Nord- und Südafrika sowie das Gebiet um den Indischen Ozean betrafen. Für all diese Pläne müssten im Falle eines Abzuges der US-amerikanischen Truppen Alternativen gefunden werden – falls es solche überhaupt gab.[12] Auch die generelle Rolle der Basis im Kalten Krieg war von signifikanter Bedeutung. So war sie zum Beispiel ein bedeutender Faktor während der Kongo Krise.

Ihre immense strategische Rolle errechnete sich allerdings auch noch durch das Hinzukommen anderer Größen: die USA hatte ähnliche Basen in Afrika bereits aufgegeben. Wheelus war daher die einzige ihrer Art und Größenordnung auf dem Kontinent. Das, kombiniert mit der hohen Wahrscheinlichkeit von Krisen in dieser Gegend, steigerte ihre Bedeutung nur noch. Hinzu kam weiters, dass ein vorzeitiger Abzug anderen Ländern außerhalb Afrikas mit ähnlichen Basen als Motivation dienen konnte, ebenfalls Neuverhandlungen zu fordern. Und das wollten die Vereinigten Staaten unbedingt vermeiden.[13]

[...]


[1] John Wright, Libya. A Modern History, London 1982, S. 83.

[2] Ronald Bruce St John, Libya and the United States. Two Centuries of Strife, Philadelphia 2002, S. 69.

[3] ebd., S. 63.

[4] Wright, Libya, S. 84.

[5] Wright, Libya, S. 94.

[6] St John, Libya, S. 71.

[7] St John, Libya, S. 77.

[8] Wright, Libya, S. 88.

[9] ebd., S. 89.

[10] 48, Memorandum From the Joint Chiefs of Staff to Secretary of Defense McNamara, Washington, 25.03.1964, in: Foreign Relations of the United States, vol. XXIV, [http://www.state.gov/www/about_state/history/vol_xxiv/e.html], eingesehen 28.02.2010.

[11] ebd.

[12] ebd.

[13] 48, Memorandum, eingesehen 28.02.2010.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Wheelus Air Base für die USA unter der Regierung Johnson
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Geschichte)
Veranstaltung
Zeitgeschichte
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V193966
ISBN (eBook)
9783656189893
ISBN (Buch)
9783656192114
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wheelus Air Base Kalter Krieg Libyen Johnson, wheelus, air, base, kalter, krieg, cold, war, libyen, johnson, usa, history, geschichte
Arbeit zitieren
T. Schlipfinger (Autor), 2010, Die Bedeutung der Wheelus Air Base für die USA unter der Regierung Johnson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193966

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